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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-23 · Heft 4 (23.1.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 4 (23.1.1903)
Date
1903-01-23
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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Brüll über „Die Stellung des Judentums zum"Christentuni"; in München Professor Dr. S. Günther über „Palästina"; in Würzburg Dr. Goi tei n-Burgkunstadt über „Fürstengunst und jüdische Wissenschaft"; in Kaiserslautern Frl. Dr. Samter-Berlin über „Die Berliner Salons"; in Speyer Dr. Salfeld-Mainz über „Worms. Mainz und Speyer, die führenden Gemeinden im Mittelalter"; Dr. Seligmann-Frankfurt a. M. über den „Dramatischen Höhepunkt in der Geschichte des Judentums"; in Heilbronn Rechtsanwalt Dr. Gumbel II über „Werther, der Jude von Jacobowski"; in Metz Geh. Rat Professor Dr. Cohen über „Die Glaubens- und Sittenlehre des Judentums". Neue Literaturvereine wurden gegründet in Obersitzko und Recklinghausen, wo Dr. Marx den ersten Vortrag über Lessings Nathan hielt. Auch im Aus lande fängt die Bewegung an, Wurzel zu fassen. In Winterthur wurde ein Literaturverein begründet; in Zürich hält Rabbiner Dr. Littmann Vorträge. Ebenso wurde in Oesterreich, und zwar in Mährifch-Sch ö nberg, durch Rabbiner Dr. Proßnitz ein Literaturverein begründet. Den ersten Vortrag hielt Dr. Oppen h eim-Olmütz über das Thema: „Esras Wirksamkeit, eine Mahnung für uns". 1". Berlin, 15. Januar. Der Vorsitzende Herr Hauff eröffnet die Sitzung des Kuratoriums der Pensions-, Witwen- und Waisenkasse des Verbandes der lüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche mit einem Dank an den Vorstand der jüdischen Gemeinde für die Überlassung des Sitzungslokals, begrübt die Mitglieder des Verbandsvorstandes, welche als Gäste erschienen sind, und fordert sie auf. sich ebenfalls an der Debatte zu beteiligen. Das Wort erhält Herr Direktor Dr. Adler zu seinem Referat über die aus dem Hamburger Verbandstage gefaßte Resolution betreffend die Verbandskasse. Von der Tatsache ausgehend, daß das Zustandekommen des Verbandes der jüdischen Lehrervereine verhindert worden wäre, wenn man von dem Plane, die Bezirkskassen zu vereinigen, nicht Abstand genommen hatte, legt Referent dar, daß ihm seitens der Direktoren der Grundfonds unter der Bedingung übergeben worden sei, daß eine Zentralkasse begründet werde. Sicherlich wäre es verdienstlich gewesen, wenn aus den Ueberschüsfen der Kasse alljährlich eine größere Summe zur Unterstützung der Bezirkstagen hätte verteilt werden können; und er selbst würde eine Statutenänderung darüber beantragt haben, daß ein Drittel eventuell die Hälfte der Ueberschüsse verteilt werden solle, wenn nicht bei dem gegenwärtigen Zustande der Kasse eine solche Verteilung geradezu eine Farce wäre. Die Ueberschüsse betragen zur Zeit 1300 Mark, und selbst dieser Betrag würde bei den zahlreichen Anmeldungen sicherlich noch im Laufe des gegenwärtigen Geschäftsjahres verschwinden. Darum solle man der Kasse zunächst Zeit lassen, ihre Grundfonds erheblich zu vermehren, dann würde man sich der Anregung einer Verteilung der Ueberschüsse wohlwollend gegenüberstellen. Die Vermehrung der Grundfonds werde aber geradezu verhindert durch die unwürdige Agitation, die von gewissen Seiten gegen die Kasse getrieben werde, und die es zu Wege gebracht, daß größere Summen, die der Kasse zugedacht waren, und über welche der Referent des näheren Mitteilung mochte, anderen Institutionen zugeführt worden seien. Der Referent erklärte, er würde über diese Dinge geschwiegen haben, wenn die Gegner sich auf kritische Bemerkungen im Verbandsorgan beschränkt hätten. Aber diese gingen darauf aus, in anderen Blättern die Kasse zu diskreditieren, und zwar vornehmlich in solchen, die den Lehrerinteressen nicht allzu freundlich gegenüberständen. Oder diese Angriffe erfolgten in Jahresberichten, welche dann an Stellen verbreitet würden, die geneigt gewesen wären, der Verbandskasse Mittel zuzuführen, aber durch diese Angriffe stutzig geworden wären. Diese Angriffe hätten zwar der Verbandskasse erheblichen Schaden zugesügt, aber den Bezirkskassen nicht den geringsten Nutzen gebracht. Darum sollte man vor allen Dingen von dieser Agitation ablassen, die nur dazu führen könne, dem Ansehen des Lehrerstandes in weiten Kreisen des Publikums zu schaden. Daneben wurden aber auch ungewisse Anschuldigungen gegen die Kasse erhoben. Die Gegner gingen von dem Gedanken aus, daß das Bestehen der Verbandskasse die einzelnen Bezirkskassen schädige, indem es die Lehrer von dem Eintritt in die Bezirkskassen zurückhalte. Das gerade Gegenteil sei der Fall. Das Kuratorium lasse sich voll dem Wunsche leiten, daß jedes Mitglied der Verbandskasse zugleich der betreffenden Bezirtskasse angehören solle, es sei also eine Schädigung weder beabsichtigt noch tatsächlich eingetreten. Wenn die Uuterstühuugskaffen in den letzten Jahren an! Spenden weniger erzielt hatten als früher, so läge dies an der allgemeinen wirtschaftlichen Depression, unter der wir zu leiden hätten, und die in erster Linie die Wohltätigkeitsinstitutionen treffe. Den Lehrern müsse aber der Beitritt zur Kasse dadurch erleichtert werden, daß man die Gemeinden verpflichte, ihren Lehrer zu versichern. Lebhafter Beifall und Dank lohnte den Referenten für seine ausführlichen und klaren Darlegungen. In der Debatte hebt Herr Lustig hervor, daß man die Kasse mißgünstig beurteile, ohne ihre Leistungen zu würdigen. Man müsse doch vor allen Dingen der Kasse einige Jahre Zeit lassen, sich zu entwickeln, sie würde mehr leisten als die Kossen, die bisher der Versorgung der Lehrer gedient hätten. Herr- Stein hard t fragt den Referenten an, wie es sich mit dem Briese verhalte. auf den gestützt Herr Peritz auf dem Hamburger Verbandstage erklärt habe, daß Herrn Dr. Adlers Anschauungen sich mit den seinigen deckten. Der Referent erwidert daraus, es sei ein Fehler gewesen, daß man damals nicht die Verlesung des ganzen Briefes verlangt habe, dann würde sich gezeigt haben, daß der Schreiber nur in dem Falle, wenn die Kasse tatsächlich nichts leisten könne, der Verteilung an die einzelnen Kassen freundlich gegenüberstehe. — Herr Professor Dr. Badet erklärt kurz, daß er aus seiner Kenntnis der Verhältnisse heraus überzeugt sei, daß die Kasse nicht reüssieren werde, da sie keine Mittel bekommen werde. Der Vorsitzende erwiderte, daß, wenn die Kasse nichts bekomme, was er allerdings bezweifle, die Agitation, die von den Gegnern gegen die Kasse entfaltet worden sei. den größten Teil der Schuld daran trage; so sei besonders das Verfahren der Unterstützuugskasse für Schlesien und Posen zu verurteilen, die das Begleitwort zu ihrem 20. Jahresbericht zu unbegründeten Vorwürfen gegen die Verbandskasse gemißbraucht habe. — Man war schließlich der Meinung, es sei notwendig, die Lehrer zu ermahnen, daß sie, soweit es in ihren Kräften stehe, auf das Gedeihen der Kasse hinwirkten, und daß sie namentlich die Lauheit und Lässigkeit in bezug auf ihre Versorgung für die Zukunft endlich ablegten und sich des großen Vorteils bewußt würden, der ihnen aus der Zugehörigkeit zu einer Lehrerkasse erwachse. — Die Debatte endete mit der einstimmigen Annahmen folgender Resolution: „In Anbetracht, daß die Mittel der Verbandskasse, die zur Zeit noch keine rechtlich bindende Verwendung gefunden haben, so gering sind, daß dadurch eine wesentliche wirtschaftliche Verbesserung für die bestehenden Kassen nicht herbeigeführt werden kann, lehnt das Kuratorium es zur Zeit ab. der auf dem Verbandstage zu Hamburg gefaßten Resolution Folge zu geben." Zugleich wurde ein von Herrn Steinhardt eingebrachte Resolution angenommen: „Das Kuratorium spricht sein Bedauern über die in verschiedenen Jahresberichten enthaltenen unberechtigten Angriffe gegen die Verbands-Pensiouskasse aus und ersucht die Lehrer dahin zu wirken, daß solche Angriffe die dem Gedeihen und Wachstum der Kasse nur hinderlich sind, in Zukunft unterlassen werden." -- Insterburg, 16. Januar. In der „Israelitischen Wochenschrift" veröffentlicht der hiesige Rabbiner Dr. M. Beermann folgende Mitteilung: Auf Grund einer Ministerialversügung wurde vor ca. zwei Jahren die Besoldung der wissenschaftlichen Hilfslehrer einheitlich geregelt und ihnen für die Wochenstunde 110 Mark pro Jahr festgesetzt. Zu der Klasse der Hilfslehrer gehören auch die Geistlichen, die an der Anstalt Religionsunterricht erteilen. Tatsächlich ist überall den katholischen Pfarrern diese Form der Honorarzahlung zu teil geworden, den Rabbinern hingegen nur an einigen Gymnasien. Ich reichte null Anfang Oktober 1901 ein Gesuch an das königliche Provinzial-Schulkollegium in Königsberg i. Pr. ein und bat, auch mir die aus der Neuordnung erwachsene Vergünstigung zu gewähren, wie sie meinem katholischen Kollegen ohne weiteres bewilligt worden sei. Daraus erhielt ich in einem Schreiben vom 9. Oktober 1901 den Bescheid, daß für den Religionsunterricht der Juden die alte Bestimmung in Kraft bleibe, wonach die Regierung lediglich eine Pauschalsubvention von 150 Mark pro Jahr leiste. Als ich darauf erfuhr, daß, wie oben bereits angedeutet, die neuen Bestimmungen auch auf einige jüdische Amtsbrnder Anwendung gefunden hätten, bat ich dieselbe Behörde um Aufklärung über diese ungleiche Behandlung. Darauf erhalte ich wörtlich folgende Antwort: „Königl. Provinzial-Schulkollegium. Königsberg i. Pr., 5. Jan. 1902. Auf die Eingabe vom 19. v. Mts. Für die Erteilung des Religionsunterrichts an die jüdischen Schüler höherer Lehranstalten haben deren Kassen, wie bereits in unserem Schreiben vom 9. Oktober 1901! Nr. 6458 8. mitgeteilt ist, nur einen Kostenbeitrag zu zahlen, während

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