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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-23 · Heft 4 (23.1.1903) · p. Seite 48

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 4 (23.1.1903)
Date
1903-01-23
Page
Seite 48 (sequence 14)
Language
German
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4S Literarische Mitteilungen. Die Versorgungskassen der jüdischen Lehrer und Kultusbeamten in Deutschland nach ihrem Stande vom 1. Januar 1902 und in ihrer Entwickelung von 1898 bis 1901 mit statistischen liebersichten und einer Ehrentafel der bedeutendsten Wohlthäter auf diesem Gebiete. Herausgegeben von Adolf Peritz, Königsberg i. Pr. — Peritz, der wackere Kämpe für eine Wssergestaltung unseres Versorgungswesens. unbestritten wohl auch der beste Kenner desselben, gibt uns in der vorliegenden Schrift eine Ergänzung seiner 1900 erschienenen „Statistischen Uebersicht der für Versorgung der jüdischen Lehrer unb Kultnsbeamten in Deutschland bestehenden Hilfs- und Unterstützungskassen" — fortgeführt bis Ende 1901. Es gehören in der Tat eine immense Arbeitskraft, eine selbstloseste Hingabe an das sich gesteckte Ziel und ein unzerstörbarer Optimismus dazu, den an sich so spröden, weil vielgestaltigen Stoff zu einem solch anschaulichen Bilde zu gruppieren. Trotz vielfacher Verkennung seines selbstlosen, einen durch und durch humanen Geist atmenden Strebend, trotz wiederholter heftiger, oft beleidigender Angriffe strebt Peritz rastlos seinem Ziele zu. „Steter Tropfen höhlet den Stein" und „Zahlen reden Worte". In der vorliegenden Schrift sendet Peritz seinen Zahlen aber auch Worte voraus, die dem unbefangenen Leser, vor allem aber dem über seine Alters- und Reliktenversorgung auch einmal nachdenkenden Lehrer und Kultnsbeamten recht viel zu denken geben. — Was will das Schriftchen? Es will, wie seine Vorgänger, „den Einheitsbestrebungen der jüdischen Lehrerschaft in Sachen ihrer Versorgung förderlich sein". Warum? „Es ist eine tiefgehende, begründete Ueberzeugung, daß das Versorgungswesen der jüdischen Lehrerschaft seine Aufgabe nur dann recht zu erfüllen vermag, wenn sich die einzelnen, tätigen Glieder derselben organisch zusammenschließen und für ihr lokal getrenntes und im einzelnen teilweise auch zweckltch geschiedenes Versorgungsstreben ein gemeinsames festes Ziel und einheitliche Versorgungsgrundsätze auf nationaler Grundlage suchen." Vier statistische Tabellen sind dem Schriftchen beigegeben: Statistische Haupttabelle. 6. Verteilung der Kassenmitglieder über Deutschland. Beteiligung der Gemeinden am Versorgungswesen der jüdischen Lehrer und Kultusbeamten. 1). Ehrentafel der Wohltäter der einzelnen Kassen in den Jahren 1899—1901. Jede dieser Tabellen erfährt in der Schrift eine kurze, aber treffende Erläuterung. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, in eine gründliche und vergleichende Besprechung der einzelnen Rubriken eiuzugehen. Sache der Eiuzelvereine, beziehungsweise der Bezirksverbände sei es nun. sich in diese Materie hineinzuarbeiten, und eine durchaus dankenswerte Aufgabe der Verbandsleitung. hier fördernd mitzuwirken. Referent möchte die Besprechung dieser Peritz'schen Arbeit zunächst als Verbandsthema Vorschlägen. Die Schrift ist im Selbstverlag des Verfassers erschienen. Kein jüdischer Lehrer sollte sich den Besitz derselben entgehen lassen und die Einzelvereine es als Ehrenpflicht betrachten, Peritz' uneigennütziges Streben auch materiell zu stützen. Ein umfangreicher allgemeiner Teil mit Nachrichten aus dem Innenleben der einzelnen Kassen und über ihren geschichtlichen Werdegang wird demnächst als besondere Ausgabe erscheinen. Wir sind aus diesen Teil, der aus diesem Gebiete wohl den ersten Versuch bedeutet, sehr gespannt. Der Stein ist nun ins Nöllen gebracht. Peritz hat das unbestrittene Verdienst, in unser Versorgungswesen, das leider oft von mannigfachen Sonderinteressen geleitet wird, kritisch hineingeleuchtet zu haben. Wir rufen ihm daher aus vollem Herzen den Wunsch zu: „Fahr' siegreich dahin für die Wahrheit und die Sanftmut des Rechts." M.-Gladbach. I. Fröhlich. Sprechfaul. Sehr geehrte Redaktion! ^kn Nummer 37 Ihres geschätzten Blattes finden sich in der Fort- EZ setzung des Aufsatzes „Nachträge zu Goethe und die Juden" zwei Erklärungen, die ich nicht unwidersprochen lassen möchte. Was zunächst den Namen „Mephistopheles" anbetrifft, so ist die Ableitung aus einem wie immer gearteten Worte auf „oles'- schon deshalb hinfällig, weil die ursprüngliche Form des Namens Mephrstophiles lautet. So nennt sich der Geist selbst in dem zu Frankfurt a. M. im Jahre 1587 erschienenen ältesten Faustbuche. Marlowe hat Mephistophilis, das deutsche Puppenspiel Mephistophles, wodurch wohl Goethe zu der Form Mephistopheles veranlaßt wurde. Unter den Deutungen des Namens erscheint am Plausibelsten diejenige, daß es ein nickt ganz richtig gebildetes griechisches Wort ist: Es müßte heißen Mlphotophilis und würde dann so viel bedeuten wie „nickt das Licht liebend". Diese Hypothese unterstützt auch die sich bei Shakespeare findende Form „Mephostophilus", wo die Endung eine einfache Lateinisirung des griechischen pbilos darsteüt. Ueber die Bedeutung des „Hexeneinmaleins" ist schon so vieles, sich diametral Entgegenstehendes geschrieben worden, daß es dem Laienpnblikum (zu dem ich mich ebenfalls zählen muß) schwer wird, sich für eine Erklärung zu entscheiden. Meiner Meinung nach suchen die meisten Erklärer viel mehr darin, als Goethe selbst gerneint hat. Solche Sätze wie: „Aus fünf und sechs, So sagt die Hex', Mach' sieben und acht. So ist's vollbracht!" dürsten nur um des Reimes willen gebildet sein und wollen nicht mehr sein als sinnloses Wortgeklingel. Andere Stellen dagegen, vor allem die Worte: m „Und Neun ist Eins" sind zweifellos als gegen die Dreieinigkeit zu fassen (da jede Person der Dreieinigkeit in sich wieder die vollkommene Dreieinigkeit darstellt, d. h. 3 X 3 — 9 — 1). Hierauf deuten auch die Worte des Mephisto: „Es war die Art zu allen Zeilen, Durch Drei und Eins und Eins und Drei Jrrthum statt Wahrheit zu verbreiten." Daß letztere Worte unzweifelhaft den angegebenen Sinn haben, geht aus einer Bemerkung Goethes gegen Eckermann hervor: aber das war den frommen Seelen nicht genug, ich sollte auch glauben, daß Drei Eins sei und Eins Drei." (Näheres hierüber vergl. Düntzer, Goethes Faust.) Diese Erklärung scheint mir doch plausibler zu sein als die kabbalistische, wenn ich auch andererseits nicht leugnen kann, daß Lvnvier an einzelnen Stellen tatsächlich Anwendung der Kabbala nachgewiesen hat. Mir ist vor allem eine Stelle im zweiten Teil im Gedächtniß geblieben (ich habe Louviers Faust-Erklärung nicht zur Hand und citiere ans der Erinnerung), die geradezu verblüffend die Richtigkeit der kabbalistischen Deutung zu zeigen scheint. Es Handel^ sich um die Stelle, wo Faust und der Kaiser den Kampf zwischen einen! Greifen und einem Adler beobachten. Der Kaiser sagt hierbei unter anderem: „. . . . in gleichem Nu Sie fahren aus einander zu." Dieser eigenthümliche Ausdruck „in gleichem Nu" wird für Louvier der Ausgangspunkt einer höchst scharfsinnigen Untersuchung. Nach seiner Behauptung wird durch den Adler Adelung, durch den Greifen Campe symbolisirt, die beide Wörterbücher der deutschen Sprache herausgegeben haben. Durch die angeführte Stelle kam er aus den Gedanken, daß der Artikel „Nn" bei beiden Gelehrten gleich sei, und that sächlich habe er festgestellt, daß Campe diesen Artikel von Adelung wörtlich abgeschrieben habe. Man muß zugeben, daß sich hiernach Louviers Erklärung vom kabbalistischen Gesichtspunkte aus nicht von der Hand weisen läßt, wenn er auch entschieden zu weit geht. Jedenfalls stimme ich darin mit Herrn Dr. Grunwald durchaus überein, daß Goethe speziell im Faust unzweifelhaft durch die Geheimwissenschast des Judentums beeinflußt worden ist. Berlin. 16. Dezember. Mit vorzüglicher Hochachtung Karl Nathanson. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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