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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-16 · Heft 3 (16.1.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 3 (16.1.1903)
Date
1903-01-16
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 aber leider gerade bei uns Juden oft zum Schaden der Unterstützten vorzeitig und in Fällen eingreifen, in denen Selbsthilfe, vorurtheilslose Arbeitslust die scheinbare Notlage überwinden könnten. Für die Jünglinge, denen solche Lehrlingsheime eine sichere Existenz schaffen wollen, braucht die Wohltätigkeit in Zukunft keine Aufwendungen zu machen. Vom 1. April 1901 bis 1. April 1902 waren in Obhut des Vereins 44 Zöglinge, davon im Lehrlingsheim 32, bei auswärtigen Meistern zehn, bei ihren Familien in Köln oder Deutz zwei. Ausgenommen wurden 17 Zöglinge, und zwar vier Schlosser, zwei Schreiner, drei Sattler, drei Schneider, ein Photograph, zwei Installateure und Klempner, ein Friseur, einer als Schüler der Maschinenbau, schule (Werkmeisterabteilung). Entlassen als Gesellen wurden sieben und zwar vier Schlosser, ein Schreiner, ein Klempner, ein Sattler, ein Zögling bestand die Prüfung als Maschinenbautechniker an der Maschinenbauschule und fand Stellung als Maschinenbautechniker in Düsseldorf. Entlassen wurden zwei Zöglinge wegen schlechten Betragens. Dem Beruf nach waren: ein Kartonnagensabrik, sechs Klempner und Installateur, sechs Sattler, vier Schneider, drei Schreiner, 15 Schlosser, ein Schriftsetzer, ein Buchdrucker, zwei Polsterer und Tapezierer, ein Photograph, ein Friseur, zwei Schüler der Maschinenbauschule, ein Schüler der Werkmeisterschule. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. med. B. Auerbach, Vorsitzender; Rechtsanwalt Ludwig Cahen. Schriftführer; Jacob Gottschalk, Kassierer; Friedrich Drucker; Rabbiner Dr. Frank; Herrn. Jonas; I. Levy jr.; Moritz Levy jr.; PH. Neckarsnlmer; Otto Rothschild; Eugen Sternberg, Leonhard Tietz; Dr. med. Jos. Wallerstein. n. Trier, 2. Januar. Es sind nun 25 Jahre verflossen, seitdem Herr A. Nußbaum als Lehrer an der hiesigen jüdischen einklassigen Volksschule tätig ist. In welcher Weise dieser Herr vermöge seines Pflichteifers, verbunden mit pädagogischem Geschick, es verstanden, sich die Dankbarkeit und Liebe seiner Schüler und deren Eltern zu erringen, beweist die Jubiläumsfeier, die man dieserhalb am Sonntag den 28. Dezember im Saale des Hotel Anker veranstaltete. Um sieben Uhr abends betrat der Jubilar mit seiner Frau Gemahlin das Festlokal, woselbst das Jubelpaar mit Pauken und Trompeten von frenetischem Jubel der Schuljugend und der Kopf an Kopf gedrängten Menge begrüßt wurde. Ein Mitglied des Festkomitees begrüßte die Erschienenen, dann bestieg der Vorsitzende des Kriegervereins ehemaliger 70er, Herr Simon Schloß, das Podium, nm in kurzgedrungener, formvollendeter Rede das Kaiserhoch auszubringen. Nachdem die Nationalhymne verklungen war, hielt im Namen der Feftteilnehmer Herr Rotschild, Stadtverordneter und Vorsitzender des Synagogenvorstandes, die Festrede. Redner hob hervor, wie Herr Nußbaum im Bewußtsein der Pflicht gegen die Kinder. Eltern, den Staat und die eigene Person sich in seiner Kulturarbeit stets aus dem rechten Wege bewegt hat Die die Liebe, mit welcher er die Aussaat in die jugendlichen Herzen gestreut, das Gedeihen schöner Menschenblüten gefördert. Und in der Tat, diese der Jugend erwiesene Liebe trägt heute dem Jubilar wahre Wucherzinsen. Nicht nur ein vollgerüttelt Maß der Verehrung, und Gegenliebe zollt man heute dem Jubilar, sondern die Verehrung nahm auch greifbare Gestalt an. Als ehemaliger Schüler nahm nun Herr Lehrer Lazarus, derzeit in Lübbecke, das Wort, um in schwungvoller. gedankentiefer Rede des geliebten Lehrers zu gedenken. „Sowohl das Fundament sittlich-religiöser Denkungsart," führte Redner aus, „haben Sie in uns gefestigt, sondern Sie haben uns auch mit Erfolg gelehrt, wie man ein guter Jude und zugleich ein Deutscher sein kann." Diese mit flammender Begeisterung vorgetragenen Worte waren ein Hymnus auf das praktisch-pädagogische Können des Jubilars. Ergriffen von den Beweisen entgegengebrachter Huldigung dankte Herr Nußbaum, anknüpfend an die Worte eines zeitgenössischen Dichters: „Daß du mich liebst, macht mich wert." „All die Ovationerl, die Sie mir heute darbringen, nehme ich nicht für meine Person an, sondern ich betrachte sie als meinem mir teuer gewordenen Berus entgegengebracht." Sehr sympathisch berührte es, daß Herr Nußbaum seines Amtsvorgängers, des Herrn I. Levi, in liebevoller Weise gedachte, der ihm für seine Erziehungs- und Unterrichtstätigkeit den Boden bereitete und allezeit als treuer Berater zur Seite stand. Zur Erhöhung der Festesstimmung trug nicht wenig ein melodramatisches Märchenspiel „Die Tempelweihe" bei, das den Sohn des Jubilars, Herrn Siegwart Nußbaum, zum Verfasser hat. Je mehr dieser junge Mann den Pegasus sattelt, desto mehr wachsen seine poetischen Schwingen. Daß man aber auch behördlicherseits die Verdienste des Jubilars um die Schule anerkennt und würdigt, beweist das ihm vom Geheimen Regierungsrat und Oberbürgermeister hiesiger Stadt gewordene Schreibell, dessen Schluß lautet: „Ich möchte (aber dennoch) nicht unterlassen, Ihnen zu dem Feste Ihrer 25jährigen Lehrtätigkeit all der hiesigen israelitischen Volksschule Glück zu wünschen und tue dieses hiermit nachträglich von ganzem Herzen. Möge Gott Ihnen die Kraft und Frische sowie die Freudigkeit des Berufes, mit welcher Sie bis jetzt zunr Wohle der israelitischen Gemeinde und der ganzen Stadt gewirkt noch viele, viele Jahre erhalten!" Billgen a. Rh., 4. Januar. Bei den zu dem Neubau einer Synagoge dahier von vier Bewerbern eingelaufenen Entwürfen ging derjenige des Herrn Baurat Professor Ludwig Levy in Karlsruhe als Sieger hervor. Ein Entwurf des Architekten Herrn Gärtner in Wien wurde als zweitbester von dem Preisrichterkollegium zum Ankauf empfohlen. Dieses Kollegium bildeten die Herren königl. Baurat Stadtbaumeister Genzmer-Wiesbaden, Prof.K. Henrici-Aachen und GeheimerOberbauratProfessorHofmann-Darmstadt. VV. Bad Kreuznach, 27. Dezember. Der Verein Bi kur Chol im, eine innerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde wirkende Krankenverpflegungs- und Unterstützungskasse, konnte am 25. d. M. das seltene Fest seines hundertjährigen Bestehens feiern. Einem in hebräischer Sprache geschriebenen Statutenbuche aus dem Jahre 1825 zufolge ist der Verein im Jahre 1802 mit dem Grundsätze „wechselseitiger Unterstützung ohne Unterschied des Vermögens" gegründet worden. Die Hundertjahrfeier begann am Donnerstag Morgen mit einem Festgottesdienste in der Synagoge, in dem nach einleitendem Chorgesange Rabbiner Dr. Tawrogi die geist- und gedankenvolle Festpredigt hielt- Anknüpfend an den biblischen Spruch: „Ein Geschlecht geht dahin, aber die Erde bleibt immer bestehen", erinnerte er daran, daß die Gründer und ersten Mitglieder dieses Werkes der Menschenfreundlichkeit und Menschenliebe wohl heute schon in kühler Erde ruhten, daß aber ihr Werk noch weiter bestehe über ihr Grab hinaus. Der Predigt legte er das Bibelwort 2. Mose 37,16, den Ausruf Josephs: „Ich suche meine Brüder", zu Grunde und betonte, daß der Gedanke, die kranken und nothleidenden Brüder zu suchen, die Gründer des Vereins beseelt habe. Die liebevolle Fürsorge für Kranke und Leidende sei ein altes Stammes- und Glaubenswerk des israelitischen Volkes. Von dem Patriarchen Abraham sage eine alte Legende, er sei im Besitz eines Edelsteines gewesen, dem die Kraft innewohnte, Kranke zu heilen. Dieser Edelstein sei die werktätige Liebe gewesen, mit der der Patriarch sich der Kranken und Schwachen angenommen habe, und er habe auch während des hundertjährigen Bestehens des Vereins seine Kraft im reichsten Maße entfaltet, unzähligen Kranken Pflege, Schwachen Ausrichtung, Tränen Trocknung verschafft. Die heutige Jubelfeier sei der Beweis, daß die jetzigen Leiter und Mitglieder des Vereins nicht nur volles Verständnis für das hatten, was die Gründer oezweckten, sondern daß sie auch von dem Bestreben der Erhaltung und Vervollkommnung des Werkes bestrebt seien. Der Geistliche schloß seine eindrucksvollen Worte mit der eindringlichen Mahnung, allezeit die edlen Ziele des Vereins hochzuhalten und mit den besten Wünschen für das angebrochene zweite Jahrhundert seines Bestehens. An die Predigt schloß sich eine religiöse Ehrung der verstorbenen Gründer und Mitglieder durch eine Seelenfeier, woraus ein Schlußgesang den stark besuchten Festgottesdienst beendete. Am Abend vereinigte in Heyms Saalbau eine weltliche Festfeier die Mitglieder der jüdischen Gemeinde und deren Allgehörige. D Metz, 9. Januar. Hiesige Blätter bringen die Sensationsnachricht. daß von hier aus Licht in die Könitz er Mordassäre kommen könne. Ein in den Händen der Militärjustiz befindlicher Deserteur, welcher in der französischen Fremdenlegion gedient habe, habe ausgesagt, daß ein anderer Fremdenlegionär, ein Fleischergeselle. sich am Wachtfeuer vor sechs anderen Kameraden, die er namentlich aufgeführt habe, mit der Tat gebrüstet habe. Genaues war nicht zu erfahren, die Polizei weiß von der Sache nichts. Es ist schon früher eine solche Meldung verbreitet worden; damals stellte sich aber heraus, daß der Betreffende damit nur von der Fremdenlegion loskommen wollte. Oesterreich - Ungarn. LI Wien, 12. Januar. In Brünn und im steirischen Rottenmann ist man neuerdings wieder einmal einigen antisemitischen Betrügern auf kolossale Unterschlagungen gekommen: diese braven

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