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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-16 · Heft 3 (16.1.1903) · p. Seite 31

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 3 (16.1.1903)
Date
1903-01-16
Page
Seite 31 (sequence 9)
Language
German
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31 Lasten Sie sich doch ja dieses gesagt sein, denn wer in aller Welt will es tun, wenn Sie es nicht tun. Leben Sie recht wohl und vergeben Sie mir meine Zudringlichkeit, ich meine alles wohl und verharre hochachtungsvoll Göttingen. 21. April 1786. Ew. Wohlgeboren gehorsamster Diener G. C. Lichtenberg. Man wird zugeben, daß diese Auslassungen zu den inhaltvollsten, charakteristischsten und bezeichnendsten Aeußerungen über den Berliner Weisen gehören, die anläßlich seines Todes von bedeutenden Zeitgenossen bekannt geworden sind. Sie zeigen, welch außerordentlich hohen, vorbildlichen Wert der von gleichem idealen Streben beseelte große Schriftsteller, der mit Lessing. Herder, Kant, Klopstock, Justus Möser, Herschel u. a. im persönlichen und literarischen Verkehr stand, dem jüdischen Weisen beimaß, und welch hohen Platz im Reiche großer Geister er ihm dementsprechend durch dessen überlebenden Freund in dem angeregten Werke angewiesen haben wollte. Die von Lichtenberg gewünschte Biographie, zu deren Ausführung, falls die erforderlichen Unterlagen ihm zu Gebote gestanden hätten (wie seine Charakteristiken Cooks, Copernikus und Garricks beweisen), niemand qualifizierter gewesen wäre als er selbst, ist leider ungeschrieben geblieben. Gin Iudenprivilog vom Jahre 15W. Mitgeteilt von A. Plaut-Detmold. ^^s^ernt und Simon, Vater und Sohn. Edelherren zur Lippe, gestatten dem Juden Antzell mit Frau und Hausgesinde sowie mit seiner Tochter und deren Manne aus 20 Jahre in ihrem Lande, insbesondere in der Stadt Detmold zu wohnen und ihr Wesen zu haben. Für den Fall, daß er sich in Detmold nicht „behelpen" kann, wird ihm gestattet, in Lemgo oder einer anderen Stadt, „wo man sie leiden will" zu wohnen. Ferner wird ihm erlaubt, sein Geld auf Wucher (uppe Woker) auszutun und von den Einwohnern einen Bremer, von Auswärtigen (nthmanne) 2 Pfennige für die Mark und Woche zu nehmen; beträgt die ausgeliehene Summe aber weniger als eine Mark, so soll der Schilling mit einem Pfennig verzinst werden. Auch dars er Pfänder nehmen, es sei Tag oder Nacht, sie seien gestohlen oder geraubt oder sonstwie genommen, soll aber, ehe er dieselben verkauft, den Pfandeigentümer durch einen Stadtknecht, Landknecht oder Frohnboten davon benachrichtigen. In Streitfällen sollen für ihn die Landgerichte zuständig sein, einen Eid soll er binnen sechs Wochen in seinem Hanse schwören, und derselbe soll lauten: „daß ihm Gott helfe", und niemand soll ihn anders „abertugen" als mit zwei unbesprochenen Christen und zivei unbesprochenen Juden. — Dafür haben Antzell und seine Frau jährlich auf Pfingstabend zehn rheinische Gulden zu bezahlen. Wollen sie das Land verlassen, so sollen sie Geleit haben und die Straße gebrauchen dürfen, haben dann aber gleichfalls zehn Gulden zu bezahlen. Dieselben Rechte wie Antzell solle» auch dessen Tochter und Schwiegersohn genießen. Stirbt jemand von der Familie, so dürfen sie den Tobten, ohne jemand zu fragen, nach Blomberg führen, um ihn dort zn begraben, Schuldner, von denen er sein Geld nicht erhalten kann, darf Antzell durch die Amtleute und Vögte pfänden lassen. Solange Antzell mit seiner Familie in Lemgo (?) wohnt, soll keinem anderen Juden dort der Aufenthalt gestattet werden. Datum, 1500. Donnerstag nach Äl-Iiolastn-v ving. * Diese vor kurzem von Herrn Professor Weerth zu Detmold im Landesarchiv ansgefnndene, mühsam entzifferte und in modernes Deutsch übertragene Urkunde, voll der er mir eine Abschrift freundlichst zur Verfügung stellte, ist der älteste Nachweis einer jüdischen Ansiedelung in Detmold, während im lippischen Lande, besonders in den Städten Lemgo, Blomberg und Horn, schon 200 Jahre fruherjJuden gewohnt haben. — Daß in Blomberg zu jener Zeit scholl ein jüdischer Friedhof, Mithin auch eine jüdische Gemeinde bestanden hat, geht ja aus dieser Urkunde hervor. In der Schlußbemerkung: „So lange Antzell mit seiner Familie in Lemgo wohnt" u, s. w. scheint irrtümlich „Lemgo" statt „Detmold" gesetzt zu sein. Für diese Annahme spricht nich nur der ganze Zusammenhang des Schriftstückes, sondern auch der Umstand, daß in Lemgo tatsächlich zn jener Zeit (und schon 100 Jahre vorher) Juden gewohnt und sogar .Bügerrechte genossen haben. So bekennt der Rat der Altstadt Lemgo im Jahre 1410, daß „der Jude Moses, unser Mitbürger, ans seinem Haus und Erbe im Rampendahl (heute noch Name eines Stadtteiles in Lemgo) acht Schilling Pfennigrente an den Bürger Albert Kording für acht Mark Pfennige verkauft habe." (LiPPische Regesten.) Die am Eingang erwähnten Edelherren Bernt und Simon sind in der lippischen Geschichte unter den Namen Bernhard VII, und Simon V, bekannt. Da unter der Regierung des letztgenannten die Juden in Horn im Oktober 1511 den Befehl erhielten, zu Weihnachten die Stadt zu verlassen, so scheint die in vorstehendem Aktenstücke hier und da sich kundgebende Liberalität wohl auf Rechnung des Edelherrn Bernhard XII. gesetzt werden zu müssen. Erstaunlich liberal erscheint insbesondere die Form des Eides, wenn inan bedenkt, in welch schrecklicher Weise später bis an die Schwelle der Neuzeit der „Judeneid" abgelegt wurde. Das hier zum erstenmal gedruckte „Jndenprivileg" wird demnächst in einem Werke über LiPPische Landeskunde von Professor Weerth in der Urschrift abgedrnckt werden, Moritz Hartmann. Von Josef Bruchsal er, ^«m letztverflossenen Mai waren es 10 Jahre, daß auf dem israelitischen Friedhofe in Wien ein Mann zu Grabe getragen wurde, dessen Name heute nicht mehr oft genannt wird, der es aber gerade in unserer Zeit des Haschens nach Lohn nnd Gewinn verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. Denn Moritz Hartmann war als Schriftsteller nnd Volksmann einen der edelsten und reinsten Charaktere, der, frei von selbstsüchtigen Beweggründen und unbekümmert um die Gunst der Mächtigen, voll flammender Begeisterung für Wahrheit, Völkerwohl und Freiheit eintrat und bis an sein Lebensende für die Ehre und Größe eines einigen deutschen Vaterlandes nnd für die höchsten Ziele der Menschheit kämpfte. Am 15. Oktober 1821 zu Duschnik in Böhmen von Eltern, die ihre Abstammung aus den berühmten Prediger Eleasar

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