Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1903)
- Date
- 1903-01-09
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 Religionsunterrichts" in Vorschlag. Die Berathung darüber scheitert jedoch au statutarischen Bestimmungen, deren zweckmäßige Aenderung z»»»iächst ins Auge zu fasseu ist. Die übrigen jenen Punkt betreffenden Vorschläge werden einer Kommission zur Vorberathuug überwiesen. n. Berlin, 2. Januar. Der T a l m u d v e r e i n, der erst vor Kurzem das Fest seines 50jährigen Bestehens feiern konnte, hat, geleitet von dem Bestreben, seine hehren Aufgaben auf das Weitgehendste zu erfüllen, beschlossen, das Gebiet seiner Thätigkeit zu erweitern. Neben den täglichen Talmudvorträgen, soll auch denjenigen, deren Beruf es nicht gestattet, sich diesem Studium zu widmen, Gelegenheit geboten werden, sich die Kenntnis; der Geschichte des jüdischen Volkes und seiner geistigen Strömungen anzueignen. Zu diesem Zwecke wird Herr Dr. Bleichrode einen Zyklus populärer Vorträge über jüdische Geschichte und Litteratur an jedem Montag Abend 8^/2 Uhr pünktlich in Cassels Hotel. Burgstr. 16. halten. Eintritt und Garderobe, auch für Nichtmitglieder, frei. Der erste Vortrag findet am Montag, den 5. Januar 1903 statt. — Berlin, 2. Januar. Im Jüdischen Mädchenstift fand am 30. v. M. anläßlich der Chanukahfeier im Beisein des Vorstandes nud einer Reihe von Freunden der Anstalt, u. A. Frau Lina Morgenstern, neben der üblichen Bescheerung auch eine Prämienvertheilung für treue Pflichterfüllung im Dienste statt. Die Prämie wurde einem Zögling, welcher seit drei Jahren dieselbe Stellung zur vollen Zufriedenheit seiner Dienstherrschaft inne hat, zuerkannt. Unter den bisher im Ganzen aus dem Stift entlassenen 54 Zöglingen konnten 11 namhaft gemacht werden, welche sich bereits zwei bis acht Jahre lang in derselben Dienststellung bewährt haben, ein Erfolg, der am deutlichsten für die ersprießliche Wirksamkeit der immernoch nicht nach Gebühr gewürdigten und unterstützten Anstalt spricht. Gesänge und andere Vorträge eröffnten und beschlossen die Feier, bei welcher der Vorsitzende. Direktor Dr. Strelitz. eine warm empfundene Ansprache an die versammelten gegenwärtigen und ehemaligen Zöglinge hielt. -O- Berlin, 4. Januar. Am 29. v. M. fand die Chanukahfeier in» Schwesternheim des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen" statt. Nach Absingung des Chanukahliedes durch die Schwestern und Schülerinnen, welche, so weit abkömmlich, in großer Zahl, etwa 40, anwesend waren, hielt der Vorsitzende, Herr Stadtverordneter Louis Sachs, eine längere Ansprache, in welcher er, von der Bedeutung des Chanukahsestes ausgehend, den Beruf der jüdischen Krankenpflegerinnen als eine Knlturaufgabe für die Judenheit und die jüdischen Schwestern als Kämpfer in: Kampse gegen unsere Gegner bezeichnete. Der Redner gab ein erfreuliches Bild von dem Fortschreiten des Vereins und seiner Bestrebungen, dessen Schwestern bereits in alle»» Gauen Deutschlands segensreich wirken und ermuthigte dieselben, mnthig weiter zu kämpsen trotz mannigfacher Opfer, Entbehrungen und Enttäuschungen, welche dieser schwere Beruf ihnen auferlegt. Hierauf wurde au sechs Schwestern, welche ihre dreijährige Dienstzeit absolvirt haben, das Vereinsdipliom und an acht zn Schwestern ernannte Schülerinnen das Vereinsabzeichen überreicht. Alsdann nahmen die Schwestern die in zwei Sälen an langen Tischen niedergelegten Geschenke des Vorstandes und der Oberin entgegen und blieben in Gegenwart des Vorstandes und Freunden des Vereins (auch der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Julius Jacoby, war erschienen) noch längere Zeit in fröhlicher Feststimmung beisammen, bis ernste Pflichten die meisten Schwestern »nieder an das Bett ihrer Pflegebefohlenen zurückführte. Die Aumeldung von Schülerinnen, welche gute Schulbildung besitzen müssen, guter Familie entstammen und körperlich und geistig durchaus gesund sein müssen, kann schriftlich oder persönlich bei der Oberin des Vereins. Fräulein Rose Blau, Auguststraße 17. erfolgen. lZ. Berlin, 5. Januar. Theilnehmer einer erhebenden Feier waren »vir am 28. Dezember v. I. in der israelitischen Taubst u mm e n-A n st a lt zu Neu-Weiße n se e. Hier fand, »vie alljährlich, die Chanukahbescheerung der Zöglinge statt. Die Anstalt wird gegenwärtig von 44 Zöglingen besucht, von 27 Knaben und 17 Mädchen. Die Heimath der Kinder ist in den verschiedenen Städten Deutschlands, da die einzige israelitische Taubstummenanstalt Deutschlands die zu Neu-Weißensee ist. — Eingeleitet wurde die Feier durch einer» kurzen Gottesdienst. Weihevoll war der Moment, als ein taubstummer Knabe vortrat und die Segenssprüche beim Lichtanzünden in deutlicher, klarverständlicher Lautsprache hersagte, so daß sie von Jedermann verstanden wurde. Die Kinder trugen daun respondireud das Chanukahlied vor: Ein Kind trug eine Strophe vor, und die Anderen wiederholten sie dann uuisoiw. Es waren tiefergreifende, erhebende Augenblicke. — Nach dem Vortrage des Chanukahliedes — „Schirm und Schutz in Sturm und Graus" — hielt sodann der hochverdiente Direktor der Anstalt, HerrNeich, eine kurze, aber inhaltreiche Ansprache über die Bedeutung des Festes und über die Lage der dies Fest feiernden Taubstummen. Zun» Schluß sprach er noch den Wunsch aus. daß die edlen Wohlthäter und Gönner der Anstalt auch fernerhin ihre schützende Hand darüber halten mögen. — Nach Beendigung der gottesdienstlichen Feier begaben wir uns nach der Turnhalle — einer Stiftung des Herrn Siegmund Jacobi und seiner Frau Gemahlin — in der die Bescheerung stattfand. Au zwei langen Tischen läge»» der Kinder Geschenke. In hochherziger Weise wußte wieder, »vie in jedem Jahre, Herr Ludwig Ginsberg, sie durch passende Geschenke die Kinder zu erfreuen — Noch lange, ja, selbst wenn sie schon aus der Anstalt fort sind, werden die Armen immer an vie schöne Zeit des Chauukahsestes zurückdenken. 0. Alleirstein, 1. Januar. Am 11. v. M. hat unsere Gemeinde ein harter Verlust betroffen. Herr Fabrikbesitzer Nud. Naphaelsohn. langjähriges Vorstandsmitglied unserer Gemeinde, ist an den Folger» einer Operation in Königsberg im 53. Lebensjahre in ein besseres Leben abberufen worden. Dem Verblichenen lag das Interesse und das Wohl der hiesigen Gemeinde und anderen gemeinnützigen Bestrebungen derselben sehr am Herzen. Seit einer Reihe vor» Jahren Synagogenvorsteher, I. Vorsteher der Chewra Kadischah, Leiter des Ernüäudischen Aussteuervereins, dessen Mitbegründer der Verblichene war, suchte er mit allen ihm zu Gebote gestandenen Kräften, mit unermüdlicher Schaffensfreudigkeit, mit seltener Pflichttreue durch seine reiche»» praktischen Erfahrungen und einsichtsvollen Nathschlägen aufrecht zu halten und zu fördern. Die allgemeine Verehrung, die der Heimgegangene genoß, zeigte sich bei der Beerdigung, welche an» 14. d. M. auf dem hiesigen Friedhofe erfolgte. Nach einer vorangegaugenen rührenden Trauerrede des Herrn Rabbiner Dr. Olitzki im Hause setzte sich der imposante Zug in Bewegung. Voran schritten der Laudrath des Kreises, die Stadträthe geführt, vorn I. Bürgermeister Belian, die Spitzen der hiesigen Behörden und fast sämmtliche Stadtverordneten, deren Mitglied der Verschiedene 15 Jahre war. Dann folgte der Leichenwagen mit der irdischen.Hülle des Heimgegangenen geleitet von den Repräsentanten. Hinter den Wage»» der Gemeinderabbiner, die Leidtragender», der Synagogenvorstand, die Vorsteher des Krankenpflege- und Beerdigungsvereins, alsdann folgte ei»» unabsehbarer Zug von Männern und Frauen uuserer Gemeinde, auch anderer Konfessionen und von nahe und ferne herbeigeeiltcu Verwandten und Freunde. Die Trauerfeier am Grabe begann mit dein von» Kantor Karo gesungener» Lnoseli keelroxir z'oiuo>v. hieraus folgte die ergreifende Grabrede des Herrn Dr. Olitzki. Mit den Worten, daß die Gerechten auch nach ihrem Tode fortleben schloß die Rede und in der That wird dem Heimgegangener» seine uneigennützige und selbstlose Thätigkeit im Interesse des Gemeindewohls ein dauerndes Andenken bewahren. x. Posen, 2. Januar. Eine wirksame Illustration zu dein Artikel in Nr. 51 „Das Zünglein an der Waage", dürste der nachfolgende Brief des bekannten Parlamentariers v. Ti eben» ann-Seehein». des Vorsitzenden des Deutschen Ostmarkenvereius, an einen jüdischen Lehrer der Provinz bilden. „Sehr geehrter Herr! Für Ihre lehrreichen Mittheilunger» von» 27. November und 8. Dezember sagen »vir Ihnen unseren verbindlichsten Dank. Wie die geschilderten Verhältnisse in X. liegen, können »vir es keinem unserer jüdischen Mitbürger, auch wenn er Mitglied des Deutschen Ostmarkenvereins ist, verarge»», »venn er nicht für den antisemitischen Kandidaten stimmen sollte. Andererseits sind »vir aber nicht in der Lage, unseren Mitgliedern in X. aufzugeben, sich bei der Stichwahl an» 15. Dezember der Stimme zu enthalten. Daß die Angelegenheit von uns erst heute e rledig wird, liegt daran, daß derartige wichtige Fragen lediglich in den wöchentlich einmal stattfindenden Konferenzen des Hauptvorstandes besprochen werden. Die Konferenz der vorigen Woche hatte »vegen der Gesammtausschußsitzung in Posen ausfaller» müssen, und wir wäre»» daher erst am Donnerstag in der Lage, die Vorgänge bei den Stadtverordnetenwahlen in X. in unserem Kollegium zu erörtern. Mit deutschem.Gruß der Hanptvorstand: H. v. Tiedemann-Seeheim." Als Nachwort vor» der Hand des Adressaten selbst hiuzugesügt: „Es ist uns sehr wohl bekannt, daß