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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-09 · Heft 2 (9.1.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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67 Lalirgang- Nr. 2. Berlin. 9. Januar 1903 'Ueitage zur „Allgemeinen DeiLung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Ventschland. -^- Berlin, 4. Januar. Wie wir erfahren, ist der Beschluß, den der Rabbinerverband auf seiner jüngsten Versammlung in Frankfurt a. M. in Angelegenheit des Mädchenhandels gefaßt hat, in den letzten Tagen ausgeführt worden. Es wurde ein Ausruf an die Rabbiner Galiziens vom Vorstande des Rabbinerverbandes erlassen und Rabbiner Dr. Rosenak-Bremen ist als Abgesandter des Verbandes nach Galizien gegangen, um mit den dortigen Rabbinern und Vorstehern der Hauptgemeinden die Angelegenheit zu berathen und die einheimischen Autoritäten zur Aktion gegen den schändlichen Handel, dem auch viele jüdische Mädchen zum Opser fallen, auszurufen. Dr. Rosenak, dem sich Herr Dr. Ritter vom Wiener Komitee als Helfer zur Seite gestellt hat, hat auf einen ganzen Monat von seiner Gemeinde Urlaub erhalten, um diese Zeit ausschließlich diesem Zwecke widmen und sich über die Verhältnisse in Galizien zu instruiren. Der Nabbinerverband in Deutschland, der hiermit zuerst von allen Vereinen, die sich mit dieser Frage beschäftigten, in Aktion tritt, und dabei vom Hilfsverein der Deutschen Juden mit Rath und That unterstützt wird, hat sich hierdurch ein großes Verdienst um die armen galizischen Juden erworben, und da, wie wir hören, die galizischen Autoritäten die Aktion des Rabbinerverbandes in Deutschland energisch unterstützen wollen, so ist Aussicht vorhanden, daß dem schändlichen Gewerbe der Menschenverkäuser dort wenigstens gesteuert wird. — Berlin, 1. Januar. Am 29. v. M. fand die Generalversammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur in Cassel's Hotel. Burgstr. 16, statt. Dem Bericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß der Verein sich in gedeihlicher Entwickelung befindet und im letzten Jahr allein zirka 80 neue Mitglieder gewonnen hat. Auch die Fortbildungskurse erfreuen sich reger Theilnahme und haben je 50—60 Hörer. Den Bericht der Revisionskommission erstattete Herr Justizrath Basch. Die Einnahmen betrugen M. 9214,78, die Ausgaben M. 8180,11. Eine Besprechung knüpfte sich an diese beiden Berichte nicht, es wurde Decharge ertheilt. Hierauf folgten die Vorstandswahleu. Der bisherige Vorstand wurde durch Akklamation wiedergewählt, nur an Stelle des ausscheidenden Herrn Oberlehrer Dr. Schäfer wurde Herr Dr. Bernseld gewählt; ebenso wurden die Vereinsrevisoren, Herr Justizrath Basch und Herr Willibald Löwenthal durch Zuruf wiedergewählt. Eine längere Debatte entspann sich bei dem letzten Punkt der Tagesordnung. Es wurden mehrere Anträge eingebracht, von Tr. Bernseld: „Der Verein möge geeignete Vorträge durch den Druck veröffentlichen und sie den kleinen, unbemittelten Vereinen im Reiche zur Verfügung stellen", und von Herrn Willibald Löwenthal: „Die Generalversammlung beschließt eine kurzgefaßte Schrift von zirka 3 Bogen herauszugeben und an sämmtliche Mitglieder des Vereins zu vertheilen, in welcher die im „Neuen Testament" enthaltenen Lehrsätze der christlichen Moral den entsprechenden Stellen aus dem jüdischen Schristthum gegenübergestellt werden. Es wird hierzu eine Kommission von 5 Mitgliedern gewählt. Den Verbandsvereinen sind Exemplare für jedes ihrer Mitglieder zur Verfügung zu stellen." Der Antrag wird einstimmig angenommen und eine Kommission zu diesem Zwecke eingesetzt. o. Berlin, 4. Januar. Am 28. v. M. hielt der „Hilfsverein der deutschen Juden" seine erste ordentliche Generalversammlung ab. zu welcher neben einer stattlichen Anzahl hiesiger Mitglieder eine Reihe auswärtiger Delegirter. die Herren Professor Dr. Badt-Breslau, Geheimer Regierungsrath Professor Dr. Cohen-Marburg, Rabbiner Dr. Jacob Horovitz-Franksurt a. M. u. A. sich eingefunden hatten. Der Vorsitzende, Herr James Simon, begrüßte die Erschienenen und gab. nachdem die Versammlung von einer Verlesung des gedruckt vorliegenden Jahresberichts Abstand genommen hatte, einige ergänzende Mittheilungen zu dem auf die Wirksamkeit in Galizien bezüglichen Theile desselben. Diese Wirksamkeit bestand einerseits in der Subventionirung des Wiener „Hilfsvereins für die nothleidendeu Juden Galiziens", andererseits in den Vorarbeiten für die selbstständige Einführung von Industrien. Redner schilderte den reichen materiellen und sittlichen Segen, welchen die Ueberleitung unserer galizischen Glaubensgenossen zu selbsttätigem Erwerb bereits jetzt gezeitigt habe und in noch reicherem Maaße für die Zukunft verheiße. Der stellvertretende Vorsitzende. Herr Dr. Paul Nathan, theilte mit, daß der „Hilssverein der deutschen Juden" bereits in nahezu sämmtlichen jüdischen Centren Deutschlands Landes-, Provinzial- und Lokalkomitees organisirt. eine imposante Zahl von Mitgliedern sich erworben und damit den Beweis erbracht habe, daß seine Bestrebungen sich der Sympathien weitester Kreise erfreuen; Redner schilderte sodann in Ergänzung des Berichts die traurigen Zustände in Rumänien, welche durch das neue Handwerkergesetz noch wesentlich verschärft wurden, und die umfassende Thätigkeit, die der „Hilfsverein" entfaltet habe, um die öffentliche Meinung in Europa durch wörtliche Veröffentlichung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen über die rumänischen Verhältnisse aufzuklären. Diese Bemühungen waren in mannigfacher Hinsicht nicht ohne Erfolg: das Handwerkergesetz gelangte entgegen der ursprünglichen Absicht in einer Weise zur Ausführung, welche für unsere Glaubensgenossen minder bedrohlich ist. Der „Hilfsverein" hat auch an den materiellen Aufgaben Antheil genommen, indem er 100000 Mark zur Begründung von Vorschußkassen spendete. Im Orient müsse bei der Eigenart der Verhältnisse mit größter Vorsicht vorgegangen werden, doch sei das Bedürfniß nach Schulen, in denen neben dem Hebräischen und Türkischen das Deutsche gelehrt wird, durch die diesbezüglichen, aus allen Theilen des Orients eingegangenen Gesuche zweifellos erwiesen. Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine aus bewährten Fachmännern zusammengesetzte Spezialkommission, der gegenwärtig ein Normallehrplan zur Prüfung vorliege. Bevor der Verein seine volle Thätigkeit entfalten könne, müsse die Organisation desselben ansgebaut, die Zahl seiner Mitglieder und damit seine Leistungskrast gesteigert werden. Mit dem Appell, daß die Anwesenden innerhalb ihres Einflußkreises werbend sich bethätigen mögen, schloß Dr. Nathan seine vortrefflichen Ausführungen, denen allseitiger Beifall folgte. In der an die beiden Referate anknüpfenden Diskussion erklärten die Redner im Wesentlichen ihre Uebereinstimmung mit den Seitens des geschäftsführendeu Ausschusses unternommenen und für die Zukunst geplanten Maßnahmen. Sodann verlas der Vorsitzende das von den Revisoren, Kommerzienrath Kopetzky und Siegm. Pincus, aufgenommene Protokoll über den Stand der Kasse, worauf dem Schatzmeister. Bankdirektor Lucien Picard, und der Gesammtverwaltung Decharge ertheilt wurde. Nach einstimmiger Genehmigung der Statuten vom 28. Mai 1902. forderte der Vorsitzende in tiefempfundenem Schlußwort die Anwesenden aus. eine nachdrückliche Propaganda zu Gunsten des Vereins zu entfalten und nach ihrem Können mitzuarbeiten an dem großen, schweren Rettungswerke, welches unsere Glaubensgenossen in den Ländern des Ostens von materiellem Elend und geistiger Noth befreien soll. 8. Berlin, 1. Januar. Am 13. v. M. Abends fand die ordentliche Generalversammlung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" statt. Die wichtigsten Punkte der Berathung betrasen die Neuwahl des Vorstandes und die Aenderung des bisherigen Namens des Vereines. Da der bisherige Vorsitzende des Vereines, Herr Auerbach, sein Amt, das er drei Jahre in Treue verwaltet hatte, niederlegt, wird an seine Stelle Herr Rektor Dr. Gutmann, der bisherige I. Schriftführer, zum I. Vorsitzenden gewählt und dessen Amt Golde übertragen, so daß der neue Vorstand sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Rektor Dr. Gutmann I., Hanf II. Vorsitzender. Golde I., Falkenberg II. Schriftführer, Hirschfeld, Schatzmeister. — Um einem alten Wunsche vieler Mitglieder nach Aenderung des Vereinsnamens den Weg zu bahnen, bringt der Vorstand den Namen: „Pädagogischer Verein zur Pflege des jüdischen

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