Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1903)
- Date
- 1903-01-02
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 Herrn Siegmund Jacobi, Kursürstenstraße 131, zu senden, worüber öffentlich guittirt wird. Hilfsverein für die jüdischen Taubstummen in Deutschland. Der geschäftsführende Ausschuß: Theodor Löwenberg, Vorsitzender. Redakteur Dr. Julius Moses, stellvertretender Vorsitzender, Zahnarzt Paul Simon, Schriftführer, Adolf Köhler, stellvertretender Schriftführer, Siegmund Jacobi, Rendant, Moritz Leichtentritt, stellvertretender Rendant. Das Komitee, das den Ausruf empfiehlt, besteht aus hochangesehenen Männern aus allen Kreisen unserer Gemeinde. Berlin, 29. Dezember. Am 28. und 29. d. M. tagte im Sitzungssaals des Deutsch-Israelitischen Gemeindebnndes der provisorische Ausschuß des „Vereins zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums". Er faßte Beschlüsse über die weitere Organisation der Propaganda, die mit gutem Erfolge begonnen und dem Eisernen Fonds bereits beträchtliche Beträge zugeführt hat, sowie über die Fassung der Statuten, die der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung zur endgiltigen Festsetzung vorgelegt werden sollen. d. Breslau, 18. Dezember. Das hiesige Schöffengericht verurteilte am 23. d. den Herausgeber und Redakteur des „Jüdischen Volksblattes" Dr. Louis Neustadl wegen Beleidigung dcs Lehrers Weichel in Könitz, der von anderer Seite in unberechtigter Weise mit der Ermordung des Gymnasiasten Winter in Verbindung gebracht worden war, zu drei Monaten Gesängniß. Der Kläger war persönlich von Könitz erschienen, mit ihm als Vertreter des bekannten Antisemitenanwalts Hahn-Charlottenburg der hiesige Rechtsanwalt Warmbrunn. Den Kampf gegen den Antisemitismus führte Rechtsanwalt Schreiber und der Angeklagte mit gebührender Schärfe. Der Gerichtshof kam trotzdem zur Verurteilung des letzteren. Er hatte es, wie er selber erklärt, abgelehut, die Quelle — eine hervorragende und einflußreiche Persönlichkeit der hiesigen Gemeinde in leitender Stellung — näher zu bezeichnen, da ihm das Nedaktionsgeheimnis über allem steht. Selbstverständlich hat sein Anwalt sosort Berufung eingelegt. Schade, daß Herr Dr. Neustadt nicht erklärt hat, er habe den Kläger nur „bildlich" beleidigen wollen! Dann wäre er vielleicht freigesprochen worden. 1^. Hannover, 19. Dezember. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann bewirkte, daß den jüdischen Soldaten der hiesigen Garnison auf Wunsch jeder vierte Sonnabend zum Besuche des Gottesdienstes freigegeben wurde. — In dieser Woche starb die hochbetagte Nabbinerwitwe Frau Adele Munk. Die Verstorbene lebte in den letzten Jahren sehr zurückgezogen, erfreute sich aber der größten Beltebheit. --- Hannover, 1. Januar. Der Bericht über die Thätigkeit des Vereins zur Beförderung des Han dw erks unter denJuden in der Provinz Hannover für die Jahre 1900 bis 1902 ist eben erschiene»,. In der abgelaufenen Periode ist die Zahl der Mitglieder, welche gegenwärtig 317 beträgt, gegen früher wiederum gesunken. Dieser Umstand ist um so bedauerlicher, als die Zahl der Gemeinde- Mitglieder in dem gleichen Zeitraum sich vergrößert hat. Im Wesentlichen ist die Thätigkeit des Vereins die gleiche geblieben. Bei allen Lehrlingen wird der regelmäßige Besuch der Gewerbe- und Fortbildungsschulen überwacht. Bei Zuwendungen an Eltern oder Vormünder, welche selbst mit ihren Kindern oder Pflegebefohlene»» in Hannover ansässig sind, besteht die Einwirkung des Vereins vornehmlich darin, daß die Führung der Lehrlinge während der Lehrzeit überwacht und durch Rücksprache mit den Meistern sowie Einwirkung auf die Mitarbeiter ihr Loos freundlicher gestaltet, auch der Nachweis begehrt wird, daß die Zuwendungen des Vereins tatsächlich den Lehrlingen zu Gute kommen und sie in Kleidung. Wäsche und Ernährung ordentlich gehalten werden. Bei Lehrlingen, welche von auslvärts kommend hier in Hannover untergebracht werden, erstreckt sich die Fürsorge naturgemäß nicht blos aus die Auswahl der Meister, und die im Vorstehenden geschilderten Maßnahmen, sondern auch auf die Unterbringung in geeigneten Pensionen und Ueberwachung des religiösen Lebens. Der Verein will auch versuchen, einen „Meistersonds" durch freiwillige Sammlungen zu beschaffen, aus welchem im gegebenen Falle durch zinslose Darlehen die Etablirung von Meistern gefördert werden soll. Eine der ersten Zuwendungen im Betrage von 100 Mark hat Direktor Siegmnnd Seligmann hier gemacht, »veitere Zuwendungen sind verschiedentlich in Aussicht gestellt. Der spezielle Rechenschaftsbericht über Einnahme und Ausgabe für die Zeit vorn 9. November 1899 bis zum 20. November 1902 ergiebt folgendes Resultat: Gesammteinnahmen Mark 9587,20, Gesammtausgabe Mark 9130,79. Der Vorstand besteht aus den Herren Kommerzienrath Sigmund Meyer. Vorsitzender, Rechtsanwalt Benfey III., Georg Cohn, Julius Mendel, Leopold Gompertz, Rechtsanwalt Dr. Meyer, Schriftführer, A. Seckendorfs. 8t. HLldesheim, 28. Dezember. Die hiesige Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Am 20. d. M. ist einer ihrer edelsten und verdienstvollsten Männer, Herr Bankier August Dux, nach langer und schwerer Krankheit im fast vollendeten 54. Jahre seines arbeits- und erfolgreichen Lebens von hinnen geschieden. Zwei Jahrzehnte hindurch hat er als Vorsteher der Gemeinde und als Vorsitzender des Gesammtvorstandes eine überaus segensreiche Thätigkeit entfaltet. Mit unermüdlichem Eifer, mit seltener Hingebung und Pflichttreue hat er seines verantwortungsvollen Amtes allezeit gewaltet und die Gemeinde nach innen und nach außen aufs Würdigste vertrete»». Ausgestaltet mit selten guten Herzeuseigeuschasten hat er nicht nur allen in der Gemeinde bestehenden Wohlthätigkeitsvereinen, deren Vorsitzender oder Vorstandsmitglied er gewesen, seine größte Fürsorge zugewandt, sondern auch selbst eine Reihe wohlthätiger Stiftungen ins Leben gerufen. Um den weniger Bemittelten der Gemeinde helfend zur Seite zu stehen, begründete er eine Darlehnskasse. Nach Vollendung des neuen Gemeinde- und Schulhauses überwies er der Gemeinde einen Fonds zur Beschaffung einer Schulbibliothek und einer Präinie für den besten Zögling der ersten Volksschulklasse. Anläßlich der Bar- Mizwahfeier seines einzigen Sohnes errichtete er im Bereit» mit seiner Gattin die „August und Elsbeth Dux/sche Schenkung" für Bar--Mizwah »ind Konfirmanden. Sein 25jähriges Geschäftsjubiläum gab »hm willkommene Veranlassuug, in hochherziger Weise der Gemeinde eine namhafte Summe zuzuweuden, um an Stelle des nicht mehr ausreichenden Meyer Meyerhos'schen Stistshaus ein neues erbaue»» zu könne»», in welcher»» ehrbare arme jüdische Wittwen freie Wohnung erhalten. Diese letzte Stiftung widmete er in wahrhaft aufrichtiger Pietät dem Andenken seiner seligen Eltern Wolf Wilhelm Dux und Henriette Dux, geb. Ellrodt. Kurz, der Heimgegangene hat in seiner Herzensgute jede Gelegenheit benutzt, Werke der Wohlthätigkeit und der Nächstenliebe zu üben, nicht nur gegen seine Glaubensgenossen, sondern gegen alle Menschen ohne Unterschied der Konfession.— Am 23. d. M. ist die sterbliche Hülle dieses edlen Mannes zu Grabe getragen worden. Die Theilnahme bei seiner Beerdigung war eine allgemeine, auch seitens der nichtjüdische»» Bevölkerung folgte»» viele seiner Bahre, unter anderen der hiesige Arbeiterbildungsverein, dessen langjähriges Ehrenmitglied er gewesen. Zuvor hatte im Sterbehause die Trauerfeier stattgefuuden. Landrabbiner Dr. Lewinsky hielt in tiefergreifeuder Weise die Trauerrede und schilderte, anknüpfend an die Schristworte l.Buch Moses, Kapitel 39,5: „Und der Scgendes Ewigen war in allem, was sein war, sowohl im Hause wie auf jeniem Arbeitsfeld draußen," wie der Dahingeschiedene in jeder Weise segensreich gewirkt, in seiner Familie, in der Gerueinde, in der Stadt und weit über deren Grenzen hinaus.— Auf den» Friedhofe widmete der Redner dem Verblichenen noch tiefempfundene Abschiedsworte Nameus der Hinterbliebenen Gattin und Kinder, der Verwandten und Freunde des Gesammtvvrstandes und aller Gemeindemitglieder sowie in seinen» eigenen Namen. Wohl jeder verließ den Gottesacker mit den Worten : „Das Andenken des Gerechten ist zum Segen." D München, 18. Dezember. Der V. I. St. lVerein jüdischer Studenten in» „B. I. C." an der Universität München) eröffnete das Wintersemester (das sechste seit seinem Bestehen) unter de»» günstigsten Auspizien. Die Chargenwahl ergab zunächst folgendes Resultat: eand. ^ur. Paul Hertz X. onnd. »ued. Max Sichel xx, stud. dien». Walter Weigert XXX. Aus der Vereinsthätigkeit ist besonders die Reichhaltigkeit der allwöchentlich stattgehabten Vorträge, an die sich stets eine rege Diskussion anschloß, hervorzuheben, eil» Beweis dafür, daß der Verein die wissenfchastliche Tendenz seines Programms erfüllt, durch Verbreitung der Geschichte und Litteratur des jüdischen Volkes auf seine Mitglieder im weitesten Sinne einzuwirken. Es sprachen: Bbr. stud. ellem. Weigert über „Die Juden in der deutsche»» Kriminalstatistik". Herr Dr. ptül. Theodor Lessiug über „Spinozas Theorie der Affekte". Bbr. stud. med. dant. Gitlis über „Die Jude»» in England-, Bbr. stuck, ffur. Jacobsou über „Das jüdische Eherecht", Bbr. eanck. M»-. Hertz über „Die jüdisch-deutsche Sprache", Bbr. caud. mell. Stahl über „Bar Kochba und seine Zeit" und Bbr. stud. med. dent. Block über „Das jüdische Weib". Im Laufe des Semesters werden noch mehrere Vorträge von Herren aus der hiesigen Bürgerschaft gehalten