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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-02 · Heft 1 (2.1.1903) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 1 (2.1.1903)
Date
1903-01-02
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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5 Thätigkeit ist das 1896 erschienene Ruch „Die Entwickelung der Arbeiterberufsvereine in Großbritannien und Deutschland". Eine ganz besondere Seite seiner Wirksamkeit, und doch auch wieder so echt sozial, ist seine Arbeit für die Förderung der Volksbildung, die stets die Voraussetzung allen, auch sozialen Fortschrittes sein wird. In dieser Ueberzeugung wurde Hirsch Mitbegründer der „Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung", und seine größte That in dieser Beziehung ist die Gründung der „Humboldt-Akademie", die bekannt genug ist, daß wir einer ausführlicheren Darstellung dieser einen großen Theil des Berliner geistigen Lebens in sich bergenden Volksuniversität überhoben sind. Ihre Statistik des letzten Quartals war: 8 Lehrstätten, 44 aktive Dozenten, 125 Vortragschklen und 5350 eingeschriebene Hörer. Max Hirsch, der ein Vetter und Schüler Ludwig PhiliPPsons ist, hat auch stets, wo es galt, für die Rechte seiner Glaubensgenossen, im Emanzipationskampfe sowohl wie in der Abwehr gegen den Antisemitismus, seinen Mann gestellt. Auch an allen Bestrebungen zur sozialen Hebung und geistigen Läuterung innerhalb des Judenthums hat er sich immer mit regem Eifer betheiligt. Wenn wir Max Hirsch an dieser Stelle herzlichst Glück wünschen zu seinem Ehrentage, so möchten wir vielmehr denjenigen Glück wünschen, die die Früchte von Hirschs Lebensarbeit davongetragen haben, den Tausenden und Abertausenden, denen Hirschs soziale Wirksamkeit den sozialen Kampf erleichtert hat, und die aus den Hörsälen der Humboldt-Akademie jetzt seit fast einem Vierteljahrhundert geistige Nahrung davontragen. Und indem wir dies thun, glauben wir am besten der geistigen Bedeutung Max Hirschs gerecht zu werden. Er hat, um mit dem Dichter zu reden, die Welt in seinen Freunden gesehen, die das ganze deutsche Volk war, und verdient daher wie Einer, daß die Welt von ihm erfahre. H. H. Imn Kapitel von den jüdischen Oberlehrern an den höheren Lehranstalten Preußens. (A^Ansere in Nr. 45 d. Bl. veröffentlichte Zusammenstellung über die jüdischen Oberlehrer an den höheren Lehranstalten Preußens hat, wie wir hören, den ver-. schämten Antisemiten Anlaß zur Erregung gegeben. Eine bekannte Berliner Tageszeitung hat die Statistik sogar einer scharfen Kritik unterzogen. Und der Grund dieses Aergernisses? Weil wir festgestellt haben, daß gegenwärtig in Berlin die Zahl der jüdischen Oberlehrer etwas höher ist, als nach dem Verhältniß der jüdischen Bevölkerung zur christlichen zu erwarten wäre, ja das; dies in gewissen; Sinne selbst für ganz Preußen gilt. Daß wir über diese Thatsache eine besondere Befriedigung empfunden haben, davon wird man wohl in unseren; Aufsatze, selbst kein; aufmerksamsten Durchlesen, nichts spüren. Wir haben nur auf Grund des amtlichen Materials eine gewisse Thatsache festgestellt, wie wir in frühere;; Jahren nach Erscheinen des Kunze-Kalenders in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthnms" nachwiesen, daß die Zahl der jüdischen Oberlehrer geringer war, als es dem Verhältniß der jüdischen Bevölkerung zur christlichen entsprach. Wir haben diese Thatsache zu erklären versucht, und wir haben schließlich, was uns als das Wichtigste erscheint, die jungen Leute, die sich etwa an¬ Schüler evangelisch 3447 katholisch 292 jüdisch 1284 Oberlehrer 193 4 9 Schüler 2722 120 615 Oberlehrer- 119 6 Schüler 817 36 1141 Oberlehrer- 34 3 3 j Schüler 4722 212 415 i Oberlehrer 131 2 20 > gesichts der scheinbar günstigen Aussichten den; Studium eines für das Lehramt in Betracht kommenden Faches widmen wollen, nachdrücklich vor einer solchen Absicht gewarnt. Unter den circa 1000 Abiturienten, die im verflossenen Jahre die höheren Lehranstalten Preußens verlassen haben, um sich dem Stndinm eines solchen „Lehrfaches" zu widmen, ist glücklicherweise die Zahl der Juden verschwindend gering; wir nehmen an, daß sich die wenigen jüdischen Neuphilologen, die sich darunter befinden, auf eine andere Laufbahn als die eines Oberlehrers an höheren Lehranstalten vorzubereiten gedenken. Sie würden sonst auch bei den größten Fähigkeiten arge Enttäuschungen erleben. Befriedigung über die paar Anstellungen! Gewiß, prozentualiter überwiegen in Berlin die jüdischen Oberlehrer die christlichen, wenn man nur das Verhältniß der Bevölkerung ins Auge faßt. Wenn man aber die Zahl der jüdischen Schüler mit der der christlichen vergleicht, wird das Bild wesentlich anders. An den städtischen Gymnasien Berlins waren an; 1. Februar 1902 an den Realgymnasien an den Oberrealschulen an zwölf Nealschnlen Dazu kommen noch die staatlichen Anstalten Berlins (nur Gymnasien): Schüler 2324 107 719 Oberlehrer 120 — 1 Diese Zusammenstellung ist in vieler Beziehung interessant. Sie zeigt, daß die Juden Berlins eine besondere Vorliebe für das Gymnasium besitzen, da fast ein Viertel aller Berliner Gymnasiasten jüdischen Bekenntnisses ist. In einen; königlichen Gymnasium (Wilhelinsgymnasium) stehen sogar 274 evangelischen und 10 katholischen 303 jüdische Schüler gegenüber, und an den; französischen Gymnasium sind neben 132 evangelischen 122 jüdische Schüler. An beiden unterrichtet kein Jude; von den 313 Gymnasialoberlehrern in Berlin sind nur 10 Inden. An den Realgymnasien sind etwas überein Sechstel der Schüler Juden und an den lateinlosen höheren Lehranstalten ungefähr ein Zwölftel. An den letzteren ist die Zahl der jüdischen Oberlehrer höher, als nach der Zahl der jüdischen Schüler zu erwarten stand. Die jüdische Frequenz ist also durchaus nicht für die Anstellung der jüdischen Oberlehrer entscheidend gewesen. Für manche Fächer, insbesondere für Mathematik und Naturwissenschaften, hat man eben oft überhaupt keinen einigermaßen brauchbaren nichtjüdischen Kandidaten mehr: so stellt man denn schließlich auch einmal einen Juden an, weil man sich sonst kann; mehr zu Helsen weiß. Unter den in; „Kunze" aufgeführten 18 Probanden der Provinz Brandenburg, die an; 1. Oktober austellungsfähig geworden sind, befinden sich drei Mathematiker, darunter ein Jude; sie sind sämmtlich bereits als Oberlehrer angestellt worden. Daß die höheren Schulen stark von Juden besucht werden hat mancherlei Gründe, über die aus Anlaß der Veröffentlichungen Petersilies Herr Dr. Hoppe vor wenigen Wochen an dieser Stelle berichtet hat. Der wichtigste scheint mir jener

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