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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-12-26 · Heft 52 (26.12.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 52 (26.12.1902)
Date
1902-12-26
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Obhut (darunter Aachen 3). Nerr ausgenommen beziehungsweise uutergebracht wurden 14. Nach beendeter Lehrzeit schieden aus 7 (darunter auswärts 3). Von den neu Aufgeuommenen schied ein Lehrling nach kurzer Zeit wieder aus, weil dessen Angehörige andere Bestimmungen über dessen Beruf getroffen hatten. Am Ende des Berichtsjahres waren noch 29 Lehrlinge beziehungsweise Fachschüler vorhanden, wovon im Lehrlingheim zu Düsseldorf 20. in Aachen 3 sich befanden und anderwärts 6 untergebracht waren. Nach den Berufsarten sind in diesem Jahre nach beendeter Lehrzeit ansgeschieden: 2 Buchbinder, 1 Zigarrenmacher, 2 Sattler, 1 Schneider, 1 Schlosser. Von den neu aufgenommenen Lehrlingen wurden: 3 Dekorationsmaler und Anstreicher, 2 Klempner und Installateur, 1 Polsterer und Dekorateur, 1 Sattler und Polsterer, 4 Schlosser, 2 Schreiner. In Düsseldorf und Aachen hatten die Lehrlinge Gelegenheit, durch den Besuch der städtischen Fortbildungsbeziehungsweise Abendschulen sich im Zeichnen und anderen Fächern weiter auszubilden, und im Schreiben, L^sen, Rechnen, Buchführen rc. erhielten die Lehrlinge im Lehrlingsheim in Düsseldorf außerdem noch in wöchentlich 2 Stunden Unterricht. Aus dem Rechnungsabschluß ist ersichtlich, daß der Verein über einen Kassenbestand von M. 2326.18 in Düsseldorf und M. 1084.03 in Aachen verfügt. Der Ausschuß des Vereins besteht aus den Herren: G. Herzfeld, Düsseldorf, Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Levisohn, Düsseldorf, stellvertr. Vorsitzender, Jos. Levisohn, Düsseldorf, Schriftführer, Dr. B. Auerbach, Köln, Rabbiner Dr. Auerbach, Elberfeld, Rabbiner Dr. David, Düsseldorf, Friedrich Drucker, Köln, Jos. Gottschalk. Köln, Isidor Goldschmidt. Dortmund, I. de Jonge, Köln, I. S. Hirschland, Essen, Rabbiner Dr. Jaulus, Aachen, I. Levy jr., Köln. Moritz Katzenstein, Bielefeld, Sanitätsrath Dr. Levisohn. Siegsburg. Jacob Lippmann. Aachen, Jos. Metz, Düsseldorf, PH. Neckarsulmer Köln, Engen Rothschild, Trier, Leonh. Tietz, Köln. o. Frankfurt a. M., 20. Dezember. Sie bringen säst allwöchentlich Berichte aus unserer Gemeinde, die fast ausschließlich unsere Wohlthätigkeitsanstalten betreffen. So dürste es Sie auch ohne Zweifel interessiren, wie ein preußischer Generalleutnant sich über die Wohlthätigkeit der Juden äußert. Herrmann v. Chappuis, Generalleutnant z. D.. früher Adjutant des Prinzen Albrecht und Arrangeur der Hoffestlichkeiten unter Wilhelm I.. hat soeben unter dem Titel: „Bei Hofe und im Felde" seine Lebenserinnerungen erscheinen lassen. Er sagt darin: „Es muß anerkannt werden, daß diese (unsere israelitischen Mitbürger) sich jeder Zeit mit ihren Mltteln und ihrer Thätigkeit bei allen der Wohlthätigkeit und der Wissenschaft dienenden Anstalten und Veranstaltungen hervorragend betheiligen. Männer, wie Baron Rothschild und Georg Speyer, verwendeten schon bei Lebzeiten viele Millionen für wohlthätige Zwecke; Charles Hallgarten, Wilhelm Merton und viele Andere thun das Gleiche und dienen auch mit ihrer Arbeitskraft der guten Sache." 8. Frankfurt a. M., 12. Dezember. Auf Einladung eines Kreises angesehener Glaubensgenossen, der Herren Direktor Dr. Adler, Rechtsanwalt Dr. Blau, Charles L. Hallgarten, Rabbiner Dr. Horovitz, Rechtsanwalt Plotke und Joseph Wisloch u. s. w., fand am vorigen Sonntag Hierselbst im Sitzungssaals der „Israelitischen Männerkasse" eine Versammlung statt, zu welcher sich neben zahlreichen hiesigen Notabilitäten auch mehrere Vertreter benachbarter größerer Gemeinden eingesunden hatten. Nachdem der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Horovitz, die Erschienenen begrüßt und den Zweck der Zusammenkunft, die Bildung eines Loka l ko in itees des „Hilfsvereins der deutschen Juden", mitgetheilt hatte, ergriff Dr. Paul Nathan-Berlin das Wort, um in eindrucksvoller Rede über die Ziele des Vereins und seine bisherige Wirksamkeit zu reseriren. Mit gerechter Genugtuung hob Redner die bemerkenswerte Thatsache hervor, daß, trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse und trotz der Ueberlastung der jüdischen Wohlthätigkeit mit Aufforderungen mannigfachster Art, der „Hilfsverein" nach kaum mehr wie einjährigem Bestehen bereits über 3000 Mitglieder zähle und mehr wie 100000 Mark an Einnahmen aufzuweisen habe — sicherlich das beredteste Zeugniß für das lebhafte Interesse, das seinen Bestrebungen Seitens weiter Kreise der deutschen Judenheit entgegengebracht werde. Dabei sei wohl der äußere Rahmen der Organisation hergestellt, aber die Propaganda selbst noch auf relativ enge Kreise beschränkt, sodaß auf eine namhafte Steigerung der Zahl der Beitragleisten den und damit der Mittel des Vereins mit Zuversicht gehofft werden dürfe. Die eigentlichen Arbeitsgebiete haben bisher Galizien und Rumänien gebildet, während für die geplärrte Ausdehnung der Thätigkeit auf den Orient die Vorarbeiten noch nicht beendigt sind. In Galizien wurden mit der Einführung verschiedener Zweige von Hausindustrien, namentlich der Haarnetzarbeiten, sehr günstige Resultate erzielt, welche zu einer Erweiterung dieser Unternehmungen ermuntern. Auch an der Hilfsaktion für unsere bedrängten Glaubensgenossen in Rumänien habe der Verein in mannigfachen Formen lebhaften Antheil genommen, und zwar Hand in Hand mit der ^.Ilianas isruMW univtzrseile, der u. A. zur Errichtung der überaus segensreich sich bewährenden Darlehnskassen der Betrag von 10000 Mark zur Verfügung gestellt wurde. In diesem Zusammenhänge hob Redner mit ganz besonderem Nachdruck hervor, daß der „Hilfsverein", wie mit der altbewährten ^llmneo, mit sämmtlichen großen Organisationen, deren Thätigkeit unseren nothleidenden Glaubensgenossen in den Ländern des Ostens gelte, insbesondere mit den B'nei Brith-Logen, das freundschaftlichste Verhältnis; unterhalte. An das sehr beifällig aufgeuommene Referat schloß sich ein angeregter Gedankenaustausch, als dessen Ergebniß die Errichtung eines Lokalkomitees für Frankfurt a. M. einstimmig beschlossen und durch die Wahl der dasselbe bildenden Mitglieder vollzogen wurde. Die Delegirten der Nachbargemeinden sicherten zu, diesem Vorgehen zu folgen und auch in ihren Bezirken Zweig-Organisationen zu bilden So hat denn der vortreffliche „Hilssverein" erfreulicher Weise auch in der zweitgrößten jüdischen Gemeinde Deutschlands eine seinen Humanitären Bestrebungen würdige Vertretung gesunden, von welcher er eine bedeutsame Förderung seiner weiteren Entwickelung und seiner Wirksamkeit erhoffen darf. Bayreuth, 18. Dezember. Einer der angesehensten Männer unserer Stadt und Gemeinde der G e n er a l a rzt a. D. Dr. Julius Stein, feierte am 30. v. M. in voller Frische und Regsamkeit seinen 80. Geburtstag. Die Feier bewies, welche Hochachtung dem Jubilar hier von allen Seiten entgegengebracht wird. Die Olfizierkorps der 6. Chevauxlegerregiments, in dem Dr. Stein diente und bis zürn Generalarzt avancirte, sowie des 7. Infanterieregiments „Prinz Leopold" ehrten ihn in besonderer Weise. Von der Regimentsmusik wurde um Mittag vor seiner Wohnung ein Ständchen gebracht, während im Innern derselben Gratulanten ans den ersten Kreisen des Militär- und Zivilstandes ihm ihre Huldigungen darbrachten, und Geschenke in unübersehbarer Fülle sein Heim schmückten. Generalarzt Dr. Stein hat als Arzt besonders im deutsch-französischen Kriege sich ausgezeichnet und wurde für seine Leistungen mit dem eisernen Kreuz sowie mit der goldenen Medaille dekorirt. Er erhielt auch noch andere Auszeichnungen während seiner langen und ehrenvollen Laufbahn im bayerischen Heere. (D Ettwangen, im November. Bezeichnend für die Unduldsamkeit mancher klerikaler Kreise ist ein Preßprozeß, der sich an; 13. November vor dem hiesigen Schöffengericht abspielte. Die „Jagstzeitung und Bopfinger Tageblatt" hatte das bekannte Gedicht „Mein Glaube", das die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" schon wiederholt abgedruckt hat. und das einen auch als Dichter bekannten und berühmten namhaften katholischen Geistlichen, den Domherrn Ignaz Heinrich Carl von Wessenberg, zum Verfasser hat, zum Abdruck gebracht. Darauf erschien im „Jpf" Nr. 132 ein von dem katholischen Pfarrer Waldraff verfaßter Artikel „vom Härtsfeld" mit der Ueberschrift: „Das Bopfinger Tagblatt im Dienste des Unglaubens". Der Artikel erhebt gegen den Redakteur Weil, den „israelitischen Dogmatiker", die schwersten Vorwürfe. Nachdem er behauptet, daß in dem Gedicht „der nackte Unglaube" zum Allsdruck komme, und er es „ein frivoles Machwerk", „ungläubiges Geschreibsel" genannt hatte, heißt es weiter: „Immerhin ist es äußerst abgeschmackt und anmaßend, wenn ein Jude in christlichen Glaubenssachen macht und sich als Reformator der christlichen Glaubens- und Sittenlehre einen Namen verschaffen will. Derartige Frivolitäten müssen auch dem verschlafensten Katholiken die Augen öffnen, so daß sie sich sagen müssen: „Nein, das geht denn doch übers Bohnenlied" so gemüthlich sind auch wir wir nicht, daß wir unseren Glauben uns aus der israelitischen Redaktionsstube des L. Weil in Eüwangen vorschreiben lassen." Aus Grund dieser Aeußerungen erhob der Redakteur der „Jagstzeitung", L. Weil, gegen den verantwortlichen Redakteur des „Jpf", B. Nnber und den Pfarrer Waldraff in Auernheim Beleidigungsklage. Das Schöffengericht verurtheilte den Pfarrer Waldraff zn 100 Mark, den Redakteur des „Jps", Nnber", zu 75 Mark Geldstrafe. Aus der Begründung des Urtheils seien hier folgende bemerkenswerthe Ausführungen wiedergegeben: „Bezüglich

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