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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-12-26 · Heft 52 (26.12.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 52 (26.12.1902)
Date
1902-12-26
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Kursürstenstraße, aus Anlaß der Feier seiner silbernen Hochzeit dem Verein für Taubstumme gestiftet hat. Die Feier verlief sehr eindrucksvoll und wurde dieselbe in der schön geschmückten Halle durch Gesang der Waisenkinder eingeleitet, worauf Geheimrath Boas im Namen des Vereins die Stiftung übernahm und dem Spender und seiner Gattin dankte. Hierauf sprach Direktor Reich, indem er hervorhob. daß die Turnhalle eine fühlbare Lücke ausfülle, auf welche Ansprache Herr Iacobi in sehr schönen Worten den Dank von sich wies, der nicht ihm gebühre, sondern der Vorsehung, die ihn in die Lage versetzt, solches stiften zu können. Eine Turnübung der Taubstummen und Gesang der Waisenkinder schloß die erhebende Feier. --- Potsdam, 19. Dezember. Am Freitag stand in der hiesigen Stadtverordnetenversammlung wieder das Verbot des Schächtens auf dem Schlacht Hofe ans der Tagesordnung. Stadtverordneter königlicher Obermaschinenmeister Artelt machte dem Magistrat den Vorwurf, daß er die Angelegenheit verschleppt habe, und verlangte als Mitglied des Thierschutzveins aus Humanitären Gründen die Beseitigung des Schächtens, zumal nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Sachen der Stadt Angermünde die Kommunen das Recht haben, darüber Bestimmungen zu treffen. Oberbürgermeister Zähne verwahrte sich entschieden dagegen, daß der Magistrat die Sache verschleppt habe, und wies darauf hin, daß ein Beschluß der Versammlung wegen Erlaß eines Schächtverbotes nicht vorliege, daß sie vielmehr damit einverstanden gewesen sei. eine neue Schlachthausordnung erst nach dem Erlaß eines Landesgesetzes einzusühren: „Fassen Sie Ihren Initiativantrag, ich antworte nicht daraus," schloß der Oberbürgermeister im Namen des Magistrats. Stadtverordneter Rechtsanwalt Dr. Friedländer führte aus, daß die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Sachen der Stadt Aiigermüride nur einen nebensächlichen Punkt betraf, die Entscheidung über den Hauptpunkt stehe noch aus. Er wies darauf hin, daß, wenn in Potsdam das Schächtverbot wirklich erlassen würde, die jüdischen Einwohner in Nowawes oder einem anderen Ort schächten lassen würden. Schließlich stellte er den Antrag aus Uebergang zur Tagesordnung, der aber nur 14 Stinuneu erhielt. Ein Antrag des Geheimen Nechnungsraths Hinze, die Angelegenheit zu vertagen, bis eine bestimmte Entscheidung in Sacken Angermünde vorliege, wurde gegen 19 Stimmen abgelehnt und dagegen der Antrag der Stadtverordneten Froelich und Genossen, schleunigst die Schlachthossordnuug abznändern und das Schächten Zu verbieten, mit geringer Mehrheit angenommen. i'. Danzig, 19. Dezember. Am 9. d. M. wurde auch hier der Versuch gemacht, sür den Zionismus zu agitiren. Die „Zionistische Vereinigung für Deutschland" hatte durch ein anonymes Komitee zu einem Vortrag des Herrn Dr. Gronemann-Hannover über das Thema: „Der Zionismus" eingeladen und es hatten sich zahlreiche Gemeindemitglieder eingesunden, ein großer Theil in dem Glauben, daß Rabbiner Dr. Gronemann aus Hannover, welcher vor etwa 20 Jahren hier an der damaligen Weinberger Gemeinde amtirt hat, sprechen würde. Unter Führung des Droguerie-Besitzers Apothekers Hammer betrat jedoch der jugendliche Sohn des Rabbiners, Referendar Dr. Gronemann, das Podium und stellte in etwa einstündiger Rede als Hauptziel des Zionismus die Kolonisirnng Palästinas und die Schaffung einer „öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte" sür unsere verfolgten Glaubensgenossen hin. Sein Vortrag fand um so stärkere« Beifall, als der Redner durch Parabeln, Gleichnisse und Bonmots oft die Heiterkeit seiner Zuhörer zu erwecken wußte. Als jedoch in der sich anschließenden Diskussion verschiedene Redner, namentlich die Herren Rechtsanwalt Steinhardt, Rabb. Dr. Frendenthal, der erste Vorsitzende der Gemeinde Gustav Davidsohn, Rechtsanwalt Behrendt u. A. den Ausführungen des Vortragenden sehr entschieden gegenüber traten und die Bestrebungell des Zionismus in einem anderen Lichte zeigten schlug die Stimmung sehr bald um und der einzige Vertheidiger, den der Redner in dem Geschäftskomnüssionär Herrn Michaelsohn fand, vermochte die verlorene Schlacht nicht mehr zu retten. Der Erklärung, daß die Juden Danzigs gute Bürger ihrer Stadt und treue deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sind und bleiben wollen, und daß diese Bestrebungen hier keinen Boden hätten, wurde allseitig lebhaft zugestiuuilt. und damit schloß die Versammlung nach Mitternacht. Die ausgelegteu Listen fanden nur sehr wenige Unterschriften, und auch diese rührten fast gar nicht von Mitgliedern der hiesigen Gemeinde her. ----- Breslau, 21. Dezember. Die 24. Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen findet am 25. d. M., Vormittags 11 Uhr, hier im Repräsentanten-Sitzungst saale der Synagogengemeinde (Wallstraße 14. II) statt. Die Tagesordnung lautet : 1. Berichterstattung des Vorstandes über das Vereinsjahr 1901/02 sowie über die Thätigkeit des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. 2. Rechnungslegung der Kassenverwaltuug. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Referat über das Verbandsthema „Die Psalmen" mit anschließender Probelektion über Psalm 30. (Schweitzer-Glogau). 5. „Das Verhältniß der Rabbiner zu den Lehrern". (Stern-Kempen). 6. Welche Mittel hat die Schule und insbesondere die jüdische Religionsschule anzuwenden, um die Religiosität in der Jugend zu entwickeln." (Falkenstein-Landeshut). 7. „Zweck und Ziel der Lehrerversammlungen in den verschiedenen Provinzen!" (Haase-Küstrin). 3. Bericht über den Delegirtentag in Hamburg. (Bähr Waldenburg. Moops-Breslau). 9. Etwaige Anträge aus der Mitte der Versammlung. e. Cosel, 17. Dezember. Am verflossenen Sonntag wurde hier das fünfzigjährige Amtsjubiläum des Lehrers und Predigers A. Krolik festlich gefeiert. In der Synagoge wurde ein besonderer Gottesdienst vom Oberkatttor Davidsohn aus Gleiwih abgehalten. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Löwenthal aus Tarnowitz. Er entwarf in derselben ein fesselndes Bild von der unermüdlichen Thätigkeit des Jubilars aus dem Gebiete der Schule und der Synagoge. Nach dem Gottesdienst erschienen in der Wohnung des Jubilars viele Gratulanten; außer zahlreichen Privatpersonen hatten sich auch nicht wenige Abordnungen öffentlicher Körperschaften zur Beglückwünschung eingefunden. so von der Stadt, von der Geistlichkeit beider christlichen Konfessionen vom Progymnasinm, vom Hypothekenverein, vom Vorschußverein, vom Gesangverein u. A. Es wurden dem Jubilar auch viele werthvolle Geschenke überreicht. Während der Gratulationskour konzertirte die Regimentskapelle. Um 3 Uhr Nachmittags begann im Urbachffchen Saale das Festessen, zu dem sich gegen 100 Theilnehmer eingesunden hatten. Eine lange Reihe von Tischreden wurden gehalten auf das Wohl des Jubilars und der Seinen. Während des Mahles wurde Herrn Krolik die ihm verliehene Auszeichnung, der Kronenorden 4. Klasse, von Laudrath v. Hauenschild überreicht. VA'A' Hildeshetm, 21. Dezember. Ich melde Ihnen heute eine Trauerbotschaft. Der langjährige erste Vorsteher unserer Gemeinde, August M. Dux, einer der angesehensten und besten Männer unserer Stadt, ein Mann, der ein warmes Herz hatte sür das Jndenthum und der dies sein Leben lang stets bethätigte, ist am 20. d. M. im fast vollendeten 54. Lebensjahre nach langem schweren Leiden gestorben. Welch ein Verlust das sür unsere Gemeinde ist, läßt sich gar nicht ermessen. Das Leichenbegängniß findet am Dienstag statt, und nach demselben werde ich Ihnen über das Leben und die Bedeutung des Mannes, dessen Andenken in der Geschichte Hildesheims nicht verloschen kann, ausführlicher berichten. N. Hamburg, 21. Dezember. Der erste Sekretär der Deutsch- Jsraelituchen Gemeinde, Herr Ad. M. Heymann beging am 16. d. M. in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Seit dem Jahre 1861 als Gemeindebeamter thätig und später, als Nachfolger des verewigten Herrn Z. H. May, mit der Leitung des Sekretariats betraut, hat sich der Jubilar um die Entwickelung der Gemeinde- Institutionen mannigfache Verdienste erworben. Die zahlreichen Ovationen, welche ihm an seinem Ehrentage dargebracht wurden, legten für die hohe Achtung und Wertschätzung, derer er sich erfreut, ehrendes Zeugnrß ab. Schon in früher Morgenstunde überbrachte eine Deputation des Gemeiudevorstandes ein Blumen- Arrangement in kostbarer Majolikavase und eine Adresse mit der Aufschrift: „Der Gemeindevorstand seinem verdienstvollen Mitarbeiter." Dann erschienen Abordnungen der Repräsenkanten-Versammlung, des Vorstandes des Synagogenverbandes und zahlreicher gemeinnütziger Institutionen, welche Ehrengaben, Adressen u. s. w. überreichten. Von Nah und Fern trafen in großer Zahl Glückwunschschreiben, Blumenspenden u. s. w. ein. — Düsseldorf, 21. Dezember. Der Verein zur Förderung der Handwerke und technischen Berufsarten unter den Juden erstattet seinen Bericht über das abgelausene Jahr. Das beste Zeugnis für den Verein ist es, daß im Laufe der Zeit recht viele Vereine mit gleichen Bestrebungen sich gebildet haben. Bei Beginn des Berichtsjahres waren 23 Lehrlinge beziehungsweise Fachschüler unter

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