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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-12-26 · Heft 52 (26.12.1902) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 52 (26.12.1902)
Date
1902-12-26
Page
Seite 615 (sequence 5)
Language
German
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615 London, L. Mühlfeld-Paris, Dr. Albert Fränkel-Leipzig; die hebräischen Schriftsteller: Dr. S. Mandelkern-Leipzig, A. S- Friedeberg-Warschau, Dr. A. Kammer-Kiew, R. A, Braudes-Wien; die Künstler: Professor Jadassohn-Leipzig, Professor Salomon- Stockholm, M. Antokolski-Petersburg. Von den Männern, die im öffentlichen Leben wirkten: Landgerichtsrath Dr. Jacob Cohn - Wien, Kommerzienrath Julius Levy - Jnowrazlaw, Siegfried Sachs-Berlin, Leonhard Lewison-Newyork, I. Steinberg-Münster, M. W. Hinrichsen und Siegmund Hinrichsen- Hamburg, Dr. P. Fürstenberg-Gothenburg, Georg Speyer- Frankfurt a. M., Magistratsrath Berlin-Fürth, Magistratsrath Kohn-Nürnberg, Julius Grünwald-Berlin, S. Neuberg-Hannover, Moritz Guggenheimer-München, Justizrath Apolant- Berlin, Eugen Rosenstiel-Berlin, Stadtrath Mamroth-Berlin, General Abraham - Paris, Kommerzienrath G. Herzfeld- Hannover, Leopold Minden-Berlin, Ferd. Reichenheim-Berlin, SignorG. Polaccv-Sofia.H.Wawelberg-Waschau, Geh. Sanitätsrath Ehrenhaus-Berliu, August M. Dux-Hildesheim. Es wäre undankbar, wollten wir hier nicht auch der Männer gedenken, die, obwohl nicht unserem Bekenntniß angehörig, doch für Juden und Judenthum während ihres ganzen Lebens segensreich gewirkt haben, wie Emile Zola, Heinrich Rickert, Rudolf Virchow, L. Jordan, Baron Suttner, Dr. Lieber, Otto Gildemeister. Möge das Andenken der Gerechten und Edlen ein Segen werden für die kommenden Geschlechter! r Der „theure Gottesmann", Herr Hofprediger a.D. Stöcker, hat in dieser Woche seinen 67. Geburtstag gefeiert. Von antisemitischer Seite wurde bei diesem Anlässe eine Erinnerung an — Richard Wagner wieder ansgegraben, der einmal Stöcker „den einzigen Mann" im Deutschen Reichstag genannt hat. Professor Ludwig Schemann in Freiburg, der dies berichtet, hat zugleich auch eine Diatribe des berühmten Musikers gegen Bismarck mit angehört, weil dieser — zu judenfreundlich gewesen sei. Er schreibt darüber: „Ich slbst war einmal (Dezember 1877) Zeuge, wie eine der bittersten Beschwerden, die Wagner gegen Bismarck aus dem Herzen hatte, nämlich die, daß dieser der Grobzüchtung des Judenthums im deutschen Volksleibe — zum mindesten gesagt — nicht gewehrt habe, sich in elementarer Weise aus seinem Innern Hervorrang. Seine Klagen über das unsägliche Elend, das die Juden über unser Volk gebracht, gipfelten in der Schilderung des Schicksals des deutschen Bauern, der bald keine Scholle eigenen Bodens mehr besitzen werde, um sein Frühstück daraus zu verzehren. „Und das Alles geschieht » unter den Augen des Germanen Bismarck!" Nie habe ich ihn auch nur annähernd wieder so in heiligem Zorne ausstammen sehen; nach den letzten Worten stürzte er, völlig außer sich, hinaus in die Winternacht, um erst nach einer Weile, nachdem der Paroxysmus verflogen, mit seinem Neufundländer, der ihn inzwischen bis zu toller Ausgelassenheit beruhigt hatte, wieder hereinzukommen." Schade, daß die Herrn Loeser, Davidsohn, Porges, Levi, Präger und all' die andern Förderer und Interpreten der Wagner-Kunst diesen „Paroxysmus" nicht mit erlebt haben. Aber wer weiß, ob er in ihrer Gegenwart überhaupt ausgebrochen wäre! In Anhalt-Dessau ist ein neuer Minister ain Ruder. An Stelle des bisherigen Haus- und Staatsministers v. Koseritz ist der preußische Geh. Negierungsrath v. Dallwitz getreten. Man schreibt uns darüber ans Dessau: „Ohne Klagen sehen wir Juden, H-rru v. Koseritz scheiden. Wer da weiß, wie die Herzöge von Anhalt-Dessau stets mit besonderem Wohlwollen den Juden entgegenkommen, wie namentlich der regierende Herzog stets das Eindringen jeder antisemitischen Agitation in das friedliche Ländchen abzuwehren suchte, der muß den Unterschied zwischen einst und jetzt lebhaft beklagen. Und man dars Herrn v. Koseritz die zweifelhafte Anerkennung keineswegs versagen, daß er an der Aenderung dieses wahrhaft patriarchalischen Verhältnisses den Hauptantheil gehabt hat. Vor seinem Amtsantritte konnte Stöcker nicht einmal in Dessau zu Worte kommen. Seit dem Beginne seiner Wirksamkeit ist das wesentlich anders geworden. Alle Einschränkungen mit Bezug aus das Notariat, die Ernennung von Richtern, die Naturalisation rc., die in anderen Staaten aus dem Verordnungswege üblich geworden sind, haben ihren Eingang auch in unser Land gefunden. Es konnte das Niemand Wunder nehmen, der die Vergangenheit des Ministers kannte. Anläßlich einer Privatklage, die er gegen einen jüdischen Kaufmann in Cöthen wegen Beleidigung anstrengte, hat die antisemitische Presse es ausdrücklich hervorgehoben, daß Herr v. Koseritz den Gesinnungsgenossen der „Berliner Bewegung" durchaus nicht fremd sei, „denn er war im Anfänge der 8l>er Jahre Mitglied oder gar Vorsitzender des „Deutschen Bnrgervereins Bismarck" in Berlin und hat als solcher häufig öffentliche Vorträge gehalten, in denen er für die Erweckung des christlich-deutschen Geistes und gegen die Ueberhebungen des internationalen Judenthnms in energischer Weise eintrat." 8iae illas laerz-mae! Es wäre sehnlich zu wünschen, daß der neue Kurs ein anderer und besserer sein möge." Verschiedene Blätter bringen nach der „Schlesischen Zeitung" eine Nachricht aus Holland, die man erst nicht aus ihren Ursprung zu prüfen braucht, um sie als ein Ammenmärchen zu erkennen. In jüdischen Kreisen Hollands soll nämlich nach der „Schlesischen Zeitung" zur Zeit ein eigenartiger Gedanke erörtert werden: die Vereinigung der „gläubigen Juden" zn einer jüdisch-politischen Partei. Die orthodoxen Juden — von den anderen ganz abgesehen — rechneten sich bisher zu den gemäßigten Liberalen, weil sie den anderen kirchlichen Parteien nicht beitreten konnten. Sie meinen nun, man theile mit den Liberalen fast gar keine „Ideale". Dagegen seien die orthodoxen Juden durch eine Reihe von Wünschen mit den kirchlichen Parteien verbunden. In der Schulfrage, der Jinpffrage und anderen mit der Religion zusammenhängenden Sachen seien sie eines Sinnes. Wo nun ein direkter Anschluß nicht angehe, solle man eine eigene Partei bilden, die mit Kuyper und Schaepman zusammen arbeiten könne. — Soweit die Meldung der „Schlesischen Zeitung". Wir haben bis jetzt von diesem Projekt nichts gehört, und auch unser Berichterstatter aus den Niederlanden scheint nichts davon zu^vissen, da er es in seinem letzten Briefe in voriger Nummer nicht erwähnt. Wir vermuthen, daß es sich entweder um ein Mißverständniß, oder um den abenteuerlichen Plan eines müßigen Kopfes handelt, der gern eine politische Rolle spielen möchte. Unsere Glaubensgenossen in Holland sind viel zu unabhängig und charakterfest, um den Anschluß an eine Partei zu suchen, deren letzte Ziele im Grunde genommen sich ja doch gegen jede andere Religion richten. Sie haben es ja auch gottlob nicht nöthig, einen solchen Anschluß zu suchen, da ihre Lage eine durchaus günstige und die Emanzipation in den Niederlanden nicht bloß theoretisch, sondern auch praktisch durchgeführt ist. Das Rumänische Bulletin, jenes in London erscheinende Flugblatt, dessen Zweck es ist, auf die Judenverfolgungen in Rumänien aufmerksam zu machen, bringt in seiner neuesten Nummer vom 5. Dezember wieder einige interessante Aeußerungen bekannter englischer Männer über diese Angelegen-

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