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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-12-19 · Heft 51 (19.12.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 51 (19.12.1902)
Date
1902-12-19
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 der Gemeinde und besonders auf dem Felde der Wohlthätigkeitspflege gebührend gewürdigt wurde. Nachdem das hebräische Chorlied „Empor zum Licht" verklungen war, trug zum Schluß Oberkailtor Cerini noch das erhebende Todtenseierlied: „Herr, was ist der Mensch" vor. Sodann ordnete sich der schier endlose Kondukt, den eine unabsehbare Reihe von Wagen beschloß. Mattes Schneelicht erhellte noch den scheidenden Wintertag, als man auf dem alten Friedhos an der Lohestraße die sterblichen Neste Salomon Weigerts an der Seite seiner ihm im Tode vorausgegangenen Gattin beisetzte. a. Kölligshütte, 10. Dezember. Ein aus den Herren Rabbiner Dr. Goldtschmidt. Bankdirektor Paul Goldstein und Amtsgerichtsrath Kempner bestehendes Komitee hatte es unternommen, eine Wohlt h ätigke i ts aufsührun g zu veranstalten, deren Reinertrag den hiesigen israelitischen Unterstützungsvereinen sowohl wie dem Vaterländischen Frauenverein zufließen soll. Der Abend war ein schöner und wohlgelungener. Zwei Chorgesänge, der 21. Psalm und der alte, ewig junge Hymnus „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" legten Zeugniß davon ab, was Fleiß und Hingabe vermögen. Beide Choräle wurden ebenso tonschön wie sauber zum Vortrag gebracht, und gebührt dem neuen Oberkantor, Herrn Sie gismund Cohn, der sich trotz der kurzen Zeit seines Amtirens schon großer Beliebtheit erfreut' nicht zum wenigsten durch die Einführung eines trefflichen Synagogenchores, dafür volles Lob. Die verständnißvolle Begleitung auf dem Harmonium hatte Fräulein Stern, die Solopartie Herr Opernsänger- Felix Brandes übernommen. Am Klavier stritten Frau Direktor Paul Gold stein und Herr Dr. Loew um die Palme. Die zu Gehör gebrachten recht schwierigen Piecen, Romanze (Tschaikowsky), Fantasie- Impromptu (Chopin). sowie die beiden von Herrn Dr. Loew gespielten „Zwei Mazurkas" (Chopin) und die „Soiree de Vienne" zeigten außer erstklassiger Technik, hohes Verständniß. Ein Künstler des edlen Geigenspiels ist Herr Nappaport-Kattowitz, der den Abend durch das „Adagio ans der Sonate 6 clur vp. 78" (Brahms) und den „3. Satz aus dem Violinkonzert L-Znoil" (Mendelssohn) verschönte. Die Klavierbegleitung führte Frau Gräfin von Rittberg aus. Fräulein Conrad erfreute uns durch einen duftigen Liederstrauß, und gelangen ihr besonders die Koloraturen ausnehmend gut. Eine köstliche Würze erhielt der Abend durch die Rezitalion der Frau Dr. Werner-Berlin. DetlttoLdM l4. Dezember. Zur Ergänzung meiner neulichen Mittheilungen, theile ich Ihnen nachfolgende Notiz ans der „Lippeschen Laudeszeitung" mit: „Gegen den früheren Gymnasiasten Baldenecker erläßt die fürstliche Staatsanwaltschaft einen Steckbrief, da gegen ihn die Untersuchungshaft ans Grund der W 177, 43, 44 des Str.-G.-B. verhängt ist. Seit einigen Tagen ging hier das Gericht um, Baldemcker sei in Hannover verhaftet. 1. Kassel, 10. Dezember. Am letzten Sonnabend hatte das hiesige israelitische Waisenhaus den Besuch des Ober-Präsidenten und Staatsministers Grasen von Zedlitz-Trntzschler, des Regierungspräsidenten Freiherrn von Trott zu Solz, des Bürgermeisters Dr. Hochmns und des Stadtschulraths Bornemann. Die Herren nahmen die im Sitzungssaal der Anstalt ausgestellten Gegenstände des Handfertigkeitsunterrichts in Augenschein und würdigten denselben eingehender Beachtung. Die Ausstellung bot ein überraschendes Bild von der Leistungsfähigkeit der Schüler, zumal die Hebungen in der Handfertigkeit nur eine Nebenbeschäftigung bilden. Beliebt es einem Kinde in seiner freien Zeit sich nicht mit Lesen oder dergleichen zu beschäftigen, dann nimmt es sein Holzmodell und Kerbschnitzmesser zur Hand und arbeitet. Auf diese Weise wurde die Lust und Liebe zu den Arbeiten geweckt und erhalten. Wohl 250 bis 300 Gegenstände sind gearbeitet worden. Als Material wurden Modelle ans Linoleum und Holz benutzt. Wir sahen Lampenteller, Schreibmappen, Bilderrahmen. Tische, Schränke, Zeitungsmappen, Barometer. Thermometer, Papierkörbe, StoÜenbrett, Servierbreiter, Brod- und Kuchenteller. Tischlänser, Truhen, Schlüsselschräuke, Handschuhkasten rc. Alle Arbeiten, sowohl diejenigen, welche von den jüngeren als auch die von den älteren Zöglingen angesertigten. ließen deutlich erkennen, nnt welchem Fleiß und Eifer sie angefertigt wurden. Der Herr Lberpräsident sprach auch einige Knaben an und dankte Herrn Inspektor Scheye für seine Hingebung und die ausgezeichnete Leitung des Instituts in warmen Worten. Auch die zweckmäßige Einrichtung des neuen Hauses, das in allen Theilen besichtigt wurde, wie das gesunde Aussehen der Kinder fanden bei Sr. Exzellenz und den Vertretern der Staats- und Stadtbehörden den lebhaftesten Beifall. Sicherlich wird der letzte Sonnabend dem rü hrigen Kuratorium des Waisenhauses als Ehrentag in bleibender Erinnerung leben und die Herren in ihrem selbstlosem Streben kräftigen.! o. Frankfurt a. M., 4. Dezember. Der 20. Jahresbericht des! 1 „Israelitischen Hilfsvereins" (Verein zur Beschränkung des § Wanderbettels), der zugleich Auskunftsstelle für israelitische Armen- ' pflege in Frankfurt a. M. ist, wurde für den Zeitraum vom 1. Oktober 1901 bis 30. September 1902 ausgegeben. Im abgelaufenen Berichtsjahr hat der Vereins 289 M. für Unterstützungen ausgegeben (39128 Nt. im Vorjahr), davon 38839 M. (36521) aus Spezialfonds für besondere Fälle. Von 2399 durchreisenden Petenten (2309) wurden 2203^(2088) mit 7450 M. (8607) unterstützt. An Geschenken zur Verwendung gingen 7758 M. (7125) ein. Ferner wurden uns seitens des Hilsskomitees für nothleidende osteuropäische Juden 1200 M. zugewandt. Die Mitgliederbeiträge erbrachten 10335 M.j(10401), aus Spezialsonds wurden 35 235 M. (27669) eingenommen. An Geschenken zum Kapitalsonds erhielt der Verein von Herrn und Frau Max Goldschmidt-von Rothschild 3000 M., voll Frau Freifrau Wilhelm von Rothschild 2000 M., voll den Hinterbliebenen der sel. Frau Negine Weiller 1000 M., voll den Hinterbliebenen des sel. Geheimen Kommerzienrat Hs Emil Ladendnrg 1000 M., von den Hinterbliebenen der sel. Frau Fanny Hahn 1000 M-, voll Herrn Henry Bndge in Newycnk am 100jährigen Geburtstag seines sel. Vaters Moritz Bndge 1000 M., von Frau Franziska Speyer und Herrn Alfred Speyer zum Andenken an den sel. Herrn Georg Speyer 2000 M.. von Herrn Adolph Lewisohn aus Newyork 1000 M. Ferner für das Baukonto von Herrn Charles L. Hallgarten 5000 M., derselbe im Namen eines Ungenannten 1000 Nt. und Herr Henry Seligmcm 1000 M. Oesterreich-Ungarn. lH Wie«, 15. Dezember. Der Prozeß der Deutsch-V olkl ichen und Alldeutschen wurde zn Ende geführt, und Dr. Schalk, der Gegner Wolfs, ist nur zu einer geringen Geldstrafe verurtheilt worden; keinesfalls ist die Strasbemessung eine solche, daß Herr Wols dadurch rehabititirt würde! — Auch die Lokalchronik der abgelaufenen Woche weist eine stattliche Zahl von antisemitischen Betrugsfakten auf: So ist bei der Zalozna in Königgrätz ein Manko voll 120 000 Kronen entdeckt worden, wodurch zumeist kleine Leute ihren mühsam erworbenen Sparpfenllig verlieren — in Wiener Neustadt der Sekretär- Laurenz Fellner wegen Veruntreuung von Armengeldern zu drei Jahren schwereil Kerkers verurtheilt worden — in Steyr der Katechet von der Schule in Michelsdors Pater Bindenberger wegen Sittlichkeits- Verbrechen an der Schuljugend dem Gerichte eingeliesert und endlich der Kaplan von Feistriz-Pulst bei St. Veit an der Glan dem Laudesgerichte übergeben worden, weil gegen ihn der Verdacht vorliegt, in den Meßwein, den der Pfarrer beim Gottesdienste verkostet, Gift gegeben zu haben! — Am 8. d. M. ist hier der türkische Generalkonsul Josef Th alb erg an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Joses Thalberg, eine in der Wiener FlnanzweLt bekannte Persönlichkeit, stand im Alter von 64 Jahren. — Am 3. d. M. fand unter überaus großer Beteiligung das Leichenbegüngniß des greisen Stistungsrabdiners Hermann Reach in Prag statt. Derselbe genoß daselbst wegen seiner großen talmndischen Gelehrsamkeit, seinen hervorragenden Charaktereigenschaften und seinem frommen Lebenswandel des größte Ansehen. — Der wegen seines Wissens sowie seiner rechtlichen Gesinnung weithin geachtete Herr Dav id RappaP or 1 ein Neffe des gefeierten Prager seligen Oberrabbiners gleichen Namens ist am 24. v. M. nach kurzem Leiden verschieden. Der Verblichene war langjähriges Mitglied desKultnsrathes der Gemeinde Lembe rg und gehörte seit dem Bestehen der Gemeindebibliothek dem Kuratorium an. - Wiener Blätter melden: Inder gestrigen Gemeinderathssitznng wurden eine Reihe von Spenden an die Armen Wiens zurKenntniß gebracht. Eine in Bayern verstorbene Gräfin Franziska Kudrasy von Cz iksz en tkira l y, geborene Hawlawch, vermachte den Armen Wiens 160000 Kronen, doch übernimmt die Stadt die Verpflichtung. Herrn Franz Hawlawetz jährlich 4800 Kronen auszubezahlen. Dann heißt es weiter im Testament der Gräfin: „Sollte mein Neffe zur mosaischen Religion übertreten, so hat jede Subvention anfzuhöreu." . . . Noch niedlicher hört sich die Bestimmung an, die das kürzlich verstorbene Fräulein Feyerfeil, gewesene Kammerfrau der Fürstin Pauline Metternich, in ihr Testament ausgenommen hat, wonach 18 000 Gulden angelegt und als Legat an „arme Waisenkinder im Alter voll 12

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