Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- Seite 603 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228473-3228525--59312-3295826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
603 ncmität auf die so ein- ' sichere r jenem üt auch ll lvird. ruber. >r des geleitet eßlichen l Wien in der ffentlich ten, die ankreich )eimath sich die üt ihm an seine Zrüude, n Ehren Ueberii. Aus — das Andersten sich ntisemirahl der großen )re, warder sich erlebten c immer ittlichen ill dem r Ueber- Freund mg mit Männer sender lelle für rechtigtes lan wud ig dieser Adlungen lfessionen nblicklich im Umstow am ergesetzeil t werden dürfen. Ausnahmen, wie man sie im übrigen Rußland für Vertreter von bedeutenden ausländischen Banken und Handelsfirmen mache, kenne man im dortigen Bezirk nicht. Dem ist entgegenzuhalten, daß ein solches sowohl für inals ausländische Juden geltendes Verbot zwar seit langer Zeit besteht, daß jedoch mit Erlaubniß der zuständigen Centralbehörden israelitische Geschäftsreisende in jenen Gebieten verweilen und ihre Geschäfte abwickeln dürfen. Die Erlaubniß zum Aufenthalt hat für die Kosackengebiete der Kriegsminister zu ertheilen. Israelitische Geschäftsreisende deutscher Nationalität gelangen, wenn bei den russischen Behörden sonst nichts gegen sie vorliegt, ans dem Wege einer Eingabe nach Petersburg regelmäßigem neu kurzer Frist zum Ziel, zumal wenn sie sich der Vermittelung des kaiserlichen Generalkonsulats in St. Petersburg bedienen." Ueber die Zahl der Juden in Italien werden jetzt genaue statistische Angaben veröffentlicht. Danach leben zur Zeit in ganz Italien 43550 Juden, welche über 73 italienische Plätze zerstreut sind. Davon leben 1950 Juden in 39 Zwerggemeiuden von 20 bis 100 Seelen, weitere 3620 Juden bilden 16 kleine Gemeinden von 100 bis 500 Seelen. Fünf jüdische Gemeinden mit zusammen 4260 Seelen zählen zwischen 500 bis 1000 Mitglieder. und endlich wohnen über 32000 Juden in 13 Gemeinden mit über 1000 Seelen. Von diesen weisen die Städte Mantua, Modena, Neapel je 1000 Juden auf, Padua zählt 1050, Ancona 1700, Ferrara 1740, Mailand 1680 und Florenz 2100 Juden. Ueber 3000 Juden haben nur die vier italienischen Städte Liverno, Venedig, Turin und Rom aufzuweisen. Davon zählt Venedig 3800 und die alte jüdische Gemeinde Livorno 4050 Juden. Die meisten jüdischen Einwohner weisen aber die beiden Hauptstädte des Königreichs Turin und Rom auf, von denen erstere 4300, letztere 7800 zählt. Außerdem leben 1500 Juden in ganz kleinen Gruppen über ganz Italien zerstreut. Fast die Hälfte aller jüdischen Gemeinden in Italien haben Rabbiner an ihrer Spitze, wobei freilich die Bedeutung dieser Rabbiner, von den viele keine genügende Vorbildung genossen haben, dahingestellt bleiben muß. Hoffentlich wird das LolIoAio Haddmieo in Florenz auch in dieser Beziehung Wandel schaffen. Es wäre das für die Hebung des religiösen Lebens in Italien von großer Bedeutung. * Es ist ein gutes Zeichen für den gesunden Sinn des englischen Volkes, daß alle Versuche den Antisemitismus dort einzuschmuggeln, so erfolglos geblieben sind. Nun hat ch die „Liga der britischen Brüder", welche unter dem Deckmantel der Bekämpfung der Fremdeneinwandernng den Antisemitismus in England einschmuggeln wollte und mit einigen Radauversammlungen unrühmlich dcbutirle, ausgelitten: sie wird demnächst von der Bildfläche verschwinden, nachdem sie schon seit einigen Monaten in Todeszuckungen liegt. In dem Vereinigten Königreiche ist eben für die Judenhetze, gleichviel in welcher Vermummung sie sich drapirt, kein Boden, und es genügte, daß die wahren Absichten der unter falscher Flagge segelnden Liga bloßgelegt wurden, um derselben den Garaus zu machen. Von den dreitausend Mitgliedern, welche sich durch das gleißnerische Aushängeschild hatten ködern lassen, haben nur wenige Hundert mit Ach und Krach ihren Jahresbeitrag gezahlt. Angesichts dieser Massenflucht verließ der Begründer und Vorsitzende, William Shaw, das sinkende Schiff, und als auch Major Evans Eordon, der auf seiner Reise durch Rußland von seiner Voreingenommenheit gegen die ausländischen Juden gründlichst geheilt worden ist, sich zurückzog, wurde beschlossen, die Liga aufzulösen. Um den kläglichen Zusammenbruch des mit großem Tamtam inszenirten Unternehmens zu verhüllen, wird beabsichtigt, auf seinen Trümmern eine neue Organisation zu errichten, welche die strenge Durchführung der bestehenden Wohnnngsgesetze überwachen und dadurch eine Uebervölkerung irr Ostlondon verhüten soll. Den dahingehenden Bemühungen — vorausgesetzt, daß sie ernst gemeint und nicht ein neues Schmuggelschild für antisemitische Gelüste sind — ist im Interesse unserer Glaubensgenossen in Whitechapel, welche unter den Wohnungsmißständen am empfindlichsten leiden, voller Erfolg zu wünschen. * Jetzt erst wird der Wortlaut der Note bekannt, welche der amerikanische Staatssekretär Hah an die rumänische Regierung gerichtet hat. Aus diesem Schriftstück interessirt uns namentlich der folgende Passus: »Zugegeben, daß unter besseren und gesünderen Bedingungen auch die krankhaften Erscheinungen gesunden werden, ist doch eine solche Emigration eine Zeitlang eine Bürde für die Gemeinschaft, zu welcher sich die Flüchtlinge begeben. Selbstvertrauen, Kenntnisse und Tüchtigkeit, die zur Selbsterhaltuug nöthig sind, müssen entwickelt werden, und zugleich müsseil in solchen Orten, wo die Konkurrenz groß und die Mittel spärlich sind, neue Erwerbsquellen gesucht werden. Die Geschichte und die Erfahrung unserer Nation belehren uns, daß die Juden in hohem Maße die moralische und geistige Befähigung zu gewissenhaften Bürgern besitzen. Keine Klasse von Einwanderern ist willkommener als jene, die, geistig und körperlich für den Kampf ums tägliche Brod gerüstet, vom Wunsche beseelt ist, Herz und Hirn dem erwählten Lande zu widmen. Wenn sie aber als Verworfene kommen, doppelt elend gemacht durch körperliche und moralische Unterdrückung in ihrer Heimath, und der langmüthigen Großmuth der begünstigteren Gemeinschaft zur Bürde fallen, da mangelt es bei ihrer Einwanderung an den wesentlichen Bedingungen, die sie erwünscht machen könnten." Aus der Berliner Gemeinde. (>^n der vorletzten Sitzung der Repräsentanten wurde, wie unseren Lesern vielleicht erinnerlich ist, der Rechnungsabschluß der hiesigen Arm en komm iss io u vorgelegt. Schon in dem Bericht über die Repräsentantensitznng hatten wir hervorgehoben, daß der Rechnungsabschluß ein glänzendes Bild der weitverzweigten und mühseligen Thätigkeit uns entrollt. Und wahrlich, nach Durchsicht der folgenden offiziellen Zahlen, die der Vorsitzende der Kommission. Herr Martin Simon, in liebenswürdiger Weise einer Durchsicht unterzogen hat, werden unsere Leser zu der Ueberzeugung kommen, daß wir mit unserem Lobe nicht zu viel gesagt haben. Die Armenkommission setzt sich aus 56 Mitgliedern zusammen, welche in vier nach Stadtgegenden der Bittsteller abgegrenzten Abteilungen arbeiten. Die Abtheilungen halten zweimal monatlich, der Ausschuß fürverschämte Arme allwöchentlich Sitzungen ab. Außerdem finden zwei- bis dreimal im Quartal Plenarsitzungen statt, in welchen die größeren Unterstützungen und alle allgemeinen Angelegenheiten der Armenpflege zur Behandlung kommen. In dem Berichtsjahre 1901/1902 haben nicht weniger als 168 Sitzungen stattgefunden, das heißt fast jeden zweiten Tag eine Sitzung! Bei der Armenkommission gingen 5736 Gesuche um Gewährung von Unterstützungen ein, darunter befanden sich 368 Gesuche von erstmaligeil Bittstellern. An 2420 Bittsteller im Alter von 20 bis über 90 Jahren wurden 3898 Unterstützungen gewährt im Betrage von 70227.57 Mark. Unter den Petenten befanden sich 1634 Deutsche, 471 Russen, 289 Oesterreicher, 26 diverse. Ferner erhielten 398 Personen laufende Unterstützungen in monatlichen Quoten von 5 bis 30 Mark, wofür im Ganzen 51 663 Mark verausgabt wurden. Unter den Bittstellern befanden sich 177 Wittwen, 28 Wittwer, 99 Ehe-