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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-12-12 · Heft 50 (12.12.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 50 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 daran, wie daS Stift vorbildlich geworden sei für eine andere, ebenfalls von einem Mitgliede der hiesigen jüdischen Gemeinde ins Leben gerufene großartige Anstalt: die Driesen-Stiftung, und er schloß mit Dankesworten für die Wohlthäter und Leiter und heißen Segens- Wünschen für die weitere Entwickelung der Anstalt. Das Festmahl, das nun seinen Anfang nahm, ließ nichts zu wünschen übrig. Seine Eigenart und Weihe empfing es^ durch die Fülle der musikalischen und rednerischen Gaben, mit denen warm empfindende Herzen zur Verschönerung des Festes ihr Scherflein beizutragen suchten. Herr Richard Heymann war es, der mit einem humorvollen poetischen Prolog zur Tafel lud. Stadtrath Magnus, der darauf die erste Tischrede hielt, begrüßte Namens des Vorstandes die Gäste und erzählte die Geschichte des Instituts. Der nächste Redner, Professor Dr. Lassar-Cohn, begrüßte und feierte, von der jüdischen Auffassung der Freude ausgehend: „Freuen sollst du dich, aber wenn du dich freust, dann sollst du auch Andere zu erfreuen suchen!" die ehrwürdigen Insassen des Asyls. Er erinnerte in seiner Eigenschaft als Vertreter der wissenschaftlichen Chemie an die Alchymisten des Mittelalters, die den „Stein der Weisen" mit heißem Bemühen suchten, der dem. der ihn besaß, ein hohes, sorgenfreies Alter sichern sollte. Der Stein sei bis heute nicht gefunden, aber ein Weniges von seiner Wirkung verspüren die Insassen des Asyls, das man in der Gemeinde nicht umsonst „Lebensverlängerungsaustalt" genannt habe. — Im Namen der Sttftsinsassen dankte einer ihrer Senioren, der fast 80 jährige Herr Nosenberg, mit einem Hoch auf den Vorstand, einen Toast auf das Stift und seine Zukunft brachte Herr Wolfheim, der Vorsitzende des Krankenpflege- und Beerdigungsvereins, aus, Dr. Eliassow erinnerte in einem Trinksprnch auf den Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde daran, daß ein wesentlicher Theil der modernen sozialen Fürsorge Von der jüdischen Gemeinde schon feit langem in ihrem Kreise in die Hand genommen sei, Rechtsanwalt Holz dankte im Namen des Vorstandes der Synagogengemeinde und pries die glückliche Personalunion, die darin zu erblicken sei, daß das Amt des Vorsitzenden des Gemeindevocstands und des Stifts in einer Hand ruhe. Den verdienstvollen, nimmermüden Inhaber beider Aemter, Stadtrath Magnus, feierte der Redner und mit ihm, laut und freudig in das Hoch einstimmend, die Tafelrunde. Nach ein paar warmen Dankesworten des also Gefeierten beschloß dann ein geistvoller gereimter Damentoast des Herrn Michaelis die offiziellen Reden und damit die Feier, zu der natürlich auch von auswärts Glückwunschschreiben und Depeschen eingegangen waren. Mit berechtigter Genugtuung konnte der letzterwähnte Redner, als er in zwölfter Stunde die Tafel aufhob, konstatiren: Es war ein schönes und gelungenes Fest! Kp. Aus -er Provinz Posen, 8. Dezember. Der israelitische Jungfrauenverein Ln Wr eschen hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 290.25 Mark und eine Ausgabe von 282.60 Mark. Zur Vorsitzenden des Vereins ist in der letzten Generalversammlung Frl. Hedwig Gabriel gewählt worden. Das Vereinsvermögen beläuft sich aus 3000 Mark. — Die Erben des vor einiger Zeit in Jnowrazlaw verstorbenen Kommerzienrathes Julius Levy haben dem dortigen Magistrat 30 000 Mark zur Begründung einer Stiftung für Bedürftige aus dem Stande der Gewerbetreibenden überwiesen. — Die letzte Generalversammlung des Vorschußvereins in Pl eschen hat den dortigen Arzt Dr. Peiser Zum Vorsitzenden gewählt. n. BresltNt, 5. Dezember. Eine eigenartige Feier fand am Freitag im Sitzungszimmer des Wenzel Ha nckeschen Kr anke nhauses statt. An diesem Tage trat nämlich vor 25 Jahren zum ersten Male das Kuratorium zusammen. Der einzige Kurator, der seit dieser Zeit ununterbrochen für das Gedeihen der Anstalt gewirkt hat, Herr Mühlenbesitzer Julius Heymann, stellvertretender Vorsitzender der Handelskammer, wurde zu dieser Jubilänmssitzung seitens der Mitkuratoren, Stadtverordneten Laube und Kretschmer, feierlich abgeholt und nach dem Sitzungsraume geführt. Hier verlas Herr Stadtrath Weber das Protokoll der Sitzung, welche vor 25 Jahren stattfand, und wies im Anschluß daran auf die ungeahnte Entwickelung der Anstalt und die segensreiche Thätigkeit des Jubilars hin. Ferner überbrachte er den Dank des Magistrats und überreichte als sichtbares Zeichen der Anerkennung der Verdienste um das Gemeinwohl einen Blumenkorb aus der Stadtgärtnerei. Primärarzt Dr. Drewitz sprach im Namen der Anstaltsärzte dem Jubilar seinen Dank für die innere Einrichtung des Krankenhauses aus. Der Jubilar dankte in bewegten Worten. Wir fügen diesem Bericht noch hinzu, daß Herr Julius Heymann auch langjähriger Vorsitzender dsv diesigen israelitischen Waisenanstält, und daß das Wenzel Hanckesche Krankenhaus eine christliche Stiftung ist. — Ein interessanter Prozeß kam neulich vor dem hiesigen Gewerbegericht zur Verhandlung: Die Schürzennäherin V. war bei dem Schürzeufabrikant C. beschäftigt. An den beiden Festtagen des jüdischen Neujahrs, an welchen der Fabrikant das Geschäft und.die Werkstatt geschlossen hatte, mußte das Mädchen die Arbeit aussetzen, wofür sie eine Entschädigung nicht erhielt. Wegen des Lohnaussalles im Betrage von dreiMark klagte sie vor dem Gewerbegericht und erlangte ein obsiegendes Urtheil. Der Beklagte hatte sich darauf berufen, daß ihn Niemand zwingen könne, an hohen Festtagen arbeiten zu lassen, und daß wegen des Rühens der Arbeit ihmeine Entschädigungspsticht nicht entstehe, weil es der Beklagten bekannt war, bei einem jüdischen Geschäftsmann in Brod und Lohn zu stehen. Das Recht, das man den Andersgläubigen zugestehe, müsse aus Billigkeitsrücksichten auch den jüdischen Gewerbetreibenden zugestanden werden. Ueberdies habe er die Klägerin auf den Feiertag aufmerksam gemacht und sie in anderer Weise für den Ausfall entschädigt. Das Gericht verurtheilte den Kaufmann trotzdem zur Zahlung der drei Mark auf Grund deslZ 616 des B. G. B., wonach ein Arbeiter des Lohnes nicht verlustig geht, wenn er ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Wie wir hören, beabsichtigt der Fabrikant eine Beschwerde an den Magistrat zu richten. n. Bad Ems, 7. Dezember. Das Israelitische Central- Waisen- und Mädchenheim versendet soeben wie alljährlich um dieselbe Zeit seinen Aufruf zur Chanukaspende. Als Belohnung für die kleinen Sammler und Sammlerinnen ist dem Aufruf das mit einer poetischen Widmung versehene Merkchen: „König Rhein und Prinzessin Lahn" beigefügt. Die Mädchen — 30 an der Zahl — erhalten in den öffentlichen Volksschulen eine gründliche Schulbildung und werden vom frühen Alter an zu allen häuslichen Arbeiten und zu Garten- und Gemüsebau systematisch herangezogen, da nur ein Dienstmädchen in der Anstalt gehalten wird. Von der Einrichtung einer eigenen Elementarschule wurde trotz mannigfach zu bestehender Kämpfe gleich bei der Gründung im Jahre 1897 Abstand genommen, denn der Vorstand hatte den wohlthätigen Einfluß der nassauischen Simultanschulen zum Theil an sich selbst erfahren und wollte auch, daß die Zöglinge seiner Anstalt von frühester Jugend an es lernen, zusammen mit den christlichen Schülerinnen zu leben, ohne sich ihres Judenthums zu schämen. Wenn die Mädchen die Schule verlassen haben, dann erhalten sie noch eine Zeit lang gründliche Ausbildung in den Arbeiten des einfachen und besseren Haushaltes, um so für ihren eigentlichen Beruf als Hausfrau vorbereitet zn werden. In den meisten Fällen nehmen sie Stellungen als Dienstmädchen oder Köchinnen an, und da ihnen von Anfang an Lust und Liebe zu diesen Berussarten eingeprägt sind, werden die Zöglinge der Emser Anstalt überall gesucht und gern in Stellung genommen. Die Behörde hat nun an den Vorstand des israelitischen Centralwaisen- und Mädchenheims in Ems die Aufforderung ergehen lassen, entweder die Zahl der Zöglinge zu rednziren oder die Anstaltsräume zu erweitern. Der Vorstand hat daher beschlossen, eine den Zwecken besser dienliche neue Anstalt zur Aufnahme von 50 Zöglingen ans seinem Grundstück zu errichten. Hierzu bedarf er jedoch der Unterstützung weitester Kreise. Möge der Aufruf zur Chanukaspeude einen gewaltigen Widerhall finden in Aller Herzen, damit bald mit dem Bau der neuen Anstalt begonnen werden kann. s. München, 1. Dezember. Gestern fand hier eine sehr bedeutsame Versammlung statt. Im Sitzungssaale der jüdischen Knltusgemeinde tagte unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Werner- München eine Notablenversammlung, die sowohl aus München wie aus den anderen bayerischen Grotzgemeinden gut besucht war, um über die Begründung eines Zweigvereins in Bayern für den Hilfsverein der deutschen Juden zu berathen. Dr. P. Nathan aus Berlin hatte das Referat über die Ziele und die Thätigkeit des Vereins übernommen und entledigte sich dieser Aufgabe mit großem Erfolge. Er gab eine Uebersicht über die bisherigen Erfolge des Vereins in Bezug aus die Propaganda, durch die der Verein jetzt bereits, trotzdem sein erstes Geschäftsjahr noch nicht beendigt ist, eine Einnahme von mehr als 100000 Mark und mehr als 3000 Mitglieder erzielt hat. Das eigentliche Arbeitsfeld des Vereines waren bisher Galizien und Rumänien, während für das das dritte Gebiet, den eigentlichen Orient, die Vorarbeiten noch nicht beendigt sind. In Galizien sind sehr

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