Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1902)
- Date
- 1902-12-12
- Page
- Seite 598 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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5S8 israelitischer Zeit. Ein arabisches Schloß in der Mitte des Hügels wurde ebenfalls bloßgelegt. Der Inhalt bestand meist in Töpfen, Lampen, Waffen und sonstigen Geräthen. Aber auch einige Skarabäen wurden gefunden. Hinter der einen Burg barg ein großes Leichenfeld etwa 30 Kinderleichen, in großen Krügen beigesetzt, eine ganz eigenartige Bestattungsweise. Kultstätten wurden mehrere aufgedeckt. Ein kanaanitischer Felsaltar, zwei Libationssüulen aus israelitischer Zeit, ja eine ganze Straße von Kultnssäulen, sogenannten Mazzeben. In den vielen kleinen Privathäusern, die ausgegrabcn wurden, fanden wir sine Menge Götterbilder, ganz besonders häufig das der kanaanitischen nackten Astarte, die offenbar auch noch viele Israeliten verehrt haben, daneben aber auch ägyptische Götzen. Welch eine Illustration zu den Reden eines Elias! Von kulturgeschichtlichem Interesse war neben der Gewinnung all der Hausgeräthe, die eine tiefgehende Phvnizische, später griechische Beeinflussung bezeugten, besonders eine Sitte, von der ich in Palästina noch nie gehört hatte: unmittelbar unter vielen Häusern war ein Todter bestattet, ein Kind oder Erwachsener. Wollte man einen schützenden Hausgeist haben? Doch noch Wichtigeres sollte uns beschieden sein. In einer Schicht von Lehmhäusern, 1 bis 2 Meter unter der Burg, wurde ein schwarzer Siegelcylinder gefunden, der außer zwei Götterbildern eine babylonische und, was besonders wichtig und interessant ist, daneben eine ägyptische Inschrift trug. Er stammt ungefähr aus dem Jahre 2000 v. Ehr., der Besitzer bezeichnet sich darauf als Diener des babylonischen Gottes Nergal. Eine neue glänzende Bestätigung dafür, daß Palästina, ehe die Israeliten ins Land kamen, bereits vollständig mit ägyptischer und babylonischer Kultur durchsetzt war. Den erfreulichsten Einzelfund aber brachte der vorletzte Tag der Grabung. In einem zum Schluffe aus gut Glück angelegten Schacht im Süden stieß ich zwei Meter unter der Oberfläche aus das Stück eines aus dickem, hartem Ton gebildeten Löwendem bald ein menschlicher Kopf aus gleichem Stoffe folgte. Die weitere Suche ergab auf dem Raume eiues Zimmers verstreut 41 Stücke, Bruchstücke von geflügelten Thierleibern, Menschen- und Löwenköpfe u. f. w. Nachdem der ganze Raum abgejucht war, begann die Zusammensetzung, die ein fast lückenloses Ergebniß hatte, einen Räucheraltar, so eigenartig, wie noch nie einer gefunden worden ist. An zwei Stellen waren reliesartig je drei Cherubim und zwei Löwen herausgeardeitet, die auf den vordem Altar Stehenden zuzuschreiten schienen, auf der Vorderseite war eine mythologische Darstellung, der Lebensbanm umgeben von zwei Steinböcken, desgleichen' eine auf der linken Seitenwand, ein Mensch, der eine Schlange am Halse würgt. Die Bedeutung dieses Kultstückes für die Religionsgeschichte ist hervorragend. Nicht nur, daß wir hier im Allgemeinen zum ersten Male ein Kultgeräth vor uns haben, auf dem aller Wahrscheinlichkeit nach thatsächlich dem Jehova Opfer dargebracht sein werden. Nein, zum ersten Male haben wir hier auch eins der so oft im alten Testament genannten Hörner des Altars im Original vor uns, zum ersten Mal eine Darstellung, der wir entnehmen können, wie wirklich die späteren Israeliten sich die Cherubim vorgestellt haben: Menschenkopf, Löwenleib, Flügel. Vor allem aber legt der Altar auch dafür ein erneutes Zeuguiß ab, wie die Mythen der umwohnenden Völker auf Israel eingewirkt haben. Natürlich wird er der Wissenschaft sogleich auch einige neue Räthsel aufgeben, aber gerade diese sind ja die Mütter alles Fortschrittes. Kurzum, der Beweis -dürfte abermals erbracht sein, daß eine Ausgrabung in Palästina lohnend ist. Darum soll und muß es jetzt auch auf diesem, bis jetzt noch lange nicht genug gepflegten Gebiete heißen: Vorwärts! Nun höre ich zu meiner Freude, daß der deutsche Palästinaverein, dessen Vorsitzender jetzt Professor Kautzsch in Halle ist, ein neues Vorgehen plant; es soll der Tell Mutesellim, vermnthlich das alte Meggido, in Angriff genommen werden, ein hervorragender-Platz in veralten Geschichte, in derselben Ebene gelegen, in der ich gearbeitet habe. Er verspricht eine noch größere Ausbeute, als sie mir beschieden war. Ich höre aber auch, daß der Verein, der den Fermau bereits besitzt, noch nicht die nöthigen Geldev beisammen hat, ja, daß das ganze Unternehmen dadurch in Frage gestellt sei. Man sollte indes meinen, daß, was in Oesterreich möglich war, doch erst recht in Deutschland müßte versucht werden können, daß es auch dort einige opferwillige Freunde biblisch-archäologischer Forschung geben wird. Ja, ich finde, es ist geradezu eine Ehrensache für das deutsche Volk, das gegenwärtig die regsten Beziehungen zum heiligen Lande hat, daß es sich dort auch betheilige an dem wissenschaftlichen Wett° bewerb der Völker. Die Erde Palästinas ist wahrhaftig genug gedüngt mit dem edelsten deutschen Blute, so daß es an der Zeit ist, daß sie dafür jetzt zurückgiebt, was sie zu geben vermag nicht nur an religiösem Segen, sondern auch an wissenschaftlichen Erkenntnissen. Erst wenn das in umfassender Weise geschehen, wird es von neuem und in ganz neuer Bedeutung heißen können: Lx orients lux. Iss-jka. Von K. Staujukowicz. Aus dem Russischen von AlexandraRomm. V. ssajka bat sofort um Urlaub und ging nach der ihm von Njaboj bezeichnten Schenke. Als der junge Schenkwirth Jssajka erblickte, sah er ihn fragend an. Jssajka erklärte, um was es sich handele. „Hast Du auch Geld mitgebracht?" „Was bekommt Ihr denn dafür?" „Sieben Rubel," sagte der Wirth ganz ruhig. „Ist es nicht zu viel?" fragte Jssajka. „Wenn es Dir zu thener ist, dann mach' nur, daß Du fortkommst!" „Ich würde gern gehen, doch thut es mir um meinen Kameraden leid . . . Ihr wißt es doch selbst, daß es Sachen sind, die der Krone angehören . .. Njaboj ist dafür verantwortlich ... Wenn erst der Kommandeur erfährt, daß Ihr den Mantel genommen, der dem Kaiser gehört, wird es große Unannehmlichkeiten geben ... Ei, ei, ei! Was für Unannehmlichkeiten! . . . Die ganze Polizei wird auf die Beine gestellt, da eine kaiserliche Sache nicht verloren gehen darf." — Und Jssajka schüttelte bei diesen Worten bedenklich den Kopf. „Njaboj läßt Euch einen Rubel fünfzig übergeben und bittet um die Stiefel und den Mantel. .. Doch jetzt, wie's Euch beliebt!" fügte Jssajka hinzu und machte den Anschein zu gehen. „Warte nur einen Augenblick!"