Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1902)
- Date
- 1902-12-12
- Page
- Seite 597 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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597 v. Ehr. in jener Schrift stattfand. Welch eine neue ungeahnte Perspektive in die vorisraelitische Geschichte Palästinas und welch eine erneute Ermuthigung, weiter zu forschen und zu graben! Nachdem der Ferman für Test Hasy erloschen war, wandte sich der paiestina Lxpwration kunä nochmals Jerusalem zu. Von 1894—97 wurde hier gearbeitet, theils die von Warren und Gute aufgedeckte Stadtmauer nach Süden hin weiter verfolgt, theils innerhalb derselben durch Probeschächte nach größeren Bauten gesucht, auch nochmals die Anlagen des Siloahteiches und-Kanals nach allen Richtungen hin erforscht. Hierbei fand man in der Nähe jenes in tiefem Schutt eine alte Kirche, südlich von der jetzigen Stadt auch mehrere Mauerthürme. Im Uebrigen war aber diese Unternehmung die am wenigsten lohnende; die Hoffnung, die Gräber der Davididen zu finden, hatte sich nicht erfüllt. Sv war es gewiß nur richtig, daß man sich von neuem in die Südwestebene begab. Es wurden diesmal, wie es das türkische Antiquitätengesetz gestattet, sogleich vier Hügel, Test es Safijje u. s. w., in den Ferman ausgenommen und ans jeden drei bis vier Monate verwendet. Jeder Hügel ergab eine reiche Ausbeute. Burgen aus israelitischer Zeit wurden anfgedeckt, Tonwaaren, Waffen und Geräthe in Masse gefunden, dazu wieder Skarabüen und Amulette, neu aber war der Fund von Götterbildern und eigenartigen Figuren, die wohl zu Beschwörungs- und Bannungszweckeu verfertigt waren. Ergab diese Grabung auch keine größere vorgriechische Inschrift, so waren doch von hohem wissenschaftlichen Werthe die Stempel, die man auf den Handgriffen mancher Töpfe in althebräischen Lettern fand, wie „Dem Könige von Hebron" u. s. w. Eine ganze Reihe jüdischer Städtenamen wurde durch sie urkundlich bestätigt. Nachdem diese Ausgrabung beendet war, zog sich Alis; von der Arbeit zurück. Das Fieber hatte doch auch ihn mehrmals gepackt, lind das lange Lagerleben hatte seine Gesundheit angegriffen. Nun haben unter der Leitung seines Architekten Macalister die Engländer den Hügel von Gezer, etwa drei Stunden östlich von Jaffa, in Angriff sgenommeu, die Stadt, die nach der Bibel dem König Salomo von seinem Schwiegervater, dem Könige von Aegypten, als Mitgift geschenkt worden war. Der gerade soeben erschienene erste Bericht über diese Ausgrabung zeigt, daß dort ein sehr verheißungsvoller Anfang gemacht ist. Eine vorkanaanitische Begräbnißstätte ist aufgedeckt, noch aus einer Zeit der Leichenverbrennung; prachtvolle Skarabäen bezeugen schon jetzt die besonders innigen Beziehungen dieser Stadt zu Aegypten. Sowohl die englischen wie die deutschen Ausgrabungen hatten sich bis jetzt auf das eigentliche Judäa beschränkt. Es war nun schoir seit langem meine Idee, daß Ausgraburigen im Gebiete der einstigen zehn Stämme eine noch größere Ausbeute versprechen müßten, vor allem, weil der kulturelle Schwerpunkt Israels immer in jenem gelegen hat, dagegen der religiöse in Judäa. Im Jahre 1899 trat ich daher meine erste Forschungsreise ins heilige Land an und durchmaß es von Dan bis Beersaba, fast ausschließlich unter dem Gesichtspunkte, wo der beste Angriffspunkt für weitere Ausgrabungen sei. Zufällig kam ich auf meinem Ritte durch die alte Ebene von Megiddo, die sich von Haifa aus, nördlich vom Karmel, südlich voll Galiläa bis an den Jordan ins Land hineinzieht, an einem 40 Meter hohen grünen Hügel vorbei, der bis jetzt noch nicht viel beachtet worden war. Es war der Teil Ta'annek, die Stätte des alten biblischen Taanach. einst Sitz eines kanaanitischen Königs, später, seit Salomo, Sitz eines israelitischen Gouverneurs, zusammen mit der Schwesterstadt Megiddo im Alten Testament oft genannt. Ich kann wohl sagen, daß schon in den ersten fünf Minuten, als ich auf dem offenbar künstlichen, in vier Terrassen aufsteigenden Hügel stand, der Entschluß in mir reiste: Hier mußt du mit deiner Arbeit einsetzett. Alle praktischen Erfordernisse, besonders die Nähe Haifas mit seiner deutscheil Kolonie, und wissenschaftlichen Vorbedingungen einer erfolgreichen Ausgrabung schienen mir hier gegeben zu sein. Nach Wien zurückgekehrt, hatte ich zunächst die erforderlichen Geldmittel, etwa 40 000 Mark, zusammenzubringeu. Ich fand in Herrn v. Härtel, dem Kultusminister, einen freundlichen Gönner meines Plans, und ihm sowie dem zur Prüfung eingesetzten Ausschuß der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, die mir sofort eine Beihilfe bewilligte,^ verdanke ich in erster Linie das Zustandekommeu meines Planes. Unter ihrem Schutz gelang es mir, fünf Herren, wohlhabende Großindustrielle, zu gewinnen, die mich mit den noch fehlenden nöthigen Mitteln unterstützten und sich damit den bleibenden Ruhm sicherten, der Wissenschaft einen Schritt weiter geholfen zu haben. Fast schwerer war die Erwirkung des grobherrlichen Fermans. Trotz kräftiger Unterstützung durch alle in Betracht kommenden Behörden, nicht nur der österreichischen, sondern auch der türkischen, gelang es mir erst nach zwei Jahren, die Ertheilung durchzusetzen. Wer einmal mit Fellachen zu thun gehabt hat, wird es verstehen; man hat ein Uebermaß der schwersten aller Tugenden, der Geduld, nöthig, um im Verkehr mit ihnen zum Ziel zu kommen. Aber durch meine persönlichen Vorstellungen in Konstantinopel und durch eine nochmalige Rerse nach Palästina im Jahre 1901 gelang es mir, die Schwierigkeiten zu heben. Im März 1902 konnte ich beginnen. Die Ausrüstung war schon vorher in Haifa bestellt und besorgt worden. Vier Holzbaracken waren auf der Westseite des Hügels aufgeschlagen, zwei deutsche Aufseher, fünf arabische Vorarbeiter, ein Koch und ein Diener angeworben. Am 10. März konnte der erste Spatenstich gethan werden. Als Architekt stand mir Ingenieur Dr. Schumacher in Haifa zur Seite, ein Mann, der durch seine Kenntniß von Landessitten und -Sprache sowie durch seine berufliche und wissenschaftliche Tüchtigkeit dazu befähigt war wie kaum ein Anderer. Nachdem es sich herumgesprochen hatte, daß auf dem Hügel Geld zu verdienen sei — die Leute hofften natürlich wie immer aus Goldfunde — strömten bald aus der armen arabischen Landbevölkerung Männer und Weiber herzu, jene zum Hacken, diese zum Forttragen der Erde. Schon nach 14 Tagen hatte ich die erforderlichen 150 Arbeitskräfte beisammen. Es ist fünf Monate gearbeitet worden mit einer Thatkraft, die das Staunen manches Besuchers erregte, bei glühender Hitze, bei Sturm, der uns den Staub bis tief in den Körper Hineintrieb. Aber wir hielten durch. Von Morgens um fünf bis Abends um sechs wurde mit »ur zwei Stunden Pause für Essen und Ansruhen gegraben. Und der Erfolg war schön. Drei Burgen erstanden wieder an drei verschiedenen Stelle» des Hügels aus Schutt und Moder vor unseren Augen, alle stark ausgeplündert, aber doch in ihrer Anlage und Bauart vorzüglich erhalten; eine aus kanaanitischer, die andere aus altisraelitischer, ungefähr salomonischer, die dritte aus spät-