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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-11-21 · Heft 47 (21.11.1902) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 47 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
Seite 560 (sequence 10)
Language
German
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sohn bisher, soweit ich weiß, nichts bekannt war. Die Nachrichten, für die er dankt, hatte Nicolai in der Allgemeinen Deutschen Bibliothek 1786 veröffentlicht. Schon vor Denis Aeußerung, aber gleichfalls nach dem Tode Mendelssohns erschollen manche Stimmen über ihn. Diese Aeußernngen, im Mendelssohnschen Nachlasse aufbewahrt, lauten so: Johannes Müller an Jacobi. 20. Oktober 1786. „Dank Mendelssohns Schatten, daß diese wichtigen Untersuchungen durch ihn rege geworden! Man sieht, er war nicht sowohl eifrig für Lessing als für seine Philosophie, für den süßen Gedanken, einen Weg zur Wahrheit gefunden zu haben, der gemeinen Sterblichen nicht zugänglich sei und nach welchem ihm und seinesgleichen allenfalls erlaubt wäre, ihre erdachte Weisheit der Stimme des ganzen Menschengeschlechts in allen Zeiten und Geschlechtern entgegenzusetzen. Es ist doch ungemein auffallend, daß selbst er die Unzulänglichkeit der Spekulation suhlte. Was aber, ich glaube er in Abbts Correspondents gegen Neimarus sagte, „ich will nie mehr wieder einen Mann disputiren. der ein Compendium der Logik geschrieben." geht herrlich auf ihn selbst. Wer die Fahne der Spekulationsweisheit einmal cmfgesteckt. meint »licht anders zu dürfen. Christian Garde an I. I. Engel 12. Februar 1786 nach einer Abschrift von David Friedländers Hand. „Moses Tod ist auch für mich ein großer und empfindlicher Verlust gewesen. Ich habe zuerst von ihm Philosophie gelernt (denn in der That waren seine Briefe über die Empfindung das erste Buch von dieser Art, das bei mir Eindruck machte) und ich lernte noch immer vorzüglich von ihm. In der Entwickelung seiner Begriffe war etwas so nettes ). eine solche Vollständigkeit ohne Uebe»flnß, Tiessinn mit der größten Deutlichkeit und mit Anmnth so verbunden, daß keil» Schriftsteller, den ich kenne, ihm darin gleich kömmt. Dazu hielt ich ihn auch für meinen Freund, obgleich zur vertrauten Freundschaft ein längerer Umgang gehört hätte. Er hatte mir eben wegen der Jacobi'schen Schrift im November geschrieben. ) Ich hatte die Antwort intmer verschoben, weil ich erst die „Morgenstunden" und jene Schrist aufmerksam durch lesen wollte. Ich war nun darüber, ihm meine Gedanken über Beide mitzutheilen, da ich die Nachricht von seinem Tode erhielt. Ich glaube auch, daß mein Urtheil über Jacobi's Schrift von dem Ihrigen nicht viel abweichen wird. Im Ganzen halte ich es für die größte Ungereimtheit durch die tiefste und dunkelste Metaphysik zeigen zu »vollen, daß die Vernunft kein anderes System als das des Atheisme annehmen könne und dann Moral und Religion auf einen Glauben, ich weiß nicht an was zu gründen. Wenn dieses »lickt, wie Sie sagen, eine Maske ist, welches mir auch fast wahrscheinlich vorkommt, so muß Schwärmerei dabei sei»». Dabei geht es mir wie Mendelssohnen; ich ve»stehe Jacobi nicht und was ich verstehe, scheint mir geflissentlich dunkel ausgedrückt zu sein. Uebe»baupt ist dies? halb mystische halb transcend. ntate Sprache »licht für mich. Daß Moses wirklich durch Iacobi's Schrist sehr affizirt worden sei, sehe ich ans »einem Brief an »nick, der in einer gewissen Aufwall,,»lg des Gemüths g« schrieben zu sein scheint und es erhellt aus dem letzten Aufsatz selbst, den Sie mir jetzt geschickt haben. („An die Freunde Lessings.") Wie viel oder wie wenig diese erregte Empfindlichkeit nebst der Anstrengung, wozu sie ihn veranlaßte, auf seine schon geschwächte Maschine gewirkt habe, um sie völlig zu zerrütten. das läßt sich freilich »licht bestimmet». Wer wollte aber auch glauben, daß diese Sache so unangenehm sie dem Verstorbenen fiel, ihm seine ganze Gemüthsrnhe sollte geraubt habet», oder daß er fähig gewesen sei. allen denjenigen seinen Unwillen fühlen zu lasse»», die »licht mit ihm über diese Schrift gleich dachten? Ich gestehe Ihnen sogar in der That, daß ehe ich den von Ihnen herausgegebenen Anssatz Moses las. ich nickt so ganz einsah. warum Jacobis Schrift persönlich einen so sehr unangenehmen Eindruck auf ihn gemacht habe, denn was die Beleidigung von Lessmgs Andenken betrifft, mußte sie zwar einem so zärtlichen Freunde Lessings als Moses war. sehr wehe thun. Aber er mußte finden, das; Jacobi sich selbst wentgstens in einem ebenso schlechten Lichte darstellte als Lessing ja in einem noch schlechteren. >) So in der Abschrift; sollte Garve vielleicht honett^geschrieben oder der Abschreiber sich verlesen haben? 2) Am Rande steht s. Beilage, diese Beilage fehlt jedoch. Denn er ist es ja, der durch das abscheuliche Gedicht?) waS er in der Tasche mit sich herumtrng und wahrscheinlich selbst gemacht hatte, die Unterredung mit Lessing veranlaßte. Er stimmt vollkommen mit Leffing in seiner Behauptung zusammen und führt die Idee, welche dieser halb im Ernst halb im Scherz in seiner Unterredung hinwarf, in einem ganzen Buche aus. Das Mißtrauen, welches er gegen Moses zeigte, mußte den durchaus redlichen Mann natürlich auch beleidigen. Allein, wenn ich nicht irre, so war es Schriftstellereitelkeit und nichts mehr, welche Jacobi zur frühzeitigen Herausgabe dieser Briefe bewog. Er fürchtete, Moses wird das Fett von der Suppe wegnehmen, »vürde die feinsten scharfsinnigsten Ideen ohne ihn zu nennen durch die Widerlegung derselben so verbrauchen, daß er, Jacobi, sie nicht »»»ehr wohl ins Publikum bringen könnte. Er eilte also, damit auch seine Schrift noch den Reiz der Neuheit hätte. — Unsere Urtheile über Moses Morgenstunden sind einander nickt weniger gleichförmig. In dem Auszuge, den ich mir davon gemacht habe, habe ich die Zusätze, »vorin die Materie von den Fragen abgehandelt wird, als eines von den vorzüglichsten Stücken des Buches bemerkt . . Da es sich in unseren Notizen indeß auch um Mendelssohns Zeitgenossen handelt, so ist hier wohl der Ort, auch folgende rechte interessante Stelle zu veröffentlichen. Das bekannte Mitglied des Mendelssohnffchen Kreises, Herz Homberg, der nach seiner Berliner Periode im Oesterreichischen eine hervorragende Stellung einnahm, stand mit dem vielseitigen Berliner in geschäftlicher und litterarischer Verbindung. Auf eine seiner Anfragen nun gab Homberg folgende Antwort, die vielleicht in Dohms bekanntem Buche über die bürgerliche Verbesserung der Juden (Band 2) benutzt werden sollte, aber nicht benutzt worden ist, einem Buche, das im Nicolai'schen Verlage erschien?) Görz. 28. November 1783. In Triest als ein Porto franco sind die Juden in Ansehung der Abgaben den Christen völlig gleich. Einige sind im Besitz der Landgüter, denen es schon die glorwürdige Kaiserin zugestanden, nunmehr aber ist das Recht ganz allgemein und auf alle Mitglieder der Gemeinde ausgedehnt worden. Görz. Hier sind sie schon einer besonderen aber sehr mäßigen Abgabe unterworfen. Hier ist der Ort, »vo man zuerst (vor einigen Wochen) angefangen, einem israelitischen Jüngling den noch ganz neuen Weg als Praktikant in einer politischen Kanzlei zu arbeiten, zu eröffne»». W»en. Daselbst »verden alle Abgaben unter de»»» Namen Toleranz begriffe»», die nach dem Vermögen und Geschäfte eines ..jeden Individuums geschätzt und auferlegt wird. In gleicher Weise wird mit einem jüdischen Ankömmling aus den kaiserlichen Provinzen oder aus einem anderer» Staate verfahren, der sich unter gewissen Bedingungen da ansässig »nacht. Nur diejenigen sind von allen Abgaben frei, welche daselbst studiren. jedoch nn'lsseu diese der Ordnung Wegen sich bei der Negierung melden. Ein aus den Provinzen Aukommender kann den Schutz in Wien erlangen, sobald er einen hinlänglichen Grund angiebt, daß der Staat durch dieses Etablissement! in etwas dabei gewinnt. Ein Arzt, Barbirer oder Künstler wird ohne! alle Untersuchungen ausgenommen, er »nag ein Einheimischer oder! Ausländischer sein, sobald er mit Attestaten der Universität und der! letzte mit Zeugnissen einheimischer Meister versehen ist. Diese zahlen > daher keine Toleranz, sondern sind den Bürgern gleich, so viel es die Abgaben betrifft. En» auswärtiger jüdischer Kaufmann aber kann weder in Wien noch an einem anderen Orte den Schutz erhalten, wenn er ihn nickt entweder erheirathet oder eine Fabrik anlegt oder! sonst nützliche Vorschläge macht und ausführt. y Es handelt sich um das Gedicht „Prometheus", das bekanntlich nicht von Jacobi, sondern von Goethe ist. 2) Es könnte auch sein, daß Nicolai diese Notizen für seine Neise! benutzen wollte, die er damals erscheinen ließ. — Auch für die an-! geführte Schrist Dohms kann ich einen bisher unbeachteten Nacktrag bringen. Dohm schreibt nämlich an den Historiker Joh. Müller <26. Jan-! 1781, Briefe an Müller 2. 271): „Ich habe die vielleicht einzige Ehre eines christlichen Schriftstellers gehabt, von dem Oberrabbiner hier in einer Rede citirt zu werden, in derer einen Auszug meiner Schrift gab."

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