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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-11-21 · Heft 47 (21.11.1902) · p. Seite 555

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 47 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
Seite 555 (sequence 5)
Language
German
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nber. ition der a Presse -ichstage. iber „die pann die idem sie h »ur, in noch aus rs hinter sondern auch seine Persouenidentität und Staatsbürgerschaft dokumentarisch zu erhärten hat. Da aber die Erfüllung dieser Verpflichtung von Seite der rumänischen Juden, die ja von keinem Staate als ihre Bürger anerkannt werden, und von Seite der russischen Emigranten, die ja keinerlei Dokumente erhalten, ausgeschlossen ist, so ist demnach auch jede Einwanderung derselben nach Ungarn unmöglich gemacht. Ueberdies können aber auf Grundlage der neuen Vorlage auch alle jene ziemlich zahlreichen russischen und rumänischen Juden, die sich in den letzten Jahren dort angesiedelt und eine Existenz geschaffen haben, aus Ungarn ausgewiesen werden. 4rd unerl sich der früheren nft kein ntrums-;er und ch, aber schästigt. r Stelle. Prozesse, genossen Rohling, s Viktor »gehend haben eS er dieser leristisch n sprach > der als Gericht üguugs- >. handelt )ertreter r citirte, rt habe, age sei". lO.d.M. err Prof, es hängt lusstellt, dern in rr dem Abhilfe gen und Judenn. Die garn zu chweisen n kann, Bei dem Zickzackkurs, in welchem die innere Politik der russischen Regierung seit drei Jahren sich bewegt, schein^ man gegenwärtig in Bezug auf die Behandlung der Juden sich wieder in aussteigender Kurve bewegen zu wollen. Zunächst hat der neue Kultusminister Senger die judenfeindliche Bahnen seines Vorgängers verlassen. Die Zahl der auf einigen Universitäten zuzulassenden jüdischen Studenten wurde auf 7 Prozent erhöht und an einigen weiteren Universitäten darüber hinaus ausnahmsweise und nur für dieses Jahr eine erheblichere Anzahl zugelafsen. So wurden in Odessa 12, in Charkow 8 und in Kiew gar 16 jüdische Studenten über die Norm zugelassen. Ferner wird geplant, die bisher bestandene Beschränkung der Zulassung der Juden zum Studium in den unteren und mittleren technischen Unterrichtsanstalten gänzlich aufzuheben, wodurch sich für die Juden Rußlands eine ganze Reihe neuer Erwerbsquellen öffnen würden. Auch der Senat, dessen Entscheidungen für die in den höchsten Kreisen gegen die Juden herrschende Stimmung von jeher symptomatisch waren, hat in jüngster Zeit eine Reihe von für die Juden günstigen Entscheidungen getroffen. So wurde der Gouverneur von Orenburg vom Senat angewiesen, die armen jüdischen Handwerker in Ruhe zu lassen. Ferner hat derselbe in einer jüngsten Entscheidung den Aufenthaltskreis der Juden in Sibirien erweitert. Wichtiger als die liberale Deutung der Maigesetze durch den Senat und die Liebenswürdigkeit des Kultusministers Senger gegenüber den jüdischen Studirenden ist die Gesinnung gegen die Juden, welche in der jüngsten Zeit im Ministerium des Innern Platz zu greifen scheint. Dieses hat,vermuthlich unter dem harten Zwang der immer weiter um sich greifenden nihilistischen Propaganda, sich veranlaßt gesehen, gegen die Juden mildere Saiten aufzuziehen. So hat der Minister jetzt, entgegen seinen bisherigen Entscheidungen, plötzlich erklärt, daß das von einem Juden erworbene Aufenthaltsrecht außer» halb des Ansiedelungsrayons sich auch auf dessen Wittwe erstreckt. Noch wichtiger ist ein Plan, mit dem man, nach Meldung der „Nowosti", jetzt im Ministerium des Innern umgehen soll, und der nichts geringeres beabsichtigt, als allen Juden das Recht zu gewähren, im gesummten russischen Reiche Grund und Boden zu erwerben. Freilich soll dies nicht in unbeschränktem Maße und nicht ohne Weiteres, sondern nur mit jedesmaliger Erlaubniß des Gouverneurs und nur im Umfange von 35 Hektar erfolgen dürfen. Aber abgesehen davon, daß ein höherer Bodenankauf bis zu 35 Hektar und darüber hinaus durch besondere Genehmigung möglich sein soll, bedeutet diese Erweiterung der Rechte der Juden selbst in diesem beschränkten Umfange einen radikalen Bruch mit der gesammten Tendenz der Maigesetze. Bezeichnend ist die diesem geplanten Gesetz beigegebene Motivirung. Danach sprechen alle von dem Ministerium des Innern gesammelten Erfahrungen dafür, daß die Juden, welche als Pächter oder eigene Besitzer Ackerbau treiben, ein überaus nützliches, von Betrug und Uebervortheilung anderer völlig entferntes Element des produzirenden Volkes sind und daß sie, weit entfernt davon, Raubwirthschaft zu treiben, bestrebt sind, ihren Boden fortwährend zu verbessern, durch den Anbau werthvoller Pflanzen, wie Gemüse, Tabak, Obst u. s. w., der übrigen landwirthschaftlichen Bevölkerung Rußlands als Muster zu dienen. Die Juden als Muster der landwirthschaftlichen Bevölkerung! Dieses Lob aus dem Munde eines russischen Ministers verdient die weiteste Verbreitung. 4 Eine Nachricht, die nicht verfehlen wird, großes Aussehen zu erreget«, berichtet der „«ssrvisli Ltiromd«" in seiner letzten Nummer. Das Blatt ist nämlich ermächtigt zu erklären, daß der neue jüdische Lordmayor Samuel den rumänischen Gesandten von einer Einladung des diplomatischen Korps zum Guildhallbanket ausschloß, um damit sein Mißfallen und Bedauern über die Judenverfolgung in Rumänien zu dokumentiren. Man wird den Muth des Mannes bewundern müssen, der zu dieser Demonstration um so eher berechtigt war, als die englische Regierung ja ebenfalls gegen die rumänischen Judenverfolgungen protestirt hat, ohne daß Rumänien bis jetzt Veranlassung genommen hätte, sein Vorgehen zu rechtfertigen. Für die Antisemiten, namentlich die einer bestimmten Richtung, sei übrigens im Vorhinein bemerkt, daß dies nicht der erste Fall ist, wo religiös-politische Interessen bei dem Lordmayorbanket mitsprechen. Bei dem Einführungsbanket für den Lordmayor de Kehser. einen Katholiken. brachte dieser einen Toast auf den Papst vor dem auf die Königin aus, was damals große Aufregung in England hervorgerusen hat. Es erscheint übrigens zweckmäßig, gerade bei dieser Gelegenheit die Aeußerung zu erwähnen, mit der der Lordkanzler Earl Halsbury die Einführung des neuen Lordmayors begleitete. Er sagte unter anderem: Sir Samuel sei in jeder Hinsicht eine Zierde des Amtes, zu welchem er einstimmig erkoren wurde, und mit ganz besonderer Freude ertheile er ihm Namens des Königs die Bestätigung. „Sowohl der Gewählte als England," so sagte Earl Halsbury wörtlich, „können sich mit Stolz rühmen, daß die religiöse Gemeinschaft, der er angehört, in Großbritannien nach den wahren Grundsätzen der Freiheit und Gerechtigkeit behandelt wird, während sie in anderen Ländern ungerechten und grausamen Verfolgungen ausgesetzt ist." Uebrigens hatte ein Vertreter der „St. James Gazette" dieserhalb eine Besprechung mit dem Lordmayor, und Sir Marcus Samuel erklärte, daß der betreffende Name absichtlich weggelaffen worden sei, und bemerkte dazu, es sei Brauch im Mansion-House, Vertreter eines Staates nicht einzuladen, der sich weigert, Vertragsverpflichtungen zu erfüllen. Wie die „St. JameS Gazette" erfährt, ist die Regierung in der Angelegenheit zwar befragt worden, aber die Verantwortlichkeit dafür ruht gänzlich auf dem Mansion-House.

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