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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-11-14 · Heft 46 (14.11.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Berlin, Bruhn durch Rechtsanwalt Dr. Hahn-Charlottenburg vertheidigt werden. kV Berlin, 10. November. Moses Mendelssohns Antheil an der Berliner Seideni ndu strie ist in den interessanten Artikeln, die hier erschienen, auf Grund der von der Berliner Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Aktenstücke, nicht genügend hervorgehoben. Moses Mendelssohn, der einstmalige Buchhalter, spätere Kompagnon von Bernhard Isaac, hat die Nachtheile, welche der Berliner Seidenindustrie gegenüber der französischen infolge des Mangels an Kommissionsgeschäften damals anhasteten, zuerst beseitigt. Das 1767 angelegte staatliche Seidenmagazin bewilligte den Fabrikanten einen Kredit von neun Monaten. Moses Mendelssohn war es, der mit dem Rathe, die Fabrikanten ihren Bedarf zwar direkt bestellen, die bestellte Waare aber durch das Magazin liefern und zunächst bezahlen zu lassen, den richtigen Ausweg fand. Als Unternehmer sind neben Moses Mendelssohn als Nachfolger von Bernhard Isaac, den Söhnen von David Hirsch, den Nachkommen von Moses Nies auch noch Gardermin und Friedländer, Israel Marcus und von Halle zu nennen. Es verdient erwähnt zu werden, daß die Juden innerhalb der Seidenindustrie (in Königsberg kommen noch Silberraffinerie, ferner Gaze-, Saffian- und Cordianfabriken hinzu) sich zuerst die soziale Lage in Preußen erarbeiteten, welche die Emanzipation 1812 ermöglichte. Ein Kritiker der „^eta Uorussia", in denen jetzt diese Aktenstücke erschienen sind, sagt: „Hier schufen die Juden neue Werthe, und es genügt an Moses Mendelssohn und David Friedländer zu erinnern, um sowohl die Bedeutung der Juden für diese Industrie wie umgekehrt deren Folgen für die Juden selbst zu kennzeichnen." 1^. Hannover, 10. November. Am 5. d. M. fand in unserer Gemeinde die Wahl des ersten Vorstehers statt. Die Betheiligrmg war eine außerordentlich große, und mit erdrückender Majorität, fast einstimmig, wurde der bisherige zweite Vorsteher. Senator Fischer, gewählt. Die Wahl kann als eine glückliche bezeichnet werden, denn Herr Senator Fischer wird seine Arbeitskraft, die mit Arbeitsfreudigkeit gepaart ist. in den Dienst der Gemeinde stellen, und es ist ihm ein Feld eröffnet, auf dem er segensreich wirken kann und wirken wird. Der jetzige erste Vorsteher war bisher nicht nur im Rahmen der Gemeinde thätig, sondern er zeigte Verständniß und Hang für alle gemeinnützigen Institutionen der Jndenheit, und sein bewährter Rath wird fortgesetzt häufig von der christlichen Bevölkerung in Anspruch genommen. Leopold Fischer ist noch nicht 50 Jahre alt, in Linden bei Hannover geboren und noch jetzt dort wohnhaft, wo er als Nachfolger des damals nach Hannover verzogenen Isaak Hirsch 12 Jahre Vorsteher der Gemeinde war. Nachdem vor etwa 10 Jahren die Synagogengemeinden Hannover und Linden vereinigt wurden, kam F. schon nach kurzer Zeit in die Repräsentanz der Shnagogengemeinde Hannover. Vor etwa sechs Jahren erwählte ihn das Kollegium zum fungirenden Synagogenvorsteher. Vor drei Jahren wurde er an Stelle des verstorbenen Justizraths Bensey zum Vorstandsmitglieds und vor wenigen Monaten zum zweiten Vorsteher gewählt. Er gehört auch den Schul- und Schächtkommissionen an und ist Vorsitzender der Armenkommission, ferner Vorsitzender des Vereins zur Unterstützung israelitischer Armen und zur Beseitigung der Hausbettelei, er gehört zum Vorstände des Talmud-Thoravereius und des Vereins für Altersversorgung und Krankenpflege, des Vereins zur Förderung des Gartenbau- und Handfertigkeitsunterrichts in der jüdischen Volksschule und ist Vorsitzender des Kuratoriums der Israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem. Herr Senator Fischer ist Delegirter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebuudes, gehört zum geschästssührenden Ausschüsse des „Hilfsvereins Deutscher Juden", ist Vorsitzender der „Abwehrorganisation" für Stadt und Provinz Hannover und dergleichen mehr. Seinem Beruf nach ist er Großkaufmann. er schied jedoch vor einiger Zeit aus seiner^ alten väterlichen Firma aus und stellte sich in den Dienst gemeinnütziger Bestrebungen. Seit etwa 15 Jahren steht er im städtischen Ehrendienst, indem er durch das Vertrauen der Bürgerschaft zum Bürgervorsteher (Stadtverordneten) erwählt wurde. Vor etwa fünf Jahren wurde er vom Magistrate und von den Stadtverordneten zum Senator (Sladtrath) auf Lebenszeit gewählt und als Mitglied des Magistrats von der königlichen Regierung bestätigt. In dieser Eigenschaft gehört er allen bedeutenden städtischen Kommissionen an und bekleidet das Amt eines von der königlichen Regierung installirten Vorsitzenden der Steuerkommission. Außerdem ist er zum Abgeordneten des Caleriberg-Grubenhagen'schen Provinziallandtages auf Lebenszeit erwählt. Auch Kriegervereine und Arbeitervereine haben ihn zum Ehrenmitglieds ernannt, denn Herr Senator Fischer interesfirt sich besonders für Volkswohlbestrebungen. Möge es ihm noch lange beschieden sein, so segensreich wie bisher zu wirken. N. Hamburg, 7. November. Der Vorstand des Israelitischen Gemeinschaftsheims hatte in Sagebiels Etablissement einen Festabend arrangirt, dessen Ertrag dem Israelitischen Knaben- und Mädchenhorte zu Gute kommen soll. Der weiße Saal war in allen seinen Räumen dicht gefüllt, denn alle Schichten der jüdischen Bevölkerung betheiligten sich an dieser Veranstaltung. Die Festrede hielt Herr Dr. Ernst Tuch-Berlin, der in seinem längeren Referat sich über die Zweckmäßigkeit einer solchen Einrichtung verbreitete, die speziell für Hamburg ein unabweisbares Bedürfniß sei. Der Hort solle dazu dienen, Kindern, die im Hause die nöthige Aufsicht entbehren, vor den sittlichen Gefahren der Straße Schutz zu gewähren. Der Vorstand des Gemeinschaftsheims hält sich auch deshalb dazu berufen, in dieser Angelegenheit in eine eifrige Propaganda einzutreten, weil eben aus den Kreisen der Besucher des Heims die Anregung dazu gegeben worden ist. Hat doch die erst im vorigen Jahr ins Leben getretene Errichtung deS Gemeinschaftsheims, in Verbindung mit der Lesehalle, nach dem Sststem der „Toynbee-Hall", sich gut bewährt; die Veranstaltungen waren so zahlreich besucht, daß die Räume des Vereinslokals sich oft als zu klein erwiesen. Nur durch die Mitwirkung aller Kreise würde es jedoch gelingen, den Hauptzweck der Gemeinschaftsheime zu fördern, welche doch in erster Linie dazu dienen sollen, die sozialen Gegensätze zu überbrücken und zu dem zu machen, was ihr Gründer sagte, die Toynbee-Halls sollen eine Akademie für soziale Wohlfahrt sein. An diesen Vortrag, der mit großem Beifall ausgenommen wurde, schlossen sich gesangliche und deklamatorische Vorträge. Während der Pausen wurde von jungen Damen der Gesellschaft Thee und Backwerk gereicht. Der Ertrag des Festabends scheint ein beträchtlicher zu sein. — Zur Gründung eines israelitischen Schwestern Heims in Hamburg ist noch zu berichten, daß die Zeichnungen für diese so wohlthätige Institution schon sehr beträchtliche sind. Der Initiative des Herrn Paul M. Marburg, der überhaupt die erste Anregung dazu gab, ist es auch zu danken, daß die Summe von 110,000 Mark zur Verwirklichung des Planes in verhältnißmäßiger kurzer Zeit aufgebracht wurde. U. Eisenach, 1. November. Die Einführung des neuen Landrabbiners unseres Großherzogthums fand am 14. v. M. in feierlicher Weise in Stadtlengsseld statt. Die würdige Feier, zu der die verschiedenen Staats- und städischen Beamten sowie die Gemeindevertretungen und Lehrer aus allen Kultusgemeinden eingeladen und erschienen waren, machte auf alle Allwesenden einen tiefen Eindruck. Unter Führung des grotzherzoglichen Bezirksdirektors Herrn Geheimen Regierungsrath Schmidt aus Dermbach und des Kultusvorstehers Herrn Jakob Huhn aus Stadtlengsfeld bewegte sich der Zug von der Wohnung des Herrn Landrabbiners Dr. I. Wiesen in die festlich geschmückte Synagoge, wo der festliche Akt vollzogen wurde. — Nach vorausgegangenem Minchagebet hielt Herr Dr. Wiesen eine treffliche Antrittspredigt. Er entwickelte in zu Herzen gehender Rede sein Programm und legte zum Schlüsse das Gelöbniß ab, sein Amt nicht nur als eine Würde, sondern auch als einen Dienst aufzufassen, dem er alle seine Kräfte widmen wolle. — Nun ergriff der Herr Bezirksdirektor das Wort, um unter Vorlesung der Bestellungsurkunde Herrn Dr. Wiesen in sein neues Amt einzuführen. Besonders anerkennende und ehrende Worte widmete der Herr Bezirksdirektor dem verewigten Landrabbiner Dr. Salzer, den er als einen Mann von seltener Herzensgüte, von reinem und makellosem Charakter in mehr denn 20jähriger gemeinsamer Arbeit schätzen und lieben gelernt habe. Nachdem Herr Landrabbiner Dr. Wiesen den Segen für das Fürstenhaus, für Kaiser und Reich gesprochen hatte, schloß die Feier mit dem Gesänge: Lobe den Herren.—Im Anschluß an obigen Bericht referire ich gleichzeitig über die am Freitag, den 31. Oktober und Sonnabend, den 1. November stattgehabte Feier in der Gemeinde Eisenach. Am Freitag, nach vollzogenem Minchagebet, wurde der Herr Landrabbiner von dem Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herrn Leop. Kuh, und den Deputirten vom Sitzungszimmer aus nach seinem Platze in der Synagoge geleitet. Der Synagogenchor begrüßte den Herrn Landrabbiner mit dem „Boruch habo". Alsdann ergriff Herr Leop. Kuh das Wort, um als erster Vorsteher namens der Gemeinde Herrn Dr. Wiesen als neuen Landrabbiner herzlich zu begrüßen. Dr. Wiesen

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