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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-11-14 · Heft 46 (14.11.1902) · p. Seite 546

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
Seite 546 (sequence 8)
Language
German
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546 Vas UMgionsbelrenntniß der Studirenden an den preußischen Universitäten. Von D r. Hoppe, Nervenarzt in Königsberg. 11 dem neuesten Hefte der Zeitschrift des kgl. Preußischen Statistischen Büreans (1. und 2. Vierteljahrsheft 1902) veröffentlicht Erich Petersilie eine Abhandlung über Universitätsbesuch und Studentenschaft auf den deutschen bezw. preußischen Universitäten, welche u. a. auch Mittheilungen über das Religionsbekenntniß der Studirenden an den preußischen Universitäten enthält. Aus den interessanten statistischen Daten geht vor allem der überragende Antheil der jüdischen und die geringe Betheiligung der katholischen Studenten auf das Deutlichste hervor. Die männliche Bevölkerung Preußens bestand nach den drei letzten Volkszählungen aus Evangelischen Katholiken Juden 1890 9411161 — 63 Proz. 5058292 - 34,4 Proz. 182738— 1,2 Proz. 1895 9068230 — 63,7 „ 5428791--33,7 „ 186297 — 1,2 „ 1900 10698574 — 64 „ 9004703—35,4 ,. 192969-1,1 „ Schon auf den höheren Lehranstalten für die männliche Jugend verschiebt sich das Verhältniß zu Gunsten der Juden und zu Ungunsten der Katholiken, denn es betrug die Prozentzahl an sämmtlichen preußischen höheren Lehranstalten bei den Evangelischen Katholiken Inden 1886/90 70,78 Prozent 20,01 Prozent 8,94 Prozent 1891/95 69,94 „ 21,35 „ 8,42 1899/1900 68,98 „ 23,22 „ 7,55 Der Antheil der Katholiken ist also im Wachsen begriffen, der Antheil der Juden und Evangelischen aber im Rückgang, doch liefern die Juden noch immer siebenmal größeren Antheil als ihrer Bevölkerungsziffer entspricht; die Protestanten betheiligen sich nur etwas stärker am Besuch der höheren Schulen als ihre Bevölkerungsziffer entspricht, während die Katholiken um circa Vhinter ihrer Bevölkerungsziffer zurückblieben. An sämmtlichen höheren Knaben- und Mädchenschulen bildeten nach Arthur RuPPin („Die sozialen Verhältnisse der Juden in Preußen", Jahrbücher s. Nationalökonomie 1902) die jüdischen Schüler und Schülerinnen von 1887-1891,92 sogar 9,97 Prozent, während das Verhältniß im Wintersemester 1869/70 nur 8,7 Prozent, im Winterhalbjahr 1859/60 sogar nur 6.8 Prozent betrug, so daß daraus eine Zunahme des Antheils der Juden bis 1891/92 am Besuch der höheren Schulen folgen würde. Was nun die Universitäten betrifft, so kommen auf je 100 Studirende Evangelische . Katholiken Juden 1886/90 71,96 Prozent 18,73 Prozent 8,98 Prozent 1891/95 69,13 „ 21,44 .. 8,97 1899/1900 66,80 „ 24,67 „ 8,11 Der bedeutende Antheil der Juden tritt hier noch etwas stärker als an den höheren Lehranstalten hervor. Die bei den Katholiken seit 1890 zu konstatirende zunehmende Betheiligung am Universitätsbesuch ist nach Petersilie dadurch zu erklären, daß die meist katholischen süddeutschen Studirenden in steigendem Maße die preußischen Universitäten besuchen, während die meist evangelischen Preußen vielfach nach Süddeutschland gehen, was zum Theil den ziemlichen starken Rückgang der Evangelischen an den preußischen Universitäten erklärt. Im Ganzen aber überragen die preußischen Universitäten so sehr, daß die Vergleichung mit der männlichen Bevölkerung Preußens einigermaßen ihren Werth behält. Was die Vertheilung der Religionsbekenntnisse aus den einzelnen Fakultäten betrifft, so ergiebt sich, daß die Juden sich in ganz auffälliger Weise der Medizin zuwenden, was ja auch bereits bekannt ist. Es betrug der Antheil der jüdischen Mediziner in den drei genannten Zeitabschnitten (von 1886—1900) 18,55 Prozent bezw. 17,0 Prozent bezw. 14.60 Prozent, so daß also auch hier ein Rückgang zu konstatiren ist. Die juristische und die philosophische Fakultät werden von den Jude» ungefähr gleich stark besucht (ca. 8 Prozent). Nach Arthur RuPPin (a. a. O.) studirten Juden im Sommer- Halbjahr 1895: Medizin Jura Philosophie in allen Fakultäten unter den Preußen 19,92 Prozent 8,19 8,92 9,32 Prozent unter allen Studirenden 16,88 Prozent 8,08 „ 10,15 9,37 Prozent Die Evangelischen bringen der Medizin verhältnißmäßig die geringste, allerdings etwas steigende Neigung entgegen und bevorzugen die beiden anderen Fakultäten ziemlich gleichmäßig. während die Katholiken alle drei Fakultäten ungefähr in gleicher Weise frequentiren und bei jeder einzelnen im langsamen Wachsen begriffen sind. Die lebhafte Neigung der Juden zum Studium beruht nach Petersilie einerseits auf einer „Rasseneigenthümlichkeit", andererseits aber wohl auch auf der wirthschaftlich günstigeren Lage einer Menge von Judenfamilien. Sieht man von der allerdings nicht kleinen Zahl der ganz armen jüdischen Trödler, Hausirer, Inhaber von Wanderlagern u. s. w. ab, welche nicht oft einen Sohn auf die Universität schicken werden, so kann man den Rest zu einem guten Theil zu den Wohlhabenderen, selbst Reichen rechnen, denen es leicht wird, einen Sohn dem Studium zu widmen; sie thun das erfahrungsgemäß auch gern, namentlich wenn mehr als ein Sohn vorhanden ist. Demgegenüber muß aber dem starken Zweifel Ausdruck gegeben werden, ob das Verhältniß der wohlhabenden Studirenden unter den Juden größer ist als nnter den übrigen Studenten. Dieser Zweifel wird gestützt durch eine von Petersilie selbst an anderer Stelle beigebrachte Statistik über die Vertheilung der Honorarstundungen nach den Bekenntnissen. Es hatten nämlich von je 1000 Studirenden Stundung erhalten: in der in der juristischen Fakultät medizinischen Fakultät Evang. Kathol. Juden Evang. Kathol. Juden 1889/90-1891 46 74 118 74 340 327 1891/92-95/96 56 108 122 108 339 302 1899-1899/1901 39 102 72 102 269 238 in der philosophischen Fakultät Evangelische Katholische Juden 1889/90-1891 117 187 103 1891/92-95/96 98 178 104 1899—1899/1900 102 197 70 Es geht daraus auf das Deutlichste hervor, daß die jüdischen Studenten im Verhältniß viel häufiger Honorarstundungen erhalten als ihre christlichen oder wenigstens ihre evangelischen Kommilitonen, während unter den katholischen die Prozentzahl der Bedürftigen noch größer ist. Nur in der philosophischen Fakultät sind die bedürftigen jüdischen Studenten weniger vertreten, höchst wahrscheinlich deswegen, weil bei den geringen Aussichten auf künftiges Fortkommen als Lehrer u. s. w. sich vorzugsweise nur wohlhabende Juden, welche vollständig ihren Neigungen folgen können, dem Studium der philosophischen Wissenschaften zuwenden. Demgegenüber überwiegen die un-

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