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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-11-07 · Heft 45 (7.11.1902) · p. Seite 533

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 45 (7.11.1902)
Date
1902-11-07
Page
Seite 533 (sequence 7)
Language
German
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533 liegen der Bestätigung durch die nächste ordentliche Mitgliederversammlung. Auf Antrag Bernfeld beschließt dann noch die Versammlung einen Ausschuß zu wählen, und zwar werden in denselben die 21 Unterzeichner gewählt, denen das Recht der Kooptation zugesprochen wird. Nach den üblichen Schluß- und Dankesworten des Vorsitzenden Professor Philippson und Rabbiner Dr. Vogelstein, welcher den Dank der Versammlung dem Vorsitzenden votirt, wurde die Berathung nach fünfstündiger Dauer geschlossen. Jüdische Oberlehrer an den höheren Lehranstalten Preußens. soeben erschienene „Kunze-Kalender" für das höhere Schulwesen Preußens und einiger anderer deutscher Staaten (Schuljahr 1902) gestattet auch eine Uebersicht darüber, wie viel jüdische Oberlehrer mit dem Erscheinen des letzten Kalenders, der den Bestand am 1. November 1900 verzeichnete, an nichtjüdischen höheren Lehranstalten Preußens angestellt worden sind. Es sind im Ganzen unter den 738 Oberlehrern, die nach dem 1. November 1900 bis 1. Mai 1902 incl. angestellt wurden, 12 Juden, darunter je 1 an einerstaatlichen Anstalt der Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Brandenburg, die übrigen 9 an städtischen Schulen Berlins. Der älteste dieser jüdischen Oberlehrer war bei seiner Anstellung 48 Jahre 8 Monate, der jüngste 27 Jahre 5 Monate alt; ihr Durchschnittsalter betrug bei der definitiven Anstellung 37 Jahre 10 Monate, bei Erlangung der Anstellungsfähigkeit 30 Jahre 3 Monate. Sämmtliche jüdischen Oberlehrer wurden mit dem Anfangsgehalt angestellt, was freilich unter den obwaltenden Umständen nicht wunderbar erscheinen kann. Denn der Staat rechnet nur die über vier Jahre hinausgehende Beschäftigung als Hilfslehrer an einer öffentlichen berechtigten höheren Lehranstalt an, die drei neuernannten jüdischen Oberlehrer an staatlichen Anstalten haben aber den größten Theil der Wartezeit in privaten Stellungen verbracht. Die Stadt Berlin aber, die die übrigen neun jüdischen Oberlehrer angestellt hat, hat bis jetzt auch christlichen Oberlehrern gegenüber die Praris befolgt, Hilfslehrerjahre nicht anzurechnen. Die Gesammtzahl der jüdischen Oberlehrer in Preußen beträgt jetzt 83, von denen aber 18 an den beiden jüdischen höheren Lehranstalten in Frankfurt a. M. angestellt sind (darunter sechs Professoren mit dem Range der Räthe 4. Klasse). Die Zahl der an staatlichen Anstalten angestellten Oberlehrer beträgt jetzt 11, und zwar 1 in Ostpreußen, 3 in Westpreußen, 5 in Posen, das nur staatliche höhere Lehranstalten besitzt und 2 in Brandenburg (davon 1 in Berlin). An städtischen Anstalten sind augenblicklich 54 jüdische Oberlehrer vorhanden, und zwar 1 in Westpreußen (Danzig), 8 in Schlesien (6 in Breslau), 1 in Sachsen (Magdeburg) und 4 in Hessen-Nassau (Frankfurt a. M.); die übrigen 40 sind in Berlin. Da nun nach der neuesten Zählung von 10 000 Personen 488 Juden sind, so müßten von den 654 Oberlehrern, die in Berlin angestellt sind (davon 533 an städtischen Anstalten), 32 Juden seien. Ihre Zahl beträgt aber 41. In ganz Preußen kommen auf 10 000 Personen 114 Juden; unter den 6704 preußischen Oberlehrern müßten also 76 Juden sein. Auch hier ist also die Zahl der jüdischen Oberlehrer etwas größer, als es dem Verhältniß der jüdischer« Bevölkerung zu der christlichen entspricht. Daß es dahin trotz aller Zurücksetzung, der die Juden ausgesetzt sind, gekommen ist, erklärt sich aus dem augenblicklich herrschenden Lehrermangel; sobald die Zahl der nur einigermaßen für einen bestimmten Posten in Betracht kommenden christlichen Bewerber erschöpft ist, erinnert man sich, wenigstens in gewissen freisinnigeren Bezirken, der Juden, welche sich ja in beträchtlicher Zahl Studien gewidmet haben, die für ein Lehramt in Betracht kommen, wenn sich auch die meisten von ihnen in den Zeiten, da die Aussichten schlechter als heute waren, anderen Berufen zugewendet haben. Diese günstigen Aussichten werden auch zunächst noch fortbestehen, so daß von den 15 jüdischen anstellungsfähigen Kandidaten (Gesammtzahl 340) wohl die meisten bald angestellt werden. 6 von ihnen sind bereits vollbeschäftigt (4 in Berlin, 2 i» Frankfurt a. M.). Von den 4 in „Kunze" ausgeführten Probanden (Gesammtzahl 225) ist einer mittlerweile als Oberlehrer angestellt, zwei sind als Hilfslehrer beschäftigt. Unter den 253 Seminarmitgliedern befindet sich nur ein Jude (in Berlin). Trotz alledem dürste es auch heute noch keinem Juden, vernicht recht lange warten kann, rathsam sein, sich dem Lehrfach zu widmen. Die günstigen Aussichten werden etwa noch 3—4 Jahre auhalten; eine genauere Berechnung ist freilich nicht möglich. Aber sicher wird auf den Mangel ein starker Andrang folgen, wie man schon aus der großen Anzahl derer ersehen kann, die sich gegenwärtig dem Studium der Mathematik und der neueren Sprachen widmen. Sobald aber die Zahl der christlichen Bewerber das Angebot übertrifft, wird für den Juden keine Stelle zu haben sein. Sind doch selbst heute noch genug preußische Provinzen ohne jeden jüdischer« Oberlehrer, nämlich Pommern, Schleswig-Holstein, Westfalen, Hessen- Nassau, Nheinprovinz und Hannover. In der Liste der letzteren Provinz wird zwar ein jüdischer anstellungsfähiger Kandidat, geführt, aber, und das ist bezeichnend genug — außerhalb der Provinz beschäftigt. In den letzgenannten Provinzen haben Juden nur dann Anstellung gefunden, wenn sie sich zuvor taufen ließen. Die Zahl dieser getauften Juden, die ja übrigens auch für unsere Zusammenstellung belanglos ist, läßt sich nicht leicht feststellen. Zu erwähnen ist noch, daß zwei jüdische Oberlehrer auch an höheren Mädchenschulen angestellt worden sind, einer in Berlin, einer in Bromberg. Außerhalb Preußens sind die Aussichten für die Juden im Allgemeinen noch ungünstiger; nur in Bayern und in Elsaß-Lothringen sind Juden in größerer Anzahl an höheren Lehranstalten untergekommen. Aber selbst in letzterem Lande hat sich einer der Kandidaten seine Wartezeit dadurch abzukürzen gesucht, daß er sich taufen ließ. M. G. Karl Gutzkows Börne-Biographie. Von Dr. Heinr. Hub. Hauben. II. m 12. Mai 1839 schrieb Auerbach an Alexander Weil: „Gutzkow kommt diese Woche hierher (nach Frankfurt), wir werden vielleicht in Kollision kommen, da wir Beide das Leben Börnes ausarbeiten wollen." Diese drohende Konkurrenz war natürlich Gutzkow längst bekannt geworden, und er hatte seine Maßregeln getroffen; als Auerbach jene

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