Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1902)
- Date
- 1902-10-31
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 sein Amt mit größter Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue verwaltet hat, um einem ehrenvolle Rufe als Kantor an die jüdische Gemeinde zu Berlin Folge zu geben. Herr Kalischer hat sich hier der größten Beliebtheit erfreut, so daß man ihn ungern scheiden sieht. In voriger Woche wurde ihm zu Ehren hier ein Festessen veranstaltet, bei welcher Gelegenheit die Verdienste des Mannes gebührend gewürdigt wurden. Die besten Wünsche unserer Gemeinde, deren Achtung er sich erworben hat, begleiten ihn in seinen neuen und großen Wirkungskreis. I''. Jnowrazlaw, 19. Oktober. Herr Alex Cohn hier hat in voriger Woche an die evangelische Gemeinde zur Anlegung eines neuen Kirchhofes 54 Morgen Land verkauft. Von dem Erlös des Geldes hat er 2000 Mark, und zwar je 500 Mark sür die Armen jeder Konfession und 500 Mark zu anderen wohlthätigen Zwecken, gestiftet. — Der Rentier Herr Moritz Hendelsohn, Stadtverordneter und stellvertretender Vorsitzende des Repräsentantenkollegiurns, feierte gestern das Fest seines 70. Geburtstages. Aus diesem Anlasse hat er der Gemeinde ein kunstvoll gearbeitetes, kostbares Trauzelt geschenkt. Da der Jubilar sich der allgemeinen Liebe und Hochachtung erfreut, hatte er sich auch einer sehr regen allseitigen Theilnahme an seinem Feste zu erfreuen. 8t. Breslau, 20. Oktober. Wenige Monate nach dem Hinscheiden des Geheimen Kommerzienraths Heymann, des Inhabers der gleichnamigen, weltbekannten Firma, starb, wie schon kurz gemeldet, der langjährige Mitinhaber und Prokurist dieses Hauses, Wilhelm Kali sch, der Bruder von David Kalisch, im Alter von 87 Jahren. In weiteren Kreisen der Bürgerschaft erfreute er sich eines hohen Ansehens; für ihre Ideale hatte er einst in dem „tollen" Jahre 1848 wacker mitgekämpft und an dem gewaltigen Ausschwung des größten schlesischen Bankhauses als vertrautester Freund des jüngst verstorbenen Besitzers den thätigsten Antheil genommen. Eine Anzahl wohlthätig wirkender Institutionen, in deren Dienst er neben seiner beruflichen Arbeit seine Kräfte gestellt hatte, waren bei der Beerdigung vertreten, die am 14. Oktober auf dem alten jüdischen Friedhofe in Kleinburg stattsand. In der Leichenhalle, wo der mit kostbaren Kranzspenden über und über bedeckte Sarg inmitten eines Haines von Topfgewächsen aufgebahrt war, hatte sich eine große Trauerversammlung eingefunden, welche die Halle Kops an Kopf dicht gedrängt füllte. Eingeleitet wurde die schlichte Feier durch das vom Synagogenchor in hebräischer Sprache gesungene Lied: „Herr, was ist der Mensch." Alsdann nahm Rabbiner Dr. Guttmann das Wort zu seiner Gedächtnißrede, welcher der Spruch zu Grunde lag: „Haltet meinen Weg nicht auf, denn Gott hat mein Werk gelingen lassen." In seinen Ausführungen entrollte Redner in großen Zügen ein Lebensbild des Entschlafenen. Nachdem der Gesang des Liedes: „Es ist bestimmt in Gottes Rath" verklungen, bewegte sich der Kondukt nach dem offenen Grabe, wo der Sarg unter dem üblichen Ceremoniell seiner letzten Ruhestätte übergeben wurde. — Ahlem b. Hannover, im Oktober. Die neu errichtete M ä d ch e n - E r zi e h u ng s a n st a l t in Ahlem ist von der dort seit fast zehn Jahren segensreich wirkenden Knabenanstalt räumlich vollvollkommen getrennt, und obgleich Vorstand, Kuratorium und Damenkomitee der Knabenanstalt auch die Oberaufsicht der neuen Mädchenanstalt übernehmen, ist die Leitung des letzteren Instituts doch auch in dieser Richtung vollständig von der des ersteren getrennt. Fräulein Lazarus, eine auf dem Gebiete des Erziehungswesens bewährte, erfahrene und tüchtige Pädagogin, die bis zum 1. April d. I. an der Spitze des Israelitischen Central-Waisen» und Mädchenheims in Ems stand, übernimmt die Leitung der neuen Mädchenanstalt in Ahlem. Auf Wunsch des Vorstandes des letzteren Instituts hat Fräulein Lazarus in der Zeit vom 1. April d. I. bis Anfang August die bewährtesten jüdischen und christlichen Erziehungsanstalten sowie städtische und ländliche Haushaltungsschulen besucht und sich in den bestgeleiteten davon tageauch wochenlang ausgehalten, um die Einrichtungen und den Betrieb gründlich kennen zu lernen. Sowohl bei der inneren Einrichtung der neuen Anstalt als auch beim theoretischen und Praktischen Unterricht werden die bewährteste Methode der verschiedenen Institute und die gewonnenen Erfahrungen zur Geltung kommen. Somit sind alle Vorbedingungen gegeben, um die Zöglinge des neuen Instituts gründlich theoretisch und praktisch nach allen Richtungen hin auszubilden. Während das Knabenhaus aus kleinen Anfängen entstanden, infolge der nothwendigen Vergrößerungen durch fortwährende An- und Umbauten verändert werden mußte, ist das neue Mädchenhaus von vornherein für 60 jüngere und 20 ältere Mädchen eingerichtet. und diese Zahl soll auch nicht überschritten werden, weil nur dann eine individuelle Ausbildung der Zöglinge zu ermöglichen ist. Das Hauptgebäude selbst sowie die Nebengebäude und die Garteuanlagen sind, wenn auch nicht luxuriös, doch nicht nur gesund und praktisch, sondern auch schön angelegt. Die Mädchen haben Gelegenheit. Einrichtung und Betrieb sowohl eines einfachen wie auch eines besseren Haushaltes kennen zu lernen. N. Hamburg, 20. Oktober. Herr Ge meidevorst eher Jakob Reis, Seniorches der weit über Hamburg hinaus bekannten Firma Reis Richter, ist in Wiesbaden, wo er zur Erholung weilte, im 73. Lebensjahre Plötzlich gestorben. Der Verblichene, der in der Hamburger Kaufmannswelt eine hervorragende Stellung einnahm, Hot trotz seiner umfangreichen geschäftlichen Thätigkeit auch seine Kräfte in uneigennützigster Weise dem Gemeinwohl, namentlich aber auch den Institutionen der Deutsch-Israelitischen Gemeinde gewidmet. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger wurde er in die Zollkommission de- Putirt, im Vorstand der Gemeinde wird seine Arbeitsfreudigkeit und sein weiser Rath noch lange vermißt werden, als Präses der Israelitischen Töchterschule hat er stets eine segensvolle Thätigkeit entfaltet, aus seinen eigenen Mitteln hat er dieser Schule die Neueinrichtung der Turnhalle u. s. w. geschenkt. Persönlich ein überaus bescheidener Charakter, trat er in der Oeffentlichkeit nicht gern hervor, setzte dagegen in vielen Fällen seinen Einfluß und seine Mittel zur Hilfe sür Andere ein. Die Beerdigung, welche gestern auf dem israelitischen Friedhof in Ohlsdorf stattsand, gestaltete sich zu einer bedeutsamen Trauerkundgebung. Die Trauerfeier wurde durch den vom Tempelchor vorgetragenen Choral: „Seele, was betrübst du dich", stimmungsvoll eingeleitet. Zuerst widmete Herr Ernst Solmitz im Namen der Verwandten und Freunde dem Verstorbenen einige tief empfundene Worte des Nachrufes. Hierauf ergriff der zweite Vorsitzende des Gemeindevorstandes Herr Jos. Schöufeld das Wort, um der Trauerversammlung in beredten Worten noch einmal das Lebensbild des Verstorbenen vor Augen zu führen. Im Namen des Schulvorstandes, dem der Verblichene seit dem Jahre 1887 angehörte, widmete Dr. I. Lippmann dem Dahingeschiedenen noch einen herzlichen Nachruf. Unter den Klängen des Psalm 91 wurde der Sarg zur Gruft getragen. Dicht hinter dem Sarge folgten die Schülerinnen der Töchterschule, in der Ehrenreihe des Friedhofes wurden die sterblichen Ueberreste beigesetzt. s. Offeitbach a. M, am 21. Oktober. Am Nüsttage des Neujahrsfestes wurde hier die renovirte und vergrößerte Synagoge eingeweiht. Die gottesdienstliche Feier begann mit dem Einzug sämmtlicher Thorarollen, indem der Chor öoruell-baboli anstimmte. Unter Wechselgesang zwischen Chor und Kantor wurden null die Thorarollen in die heilige Lade verbracht, worauf Rabbiner Dr. Goldschmidt die Weiherede hielt. Er betonte, daß das soeben vollendete Werk der Gemeinde nur zum Segen gereichen könnte, indem ursprünglich ein herrlicher Neubau geplant war, welcher einen sür die hiesige Gemeinde zu großen Kostenaufwand gefordert hätte. Mit besonderem Dank sei auf die ernste und rege Thätigkeit des Vorstandes hinzuweisen, der das Wohl der Gemeinde damit gefördert habe. Mit einem schönen poetischen Gebet aus der Uebersetzung des Herrn Dr. Goldschmidt schloß die wahrhaft ergreifende und eindrucksvolle Weiherede. Ein Chorgesang beendete die Feier, woraus Kantor Kahn das Maariv-Gebet mit seiner klangvollen und schönen Stimme vortrug. Möge das Gotteshaus, das im Innern einen einfachen aber freundlichen Eindruck macht, dazu beitragen, daß die Mitglieder der Gemeinde es recht oft zur Andacht besuchen! L. 8. München, 27. Oktober. Am 22. d. M. fand in Nürnberg die Enthüllung des von Herrn Kommerzienrath Ludwig Gerugros und Frau Gemahlin der Stadt zum Geschenk gemachten Kunstbrunnens jNeptunbrunnens) statt. Herr Bürgermeister Geheimer Hofrath Dr. von Schuh, welcher die Festrede hielt, äußerte laut „Fränk. Cur." u. a.: „Ein edles Stifterpaar hat in seltener Hochherzigkeit die bedeutenden Mittel zur Verfügung gestellt, die es ermöglicht haben, in verhältnißmäßig kurzer Zeit das herrliche Werk erstehen zu lassen, das unseren Vätern verloren ging, und dessen Wiedergewinnung einen Flecken in der Geschichte unserer Stadt beseitigt. Vor kaum IV2 Jahren haben unser Ehrenbürger Herr Kommerzienrath Ludwig Gerngros und seine kunstsinnige Frau Gemahlin erklärt, daß sie unserer Stadt zur Ehre und Zier die Kosten für die Herstellung des geschichtlichen Kunstwerks, für welches einige Jahre vorher mit Genehmigung des