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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-10-31 · Heft 44 (31.10.1902) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 44 (31.10.1902)
Date
1902-10-31
Page
Seite 525 (sequence 11)
Language
German
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525 er auflegt (also nicht erst absetzt), 1000 ft. zahlen, so daß er bei einer neuen Auflage etwa von 3000 Exemplaren gleich 3000 fl. zahlte, ohne erst, wie dies bei den noch vorhandenen Exemplaren freilich geschehen müßte, abzuwarten, ob sie auch wirklich verkauft werden. Meiner Ueberzeugung nach ist dies Anerbieten Campes ein sehr honnettes. Campe hat sich gleich auf mein Zureden zu dem Aeußersten verstanden, was ihm zu leisten möglich ist. damit wir desto schneller zur Einigung kommen und ich meine Muße zur Ausarbeitung eines biographischen Gemäldes des Verstorbenen verwenden kann, für welches ich mir noch speziell Ihren hier gewiß sehr kompetenten Rath. Ihre Winke und Andeutungen ausbitten werde. Es ist das schönste Denkmal, das wir Bornen errichten können, wenn wir ihm ein neues und lebendiges Interesse zusühren, wenn wir versuchen, ihn zu schildern, wie er im Leben war. Ich werde diese letzte Arbeit ohne die Mitwirkung seiner Ffter Freunde nicht vollenden können und gedenke mich an Jedermann zu wenden, der mir über Börne etwas wesentliches und besonderes, auch Briefliches mitzutheilen im Stande sein dürfte. Erst aber muß diese geschäftliche Seite des Unternehmens abgethan sein und ich bitte Sie, recht eifrig dazu mitzuwirken, damit wir das Aeußerliche hinter uns haben. Die oben angeführten Punkte, auf die es etwa bei einem Kontrakte, den Sie die Güte haben wollen, aufzusetzen, ankäme, glaub ich deutlich genug bezeichnet zu haben. Aphoristisch will ich die Grundlage dieses Kontraktes wiederholen, und zwar so: Zwischen der Buchhandlung Hoffmann und Campe und Mad. Strauß, als Erbin rc. ist folgende Vereinbarung getroffen worden: 1. Um schneller mit einer noch lagernden Auflage Börne-Schriften von 2000 Exemplaren aufzuräumen, gedenkt die Buchhandlung H. und C. ein Leben Börnes herauszugeben, zu dessen Kompletirung Mad. Wohl die Benutzung der noch nicht in die Sammlung Börnescher Schriften aufgenommenen zerstreuten Aufsätze und kleinen Werke des Verstorbenen gestattet. 2. Dafür erhält Mad. Strauß für jedes Hundert der von den obigen abgesetzten Exemplare 100 fl., so daß bei dem Absatz des ganzen Restes ihr 2000 fl. gezahlt werden. 3. Der erste Bericht über den Erfolg des Verkaufes wird nach der ersten nächsten Leipziger Ostermesse abgestattet. Die Verleger gestatten Mad. Strauß die Einsicht ihrer Bücher, um sie von der Richtigkeit der Angaben, die sie ihr machen werden, zu überzeugen. 4. Nach dem Verkauf der noch lagernden Exemplare wird eine neue Ausgabe veranstaltet, wo für jedes aufgelegte Tausend Exemplare von den Verlegern 1000 fl. bezahlt werden. Haben Sie nun, verehrter Herr und Freund, die Güte, Mad. Strauß recht bald mit diesen Eröffnungen bekannt zu machen und den Abschluß obiger Pnnktationen mit möglichster Eile zu betreiben. Ich rüste mich, null au die Arbeit zu gehen, die für mich die bei Weitem wichtigste ist, Börnes Leben, Charakter und den Geist seiner Schriften zu schildern. Ich hoffe, natürlich mit Hülfe der Ffter Bekannten und Freunde des Verstorbenen, namentlich mit Hülfe der Erinnerungen, die ich mir von Mad. Strauß erbitten werde, etwas zu liefern, was man ein Denkmal Börnes wird nennen dürfen. Mad. Strauß kann sich keine schönere Aufgabe stellen, als das Gedächtniß ihres todten Freundes zu schmücken und zu ehren. Auch das Andenken großer Männer muß gepflegt werden in einer Zeit, wo die Eindrücke so mannigfach wechseln und ein Tag die Erinnerungen und Schönheiten des andern verschlingt. Ich hoffe nun bald von Ihnen Antwort zu erhalten und zeichne mit freundlichem Gruße und hochachtungsvoll Ihnen ergebenster Gutzkow. Hamburg, 8. 9. 38. Adresse außerhalb: Herrn Dr. Reinganum, Advokaten in Frankfurt a. M. Stempel: Hamburg, 8. Sept. 38. Einige Fragen, die sich an Einzelheiten dieses Briefes knüpfen, beantworten sich im Folgenden von selbst. Im Winter 1838/39 bearbeitete Gutzkow zunächst die Biographie in großen Umrissen, um sie dann im Laufe des Sommers bei einem Aufenthalt in Frankfurt unter Mithilfe der Frau Wohl-Strauß, die einiges Ungedruckte aus dem Nachlaß Börnes hinzufügte, zu vollenden. Kurz vor dem Abschluß des Buches, ereignete sich aber noch eine Episode. Der Gedanke, eine Börnebiographie zu schreiben, mußte sich nach Börnes Tode als zwingende Notwendigkeit ergeben; die Bedeutung seiner Persönlichkeit wie seiner Wirkung auf die zeitgenössische Litteratur geboten dieser geradezu, sich durch ein literarisches Denkmal dankbar zu erweisen. Näher aber noch lag, daß ein Stammesgenosse des jüdischen Schriftstellers diese Aufgabe übernahm, wie das ja auch später geschah. Es ist daher leicht erklärlich, daß wir auch Be rth old Auerbach mit diesem Plane beschäftigt sehen; hatte er doch erst 1836 irr seiner Broschüre „Das Judenthum und die neueste Litteratur" sich eine Grundlage für weitere kritische Thätigkeit geschaffen. Gutzkow aber war ihm schon schnellgewandt zuvorgekommen, er verstand es nicht nur, nein seine damals sehr schwierige Lage, die noch von den Nachwehen des Jahres 1835 erschüttert wurde, zwang ihn geradezu, seine persönlichen Herzensempstndungen, die durch Börnes Tod aufgeregt worden, geschäftlich nutzbar zu machen. Es schien, als ob Zwischen den beiden Rivalen ein ernster Konflikt bevorstände; sie hatten sich indem verhängnißvollen Sommer 1835 zum ersten Mal in Heidelberg kennen gelernt, vielfache gemeinsame Interessen unter einander entdeckt, und in einer Feierstunde des Gemüthes eine Art Freundschaft geschlossen, der aber mehr die Harmonie der Umgebung und ihrer augenblicklichen persönlichen Lage, der in Beiden gleichtönende Eindruck der herrlichen Natur dieses einzig schönen Neckarparadieses, die Weihe gaben. Es dauerte denn auch nicht lange, bis sie draußen auf dem Felde der Kritik die Speere mit einander wechselten. (Forts, folgt.) VH.IHON S. Cohn L. Sohn. Erzählung von I. Zangwill. V. imon war als Jüngling in den Krieg gezogen, als Mann kehrte er zurück. Der erschütternde Schlag, seinen Vater st todt und begraben zu finden, vollendete seine Umwandlung, und so, sehr zur Ueberraschung seiner Mutter, übernahm er das ererbte Geschäft ohne Widerstreben. Doch jetzt, wo ihm tatsächlich unbegrenzte Mittel zu Gebote standen, schien er weniger geneigt, dieselben in seiner geschästsfreien Zeit auszugeben, sondern hielt sich mit größerer Pünktlichkeit an die festgesetzte Hausordnung als in jenen Tagen, da er noch bem Auge des Vaters auszuweichen suchte. Seine einzige zeitweise Abwesenheit von Hause erklärte er mit Besuchen, die er dem befreundeten früheren Kriegskameraden Winsay mache, mit dem er seit jenem Gefecht bei der Viehwache stets vertrauter geworden war. Winsay war, wie Simon sagte, von guter englischer Familie und wohnte in einem alten Hause in Harrow, — glücklicherweise an der „London und Northwestern"-Eisenbahn gelegen — so daß es Simon sehr leicht war, an Samstag- und Sonntagnachmittagen sich die Gelegenheit zu verschaffen frische Landluft zu athmen. Obgleich der Laden noch immer am Samstag geschlossen blieb, schien Simon es doch vergessen zu haben, daß Fahren am Sabbath verboten sei, und seine Mutter erinnerte ihn auch nicht daran. Ein dunkles Gefühl

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