Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1902)
- Date
- 1902-10-22
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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s knnäamenta metapb^siees proisus uoiao ponsro eonatns est. Denn nichts Geringeres hatte sich RüLf als Lebensaufgabe neben seinem ständigen Wirken für seine Glaubensbrüder vorgesetzt, als „die Philosophie aus dem Bannkreis der reinen und abstrakten Jntellektualität, welche die Welt außerhalb des Denkens" nicht beachtete, zu befreiet;. So schrieb er einem Freunde. Bei den starken Anforderungen, welche der Wirkungskreis in Memel, wo er seit November 1865 als Rabbiner wirkte, an Rülf deshalb stellte, weil er sich durch Errichtung eines eigenen jüdischen Krankenhauses, einer Schule für die Kinder russisch-jüdischer Flüchtlinge u. s. w. große Aufgaben selbst gesetzt hatte, kam Rülf erst im Jahre 1888 dazu, die ersten beiden Bände des auf fünf Bände berechneten Werkes, in denen er sein System entwickelt, herauszugeben. Im Jahre 1893 erschien der dritte Band, und November 1897 hat der vierte Band „Wissenschaft und Geisteseinheit" die Presse verlassen. Der fünfte und letzte Band „Wissenschaft und Geisteseinheit" (Theo-Monismus) wird aus dem Nachlasse veröffentlicht werden. Kürzlich theilte der so jäh aus dem Leben Geschiedene mit, daß der letzte Theil seines Werkes im Großen und Ganzen druckfertig sei. So vielseitig war der Mann. Rabbiner, Philosoph, Redakteur, ein vortrefflicher Redner und Organisator, gerecht und friedliebend, maßvoll und unparteiisch, alle Zeit ein edler, guter Mensch, daher auch auch Dr. Hülf genannt, — das war Dr. I. Rülf, dessen Wirken wahrlich ein reich gesegnetes war. a. Kolberg, 13. Oktober. Ans Alllaß seines 80. Geburtstages wurden gestern Herrn M. Friedländer, hier, vielfach Ehrungen zu Theil. Es waren erschienen der Rabbiner Dr. Goldschmidt, Justizrath Bentz als Führer einer Deputation der Stadtverordneten, Vorschußkassenrendant Speck mit dem Vorstande der Vorschußkasse, Kaufmann Albert Moses mit den Mitgliedern des Vorstandes und den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, Hotelbesitzer M. Moses mit den Vorstehern der Wohlthätigkeitsvereine der jüdischen Gemeinde und Kaufmann Hermann Bernhardt mit den Mitgliedern des Vorstandes des jüdischen Kurhospitals. Zunächst ergriff Dr. Goldschmidt das Wort und begrüßte den Jubilar mit herzlichen Worten, indem er in flüchtigen Strichen ein kurzes Bild seines häuslichen und öffentlichen Lebens entwarf. „Arbeit," meinte der Redner, „sei die Summe seines Lebens gewesen." Als schlichter Arbeiter war er ins Leben eingetreten, und fleißige wirksame Arbeit durchziehe sein ganzes Leben im Hause und in der Oeffentkichkeit im Dienste der Stadtgemeinde, in öffentlichen gemeinnützigen Vereinen und in Wohlthätigkeitsbestrebungen wie ein rother Faden. Dann schilderte Justizrath Bentz die Mitarbeit des Herrn Friedländer in der Stadtverordnetenversammlung. Der Jubilar habe an dem Aufblühen der Stadt thätig mitgearbeitet. Ferner hob er seine Thätigkeit in den Kommissionen, in der Badedirektion und als Kurator der Sparkasse hervor. Darauf schilderte Herr Speck die Wirksamkeit des Jubilars als Mitglied der Vorschubkasse und besonders als Vorsitzender des Aufsichtsraths. Herr Albert Moses beglückwünschte den Jubilar, indem er seine bedeutende Mitarbeit im Rathe der Gemeindevertreter und später in der Leitung der Gemeinde hervorhob und eine kunstvolle Adresse überreichte. Herr Max Moses als Vorsteher der Wohlthätigkeitsvereine gab ein Bild der Wirksamkeit des Jubilars als Mitglied dieser Vereine. Zum Schluß sprach Herr Hermann Bernhardt als Vorsitzender des Vorstandes des jüdischen Kurhospitals und begrüßte den Jubilar als fleißigen Mitarbeiter an diesem Werk von dessen Begründung bis zur heutigen Stunde. Auch dieser überreichte eine künstlerisch ausgeführte Adresse. Nachdem die Redner der öffentlichen Körperschaften gesprochen hatten, erwiderte der Jubilar mit herzlichen Worten, indem er betonte, daß es für ihn eine besondere Genugthuung sei, daß die Mitbürger der verschiedenen Bekenntnisse sich heute um ihn versammelten, um seine bescheidenen Verdienste zu feiern. Er dankte Jedem besonders mit herzlichen Worten. Ein gemüthliches Beisammensein schloß die erhebende Feier. Lp. Ans der Provinz Posen, im Oktober. Zum dirigirenden Arzt der inneren Abtheilung im jüdischen Krankenhause zu Posen ist Dr. med. Caro daselbst gewählt worden.— In Ostrowo ist kürzlich im 80. Lebensjahr der Rentier Moses Kaliski gestorben. Derselbe war langjähriges Vorstandsmitglied und zuletzt Ehrenmitglied des dortigen israelitischen Krankenpflege- und Leichenbestattungsvereins. — Die Spediteure S. Löwenstein Söhne und S. P. Berlowitz in Eydtkuhnen haben die Lampen und sämmtliches Glas für die neue Gemeindesynagoge in Kibarty gespendet. — In Adeln au ist ein israelitischer Krankenpflege- und Leichenbestattungsverein gegründet worden, dem gleich 29 Mitglieder beigetreten sind. Der Vorstand besteht aus vier Mitgliedern. Der monatliche Mitgliederbeitrag wurde auf 20 Pfennig festgesetzt. — Die Stadtvertretung in Samter hat den Arzt Dr. Munter daselbst zum stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher gewählt. — Kaufmann Elias Meyer in Dresden hat der Gemeinde in Wr eschen für die dortige Synagoge ein kostbares kupfernes Waschbecken geschenkt. s. Gommern, 19. Oktober. Unser Ehrenbürger Herr Moritz Manheirner in Berlin, dessen Vaterstadt Gommern ist, hat zum Hospitalfonds 50 000 Mark gestiftet; gleichzeitig hat er sich, der „Magd. Ztg." zufolge, bereit erklärt, die infolge fehlenden Betriebsfonds eingegangene Kleinkinderbewahranstalt wieder lebensfähig zu machen. Seine Schenkungen an die Stadt belaufen sich nunmebr auf rund 250000 Mark. N. Hamburg, 14. Oktober. Herr Alfred Israel, Seniorchef der mehr als hundertjährigen Manufakturwaarenfirma L. Saalfeld ck Israel, ist plötzlich im 54. Lebensjahre verschieden. Der Heimgegangene, ein geschätztes Mitglied der hiesigen Kaufmannswelt, erfreute sich in weiten Kreisen hoher Werthschätznng und Achtung, sein plötzlicher Tod erregt tiefe, aufrichtige Theilnahme. Herr Alfred Israel, der zu den angesehensten Mitgliedern unserer Gemeinde zählte, war auch längere Zeit im Nepräsentantenkollegium und anderen Instituten der deutsch-israelitischen Gemeinde in der Verwaltung thätig. Der Heimgegangene war stets bereit, aus seinen reichen Mitteln den Armen und Bedürftigen ohne Unterschied der Konfession mit Rath und That beizustehen. Die Beerdigung fand gestern Morgen vom Sterbehause, Hallerstraße, ans statt, zur Trauerfeier hatte sich eine außerordentlich große Anzahl Leidtragender eingesnnden, unter der man namentlich die Inhaber unserer großen Handlungshäuser bemerkte. Die Trauerrede hielt der Freund des Hauses, Rechtsanwalt John Alexander, der in tief bewegte,; Worten den Lebensgang des Verblichenen schilderte. Der Trauerzug bewegte sich nach dey; israelitischen Friedhof in Ohlsdorf, wo nach einer einfachen Trauerfeier in der Friedhofskapelle die Beisetzung stattfand. a. Köln, 19. Oktobber. In der Frage, ob bei jüdischen Beerdigungen der amtirende Geistliche verpflichtet ist, über die vorherige Anmeldung des Todesfalles beim Standesamte sich Gewißheit zu verschaffen, hat das hiesige Schöffengericht eine Entscheidung gefällt. Am 17. Januar d. I. war der Rentier M. auf dem israelitischen Friedhos zu Köln-Deutz beerdigt worden, ohne vorherige Anmeldung des Todesfalles beim Standesamte und Eintragung ins Sterberegister. Daraufhin wurde neben anderen Personen auch der begleitende Rabbiner Dr. Rosenthal wegen Uebertretung des § 367a N. St. O. mit einer Geldstrafe belegt. Aus den von ihn; erhobenen Einspruch hat nun das zuständige Gericht die Strafe ausgehoben und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse zur Last gelegt. In der Urteilsbegründung, die eine hochwichtige, prinzipielle Frage berührt, heißt es: „Das Wort „beerdigen" bedeutet nach Ansicht des Gerichts nicht nur die körperliche Thätigkeit Jemandes, der die Leiche in die Erde senkt, sondern auch findet das Wort Anwendung auf Denjenigen, welchem das Verfügungsrecht über die Begräbnißstätte zusteht, und auf dessen Anordnung die Leiche in die Erde gesenkt wird. Daß der Rabbiner Rosenthal in des Wortes erster Bedeutung thätig gewesen ist, wird nicht behauptet; und es kann das Wort auch in seinem zweiten Sinn auf ihn keine An- Wendung finden, weil die Verfügungsgewalt über die erwähnte Begräbnißstätte und die Anordnung der Beerdigung nicht ihm, dem Geistlichen der Gemeinde, sondern nach dem Gesetze vom 23. Juli 1847 über die Verhältnisse der Juden (etr. Eschweiler, Gesetzsammlung S. 337) lediglich dem Vorstände der Judengemeinde zusteht." — Bonn, 15. Oktober. Infolge meines von Ihnen so bereitwillig aufgenommenen Ausrufs sind aus allen Theilen Deutschlands zahlreiche Anfragen und Angebote an mich gelangt. Ich bitte nun mit diesen Zeilen Ihre werthen Leser benachrichtigen zu wollen, daß eine Sammelstelle sür Kleider n. s. w. bei Herren S. Laz arus H-Co., Ba hnho sstr aße 5, Mainz, besteht, ferner, wie mir Herr Rabbiner Dr. Rosenak in Bremen mittheilt, eine solche in dieser Stadt, Adresse: „Norddeutscher Lloyd, Komitee sür arme jüdische Auswanderer." Auch dort ist dringender Bedarf an Bekleidungsgegenständen, und würde es sich empfehlen, wenn die Bremen näher als Basel wohnenden Spender ihre Liebesgaben dorthin senden wollten, schon im Interesse der Frachtersparniß. Dies gilt besonders für Norddeutschland. Das „Hilfskomitee für arme jüdische Aus-