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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-10-22 · Heft 43 (22.10.1902) · p. Seite 511

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 43 (22.10.1902)
Date
1902-10-22
Page
Seite 511 (sequence 9)
Language
German
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In dieser und noch in manch anderer Hinsicht hat sich der Redakteur dieser Blätter, ein großes Verdienst erworben, indem er den Gründern des englischen Vereins anf- »nmternd und unterweisend bereitwilligst entgegenkam. Bemerkenswerth dabei ist die Thatsache, daß vor einer Reihe von Jahren, als derartige litterarische Vereine in Deutschland »och zu den Seltenheiten gehörten, ein solcher bereits im Londoner llsws' LolteKs existirte und während einer langen Periode eine eifrige litterarische Thätigkeit entsaltete. Verschiedene von Dr. Adler, Dr. Friedländer, Claude Montefiore, Israel Abrahams, dem Schreiber dieser Zeilen u. A. dort gehaltene Bortrage sind nachher im Druck erschienen und haben sicherlich mehr oder weniger auch in Deutschland anregend gewirkt. Hier bewährt sich daher das alte lateinische Sprichwort: „msuus mkumm lavat" (Eine Hand wäscht die andere), und die Anregung zur Gründung von ähnlichen litterarischen Vereinen erhält jetzt England von Deutschland. Mögen sie alle blühen und gedeihen! Ber Sntheil dev Juden an dem Aufblühen der Seidenindustrie in Berlin im 18. Jahrhundert. Von Albert Cohn. IV. E^m 7. Juli 1752 erhielt Bernhard Jsaac endlich die erbetene Konzession zum Betriebe einer Seidenfabrik, welche einige Jahre später sich dadurch außerordentlich vergrößerte, daß der Inhaber sie mit dem Etablissement eines christlichen Unternehmers verschmolz, der, wiewohl er von Friedrich außerordentlich unterstützt worden war, in Verfall gerieth. Ein anderer christlicher Kaufmann, der bereit gewesen wäre, den Betrieb weiter zu führen, hatte sich trotz aller Mühe, die man aufwandte, nicht finden lassen, und erst dann hatte man mit Bernhard Jsaac Verhandlungen angeknüpft, die schnell zu dem gewünschten Ziele führten. Der Handel mit Seidenwaaren in Berlin wurde vornehmlich von französischen Kaufleuten und Juden betrieben, und obschon gerade die letzteren einen ganz hervorragenden Antheil an den bisher errungenen Erfolgen hatten, suchten ihre Feinde doch alles Mögliche heraus, um ihnen etwas am Zeuge zu flicken. Während für den Sammet, wie oben dargethan, strikte Einfuhrverbote bestanden, war man bisher mit seidenen Stoffen nicht so streug Verfahren, weil man in deren Fabrikation doch dem Auslande noch gar zu sehr nachstand. Nur für bestimmte Sorten, wie seidene und halbseidene Camelots, waren ebenfalls bereits Einfuhrverbote erlassen, während die anderen seidenen Maaren mit einem verhältnißmäßig geringen Einfuhrzoll belastet waren. Daß, wie die Seidenfabrikanten und besonders Gotzkowsky ewig klagten, geschmuggelt wurde, ist glaubhaft, aber natürlich mußte« es die Juden sein, die den Schleichhandel organisirten und immer weiter ausdehnten. Man sah es überhaupt nicht gern, daß so außerordentlich viel fremde Seide eingeführt wurde und suchte mit Bitten und Drohen die Kaufleute zu veranlassen, die heimischen Fabrikate zu bevorzugen. Die Unternehmer brachten es schließlich auch durch Vermittelung des fünften Departements dahin, daß am 29. Juli 1749 die größten jüdischen Seidenhändler Berlins, Levin Seligmann, Joseph Pollack, Meyer Bendix, Philipp Berend und Bernhard Jsaac vor den Polizeidirektor Kircheisen citirt wurden, um darüber vernommen zu werden, warum sie sich nicht für die einheimischen Maaren mehr bemühten. Bernhard Jsaac konnte ja Nachweisen, daß er die Landesfabrikate bevorzuge; ein Anderer sagte aus, er habe bei einem Berliner Fabrikanten wiederholt Bestellungen gemacht, er habe aber niemals eine rechtzeitige Effektuirung erreichen können; wieder Andere erklärten, die Stoffe fielen zu ungleichmäßig aus, einmal seien sie gut, dann aber zu wiederholten Malen schlecht gewesen, so daß sie nicht mehr in der Lage gewesen wären, weitere Bestellungen folgen zu lassen u. s. w. Zwar versprachen die vernommenen Juden, „sie wollten sich mit einander ins Einvernehmen setzen und sich Sr. Majestät Befehlen submittiren", aber irgendwelche positiven Resultate hat die behördliche Admonition nicht gezeitigt. Doch nicht nur Seide wurde in großen Mengen aus dem Auslande eingeführt, sondern auch Sammet, — trotz aller Verbote, die für seinen Import bestanden. Im August 1749 klagt Hirsch in einer Immediateingabe dem König seine Noth. Er habe die Zahl seiner Stühle auf den Wunsch des Herrschers stark vermehrt, aber mit dem Absatz der Waare wolle es nicht vorwärts gehen; er habe z. Z. für etwa 40 000 Thaler Waare auf Lager liegen, ohne aus Absatz rechnen zu können, der Preis der Rohstoffe sei ins Ungemessene gestiegen, und ebenso wie die ausländischen Konkurrenzetablissements sehe auch er sich genöthigt, die Hälfte seiner Arbeiter zu entlassen, wenn nicht dafür gesorgt würde, daß ihm die Kaufleute in Preußen, Magdeburg, Halberstadt und der Altmark, die bisher fast gar nichts aus seiner Fabrik bezogen hätten, wenigstens die Hälfte seiner vorräthigen Waare, also etwa für 20 000 Thaler, abnähmen. — Gotzkowsky schließt sich den Ausführungen Hirschs an. schlägt aber einen weit schärferen Ton an als Jener. Man solle nur bei den Kaufleuten die Lager revidiren, dann würde man sicherlich eingeschmuggelte Waaren in großer Menge vorfinden, diese solle man konfisziren und den Händlern, wenn sie das Verbot von Neuem verletzten, den Vertrieb von Sammet überhaupt verbieten; besonders sei es auch nöthig, auf die Kürschner zu achten, die zwar alle sehr viel Sammet verarbeiteten, aber niemals aus den heimischen Fabriken Stoffe bezögen. — Der König war sehr ärgerlich über diese Aufklärungen. Er erließ strenge Maßregeln gegen den Schmuggel; diejenigen Accisebeamten, welche sich von „Kaufleuten und Juden" bestechen ließen, sollten ohne Weiteres mit Schimpf und Schande aus Amt und Brod gejagt und die Urheber der Bestechungen mit der ganzen Strenge des Gesetzes bestraft werden. Der gesammten Kaufmannschaft, besonders aber den Juden, soll vorgestellt werden, so befahl er, daß sie alle mit Eifer die „landesväterliche Intention" zu befördern und von den inländischen Sammetfabriken einzig und allein ihre Sammete zu beziehen hätten. Fremder Sammet, den man bei einem Kaufmann vorfindet, soll konfiszirt und verbrannt werden. Mit solchen Maßregeln glaubte Friedrich der Große den Wünschen der heimischen Industrie gerecht werden zu können. Hirsch übrigens erhielt auf seine Bitte das Kapital, welches ihm die Potsdamer Stadtkämmerei zum Betriebe seiner

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