Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1902)
- Date
- 1902-10-15
- Page
- Seite 500 (sequence 10)
- Language
- German
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50» besonders darauf aufmerksam gemacht, das; eigentlich nach dem für Breslau gütigen Judenreglement den Juden dort verboten sei, außer der Meßzeit offene Läden zu halten, das; mau aber trotzdem dem Faktor des Moses Ries ausnahmsweise dies gestatten wolle. — In demselben Jahre erhielt Ries übrigens auch das Alleinrecht der Fabrikation von halbseidenen Gebetmänteln, wofür er verpflichtet wurde, die Anzahl der von ihm in Gang gehaltenen Stühle entsprechend zu vermehren. Der dritte jüdische Großunternehmer in Potsdam war Bernhard Jsaae, der vorerst nicht selbstständig fabrizirte sondern mit mehreren kleineren Fabrikanten in Verbindung stand, denen er Eeräthschafteu, Rohstoffe u. s. w. lieferte, und denen er die von ihnen gefertigten Maaren gegen vereinbarten Preis abnahm. Sein Streben ging aber bald dahin, auch eine eigene Fabrik zu errichten, und im Jahre 175» richtete er die Bitte an das Generaldirektorium, ihm unter gewissen Bedingungen die Aufstellung von vier Seidenstühleu zu gestatten. Die genannte Behörde wandte sich darauf au den König mit folgendem Bericht: „Es hat der hiesige Schutzjude Bernhard Jsaae, welcher bereits über ein Jahr den Seideufabrikauteu Schrvbach mit Seide und Arbeit auf vier Stühle verlegt und ihm die Maaren gegen baare Bezahlung abuimmt, sich erboten, demselben noch ferner auf vier Stühle beständig Arbeit zu geben, so lange er nämlich gute Maaren unfertigen und ihn im Preise nicht übersetzen wird; falls aber der Seidenfabrikant Schrvbach schlechtere Maaren zu fabrieiren und solche zu übertheuern anfangen sollte, so ofserirt der Jude und machet sich anheischig, selbst hier Seidenwebstühle auf seine eigene Kosten und ohne einigen Vorschuß oder andere Douceurs zu verlangen, allhier anzurichten und in beständigem Gange zu unterhalten; bittet aber, daß ihm ein Generaljchutzpatent auf seine vier Kinder und eine Konzession zu Erkaufung eines eigenen Hauses zum Behuf der Seidenfabrik ertheilt werden möge. Nun ist uns zwar bekannt, daß E. Königliche Majestät die Anzahl der Juden nicht vermehren und keine General-Privilegia auf ihre Kinder weiter accordiren wollen; da aber der Jude sich zur Etablirung der Seidenfabrik von vier Stühlen anders nicht verstehen will, so wird von Euer Königlichen Majestät allerhöchsten Resolution dependiren, ob Sie vor dieses Mal den Schutzjnden Bernhard Jsaac solches allergnädigst bewillige» wollen." In der Antwort des Königs, datirt Potsdam 6. März 1750, heißt es: „S. Königl. Majestät lassen dero General-Directvrio auf dessen wegen des Schutzjnden Bernhard Jsaac gethaneVorstellung zur Resolution eriheilen, daß Sie demselben weder das General- Privilegium, noch die gesuchte Concessivn zum Ankauf eines Hauses zu accordiren gemeinet sind, indem dadurch einestheils nur mehr Judenfamilieii, als Sie haben wollen, etabliret, anderntheils aber auch der Fabrikant Schrvbach, den Sie doch conserviret wissen wollen, ganz ohnfehlbar übern Hansen geworfen werden würde, und wird dahero das Generaldirectorium wohl thun, wenn es den Juden durch gehörige Vorstellungen animiret, mit der Verlegung des Fabrikanten und Abnahme derer von ihm verfertigten Maaren zu continuiren, gestalt er alsdann selbst Stühle auzulegeu nicht nvthig hat." Bernhard Jsaac dehnte nach dieser Abweisung seinen Betrieb insofern aus, als er mit einer Anzahl weiterer kleiner Fabrikanten Verbindungen anknüpfte, denen er die Maaren abnahm, um ihren Verschleiß zu besorgen. Jedenfalls verstand er es, durch seinen Fleiß und seine Tüchtigkeit den von ihm abhängigen Subunternehmern und deren Angestellten eine gesicherte Existenz zu verschaffen, was ihm bei den maßgebenden Behörden berechtigtes Wohlwollen eintrug. Im Jahre 1752 ergeht eine judenfeindliche Verordnung au das Generaldirektorium folgende» Inhalts: „Da in Berlin und anderen Orten die Judenschaft durch den Großhandel mit seidenen Stoffen die christlichen Kaufleute und Fabricanten in ihre»: Handel dergestalt zurücksetzt, daß selbige dadurch nicht allein gar nicht aufkommen können, sondern ganz zurückkommen und in Verfall gerathen müssen, so wird den Juden der Großhandel mit Seidenwaaren verboten und ihnen nur der Detailverkauf damit gestattet." In derselben Kabiuetsordre verlangt der König von; Generaldirektorium Bericht darüber, wie viel die mit Seidenwaaren en cketail handelnden Kauflente, insonderheit die von der Judenschaft, an inländischen fabrizirten Maaren gekauft und aus welchen Fabriken sie die Seide bezogen hätten. — In der Antwort darauf muß das Geueraldirektorium gestehen, daß die „Christen- Kanfleute und Juden sich mehrentheils schlecht gehalten haben," und nur der Jude Bernhard Jsaac den größten Theil seines Bedarfs ans den einheimischen Fabriken bezogen resp. bei den kleinen, von ihm abhängigen Meistern habe anfertigen lassen. Auf Grund dieser Thatsache bittet die Behörde den König, mit Bernhard Jsaac eine Ausnahme zu machen und ihm „zu seinen mehreren Encvuragement zu erlauben, daneben in allerlei fremden seidenen Maaren und Etoffes zu z-ms und en cletuil, gegen Erlegung der gesetzten acht Prozent Accise zu handeln, und ihm von denenjenigen, welche er davon erweislich auswärts debitiret, auch die Accisevergütung angedeihen zu lassen. Dadurch würden andere aufgemuntert werden, das Exempel dieser Juden in eigener Fabricirung und Debitiren der hiesigen Fabrikwaaren zu folgen." Diese»; Gesuch gab der König statt, und neben Hirsch und dem Berliner Juden Ephraim wurde auch weiterhin den; Bernhard Jsaac erlaubt, Seiden-Gros- und Detailhandel nach wie vor zu betreiben, während es wegen aller übrigen Juden sein Bewenden behielt. S. Cohn L Sohn. Erzählung von I. Zangwill. HI. ÄAannah bemühte sich, im Laufe des Tischgesprächs Gelegen- 6^^ heit zu einer Ablenkung zu finden. „Ich habe in; Josephus (Simons Prämie in; Hebräischen!) gelesen, das; die alten Juden an; Sabbath gegen die Römer kämpften." „Ja, aber sie kämpften für sich selbst, — für unfern heiligen Tempel!" „Aber jetzt ist es auch für uns selbst," sagte Simon. „Hast Du nicht immer gesagt, wir sind Engländer?" S. Cohn öffnete seinen Mund zu einer zornigen Entgegnung. Dann entdeckte er, daß er keine Entgegnung habe, sondern nur Zorn. Diese Entdeckung machte ihn noch zorniger,