Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1902)
- Date
- 1902-10-15
- Page
- Seite 499 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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499 in Bestes öpslichen, m Fernersönlich- Erdreich Innern, iens, der ihm liegt stnen, die ) innerer vurch ein ttert uns Manne) läßt sich igen und zielst sich r. Keine r Außenügte silh u Strom rlieh ihm hwendige der rote gestalte?! den uuzu geben, ten unter len seine ies Amoeehen liech auch ei» ins weit icuseschen und C- Wegs der enfassuuz jkeit und rüg, das llten Perllenduvg erhoben lnschauen Enstehen leben und; werde» heran?, nun vor rksamkeit. Wickelung rissenheit t nnd Anrnd Rene, e wurden eng eines nfühlige» ung wa> die Bin steigt na? eine charakteristische Episode ins Gedächtnis herauf, die wegen der Person, die hier hineinspielt, den Lesern dieses Blattes das lebhafteste Interesse abnöthigen wird, ich meine den unvergeßlichen Steinthal. Marcuse hatte vor versammeltem Kriegsvolk, d. h. vor riner Korona von Lehrern aus allen Gauen Deutschlands, eine Musterlektion gehalten, und jetzt sollte eine Diskussion über Anlage und Methode u. s. w. stattfinden. Ein Herr aus der strovinz gab unter warmen Dankesworten seiner Bewunderung aber die meisterliche Vorführung Ausdruck, setzte aber schüchtern hinzu, daß diese Stilgröße für den gewöhnlichen Lehrer, zumal n der Provinz, eher erdrückend und erschreckend als aneifernd und fördernd sei. Da draußen könne weder Lehrer noch Zchüler mit solchem Maß gemessen werden. Ein mittleres Riveau, eine mehr mechanische Anleitung, ein vielleicht schemaisches Verfahren böte mehr praktische Handhaben für den Ourchschnittskollegen, der bis zur Höhe dieser Auffassung nicht hinanreiche. Wir hatten alle Ursache, dem Herrn für seine 'leußerung dankbar zu sein, denn Prof. Steinthal fühlte sich veranlaßt, ihm hierauf zu erwidern. Nicht das Schablonenhafte und Minderwerthige könne Regel und Vorschrift sein, nicht das Mittelmaß gebiete und habe Normen aufzustellen, führte Steinthal ans, dem Genie allein sei es Vorbehalten, Gesetze zu schaffen; hier hätte man aber eine Musterleistung gehört, und Sache der praktischen Schulmänner sei es nun, lieget und Vorschrift, wenn von solchen einmal die Rede ist, varaus zu entnehmen. Nicht nach Gesetzen bilde sich das Genie, ondern aus den Werken des Genies leite man Gesetze und allgemein giltige Maße ab. So müsse auch in der Pädagogik das Vorbildliche und Musterhafte Regel und Vorschrift werden. Wer aber nur nach Regelwerk arbeite und sich nicht zur Höhe miporrichten kann, der drücke seinen Stand herab. Nicht buchtäbliches Nachäffen, sondern Weckung zu selbstständigem Schaffen >ei das heilsame Ergebniß solcher Musterdarbietungen, die denkenden Menschen zur Anregung und Nacheiferung dienen sollen. Gewiß eine beredtere Anerkennung von Marcuses Wirksamkeit konnte es nicht geben. Und nun noch von dem Menschen. Sein Herz ist ein Resonanzboden, der bei der zartesten Berührung in Schwingung versetzt wird. Ob Freude, ob Leid an sein sühlend Herz schlägt, stets kann man der tiefsten und herzlichsten Theilnahme sicherem. Aber Marcuse begnügt sich nicht mit passivem Mitsmvfinden, wenn er auch sein Wohlthun im Verborgenen übt. Marcuse scheut keine Mühe, wenn er helfen kann, und die Feurigkeit, mit der er das thut, legt Zeugniß ab für sein weiches, allein Edlen und Guten offenstehendes Herz. I). 6. Mer Antheil -er Juden an -ew Aufblühen der Äeidenindustrie in Berlin im 18. Jahrhundert. Von Albert Cohn. III. n den folgenden Jahren entstand in Berlin und Potsdam eine ganze Anzahl von Seidensabriken; in letzterer Stadt waren die Inhaber der größten Juden, neben Hirsch besonders Moses Ries und Bernhard Jsaac. Moses Ries, der Schwiegersohn des Bankiers und Hofuweliers Ephraim, erhielt seine Konzession im Jahre 1748 zur Anfertigung von allerlei Sorten Seidendamast, Gros de Tours, Taffet und dergleichen Waaren, excl. Sammet, Velp und Seidenplüsch. Unterstützung empfing er ebenfalls aus der königlichen Kasse, und zwar wurden ihm für zehn Jahre zehn Thaler jährliche Douceurgelder auf jeden in Gang gehaltenen Seidenstuhl bewilligt, ferner fünf Thaler Miethsgelder jährlich auf sechs Jahre. Ebenso wie Hirsch erhielt er aus dem Potsdamer Waisenhause Lehrlinge, die von der Anstalt weiter mit Kost und Unterhalt versehen werden mußten, bis sie es in ihrem Handwerk so weit gebracht hatten, um damit ihr Brod selbst erwerben zu können. Ries exportirte vornehmlich nach Polen, Rußland und Ungarn, und um sich das Geschäft zu erleichtern, wandte er sich mit einer Eingabe an den König, ihm in Königsberg und Breslau die Etablirung von Filialen mit jüdischen Faktoren zu gestatten, wogegen er sich verpflichten wollte, seine Fabrik von 20 auf 40 Stühle zu erhöhen. In der Antwort darauf heißt es, daß dem Moses Nies nicht nur „erlaubet werden soll, einen im Lande „vergleiteten" Juden zu Königsberg als seinen Factor zum Debit der in seiner Fabrik angefertigten Waaren einzusetzen, sondern auch dessen allhier habenden Buchhalter und Aufseher, Moses Hirschel Fränkel ein besonderes Schutzjudenpateut ohnentgeltlich zu accordiren. So viel aber die von gedachten Moses Ries annoch gebetene Erlaubnis; anbetrifft, gleichfalls annoch einen vergleiteten Juden zu Breslau als seinen Factor einzusetzen, so kann solches Gesuch nicht statt haben, da zu Breslau einmal ein gewisser Numerus von Judenfaniilien festgestellet ist, welchen S. Königl. Majestät nicht überschreiten können, noch bewegender Ursachen halber jemalen überschritten wissen wollen. Es finden auch S. Königl. Majestät die Ansetzung solches Factors zu Breslau um so viel unnöthiger, als gedachten Moses Ries nicht verboten werden kann noch soll, auch zu derer Breslau'schen Messen entweder selbst dahin zu ziehen oder Jemand der Seinigen dorthin zu schicken, um die in seiner hiesigen Fabrik gefertigte Waaren, so gut er kann und mag. zu debitiren, außer denen Meßzeiten zu Breslau einen besonderen Factor einzusetzen, kann aus vorangeführten Ursachen nicht geschehen." Diese an den Kriegs- und Steuerrath Neubauer, den Ortskommissar sür die Seidenmanufaktur in Potsdam, gerichtete Kabinetsordre ist datirt vom 31. Mai 1749. Ries begnügte sich nicht mit diesem Bescheide, vielmehr wandte er sich an den Grafen von Münchow, den dirigirenden Minister von Schlesien, dem gegenüber er sich anheischig machte, in Breslau eine eigene Fabrik von 15 Stühlen zu errichten, doch solle ihm der jüdische Faktor auch dort gestattet werden. Es wurden nun thatsächlich mit Ries von Neuem Verhandlungen angeknüpft, doch zeigte sich Friedrich der Anlage der Seidcnfabrik in Breslau abgeneigt, wünschte vielmehr, daß der Bittsteller sein Potsdamer Unternehmen um die erwähnten 15 Stühle vergrößern solle. Unter dieser Bedingung erklärte sich der König auch bereit, den jüdischen Faktor in Breslau zu bewilligen, der mit den von Ries fabrizirten Seidenzeugen in und außer der Messezeit handeln und namentlich den Vertrieb außer Landes damit besorgen könne. Moses Ries erklärte sich damit einverstanden, auf die Anlage einer Fabrik von Seidenzeugen in Breslau zu verzichten, dafür aber sein Potsdamer- Haus auf 45 Stühle zu bringen, sofern ihm ein jüdischer Faktor, ohne Schutzgeld für ihn zahlen zu müssen, in Breslau gestattet würde. Ries erhielt daraufhin die gewünschte Konzession unter dem 8. September 1749 ausgesertigt. Darin wird