Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1902)
- Date
- 1902-10-15
- Page
- Seite 497 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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497 u Verwirkernennen, rk. um da natürlich ickte eine,, i in die eandrede > lizeiwache „welche Ahlwardt c ganze:, die beste irklichen. Oktober. im Jahre alistischei, nals hier Aussehen rlin nach > Koniher Schneider l Ritual gewöhnt, ad Mord ils durchä diesen: igenossen »haß ge- :er Mord 10. No denhehen en Orten ergehende Z damal-, achte fas! Menschen sich nicht as stenvdie Rede av füllt. >e Stichler Weltrfür au - weiterleit.» rden alle (Große egel de-ldemie in isung de-- r zweiten und den tung der schuldig, nnschenke otsentlich „ein Glasl Christenblut" verlangt haben soll (Heiterkeit), Aufzählung angeblicher Ritualmorde in Wildenschwert, m Turocz-St. Marion, in Krakau, woran kein Wort wahr ist, Verdächtigungen und Verleumdungen gegen den obersten z assationshof, die Geschichte vom Ritualmord in Damaskus, d e Geschichte von Andrassy und Tisza-Eszlar, die Lüge von dem am 8. April 1891 auf Corfu an Maria Devillon verübten lUtnalinord, die rituellen Blutabzapfungen in Breslau, Citate aas dem in den österreichischen Mittelschulen vorgeschriebenen jüdischen Religionsbuch, Citote aus' der Mischna und dem Lchulchan Aruch, Nachweis, wozu die Juden Christenblut b auchen aus dem italienischen Buche „lt ^rmAne eliristisuo", .Hinweis auf den berüchtigten Rabbi Molduano, auf 35 Zeilen wörtliche Anführung des Eides, den jeder alte Jude auf dem Sterbebette seinem Sohne zum Zwecke der Wahrung des Blut- >, heimnisses abnimmt (dies Alles unter stets zunehmender H aterkeit und Gelächter), schließlich Vorlesung einer Stelle aus d m Traktat Ketuboth im babylonischen Talmud von 1527. i? ebhaster, ironischer Beifall und Händeklatschen für diese in l,'britischer Sprache gehaltene Vorlesung: Ai scbcmct rvclicn nk l,en kutan leimo etc., im Ganzen 33 Worte. Daran schloß Schneider Citate aus dem Kolnidre-Gebet und aus des mysteriösen Rabbi Ritter v. Drachs Werk: „lettre seconcks «> mi Ilkiblnii", Paris 1817. Ganz zuletzt kam noch ein Ausfall -pgen den „Juden Doczi" — den bekannten Sektionschef >>! Ministerium des Äußeren, den Andrassy dahin berufen hotte — ein schlechter Beweis für die früher behauptete Ueberzcngung Andrassys vom Ritualmord. Und aus diesem halben oder ganzen Wahnwitz sollte man euch nur ein Wort ernst nehmen? So spricht ja Schneider in jeder Wochenversammlung seines antisemitischen Vereins — er bum gar nicht anders sprechen. Daß er das alles im Reichsrath v rbringen konnte, war allerdings nur unter dem Vorsitz des öomaligen Vizepräsidenten Lttpul möglich, der ihn aber doch mehrere Male unterbrach. Die Stelle über Andrassy und den Mord von Tisza-Eszlar Hobe ich aus dem „Vaterland" vom 11. November 1899, einer unverdächtigen Quelle, herausgeschnitten. Sie lautet: In Tisza-Eszlar — fährt Redner fort — ist erwiesen wurden, tos; ein Ritualnwrd geschehen ist. Beim Juden Gutmann wurde d inals in Wien ein Telegraphenapparat aufgestellt. Zwischen?>lireghhaza und dem Juden in Wien wurde eine eigene telegraphische Verbindung hergestellt, damit die Juden von j: ein Wort, das dort gesprochen wird, direkt verständigt werden b men, ohne daß auch nur die Behörde etwas davon erfahre. Es ölte einmal ein Christ so etwas verlangen, meine Herren Minister! Eoas Andrassy — heute ist der Ma nn todt, man kann das Aort von ihm citiren — wurde gefragt: Glauben Sie, daß es » hr ist? Er antwortete: Selbstverständlich! Es ist ja erwiesen, es lo >t sich gar nicht bestreiten! Und als man ihn fragte, warum keine lorurtheilung erfolgte, sagte er: Da hätten Sie den anderen Tag - 000 Juden todtgeschlagen, und woher nehmen wir dann ein Geld? is Srt! Hört! bei den Christlichsoziolen. — Abgeordneter Tittinger: luiiren Sie doch lieber lebende Minister anstatt der tobten! Abgeo dneter Prinz Liechtenstein: Mir hat er es gesagt! — Lebl» Ute Rufe bei den Christlichsozialen: Hört! Bravo Liechtenstein! Travo! Abgeordneter Bielohlawek zum Abgeordneten Tittinger: § e citiren ja auch tobte Päpste! Die Behauptung von der direkten Telegraphenverbindung rischen Gutmann in Wien und Nyiregyhaza, wo der Prozeß 'regen Tisza-Eszlar stattfand, ist bei der strengen Ueberwachung ^er Staatstelegraphen in Oesterreich und Ungarn ein zu acherlicher Unsinn, als daß ein Wort darüber zu verlieren wäre. Ueber den angeblichen Ausspruch Andrassys schrieb damals die „Neue Freie Presse" im Morgenblatt vom 11. November 1899: „Aus den Berichtigungen, mihdenen Prinz Liechtenstein uns beehrt hat, und aus der Beleuchtung, die wir denselben haben angedeihen lassen, wissen die Leser, daß man die Behauptungen des Prinzen Liechtenstein nicht gerade auf die Goldwaage legen darf, und daß sie sehr oft die Probe auf ihre Richtigkeit nicht bestehen. Was wir über den Grasen Julius Andrassy und seine Anschauungsweise wissen, berechtigt trotz der Zengenschaft des Prinzen Liechtenstein zu den stärksten Zweifeln in die Erzählung des Mechanikers Schneider. Der Tisza- Eszlarer Prozeß spielte im Jahre 1883, Graf Julius Andrassy ist im Jahre 189Ü gestorben. Warum ist Prinz Liechtenstein nicht van 1883 bis 1890 mit seiner Mittheilnng hervorgetreten, so lange noch Gras Andrassy sie bestätigen oder bestreiten konnte, und warum erst nenn Jahre nach dem Tode jenes Staatsmannes, von dem man bisher nicht wußte, daß Prinz Alois Liechtenstein zu seinem vertrauten Umgang gehört und daß er diesem seine Seele ausgeschüttet hat?" Es ist hierzu noch zu bemerken, daß in den Jahren nach 1883 die Geschichte von Tiszar-Eszlar das Hauptthema der Agitation für die österreichischen und ungarischen Antisemiten auch für Schönerer, bildete, der z. B. in der Breslauer Antisemitenversammlung das berühmte Bild der Ermordung der kleinen Esther Solomossy produzirte. Damals wäre ja das Zeugniß Andrassys für die Antisemiten viel werihvoller gewesen als erst 1899. Wenn ferner in dem Berlner Flugblatt Andrassy mit Bezug auf seine angebliche Äußerung als „Leiter des österreichisch-ungarischen Reichsministeriums" bezeichnet wurde, so ist zu bemerken, daß er schon im September 1879 vom Ministerium zurückgetreten und sich ins Privatleben zurückgezogen hatte. Die Behauptung Schneiders und des Prinzen Liechtenstein hat seiner Zeit in Ungarn weit mehr Aufsehen gemacht als in Wien, hat aber auch dort keinen Glauben gefunden. Die ehemaligen politischen Freunde und Anhänger Andrassys wendeten sich an seine beiden Söhne und forderten sie auf, hierüber eine Erklärung zu veröffentlichen. Die beiden Grafen Theodor und Julius Andrassy wollten aber damals sich nicht in eine Affäre mische», deren Schauplatz der österreichische Reichsrath gewesen, und zwar aus politischen Gründen, aber mündlich erklärten sie, zu ihnen und im Kreise der Familie habe ihr Vater nie eine derartige Aeußerung gethan, und dieselbe würde gar nicht mit seinen sonstigen Anschauungen übereinstimmen. Diese Erklärung ist dann auch in mehreren Budapester Blättern veröffentlicht worden. Dagegen hat Prinz Liechtenstein es nach dem Zwischenruf in der Sitzung vom 10. November unterlassen, seine Behauptung durch irgend eine weitere Erklärung aufrecht zu halten oder ihre Richtigkeit nachzuweisen, obwohl man eine derartige Erklärung im „Vaterland" erwartete. Im Gegentheil, im „Vaterland" erschien am 14. November eine andere Erklärung, worin ein Anonymus zwar versuchte, die angebliche Aeußerung Andrassys als richtig darzustell.en; aber diese Erklärung ist deshalb bemerkenswerth, weil in derselben die Aeußerung einen ganz anderen Wortlaut und auch eiue andere Tendenz hat, und weil sich diese Erklärung entschieden gegen die fanatischen Rohheiten und Gehässigkeiten Schneiders kehrte. Erst in dieser Woche erklärte Prinz Alois Liechtenstein einem antisemitischen Jnterviever: „Gras Andrassy hat mir die angezweifelte Erklärung bald nach der Tisza-Eszlarer-Affäre gegeben, und zwar im adeligen Kasino, sie aber nicht im Parlament gemacht. Es waren, als jene Aenßerimg fiel, mehrere Zeugen zugegen. Ich behandelte die Sache diskret und machte erst lange darnach davon Gebrauch, und zwar wieder nicht —