Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1902)
- Date
- 1902-10-15
- Page
- Seite 495 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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495 e gegen Angriffe, wurde mrvalts imlicher anchmal - Hexeniz Westb, wenn konnte, l Jeder nge in rng der ntalion prochen rn GutübereinlleRede, )em oblmender ß Ernst last unzeleistet, e gegen welches - wenn nt und inrf zu Thäters Moritz ich un- Thäter, haben sandelt, Zehaupnnziger g noch m und lich des diesem n. In lach der g, ans >nnten. Seamte, rrhandzrößten Kräften ter zur betrifft. Beweis „Was ls dem, res ber oder ilg der Lewys lf eine n, aus- )en," .. aubten l graunte gestehen. ( ie müssen auch vom Parteistandpunkte die Ehre Anderer achten. Den > »geklagten ist im Eingänge der Verhandlung vom Gerichtstische nahegelegt worden, das Unglück, welches sic angerichtet, dadurch wieder aut zu machen, daßlsie ihr Unrecht eingestehen. Sie haben es nicht gethan, sondern den Beweis der Wahrheit angetreten und ganz i.inutiöse Vorwürfe gegen Beamte in solch ausgedehnter Weise zum Gegenstände der Beweisausnahme gemacht, als ob sie die Beamten ihrerseits zur Rechenschaft ziehen wollten. Sie dokumentirten äußerem, daß sie noch heute auf demselben Standpunkte stehen und auch lute noch glauben, mit der Ehre ihrer Mitmenschen nach Belieben k-irthschaften zu können." Diesem Urtheilsspruch etwas hinzuzufügen, wäre überflüssig, uch denken wir durchaus nicht daran, in den Fehler der ( egner zu verfallen, die, wenn das Urtheil gegen einenJuden ausgesprochen worden wäre, sicher große Siegeshymen angestimmt hatten. Wir wünschen nur, daß mit dem Abschluß dieses Proz sses auch dieser traurige Abschnitt moderner Kulturgeschichte c idgiltig seinen Abschluß gesunden haben möchte. Der „Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien?" in Wien, sendet uns einen vorläufigen summarischen Bericht über die bisherige Thätigkeib l?m wir folgende sehr werthvolle Mittheilungen entnehmen: „Vor einem Jahre hat der Verein seine Thätigkeit mit der Ein-! hrung eitler Heimarbeit, der Erzeugung von Haarnetzen, beg ulnen, die bis dahin in Galizien ganz unbekannt war, und von der i derhaupt nur Wenige wußten, daß sie einen ziemlich bedeutenden v rportartikel bildet, der von Oesterreich aus nach allen Erdtheilen v rsendet wird, und für den ca. 5 Millionen Kronen nach Oesterreich i reinkommen; fünf Millionen, von denen gegen 80 Prozent als Arl itslohn zur Auszahlung gelangen. Einer der bedeutendsten Exporv ure dieses Artikels erklärte sich bereit, für seinen Bedarf Haarnetze i - Galizien erzeugen zu lassen und gab die Gewähr, daß er noch lausende von Arbeitskräften zu beschäftigen in der Lage ist und einen! )heren Lohn zahlen wird, als sonst für irgend eilte Heimarbeit gevchlt zu werden pflegt. Eine ständige Arbeiterin wird nach erlangter ertigkeit, wozu eine fünf- bis sechsmonatliche Hebung gehört, sechs t s acht Kronen wöchentlich verdienen können. Der Artikel bot auch d n großen Vortheil, daß bei ihm Fracht und Zoll für das Rohmaterial wie für das fertige Produkt kaum ins Gewicht fallen. Rasch -tschlossen sandte der Hilfsverein im Vorjahre eine Anzahl von Fachl hrerinnen nach Galizien, eröffnete in 14 Orten unentgeltliche Lehrkurse, nid gab den zahlreich herbeiströmenden Lernenden unentgeltlich Werkuge, sowie das zum Lernen nöthige Arbeitsmaterial. Das Kura- - rium der Baron Hirsch-Stiftungsschulen unterstützte den Hilfsverein :! sehr wirksamer Weise, indem er ihm in den Orten, wo sich seine lchulen befinden, die zum Unterricht nöthigen Lokalitäten bereitwilligst ar Verfügung stellte. Dadurch wurden die Leiter dieser Schulen in mieuso erwünschter als natürlicher Weise die Ueberwacher der vom ilssverein veranstalteten Lehrkurse. Einige von ihnen bewährten sich ls sehr verdienstvolle Förderer der Bestrebungen des Vereins. Mehr ls 2000 Mädchen und Frauen hatten im Vorjahre das Harnetzen mlernt. Allerdings ist in der ersten Epoche nur ein Theil der Schülerinnen bei der Arbeit geblieben, weil sie, in Ermangelung er noch fehlenden Fertigkeit, nicht sofort den erhofften Arbeitslohn oerdienen konnten. Da jedoch fast überall eine, wenn auch geringe Anzahl bei der Arbeit geblieben ist, deren Verdienst immer mehr stieg, schlossen sich ihnen die Ausgebliebeuen nach und nach wieder an. in Kossow z. B. blieben von allen, die das Haarnetzen dort rlernt hatten, nur 10 als ständige Arbeiterinnen. Jetzt ist ^eren Zahl auf 200 angewachsen und nimmt noch immer zu. Im Monat August d. I., dem letzten, über den ein Ausweis vorliegt, sind von dem Vertreter des Unternehmers in Kossow 3028,12 Kronen an Arbeitslohn ausgezahlt worden, in Jngielnica 2980,25 Kronen, in Zablotow 1784.11 Kronen, in Gwozdziec 878 Kronen. In 16 Orten, von denen 7 erst vor Kurzem neu hinzugekommen sind, wo somit noch wenig verdient werden konnte, sind im Monate August 10 390.50 Kronen als Arbeitslohn, von dem ersten Unter nehmer allein ansgezahlt worden. Seine Lohnzahlung steigt von Monat zu Monat um mehr als 2000 Kronen. Nach dem wachsenden Erfolge der Haarnetzindustrie in Galizien wendeten sich dann einige andere Exporteure dieses Artikels aus Böhmen und Deutschland dahin, um daselbst gleichfalls Haarnetze erzeugen zu lassen. Zu diesen gesellte sich bald eine ziemliche Anzahl galizischer Kaufleute in der Hoffnung, aus der von ihnen bis vor Kurzem noch nicht gekannten Industrie möglichst großen Nutzen zu ziehen. Was jedoch schon die 10 000 Kronen, die als Arbeitslohn in den so furchtbar verelendeten Orten von dem ersten Unternehmer ausgezahlt werden, für Wirkung ausüben, davon geben die zahlreichen Dankschreiben und Berichte, die von kompetenter Seite an den Hilfsverein gelangten, ein beredtes Zeuguiß. Aber nicht nur die Aermsten der Armen empfinden die Wohlthat der hier eingeführten Haarnetzindnstrie, auch die Geschäftsleute äußern sich sehr dankbar. Alle verstehen die Wohlthat zu schätzen, daß nun wöchentlich über 200 Kronen mehr ins Städtchen hereinkommen. Mädchen, die dem Laster ergeben waren, sind nun fleißige, anständige Arbeiterinnen. Alle Berichte heben hervor, daß durch die Arbeit sowohl wie durch den Verdienst die Sittlichkeit und die Widerstandsfähigkeit gegen mannigfache Verführungen wesentlich zugenommen haben. Der Ruf dieser Heimarbeit verbreitete sich bald über ganz Galizien, und der Hilssverein wurde, besonders in den letzten Monaten, geradezu gedrängt, in 65 neuen Orten Lehrkurse zu eröffnen. Er that es in steter Uebereinstimmnng mit dem Unternehmer, der die Gewähr bot, daß er alle erzeugten Maaren abnehmen und den großen Zuwachs an Arbeitskräften nicht zu einer Neduzirung der Löhne benutzen werde. In wenigen Monaten wird die Saat, die der Hilfsverein in allen diesen Orten ausgestreut, der Bevölkerung reichen Ertrag bringen. Auch Mädchen christlicher Konfession, katholische und evangelische, die um die Aufnahme in die Lehrknrse baten, wurde dieselbe gewährt. Anknüpsend an eine vortreffliche Einrichtung in den Baron Hirsch- Stiftungsschulen, an den Handfertigkeits- oder Slöjd-Unterricht, der in vielen derselben ertheilt wird, hat der Hilssverein in Stanislau in sehr glücklicher Weise mit der Erzeugung von Drechsler- und Spielwaaren sowie anderer Massenartikel aus Holz begonnen. Diese neue Industrie ist bestimmt, vorwiegend der erwerbsbedürftigen männlichen Bevölkerung guten und dauernden Erwerb zu schaffen. Unter Leitung eines tüchtigen, mit modernen Arbeitsmethoden wohlvertrauten Fachmannes werden von einer allmälig wachsenden Anzahl jüngerer und älterer Arbeiter Schachfiguren, Domino, Damesteine, Puppenmöbel u. s. w. für den Export erzeugt. Wenn die Arbeiter in einem Orte gelingend geschult sind nnd die Arbeit in befriedigender Weise organisirt ist, wird die Einführung dieser Industrie in einem hierfür geeigneten Orte verbreitet werden. Die ersten Erzeugnisse sind scholl an die Stelle gelangt, die für deren ständigen lukrativen Absatz sorgt. Die Ausführung aller erzeugten Artikel hat sehr befriedigt. Mit der Zeit dürfte sich diese Industrie zu einer sehrbedeutenden in dem holzreichen Galizien entwickeln. Einige andere Industrien, darunter eine, die theils Fabriktheils Heimarbeit erfordert, sind zur Einführung in Galizien vorbereitet. Die begonnenen wie die vorbereiteten Industrien bilden nur die ersten Anfänge eines größer angelegten Planes. In der Absicht des Hilfsvereins liegt es, geeignete und vorwiegend solche zu wählen, die für den Export arbeiten und der gegenwärtigen Landeserzeugung keinen Eintrag thun!" Die Arbeit, die der Hilssverein unternommen hat, gleicht der Kultivirung eines an sich fruchtbaren Bodens, dem die entsprechende Bearbeitung bisher gefehlt hat. Jahrzehnte fortgesetzter konsequenter Arbeit wird es bedürfen, um hier ansehnliche, dauernde Resultate zu erreichen. Doch schon jetzt hat der Verein den unwiderleglichen Beweis erbracht, daß es in Galizien eine zahlreiche arbeitswillige und ausbildungsfähige Bevölkerung giebt, die nur auf die gebotene Gelegenheit wartet, um sich bestens zu bethätigen. Man darf nunmehr wohl erwarten, daß speziell die jüdischen Industriellen und Exporteure in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse auf den in mehrfacher Beziehung günstigen galizischen Arbeitsmarkt reflektiren werden. q.