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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-10-10 · Heft 41 (10.10.1902) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
Seite 490 (sequence 12)
Language
German
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490 Wie wenig nun auch Friedrich Persönlich den Juden geneigt war, hat er doch in geeigneten Fällen jüdische Kaufleute in ihren bürgerlichen Rechten den christlichen Unterthanen ganz ebenbürtig gemacht — wofür sie allerdings meistens kräftig zahlen mußten —, theils um sie sür ihre» Fleiß und ihre Rechtschaffenheit zu belohnen, theils um sie für diese Gnade auch zu besonderen Leistungen gegen den Staat zu verpflichten. Sein Grundsatz war eben, einen Jeden in geeigneter Weise zuiu Wöhle des Ganzen herauzuziehen. Es war natürlich auch unmöglich, daß dein König die Tüchtigkeit verborgen blieb, mit welcher Hirsch seine Etablissements leitete und vorwärts brachte, deren frischer Fortgang in scharfem Gegensatz zu der gedrückten Lage aller übrigen Unternehmungen dieser Branche stand, und als iin Jahre 1742 das auf zwölf Jahre ertheilte Privilegium des Potsdamer Schutzjuden abgelanfen war, wurde es auf Bitten Hirschs durch Kabinetsvrdre an das Generaldirektorium vom 7. Dezember 1742 auf weitere zehn Jahre verlängert. In dem Aktenstück heißt es, der König „sei mit dein bisherigen guten Succeß der Potsdamer Fabrik wohl zufrieden und des Pnblici Interesse erfordere es, selbige zu souteniren". Ebenso wie anderen Kauflenten zur Etabliruug von Seidenfabriken Geld eingehändigt wurde, erhielt auch Hirsch im Jahre 1743 zur Vergrößeruug seines Betriebes einen königlichen Vorschuß voir 8000 Thalern, den er in jährlichen Raten von 1000 Thalern zurückzuzahlen hatte. Mit Hilfe dieser Summe war es dem energischen Manne denn auch möglich, bereits im folgenden Jahre den Stand seiner Stühle auf 144 zu vermehren. 32 Meister mit ihren Gesellen und Lehrlingen arbeiteten für ihn, die Meisten ans 2 bis 5 Stühlen, manche auch auf 10 bis 20. Fast alle diese Arbeiter stammten aus der Fremde, aus Hamburg, Dänemark, Holland und Sachsen, und sie hatten in Potsdam Wohnungen inne, die ihnen vom Könige miethefrei überlassen waren. Den Absatz seiner Maaren fand Hirsch in dem größten Theil der Monarchie, für den, wie erwähnt, 1737 ein Einfuhrverbot auf fremden Sammet erlassen worden war, welches 1741 von Neuem erging und 1745 und 1740 auf weitere Theile des Landes ausgedehnt wurde. Hirsch hatte dafür zu sorgen, daß in Königsberg i. P. und in Magdeburg stets ausreichende Waarenlager gehalten wurden, und auf der Breslauer Messe, die damals begründet wurde, verschaffte ihm der König selbst einen guten Platz und sorgte auch dafür, daß er in dieser Stadt — entgegen den judenfeindlichen Bestimmungen, welche zu jener Zeit dort noch in Kraft waren, — eine dauernde Niederlage halten durfte. Infolge der Einfuhrverbote, die Friedrich erlassen hatte, überwog in den nun folgenden Jahren die Nachfrage nach Sammet stark das Angebot — die Hirschsche Fabrik konnte dem Landesbedarf vorläufig noch nicht genügen. Hirsch besaß das Monopol ans die Fabrikation von Sammet, aber mit diesem Alleinrecht war die Verpflichtung verknüpft, den Betrieb so auszudehnen, daß er allen Ansprüchen gerecht wurde. Dazu war denn aber doch seine Unternehmung immer noch viel zu klein, er erbot sich daher im Jahre 1746, weitere 150 Stühle aufzustellen, zu welchem Zweck er aber einen beträchtlichen Vorschuß erbat. Darauf ging indessen der König nicht ein, denn inzwischen war der Berliner christliche Kaufmann Ehr. Fr. Blume bei dem Könige darum eingekommen, ans eigenen Mitteln eine Sammet- und Seidenplüschfabrik aulegen zu dürfen, was bewilligt wnrde. In dem Privilegium, das Blume erhielt, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß er sich mit Hirsch die Versorgung des inländischen Marktes theilen solle. Man solle sich nicht gegenseitig die Arbeiter ablocken, zu welchem Zweck die Bestimmung getroffen wurde, „keinem Arbeiter Arbeit zu geben, bevor derselbe nicht einen ordentlichen schriftlichen Abschied produzirt habe, daß er von dem vorigen Herrn freiwillig dimittirt worden sei." Bei den Lieferungen für den Hof sollen beide Fabriken gleichmäßig berücksichtigt werden, am meisten jedoch die, welche die besten Maaren führt. Den Regimentern der königlichen Armee solle es freisteheu, bei der einen oder anderen Fabrik ihre Bestellungen zn machen. — Nach dem Wunsche des Königs sollte Hirsch nach wie vor die mittleren Provinzen versorgen, Blume dagegen Ostpreußen; doch führte, trotz aller getroffenen Vorsichtsmaßregeln, die Errichtung des Konkurrenzbetriebes sehr bald zu Reibereien zwischen den beiden Fabrikanten, die in der Folge gehässige Formen, und späterhin seitens des Hirsch'schen Gegner? einen judenfeindlichen Charakter aunahmen. Blume selbst starb ganz kurze Zeit nach der Begründung seiner Fabrik, die nun von seinem Schwiegersohn Gotzkowsky weitergeführt wurde, einem aus einer verarmten polnischen Adelsfamilie stammenden Manne, der es verstanden hatte, durch die Erringung der Hand der Tochter des angesehenen Kaufmanns sich eine Position zu verschaffen, und der dann in der nächsten Zeit durch außerordentlich umfangreiche kaufmännische Unternehmungen, die er anfänglich mit Klugheit und Energie ins Leben rief, sich einen Namen und das Wohlwollen des Königs erwarb. Er betrachtete die Juden, die in den verflossenen Jahren und in der Folgezeit sich in Preußen um die Hebung der Sammt- und Seidenindustrie wohl verdient gemacht hatten, als seine Gegner, da sie ihm in geschäftlicher Beziehung im Wege standen, und suchte, wo es möglich war, seinen Einfluß bei dem König in einem den Juden ungünstigen Sinns geltend zu machen. S. Cohn L. Sohn. Erzählung von I. Zangwill. h II. ^^xine dunkle Wolke begann sich über das Geschick Englands zu legen. Drei Niederlagen in einer Woche! „Es ist demüthigend," sagte S. Cohn, indem er seine Faust ballte. „Es inacht schlechte Weihnachten," sagte seine Frau niedergeschlagen. Obwohl ihr Mann noch immer gegen den Weihnachtspudding eingenommen war, der in so vielen jüdischen Familien Englands Eingang gefunden hatte, machte das Fest einen lebhafteren Eindruck auf ihn als die jüdischen Feiertage, die auf den öffentlichen Verkehr keinen Einfluß übten. Die dunkle Wolke verdichtete sich. Junge Männer fingen an, sich sür den Krieg anwerben zu lassen. Die Stadt bildete ein neues Regiment, die „Imperial Volnnteers". S. Cohn gab j 0 Ilebersepung aus dem Englische» von E. Braiinschweig in! Philadelphia.

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