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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-10-03 · Heft 40 (3.10.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 40 (3.10.1902)
Date
1902-10-03
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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Stadtrat Linke wies in sinniger Weise zur Aktivlegitimation oes Kaufmännischen Vereins zur Beglückwünschung des Herrn Landsberger als Vorsteher der Synagogengemeinde darauf hin, daß die gerühmten Verdienste des Jubilars auf seine Eigenschaft als Kaufmann wesentlich zurückzuführen seien. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund in Berlin, zu dessen Ausschußmitgliedern der Jubilar gehört, übersandte durch seinen Vorsitzenden, Professor Philippson in Berlin, eine die Bedeutung der Gemeinde Glogau und ihres Vorsitzenden würdigende Adresse, die Justizrath Friedmann verlas. In gleicher Weise hat der Vorstand des „Heiligen Stifts" hier dem Jubilar eine Adresse gestiftet. Die Beamten der Gemeinde gratulirten durch eine Ansprache seitens des Kantors Fränkel. Rabbiner Dr. Lucas hatte bereits vorher in entsprechender Weise dieses Jubiläums gedacht. Allen einzelnen Deputationen antwortete der Jubilar in eingehenden Allsprachen, tiefgerührt von den mannigfachen Ehrungen, die ihm zu Theil wurden. Dabei machte er die Mitteilung, daß er ein Kapital von 3000 M. der Gemeinde zur Begründung eines Unterstützuugsfonds für die Beamten der Gemeinde und deren Hinterbliebene gespendet habe. Am Abend vereinigten sich die Mitglieder der Synagogengemeinde zu einem engeren Gemeindefest im „Deutschen Hause". Rabbiner Dr. Lucas brachte den Kaisertoast aus. Die eigentliche Festrede hielt sodann Justizrath Friedmann. Redner entwarf in großen Zügen ein Bild von der unermüdlichen, segensreichen Thätigkeit, die Herr Landsberger seit nun bald vierzig Jahren zum Heile und Wohle der Gemeinde entfalte. Weiterhin feierte Redner seinen Wohlthätigkeitssinn und schloß mit dem herzlichen Wunsche, daß es dem Jubilar, daß es der Gemeinde beschieden sein möge, daß er noch lange Jahre mit dieser staunenswerten körperlichen und geistigen Kraft der erfolgreiche Leiter der Gemeinde bleiben möge. Der also Gefeierte antwortete alsbald in längerer Rede, warf einen Rückblick auf die Ereignisse im Gemeindeleben während verletzten 30 Jahre und gedachte in besonders warmen Worten des nur allzu früh verstorbenen Rabbiners Dr. Rippner. Er dankte allen seinen Mitarbeitern, bat um ihre fernere Unterstützung und gelobte, auch fernerhin seine Kräfte den Interessen der Gemeinde Zu leihen. Sein Hoch galt der Gemeinde. Nun brachte Amtsgerichtsrath Fraenkel der Familie des Jubilars ein Hoch aus. Den Dank der Familie sprach per Sohn des Jubilars, Herr Felix Landsberger, aus. Sein Hoch galt dem Vorstande und den Repräsentanten, während Dr. Gabriel sein Glas dem Judenthum und dem treuen Festhalten am Glauben der Väter weihte, wozu er die Kinder des Jubilars kräftig ermahnte. Es folgten noch Toaste der Herren Bankier Zielenziger, Justizrath Cohn, Dobrin u. s. w. Die Stimmung blieb bis zum Schluß eine sehr animirte. — Am Freitag Abend versammelten sich im Gemeinde- Sitzungszimmer die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanz der hiesigen Synagogengemeinde, um Herrn Kantor Fränkel, der 31 Jahre im Dienste der Gemeinde als erster Kantor und Religionslehrer gestanden und nunmehr auf seinen Antrag pensionirt worden ist, zu verabschieden. Herr Vorsteher Landsberger nahm Gelegenheit, Herrn Fränkel für seine rastlose und erfolgreiche Amtstätigkeit den herzlichsten Dank der Gemeinde auszusprechen und knüpfte daran den Wunsch, daß derselbe seine nunmehrige Muße noch lange genießen möchte. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit überreichte Herr Landsberger Herrn Kantor Fränkel zum Andenken einen silbernen Pokal mit entsprechender Widmung. Der Gefeierte dankte in bewegten Worten für die ihm gewordenen Ehrungen und insbesondere für das ihm während seiner ganzen Amtsdauer stets erwiesene Wohlwollen. — Leipzig, 24. September. Wie wir bereits gemeldet, ist hieran: 6. d. M. der allgemein geschätzte Publizist Dr. Albert Fränkel im 82. Lebensjahre gestorben. Das „Leipziger Tageblatt" schreibt über ihn: „Hochbetagt, im Alter von 82 Jahren, entschlief am Samstag, 6. d. M., Herr Dr. Albert Frankel, ein ehrwürdiger Veteran der Schriftstellerwelt, dessen Namen aufs Engste mit der „Gartenlaube" verbunden ist. Der Heimgegangene gehörte lange Jahre dem Kreise jener Männer an, die sich schon früh um Ernst Keil, den Herausgeber der „Gartenlaube", schaarten und letzterer durch ihre litterarische Mitarbeit erfolgreich dienten. Als Ernst Keil im Jahre 1865 das Beiblatt zur „Gartenlaube", die „Deutschen Blätter", nach der Redaktion Berthold Auerbach in andere Hände legte, gewann er für deren Fortführung in Dr. Albert Fränkel einen ihm längst befreundeten, bewährten Schriftsteller, der auch au der Redaktion des Hauptblattes theilnahm, und der bis an Keils Lebensende als Mitarbeiter ihm zur Seite stand. Gemeinsam mit Ernst Keil und seinem in Berlin lebenden Freunde Otto Nuppius bekämpfte er in novellistischen Skizzen soziale Mißbräuche und Miszstäude. Nach Keils Tode war für eine würdige Weiterführung der „Gartenlaube" durch fremde Hand Sorge getragen worden, wobei die alten Mitarbeiter des Verstorbenen in der Redaktion. Dr. Hofmaun und Dr. Fränkel, derselbe!: erhalten blieben. Hier hat Dr. Fränkel auch weiter seine litterarische Kraft bewährt und dem Weltblatt treu mit seiner Feder gedient. Er war Einer, der die Epochen der Censur und des Aufschwunges der „Gartenlaube" erlebt, und der auch für seinen Theil seiner Zeit dazu beigetragen, ihr Ansehen zu erhöhen." t. Neubrattderrbitrg, im September. Es war am 4. September1877. als die Stadt Neubrandenburg in Mecklenburg-Strelitz unter dem Zeichen eines großen Ereignisses stand. Fahnen wehten von den Häusern, Guirlanden schmückten die Häuser, und eine feierlich gestimmte Menge festlich gekleideter Menschen füllte die Straßen. Es galt die Einweihung der neuerbauten Synagoge, die durch die Thatkraft der jüdischen Gemeindemitglieder entstanden war. Die ganze Bürgerschaft feierte das Fest mit, der verpestende Hauch des Antisemitismus war in die Mecklenburgischen Lande nicht gedrungen. Mecklenburg, dieses mit Unrecht so oft verspottete und verleumdete Land, seine Fürsten und Negierungen haben ihren jüdischen Bewohnern stets die Parität und das Wohlwollen gezeigt, auf das sie als gleichberechtigte Staatsbürger Anspruch batten, und unvergessen werden dem regierenden Grobherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz die Worte bleiben, die er vor einigen Jahren noch in einer Audienz gegenüber dem leider zu früh verstorbenen Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Neubrandenburg, sel. Herrn Sylvester Löwenhaupt, aussprach: „Sagen Sie Ihren Glaubensgenossen, daß ich keine jüdischen und keine christlichen Unterthanen kenne, sondern nur Bürger, die dem Staate gegenüber ihre Pflicht thun und das Vaterland lieben. Schwarze Schafe giebt es auf beiden Seiten!" Fürwahr, ein hochherziges Wort, das, gesprochen in einer Zeit des wüstesten Antisemitismus, den bedrückten Herzen Muth und Hoffnung aus eine bessere Zukunft einflößte! Diese Toleranz war die Richtschnur der mecklenburgischen Regierung stets gewesen, und durch diese wurde es auch der jüdischen Gemeinde ermöglicht, ein würdiges Gotteshaus zu bauen. Um die Mittel hierzu aufzubringen, wurde die Genehmigung einer Geldlotterie ertheilt; der Fürst, christliche und jüdische Bürger zeichneten namhafte Beträge, und als am 4. September die Synagoge den: Dienste Gottes übergeben wurde, wohnten der erhebenden Einweihungsseier Vertreter des Fürsten und der Regierung, Bürgermeister und Bürgerschaft, Geistlichkeit und Lehrerschaft bei. Der sel. Herr Sylvester Löwenhaupt, der sich sowohl um den Bau des Gotteshauses wie nachher noch viele Jahre hindurch um die jüdischen Gemeinden Mecklenburgs so hohe Verdienste erworben hat, konnte auf dein der Einweihung folgenden Banket mit großer Genugthuung die Thatsache aussprechen, daß die Juden Mecklenburgs stets treu und unentwegt zu ihren: Fürsten und ihrem Vaterlande gestanden hätten, und daß ihnen Treue mit Treue, Liebe mit Liebe vergolten sei. So ist es auch noch heute, und wenn die Gemeinde sich nun rüstet, das 25 jährige Bestehen der Synagoge festlich zu begehen, so sind zwar neue Männer an die Stelle der alten, erprobten Führer gerückt, aber der Glaube und die Gesinnung sind die alten geblieben! Aus kleinen Anfängen heraus hat die Gemeinde es verstanden, sich das Vertrauen und die Achtung ihrer Mitbürger zu erwerben, möge ihr eine blühende, segensreiche Zukunft beschieden sein! m. Hambltrg, 26. September. Die Erfahrung der letzten Jahre, daß den: Mangel an gut ausgebildeten Krankenpflegerinnen nur wirksam begegnet werden kann, wenn man durch das feste Gesüge einer Schwesternorganisation ein Pflegerinnenpersonal schafft, das sowohl durch seine technische wie ethische Ausbildung seinem schweren Beruf gewachsen ist, hat auch hier in Harnburg nach dem Beispiel anderer Städte zur Stiftung einer Anstalt zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen geführt. Die Krankenpflegerinnen sollen in erster Linie für den Dienst in: israelitischen Krankeuhause ausgebildet werde::, sobald dessen Bedarf an Schwestern

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