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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-10-03 · Heft 40 (3.10.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 40 (3.10.1902)
Date
1902-10-03
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Einsetzung einer Kommission beschlossen, in welche die Herren Opp en - heim, Manheimer, Fränkel, Rechtsanwalt Cohn, Professor Bla schke und Geheiinrath Blumental delegirt werden. Auf Grund einer dringlichen Vorlage werden in die Baukommission für den Nein bau der Synagoge Rykestraße die Herren Maurermeister Fränkel, Louis Sachs. Oppenheim und Berthold Israel entsandt. Für den Krankenhausvorstand ist infolge der neuen Statuten eine Neuwahl erforderlich. Bisher gehörten dem Vorstände zwei Repräsentanten und sechs Gemeindemitglieder an. Der Ausschuß wünscht Niemanden aus der Zahl der bisherigen bewährten Mitglieder zu eliminiren, beantragt aber die Entsendung noch eines medizinischen Repräsentanten und schlägt hierfür Herrn Professor Landau vor. Herr Fränkel wünscht dagegen die Streichung eines bisherigen Gemeindemitgliedes und dessen Ersetzung durch Professor Baginsky. Zur Entscheidung dieser Personenfrage wird die Vorlage in die geheime Sitzung verlegt. — Ebenfalls aus Grund einer dringlichen Vorlage werden dem Neligionsverein „Agudath Achim" 200 Mark diskussionslos bewilligt. — Aus den geschäftlichen Mittheilungen heben wir noch hervor, daß seitens des Gemeindevorstandes der Zuschlag zur Staatseinkommensteuer aus 21,50 Prozent festgesetzt worden ist. I". Berlin, 28. September. Das Kuratorium der Pensions-, Witwen- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche hielt am 18. d. M. im Büreau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes unter Leitung des Herrn Hauff eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Beschlußfassung über die Resolution des Hamburger Delegirtentages vom 21. Dezember 1901 betreffend die Pensionskasse. 2. Weitere Berathung über die Mittel zur Vermehrung der Einnahmen. Zu Punkt 1 lag ein Antrag des Herrn Direktor Dr. Adler vor, die Besprechung bis zu einer in den Weihnachtsferien abzuhaltenden Sitzung zu vertagen, da alsdann voraussichtlich sännntliche Mitglieder des Kuratoriums, die dem Lehrerstande angehören, anwesend sein würden. Die Anwesenden stimmten dem Antrag und seiner Begründung in freier Besprechung bei; ein Beschluß konnte nicht gefaßt werden, da die Versammlung nicht beschlußfähig war. Der Vorsitzende wird nun eine neue Sitzung für die Weihnachtsferien einberufen. Der Versammlung ging eine Vorstandssitzung voran, in welcher die eingelaufenen Anträge geprüft und vom Vorsitzenden Mittheilung von dem Eintreffen der Allerhöchsten Genehmigung zur Annahme des Plantschen Legats und von der Ueberweisung einer Summe von 500 Mark aus dem Nachlaß des Rentners Max Heim zu Frankfurt a. M. gemacht wurde. --- Berlin, 29. September. Der gesammte Kouitzer Mord- Prozeß soll, wie bereits gemeldet, nun am Dienstag und den folgenden Tagen vor der hiesigen zweiten Straskammer noch einmal ausgerollt werden. An diesem Tage kommt der große Beleidignngsprozeß gegen die „Staatsbürger-Zeitung" bezw. gegen deren verantwortlichen Redakteur Dr. Bötticher und den Verleger Wilhelm Brnhn zur Verhandlung. Beide sollen durch eine Reihe von Artikeln über den Konitzer Mord verschiedene behördliche Organe und Privatpersonen beleidigt haben, besonders wurde die Thätigkeit des ersten Staatsanwalts, des Untersuchungsrichters, der Kriminalkommissare Braun und Wehn und des Bürgermeisters von Könitz bei dem Ermittelungsverfahren in Sachen der Ermordung des Gymnasiasten Winter so abfällig besprochen, daß sich diese Beamte dadurch beleidigt fühlten. Die Verhandlung wird eine große Ausdehnung annehmen, da seitens der Angeklagten ein umfangreicher Entlastungsbeweis angetreten ist und die Verlesung zahlreicher Aktenstücke nothwendig werden wird. Den Vorsitz im Gerichtshöfe wird Landgerichtsdirektor Opitz führen. Als Nebenkläger treten aus: der Schlächtermeister Adolf Lewy, jetzt in Berlin, dessen Sohn, der Schlüchtergeselle Lewy, der die ihm wegen Meineides zuerkannte Zuchthausstrafe in Rawitsch verbüßt, der Kaufmann Großmann in Bütow und der Kaufmann Gustav Caspary in Kouih. Unter den geladenen Zeugen befinden sich: Oberstaatsanwalt a. D. Wulff in Detmold. Erster Staatsanwalt Settegast in Limburg, Landrichter Dr. Zimmermann in Könitz, Amtsrichter Pankau in Könitz, Bürgermeister Deditius daselbst. Erster Staatsanwalt Schweigger in Könitz, ferner die Kriminalinspektoren Braun und Klatt. Kriminalkommissar Wehn u. A. Die Angeklagten werden von den Rechtsanwälten Dr. Hahn-Charlottenburg und Ulrich-Berlin vertheidigt. Die Sache der Nebenkläger führen Justizrath Dr. v. Gordon sowie die Rechtsanwälte Horwitz, Meschelsohn, Sonnenfeld, Rechtsanwalt Schüler! (Stolp) und Rechtsanwalt Appelbaum (Könitz). Für die Verhandlung sind mehrere Tage angesetzt. t. Charlottenbrtrg, 28. September. Der hiesige Magistrat resp. die Schuldeputation berief Ostern d. I. den Prediger und Lehrer des Charlottenburger Humanitätsvereins Dr. I. Blum — ohne dessen Bewerbung — zu Vertretungen an sämmtlichen höheren Lehranstalten Charlottenburgs. und zwar für alle Real- und Gymnasialfächer. Da seitens des königlichen Provinzialschulkollegiums ohne Weiteres die Bestätigung erfolgte, wirkt Dr. Blum gegenwärtig auch am Resormgyrnnasium (Kaiser Friedrich-Schule), nachdem er bereits an der Real- und Oberrealschule thätig gewesen. Lp. Ans der Provinz Posen, im September. In Won growitz ist Mitte d. M. Plötzlich der Kaufmann David Foerder gestorben. Derselbe gehörte 30 Jahre hindurch dem Vorstande des israelitischen Krankenpflegevereins und des Litteraturvereins an und bekleidete außerdem das Amt eines Rendanten in der Gemeinde. — Die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde mWreschen wählten in ihrer letzten Sitzung den Rechtsanwalt Peyser zum ersten und Kaufmann Jakob Reich daselbst zum stellvertretenden Vorsteher der Gemeinde. — Die Stadtverordneten in Ostro wo haben den Fabrikbesitzer Fabian Fra e n kel daselbst zum Magistratsmitglied aus die Dauer von sechs Jahren wiedergewählt. — Der Leiter einer höheren israelitischen Privatschule in Kali sch, Herr Bley, ist am 15. d. M. Plötzlich am Herzschlag gestorben. — Kaufmann Max Szamatolski in Pinne ist zum Beigeordneten daselbst von der Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. — Die Wittwe Flora Krakauer in Samt er, Mitbegründerin und langjährige Vorstandsdame des dortigen israelitischen Frauenvereins, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. — Lehrer Spieldo ch in Buk ist zum stellvertretenden Vorsitzenden des dortigen Lehrervereins gewählt worden. — Sanitätsrath Dr. Landsberger in Posen hat dem Magistrat daselbst für die Armen 2000 Mark als Spende überwiesen. Dr. Landsberger verlegt zum 1. Oktober er. seinen Wohnsitz nach Berlin. In einigen Zeitungell wurde gemeldet, daß man ihn in Posen als Landtags-Kandidaten aufstellen wolle. 1i. Breslau, 26. September. Die Meldung voll dem am 22. d. M. , erfolgten Hinscheiden des em. Rabbiners Dr. Sal om o n Cohn haben Sie bereits gebracht. S. Cohn war früher Rabbiner in Oppeln, dann in Mastricht, Schwerin (Mecklenburg) und schließlich in der Synagoge an der Potsdamer Brücke in Berlin. Vor einigen Jahren gab er zunehmender Kränklichkeit wegen sein Amt ans und zog hierher zu seinen Kindern. Er hat ein Alter von 80 Jahren erreicht. In seiner Jugend huldigte der Verstorbene fortschrittlichen Ideen, später war er ein entschiedener Vorkämpfer der Orthodoxie. Cohn war ein vorzüglicher Kanzelredner und hat am Berliner Rabbinerseminar viele Jahre hindurch Homiletik gelehrt. Die Beerdigung fand am 24. d. M. hier unter zahlreicher Betheiligung statt. An der Bahre hielten die beiden Gemeinderabbiner Dr. Guttmann und Dr. Rosenthal, namens des Berliner Rabbinersemiuars der Rektor Dr. Hoffmann, für die Familie die Rabbiner Dr. Freimann-Holleschau, Dr. Bamberger- Schrimin und Dr. I. Horovitz jr.-Frankfurt a. M. Gedenkreden auf den Verstorbenen. Friede seinem Andenken! — Glogau, 23. September. Die hiesige Synagogengemeinde feierte v orgestern das 25jährige Jubiläum des Herrn Bankiers Immanuel Landsberger als Vorsitzenden ihres Vorstandes. Nachdem Herr Landsberger schon seit dem Jahre 1864 Mitglied der Repräsentantenversammlnng gewesen, wurde er im September 1877 in den Vorstand gewählt und dort alsbald in demselben Monat in Anbetracht seiner bis dahin bereits bewährten Tüchtigkeit zum Vorsitzenden des Vorstandes ernannt. Seitdem hat er ununterbrochen dieses Amt verwaltet und für die Erhaltung und Entwickelung der hiesigen Synagogengemeinde Hervorragendes geleistet. Seiner Initiative und seinem rastlosen Eifer ist es zu verdanken, daß die neue Synagoge in dem neuen Stadttheil erbaut worden ist. Die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung gratulirtem dem Jubilar in dessen Wohnung durch Ansprachen seitens des Herrn Mathias, als des stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes, und seitens des Herrn Julius Levy, als des Vorsitzenderl der Repräsentantenversammlung. Die Mitglieder beider Körperschaften stifteten eine Ehrengabe, bestehend in einem mächtigen, kunstvoll gearbeiteten silbernen Tafelaufsatz. Der israelitische Frauenverein überreichte eine geschmackvolle Jardiniöre mit einer Adresse, welche Frau Luise Weißstem verlas; demnächst erschien der Vorstand der Stadtverordnetenversammlung, in deren Namen der Vor-

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