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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-10-03 · Heft 40 (3.10.1902) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 40 (3.10.1902)
Date
1902-10-03
Page
Seite 478 (sequence 12)
Language
German
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478 da zurückbrächte, von der Accise besiegelt und mit gehörigen Attesten versehen werden sollten. Dieser Erlaß der Nachschußaccise wurde übrigens 1738 auf alle anderen Fabrikanten ausgedehnt und bestimmt, daß seidene wie auch andere in Potsdam fabrizirte Maaren genau so behandelt werden sollten als wären sie in Berlin gefertigt. Die Unternehmungen Hirschs hatten Erfolg, nnd sie erfuhren durch das thatkräftige Eingreifen des Königs weitere Förderung. Im Jahre 1737 wurde durch Reskript des Generaldirektoriums an die Pommersche, Neumärkische und Kurmärkische Kammer verordnet, daß kein fremder Sammet eingeführt, sondern aller Sammet aus der Potsdamer Fabrik genommen werden solle, und an die Juden erging noch ein besonderes Verbot, mit anderem Sammet als dem aus der Fabrik von Hirsch aus Potsdam zu handeln. S. Cohn L. Sohn. Erzählung von I. Zangwill. y .Englisch, ganz englisch, das ist mein Traum." Cecil Rhodes. Cohn hatte sich schon, als er noch in einer Provinzialstadt wohnte, sowohl durch seine falsche englische Aussprache des Hebräischen als auch durch die Beharrlichkeit ausgezeichnet, mit der er aus der Anstellung eines Rabbiners bestand, der englisch spreche und wie ein christlicher Geistlicher aussehe. Es giebt viele Mittel, dem Engländer die Schmach zu verhehlen, durch einen dreitausendjährigen Stammbaum mit Aaron, dem Hohenpriester Israels, verwandt zu sein, und Cohn (statt Cohen) ist eines der einfachsten und wirksamsten. Als einst ein Frömmling ihn über diese Namensverstümmeluug zur Rede stellte, rechtfertigte sich Salomon mit der Witzelei, daß die hebräische Sprache keine Vokale habe. Aber selbst die hebräische Grammatik konnte nicht das Wegschneideu seines „Salomons" bis auf den Anfangsbuchstaben erklären. S. Cohn nannte er sich auf dem Aushängeschild seines Kleidergeschäfts. Nicht, daß Salomon ängstlich bemüht gewesen wäre, seine „Jiddischkeit" zu verleugnen — war nicht sein Laden am Samstag geschlossen? — er war nur ängstlich bemüht, sie nicht auffällig zu machen. „Wenn wir in England sind, sind wir in England," Pflegte er in seinem Singsang zu sagen. S. Cohn galt in der Thal als eine Persönlichkeit in der Stadt. Sein Name wurde auf die Wahllisten gesetzt und, was mehr sagen will, er war schließlich Stadtrath geworden. Er war wirklich in der Bürgerschaft wegen der standhaften Anhänglichkeit an seinen alten Glauben — für welche sein am Sabbath geschlossener Laden einen so augenscheinlichen Beweis lieferte — beliebt. Selbst seine Konkurrenten waren ihm wohlgewogen. Sie ahnten nicht, daß S. Cohns Verluste am Samstag mehr als ausgewogen wurden durch den günstigen Eindruck, den seine Opserwilligkeit beim Publikum hervorrief. h Uebersetzung aus dem Engtischen von E. Braunschweig in Philadelphia. Man sagte sich, daß ein Mann, der seinen Geschäfsvortheil der Religion opfere, seine Kunden besser bedienen werde, als dies von seinen Konkurrenten vorauszusetzen sei. Dazu kam noch, daß er sich einer Wohlbeleibtheit erfreute, die man an einen Steuerzahler für erforderlich hält. Gepaart mit Cohns Stolz auf seine Würde als Stadtrath war sein Stolz, Gabbe (Schatzmeister) der kleinen Synagoge zu sein, die in einer Hiuterstraße versteckt lag. Hier waren die Gebete von vier Generationen erklungen und verklungen in so regelmäßiger Folge, wie die Ebbe und Fluth der nahen See, die den Betenden durch den Handel mit den sorglosen Seefahrern ein so einträgliches Geschäft brachte. Doch die Synagoge, nicht die See, bildete den poetischen Hintergrund im Leben dieser Handelsleute. Hier legten sie ihre Tefillin (Gebetriemen) an, Hier schwangen sie Palmzweige und verrichteten andere fromme Ceremonien. Eine sehr imposante Erscheinung war Salomon Cohn in seinem offiziellen Synagogenstuhl unter der Tribüne des Vorbeters. Nichts vermag die Würde eines Mannes in der Synagoge mehr zu heben als die Werthschätzung seiner christlichen Mitbürger. Diese bildet eine der ersten Stufen zur „Anglisirung". * * Frau Cohn war das blasse Ebenbild des Herrn Cohn. Sie sah die Dinge durch seine goldene Brille und wandelte demüthig im Schatten seiner Größe. Pflichttreu hatte sie ihm viele Kinder geboren und, nach religiöser Vorschrift auf dem Fußboten sitzend, getrauert für die, welche starben. In ihrer Figur zeigte sich nicht die traditionelle Vollheit der Jüdin; sie war und blieb schlank, als ob sie in ihrer körperlichen Entwickelung zurückgedrängt worden sei. Sie war unaufhörlich und in der mannigfaltigsten Weise thätig, da neben ihren häuslichen und geschäftlichen Obliegenheiten, es für sie unvermeidlich war, eine Philanthropin zu sein. Als Frau des Gabbe war sie an jüdische Wohlthätigkeitsanstalten gefesselt; als Gattin des Stadtraths war sie in die Angelegenheiten ähnlicher christlicher Institute verwickelt. In ihren mündlichen Aeußerungen war sie das buchstäbliche Echo ihres Mannes. Selbst seine Sprachfehler fing sie auf, so daß er sie sogar häufig verbesserte, wenn sie sich im Gebrauche des stadträthlichen Englisch verschnappte. Cohn war fünf Jahre älter als seine Frau. Sie war ihm durch Vermittelung einer ihrer Freunde, der in ihrer bescheidenen Mitgift den Kern eines mit der Zeit wachsenden Geschäftes in einer wachsenden Hafenstadt sah, aus Polen zugeführt worden. Aus diesem anfänglichen untergeordneten Zustande vermochte sie nie sich ganz zu erheben-' sie blieb stets fünf Meilen auf der Bahn zu „Ganz-En glisch!" zurück! Das wäre auch genügend gewesen, eine Person in Unterwerfung zu halten, die sich mehr Geltung zu verschaffen gewußt hätte als die arme Hannah. Schon die bloße Gefahr, unbewußt in das verpönte „Jiddisch" zurückzugleiten, zügelte ihre Zunge. Ihre großen, dunkeln Augen hatten eineil verschüchterten Blick und saßen mit rührendem Ausdruck in einem blassen Gesicht — ein Zeichen schlechter Gesundheit! — und trotzdem verrieth dasselbe eine ungemeine Widerstandskraft. Daß S. Cohn etwas von der Natur eines Grobians besaß, läßt sich nicht leugnen. Die Vereinigung zweier Aemter, des Gabbe's und des Stadtraths, mußte eine Selbstzufriedenheit erzeugen, die leicht in Unzufriedenheit mit Anderen ausartet Am unerträglichsten war S. Cohn in seiner religiösen Starr- MUL'rON

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