Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1902)
- Date
- 1902-09-26
- Page
- Seite 467 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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467 ,! Aber Sophie ct, und Doktors h diese ie den tört in lle Mi- und ich ,ft. mn sie MN zuschien >. Ein n. In beiden 'er die hatte i auch. Eigenen den nderes Schönsagte , aber len blick e der ie bat ch zuin >roßen „Gott ist barmherzig! Er wird helfen!" Und trotzdem mein Gebet um Beistand erfolglos gewesen war. begann ich wieder zu beten. Aber dieses Mal bat ich Gott nur, daß Malke bei meiner Nachhauseknnst schlafen möge, daß ich nicht erst nöthig hätte, Auskunft zu geben. Aber auch dieses Gebet blieb ohne Wirkung. Als ich meine Wohnung erreichte, sank mir das Herz. „Was hatte denn das zu bedeuten?" Eine Fülle von Licht strahlte mir ans unseren Fenstern entgegen. Athemlos stürmte ich die Treppe hinauf und blieb einen Augenblick horchend an der Thür stehen. Fröhliches Stimmengewirr drang zu mir heraus. Wie im Traum öffnete ich die Thür und stürzte in die Küche. Dort stand Malke in ihrem Schabbesstaat, eine Unmenge von Apfelsinen, Nepfeln und Kuchen vor sich auf den Tisch. „Maseltow, Baruch!" rief sie mir lächelnd zu. „Was ist los?" fragte ich erstaunt. „Unsere Esther ist Braut geworden!" sagte sie. fröhlich in die Hände klatschend, während ich sie anstarrte, als wäre sie nicht recht bei Sinnen. „Braut?" rief ich athemlos, „und wer ist der Bräutigam?" „Ist Dir etwa Herr Goldstein nicht gut genug?"; In hastigen, abgebrochenen Sätzen erzählte sie mir, wie! sich das alles zugetrageu. Sie hatte sozusagen einen Trumpf gegen mich ausgespielt und mich auf eigenem Grund und Boden geschlagen. Malke hatte Herrn Goldstein zu überzeugen verstanden, daß ihre Tochter so gut wie nur irgend ein anderes Mädchen für ihn passen würde. Ich selbst hatte Herrn Goldstein so viel von Sophies Vorzügen erzählt, daß er fürchtete, neben einem solchen Mädchen trotz seiner Wohlhabenheit zu unbedeutend zu erscheinen. So fiel seine Wahl auf Esther. Die einzige Bedingung, die mir! mein Schwiegersohn stellte, war, meinen Beruf als Heiraths- Vermittler aufzugeben, was mir nicht so leicht wurde. Aber Gott hatte es so bestimmt, und ich fügte mich. Vergangene Woche noch Schadchen und heute Mitinhaber l eines feinen Herrengarderobengeschäfts. So geht's zu in der Wett!! Neiseplauderrren. m > und : nicht lagen.!> aufkeiue r der r mir i uns I mir, stolz!" Und Dages « ein. St. Blasien, Anfangs September. ^Hl/"ein Weg durch das Tiroler Land führte mich auch nach Mühlbach, einem kleinen, in grüne Berge reizend eingebettete» Dörfchen im Pusterthal. Dort hielten zwei liebe Menschen ihre Sommerfrische, von denen zu sprechen nicht nur mir, sondern auch den Lesern dieses Blattes interessant sein wird, nämlich Professor Lazarus und seine Gattin, Frau Nahida Ruth Lazarus. Ich muß gestehen, daß ich nicht ohne Bangen diesen Besuch gemacht habe. Die Berichte, die während des Winters aus Meran zu uns gekommen, waren eben nicht immer günstig gewesen; aber ich will hier gleich vorwegschicken, daß schon die ersten Eindrücke mich angenehm enttäuscht haben. Das ist ja der Zauber des Geistes, der Anmuth und der Liebenswürdigkeit, daß sie schon nach den ersten fünf Minuten den Alp der Verlegenheit oder Befangenheit vor» der Brust des Menschen lösen, daß sie dem Geist des Anderen die Binde lüften, und daß sie in diesem Falle auch die Atmosphäre in dem kleinen Stübchen in der „Sonne" zu Mühlbach heimisch und leicht athembar machten. Ich wünschte, ich wäre ein großer Schriftsteller, um den Eindruck schildern zu können, der sich mir hier in dem kleinen Stübchen geboten hat. Es war der Sieg des Geistes über den Körper, den ich noch selten anschaulicher gesehen hatte. Das Gespräch ging von persönlichen Eindrücken. Beziehungen und Angelegenheiten aus. Aber schon nach wenigen Minuten hatte es sich auf das Allgemeine erstreckt, auf die großen Fragen, die das Judenthum bewegen, auf das religiöse Leben, auf die geistige Arbeit, kurz auf das Höchste und Tiefste, was den Kreis umspannt, den unsere Sorge auszufüllen hat. Es wäre unbescheiden gewesen, die einzelnen Aussprüche sofort aufzuschreiben, die ich gehört habe. Aber ich darf wohl versichern, daß ein jeder einzelne genügt hätte, um eine Fülle von Gedankenreihen fortzuspinnen und viele fruchtbare Anregungen zu geben. Hatte ich. als ich eintrat, den Eindruck, als wb ich zu einem Greise käme, so glaubte ich nun den Mann in der vollen Kraft der Jahre vor mir zu sehen, wie wir uns alle seiner etwa aus den Vorträgen in der „Gesellschaft der Freunde" oder in der Singakademie erinnern. Da wuchs die Gestalt sichtlich empor, da belebte sich das Auge, da bekam die Stimme die alte Fülle und den vollen Wohlklang. Ich wußte wirklich nicht, worüber ich mehr staunen sollte: über das wunderbare Gedächtniß, das Geschichten ans der Jugend — von der Barmizwah an — und dann wieder solche aus der Universitätszeit, und unmittelbar darauf wieder andere vom Hofe Kaiser Friedrichs und aus dem Professorenleben in der liebenswürdigsten und ungezwungensten Weise mit einander zu verknüpfen wußte, oder über die merkwürdige Kraft deS Geistes, die die widerwilligen Körperkräfte sichtlich in ihren Dienst zwang, um die höchsten Fragen der Glaubensgemeinschaft, ja des Menschenlebens mit seltener philosophischer Klarheit zu erörtern. Und nicht ein Tropfen Bitterkeit mischte sich in die anmuthige Heiterkeit dieses Gespräches, nicht ein leises Wölkchen umdüstert dieses Auge, daS ein mildes Leuchten verbreitet, und nur wenige Runzeln zeigen sich auf der Stirn, die mit der» Stempel des Gedankens gekrönt ist. Ein längerer Spaziergang, den ich bald darauf, um dem verehrten Manne das gewohnte Nachmittagsschläfchen nicht zu rauben, in Gesellschaft seiner Gattin machte, die in wahrhaft unermüdlicher Hingebung einzig und allein nur dem theuren Gatten, seiner Gesundheit und seinem Behagen lebt, brachte mir noch manche interessante Mittheilung, die ich auf direktem Wege vielleicht nicht erfahren hätte, da mir der Zartsinn des Interviewers Gott sei Dank nicht angeboren ist. Frau Nahida sorgt nicht nur mit größter Umsicht für die körperliche Pflege ihres Gatten, sie nimmt auch den innigsten Antheil an seinem geistigen Leben und Schaffen. Meine erste Frage war natürlich nach der Ethik, und da erfuhr ich denn zu meiner Freude, daß die Materialien zum zweiten Bande in so reicher Fülle und so wohlausgearbeitet vorliegen, daß es nur einiger Monate ungestörter Gesundheit bedarf, um das Werk zur Vollendung zu bringen. Aber ich hörte noch mehr. Ich erfuhr — und mein Journalistenherz hüpfte vor Freude — von Memoiren, die bereits so gut wie fertig seien, und die ein reich bewegtes und interessantes Leben ausführlich schildern. Allein das Register enthält bis jetzt schon 500 Namen! Auf der Rückkehr vom „Stöckelvaterweg" eröffnete sich uns ein interessantes Panorama, das manche Analogien zu den