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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-09-26 · Heft 39 (26.9.1902) · p. Seite 465

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 39 (26.9.1902)
Date
1902-09-26
Page
Seite 465 (sequence 11)
Language
German
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Aus dem Leserkreise des Blattes, in dem meine Mittheilungen zuerst erschienen, kanten mir aus diesem Anlaß aber noch Mittheilungen über zwei andere Denkmäler zu. Das eine ist das Hirschfeld-Denkmal in Kolb erg. Sanitätsrath Dr. Hirschfeld war seit etwa 1850 als Arzt in Kolberg thätig und starb daselbst am 17. Juni 1885. Fast unmittelbar nach seinem Tode trat ein Komitee zusammen, um ihm ein Denkmal zu errichten. Vorsitzender war L. v. Buggenhagen; dein Komitee gehörten die bedeutendsten Männer des Badeortes und einige Vertreter des Landadels des Kreises an; wie um das Herz-Denkmal in Erlangen die dortige evangelischtheologische Fakultät, machte sich um das Hirschseld-Denkmal namentlich der Hofprediger Stumpf in Kolberg verdient. „Der verewigte Sanitätsrath Dr. Hirschfeld," heißt es in dem mir vorliegenden Aufruf des Komitees vom 30. Juli 1885 u. a„ „hat durch seine außerordentliche Pflichttreue und Opferwilligkeit, durch seine allzeit hilfsbereite, uneigennützige Menschenfreundlichkeit gegen die Armen, und ganz besonders auch durch seine hervorragenden Verdienste um die Hebung und Entwickelung Kolbergs zu einem Badeorte ersten Ranges sich ein unvergängliches Denkmal in den Herzen seiner Mitbürger gesetzt." Das Denkmal, das am 8. Juli 1886 enthüllt wurde, besteht aus einem Obelisken und trägt die Inschrift: „Sanitätsrath Dr. Hirschfeld zum ehrenden Andenken. Dem aufopfernden Arzte und Menschenfreunde, dem hochverdienten Mitbürger." Das andere Denkmal dieser Art steht in Berlin, freilich nicht auf einem Platze, sondern im zweiten Hofe der Charit«, also doch immerhin an einem öffentlichen Orte. Es ist die Büste des berühmten Klinikers Ludwig Traube, der von 1848 bis zu seinen: Tode als Arzt und Gelehrter im Verbände der Charite segensreich wirkte. Also — vier Denkmäler deutscher Juden giebt es in Deutschland doch. Oder weiß Jemand noch ein fünftes? Der Schadchen. Nach dem Englischen von Hermann Bernstein. geht doch närrisch zu in der Welt! Vorige Woche war ich noch ein Schadchen, und heute bin ich Großkanfmann. Es ist rein zum Lachen! Wie Hütte ich es jemals ahnen können, daß ich, Baruch Purkin, der ich bereits über 30 Jahre Partien vermittelte, plötzlich Mitchef der angesehenen Herrengarderobefirma Go Idstein L Purkin würde! Es kommt nur fast wie ein Traum vvr, wenn ich daran denke, aber sicherlich hat der liebe Gott es so gewollt, und des Herrn Wege sind wunderbar. Mein Weib Malke — möge sie lange leben - und meine Tochter Esther — Gott geh' ihr immer Gesundheit — sind nun glücklich, und, offen gestanden, ich auch. Leicht ist mir allerdings der Wechsel des Berufs nicht geworden, denn die Heirathsvermittelung war mir eine liebgewordene Beschäftigung. Es ist ja schließlich auch keine Kleinigkeit, sich erst ein gewisses Renommee zu erwerben, um dann plötzlich dieses ernste Werk von über 30 Jahren zu zerstören. Man darf nicht vergessen, daß ich die glänzendsten Partien vermittelt habe, nicht nur in meiner Heimath, in Amerika, sondern auch in der Hauptstadt des Zarenreiches. Doch ich will erzählen, wieso ich meinen Beruf änderte. Ich muß dabei vorausschicken, daß ich nicht wie so viele andere Heirathsvermittler nebenbei mit Lotterieloosen handelte oderkleine Knaben im Hebräischen unterrichtete oder gar als Kantor in irgend einer kleinen Gemeinde Predigte. Handwerker oder Handlungsgehilfen erschienen mir niemals als wünschenswerthe Heirathskandidaten. Doch heirathssähige Aerzte und Juristen und reiche Mädchen sind nicht so leicht zu haben. Mein Weib Malke, die gewiß nicht dumm ist, machte mir deshalb auch niemals Vorwürfe, wenn das Geschäft nicht so ging. In solcher Zeit war mir mein Leben oft selbst schon verschwarzt genug. Ich bin ja auch ein komischer Kauz. Ich habe so manche Fremde glücklich geinacht, und meine eigene Tochter konnte ich nicht unter die Haube bringen. Sobald ich ihre Vorzüge vor einem soliden jungen Manne loben wollte, wurde ich verlegen, und stellte ihn irgend einem anderen Mädchen vor. Wir wohnten damals in der Nähe der Atlantic Musikhalle, in der fast allabendlich Hochzeiten gefeiert wurden. Die Hochzeitsklänge brachten bei uns leider Gottes gerade eine entgegengesetzte Wirkung hervor. Sie riefen uns in Erinnerung, daß Esther älter und älter wurde, ohne daß sich irgend eine Aussicht bot, sie zu versorgen, und andererseits erzählten sie uns von dem größeren Masel anderer Schadchonim. Etwa zwei Monate später schien uns das Glück zu lächeln. Ich hatte zwei gute Sachen in meinem Notizbuch. Der Eine war ein Arzt und der Andere ein reicher Inhaber eines Herren» garderobengeschäftes. Tie Praxis des Herrn Doktor war so hoffnungslos mager, daß nur eine gute Partie ihn aus seiner Bedrängniß retten konnte. Selbstverständlich hat er mir das nicht gesagt, aber ich kenne meine Leute schon; ich kenne sie besser, als sie sich selbst kennen. Wenn ich ihm nur von Klara Sherman mit ihren dreitausend Dollar Bankdepot sprach, dann glitt ein glückliches Lächeln über seine Züge; seine Auge:: glänzten, und in ihnen spiegelten sich die rosigen Bilder wieder, die er sich bereits ausmalte: eine nobel eingerichtete Praxis, schöne Möbel, hübsche Instrumente, alle baar bezahlt, Pferd und Wagen, viele Patienten, einen Diener. Und Klara war übrigens gar nicht übel. Sie war ein interessantes, ein feines Mädchen, aber — doch halt, ich falle schon wieder in meine alte Gewohnheit zurück, alle Vorzüge anzupreisen und das knappe Einkommen meiner Heirathskandidaten zu verschweigen. Klara hatte ihre Eigenthümlichkeiten und ihre Schwächen; so wollte sie nur Frau Doktor werden oder überhaupt nicht heirathen. Ich wußte das alles, und den Verdienst hatte ich so gut wie in der Tasche. Die Partie wäre zwar nicht aus ideale» Beweggründen geschlossen worden, aber von Luft und Liebe kann man eben nicht leben. Jedoch der Mensch denkt und Gott lenkt. Klara hatte eine jüngere Schwester Sophie. Diese war im Gegensatz zu

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