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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-09-19 · Heft 38 (19.9.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 38 (19.9.1902)
Date
1902-09-19
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 hervorragende Rabbiner und Gelehrte vertreten. Bei der Eröffnungssitzung bemerkten wir u. A. Oberrabbiner Dr. Gaster-London, Rabbiner Professor Dr. G. Klein-Stockholm, Professor I. Barth-Berlin. Oberrabbiner Simonsen.Kopenhagen (Dr. O. Frankfurter-Sianl, Sohn des verewigten bekannten Tempelpredigers Dr. N. Frankfurter-Hamburg, wohnte als Vertreter der siamesischen Regierung den Verhandlungen bei), Professor Dr. Halevh-Paris, Rabbiner Dr. Rahmer-Magdeburg, Dr. E. Mitwoch-Berlin, Dr. Horovitz-Berliu, Professor Goldzieher- Budapest, Professor Leffmann-Heidelberg, Dr. Ginsburg-London, Molse Schwab-Paris, Theodore Reinach-Paris, Rabbiner Dr. Peritz- Liegnitz, Oberrabbiner Dr. M. Lerner-Altona. Die Rabbiner Dr. M. Grunwald, Prediger Dr. Leimdörser und Dr. P. Rieger-Hamburg wohnen gleichfalls den Verhandlungen bei. Zu der Eröffnungssitzung hatte sich fast der gesammte Senat und das Präsidium der Bürgerschaft eingesunden. Im Namen der Stadt Hamburg begrüßte der Bürgermeister Mönckeberg die Versammlung, als Vertreter des Deutschen Reiches Legationsrath Dr. Rosen vom Auswärtigen Amte. Begrüßungstelegramme gingen u a. ein: vom Deutschen Kaiser, vom König Oskar von Schweden und von dem Erzherzog Rainer in Wien. Von den hier gehaltenen Vorträgen seien besonders hervorgehoben: 1. Oberrabbiner Dr. M. Gaster-London „Der erste Druck des hebräischen Pentateuchs in Hamburg". 2. Dr. Rahmer-Magdeburg „Einige massoretische Bemerkungen zum Pentateuch". 3. Prof. Dr. Klein-Stockholm „Ueber das Buch Daniel". Er wies nach, daß eine Reihe von Stellen im 2., 4. und 7.Kapitel sich mit Sicherheit auf den Tyrannen Antiochus Epiphanes von Syrien deuten lassen. Er sei der Antichrist, gegen den sich der ganze Haß des jüdischen Volkes wende. In Verbindung damit wies Dr. Klein am Schluß auf den innigen Zusammenhang zwischen dem Buch Daniel und der johanneischen Apokalypse hin. 4. Dr. E. Mitwoch-Berlin „Ueber die Etymologie des Namens Essüer." 5. Dr. M. Grunwald-Hamburg „Eine Mittheilung über die Hamburger portugiesischen und hochdeutschen Juden", die sehr interessant war, und in der ausgeführt wurde: Die Hamburger portugiesisch-jüdische Gemeinde ist 1652 gegründet worden. Ihre ersten Mitglieder kamen aus Portugal, wofür Hamburger Urkunden sprechen. Ein weiteres Kontingent stellte dann Flandern. Von dort kam auch Abraham Teixera, der reichste Jude Hamburgs. Bedeutend war auch der Zuzug aus Italien. Der Ritus der Gemeinde lehnt sich an den von Livorno an. An der Spitze der Gemeinde standen Anfangs bedeutende Gelehrte und Dichter. Deutsche Juden sind in Hamburg seit 1582 nachzuweisen. Von einer eigentlichen Niederlassung kann erst 1627 die Rede sein. 1649 mußten alle deutschen Juden Hamburg verlassen. Einige blieben unter dem Titel „Dienstboten der portugiesischen Juden in deren Schutzverband zurück. Aus ihnen entwickelte sich später die eigentliche Hamburger jüdische Gemeinde. 1671 lösten sie sich von dem portugiesischen Schutzverbande los. Ein Beschluß der Hamburger Bürgerschaft im Jahre 1644, die deutschen Juden auszutreiben, kam nicht zur Ausführung. DasReglement derJudenschaftinHamburg vomJahre1710 regelte dann für länger als 100 Jahre ihre staatsbürgerlichen Verhältnisse. Außerdem hielten noch die Herren Oberrabbiner Simonsen-Kopenhagen, Dr. Ginsburg-London und Professor I. Halevy-Paris Vorträge. Von Vorträgen nichtjüdischer Gelehrten waren für uns von besonderem Interesse: Prof. Sellin über seine letzten Ausgrabungen in Palästina, Prof. Grimm-Freiburg „Der unsemitische Ablaut", Professor Nesle-Maulbronn „Die Große Cambridger Septuaginta", Prof. Merx- Heidelberg: „Der Einfluß des alten Testaments aus die Entwickelung und Ausgestaltung der Universalgeschichte" (höchst interessant, weil eine cräftige Absage an Friedrich Delitzsch und dessen Hyphothesen in Bibel und Babel), Dr. Kotelmann-Hamburg „Ueber den Farbensinn der alten Hebräer". Während der Dauer des hier tagenden Kongresses hat unsere Stadtbibliothek eine Ausstellung orientalischer Handschriften und Druckwerke veranstaltet, zu der auch in dankeswerther Liberalität aus Privatbesitz eine Anzahl seltener „Hebraica" beigesteuert wurde. Anläßlich des Orientalisten-Kongresses hielt Prediger Dr. Leimdörfer am letzten Sabbath im Israelitischen Tempel eine Festpredigt, der außer der zahlreich erschienenen Gemeinde viele Theilnehmer des Kongresses beiwohnten. An der Hand des Prophetenwortes Jesaias Kap. 51 Vers 16 erörterte Dr. Leimdörfer mit bekannter rhetorischer Meisterschaft sein Thema: „Was ist die größte Gabe des Orients an den Occident?" Es ist die Bibel, das Gotteswort. Die Wissenschaft des Orients, aus der das „lux inuuäi" alltäglich aussteigt, und ganz besonders die Erforschung der biblischen Litteratur, aus der das Licht der allgemeinen Menschenveredlung hervorbricht. Wir schöpfen in unserer Vaterstadt, wo so ausgezeichnete Forscher und Gelehrte aus aller Herren Länder zu regem Gedankenaustausch zusammengetreten sind, die Hoffnung auf die Erreichung des biblisch-prophetischen Endziels, der Einigung Aller zur höchsten Gotteserkenntniß, zur reinsten Tugend und reichsten Liebe. Die Rede wird im Druck erscheinen. — Am 10. d. M. war der Orientalisten-Kongreß von der Soeiete 6'Lxportation äes vius zu einer Probe Palästina-Weines eingeladen. Herr Bambus begrüßte die illustren Gäste, indem er die Geschichte dieses Weinbaues erzählte und darauf hinwies, daß es nicht leicht gewesen sei, den Weltmarkt für diese Weine zu gewinnen, die übrigens auf der Pariser Weltausstellung die goldene Medaille erhielten. Aber es ist gelungen. Die Hamburger Centrale verkauft jetzt jährlich etwa 30 000 bl, die anderen Verkaufsstellen weitere 20 000 bl, und mehr als 3000 Personen sind in ihrer wirtschaftlichen Existenz auf diesen neuen Produktionszweig angewiesen. Dem lebhaften Eindruck, den diese Worte hervorgerufen hatten, lieh aus den Reihen der Gäste zuerst Herr Professor Lefman-Heidelberg Worte, indem er in bewegter Rede auf die Bedeutung dieses Kulturwerks an dem Volk hinwies, das der Welt die religiöse Wahrheit gebracht habe. Moise Schwab-Paris und Dr. H. Golancz-London gaben in den Sprachen ihres Landes ihrem herzlichen Dank und ihrer Bewunderung Ausdruck. Ein Ereigniß aber war es, als sodann Ihr geschätzter Mitarbeiter Prof. Deutsch-Cincinnati sich erhob, um in — hebräischer Sprache die Fülle der Eindrücke dieser Tage zu schildern und speziell die Arbeit an der Wiedergeburt Palästinas zu feiern. Als Vorsitzender des Palästina- Vereins sprach Professor v. Kautzsch-Halle, indem er das Werk, das hier vollbracht werde, aus den Schranken der nationalen Sonderung in die Sphäre der allgemeinen Humanität erhob. Daß der berühmte alttestamentliche Theolog erklärte, bei diesem Anlaß zum er st eil Mhl eine hebräische Rede gehört zu haben, charakterisirt den vorangegangenen Nedeakt als ein Ereigniß von gewissermaßen historischer Bedeutung. Unmittelbar nachher erhob sich Dr. Posnanski zu einer zweiten hebräischen Rede, die mit einem begeisterten Hoch auf Palästina schloß. Dann gedachte noch Herr Direktor Larlau seines Kollegen Direktor Bambus, dem das Verdienst der ganzen Veranstaltung gebühre.' Rostock i. M., 15. September. Die hiesige israelitische Gemeinde. die bisher kein eigenes Gotteshaus besessen hatte, beging heute die Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Das Gotteshaus liegt inmitten eines schöllen Gartens auf einem Grundstücke in der Augustenstraße in der Steinthorvorstadt und ist zum größten Theile eine Stiftung des verstorbenen Kaufmanns Meyer Gimpel. Eine Gedenktafel im Innern verzeichnet mit goldenen Lettern hierüber Folgendes: „Dem edlen Stifter ihres Gotteshauses, dem Kaufmann Meyer Gimpel, geb. am 8. November 1834 zu Fürstenberg, gest. am 24. Juli 1897 zu Rostock, in Dankbarkeit die israelitische Gemeinde zu Rostock. September 1902." Die Synagoge ist nach den Plänen des Professors und Architekten Levy-Karlsrnhe hergestellt und unter Leitung der hiesigen Architekten Krause und Korff ausgeführt. Das Gebäude ist im romanischen Backsteinbau mit einzelnen farbiggetöuten Stützflächen gehalten und gewährt in seinem Innern einen herrlichen Anblick. Verschiedene Fenster des Gotteshauses und Einrichtungsgegenstänve sind von Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde gestiftet. Die Einweihungsfeier gestaltete sich zu einem erhebenden Akte für die hiesige israelitische Gemeinde. Die Weihrede, die einen Liefen Eindruck hervorbrachle, hielt unser verehrter Landesrabbiuer Dr. Feilchenfeld. kk. Wiesbaden, 11. September. Eine eigenartige Klage beschäftigte heute den Bezirksausschuß. Der Metzger David Stern klagte gegen denMagistrat von Frankfur t, welcherihm die Ausübung des Schächtergewerbes untersagt hatte. Dem Kläger war von zwei Rabbinern die Befähigung zum rituellen Schächten zuerkannt worden, allerdings war dies nicht in Frankfurt, sondern in Gießen der Fall, und außerdem hatte einer derselben nachträglich die Approbation zurückgezogen. Der Rabbiner zu Hanau verbot ihm null das Schächten für seinen Bezirk, da er keine Prüfung vor einem Bezirksrabbiner abgelegt habe, und außerdem seines Erachtens nicht fähig sei. das Vieh derart zu schächten, daß es nach rituellem Gebot zu genießen sei. Der Kläger wandte dagegen ein, daß er keinerlei Befehle des Hanauer Rabbiners entgegenzuuehmen habe, worauf dieser, als Stern seinen Beruf weiter ausübte, sich beschwerdeführend an den Regierungspräsidenten wandte. Dieser theilte aber dem

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