Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1902)
- Date
- 1902-09-12
- Page
- Seite 438 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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438 schwerer sein trockenes Brod verdienen muß als neun Zehntel der russischen Juden." Herr Dr. med. Mandelstamm, der der Hygiene der russischen Juden neuerdings seine besondere Aufmerksamkeit zuwendet, meint, es gäbe kein Volk, an welchem sich Jnanitionsversuche (Aushungerungsversuche) und Versuche über Licht- und Luftentziehung bequemer anstellen ließen als an den Ghettojuden in Rußland. Wo sich die äußeren Verhältnisse günstiger gestalten, ist auch eine Wendung zum Besseren zu verzeichnen, wie man an den Ackerbauern im Chersonschen und Ekaterinoslawschen. an den Flößern in Pinsk und an den Hafenarbeitern in Odessa sehen kann, welche wegen ihrer Bewegung in freier Luft und durch Entwickelung ihrer Muskelkraft ungleich gesünder und rüstiger als ihre Glaubensgenossen sind, welche infolge ungünstiger Verhältnisse in enormer Zahl der Tuberkulose verfallen. Nirgends grassirt das Trachom, diese ansteckende ägyptische Augenkrankheit mehr, als im Ghetto, von der häufig ganze Familien befallen werden. Es ist noch ein Glück zu nennen, daß diese armen Juden nicht Alkoholiker sind und durch ihre Religion zur Mäßigkeit angeleitet werden. Es ist ein Verdienst des Herrn Dr. med. Martin Englaender, prakt. Arzt in Wien, ergänzend zu dem Besagten in einem Vortrage: „Die auffallend häufigen Krankheitserscheinnngen der jüdischen Rasse" (Wien 1902, Verlag von I. Poüak) auch diesen Punkt bei den Juden im Westen auf Grund von statistischen Berichten und Beobachtungen hervorragender Fachmänner, wie Krafft - Ebing, v. Noorden u. A., beleuchtet zu haben. Es ist festgestellt worden, daß auch die Juden in Deutschland bei dem erschwerten Konkurrenzkämpfe auffallend mehr Verluste an Leben und Gesundheit erleiden als die unter denselben Bedingungen kämpfenden Nichtjuden. Ist die jährliche Zunahme der Nervosität, Neurasthenie, Hysterie und der Geisteserkrankungen ün Allgemeinen schon eine erhebliche, so stellen auch die Juden aus diesem Gebiete ein so auffallend hohes Kontingent, daß Fachmänner in hohem Grade dieser Erscheinung ihre Aufmerksamkeit zuwandten. Inwieweit das weniger widerstandsfähige Centralnervensystem doch mit der Diabetes und mit dem Glaukom (grüner Star), welche häufiger bei Juden als Nichtjuden anzutreffen sind, in Zusammenhang zu bringen ist, ist wissenschaftlich zwar noch nicht feststehend, aber für jeden Fall mit eine Erklärung für diese auffallende Erscheinung, zumal die angeborene Nervosität eine verhängnißvolle Mitgüt auf dem Lebenswege ist, mit der die erworbene verglichen viel milder erscheint. Krafft-Ebing schreibt in seiner Arbeit über „Nervosität und ueurasthenische Zustände": Unverhältnißmäßig schwer von Nervenkrankheiten, besonders Neurasthenie sind die Juden heimgesucht." Erb erklärt diese Erscheinung bei den Juden aus ihrem „unzähmbaren Erwerbstrieb", der ihnen durch Jahrhunderte auferlegt gewesenen Lebensweise, ferner aus ihrer Inzucht. Letztere soll auch der Grund sein, daß der Prozentsatz des Irrsinns bei den Juden ein ungewöhnlich hoher ist. Jndeß wird man gut thun, auf diesen Grund nicht sehr zu bauen, denn die Geschichtsforschung hat dargethan, daß selbst bis in späte Jahrhunderte hinein kräftige Einschläge anderer Nationen in das jüdische Volk zu verzeichnen sind, so daß sich das Bestehen einer typischen jüdischen Rasse wissenschaftlich gar nicht festhalten läßt, was auch die Naturforscher bekräftigen. Einer der modernsten und bedeutendsten Psychiater Deutschlands, Dr. med. Gustav Brandes, weist in seinem Buche „Der Idiotismus" statistisch nach, daß bereits auf 763 Juden ein Idiot fällt, während bei anderen Konfessionen erst beinahe auf die doppelte Anzahl ein solcher zu verzeichnen ist?, Mayr giebt an, daß unter 10 000 Israeliten in Preußen 15,27, ft Sehr treffend ist die Antwort, die der Hamburger Tempelpredigcr Dr. Paul Ri eg er auf das beständige Gerede von einer „jüdischen Rasse" und ans die falschen Konsequenzen, die man aus der gröberen Nervosität der Juden zu ziehen versnchte, jüngst gegeben hat. Sie lautet wörtlich: „In Nr. 68 Ihrer geschätzten Zeitschrift „Ernstes Wollen" finde ich auf Seite 113/14 eine Bemerkung, die ich als jüdischer Theologe nicht unwidersprochen lassen darf. Sie sprechen von der Reizbarkeit und Empfindlichkeit „gewisser Kategorien der Inden, die ebenfalls nervös zu werden pflegen, wenn mail an mit ihrer Nationalität sozusagen verwachsene Gepflogenheiten des geschäftlichen und sozialen Lebens zu rühren wagt . . . Wirklich sittlich und geistig tüchtige und gesunde Juden brauchen die Ausrottung der Nassenfrage nicht im Geringsten zu fürchten . . . Ist es doch gerade die jüdische Rasse, die von allen Anthropologen als Musterbeispiel . . . für Nassenerhaltnng und Rassenstolz hingestellt . . . wird". Sie sprechen im Anfang Ihrer Bemerkung von einer jüdischen Rasse. Ich überlasse es Ihrem Urteil, inwieweit Nationalität und Nasse identische Begriffe sind. In Wahrheit aber giebt es ebensowenig eine jüdische Nationalität oder Rasse, wie es eine katholische Nationalität oder eine katholische Rasse giebt. Das Jndenthum ist einzig und allein eine religiöse Gemeinschaft. Mit dem Sturz seimZ Tempels und mit der Unterdrückung des Aufstandes des Bar-Kochba hat es anfgehört, Nation zu sein. Losgelöst voll seinem Heimathbodei-, in dem schon damals die hebräische Sprache voll der aramäisch-syrischen und der griechischen verdrängt war, hat es alle Bedingungen zur Erhaltung eitler Nationalität verloren. Das Hebräische war lediglich Gebetssprache, die aber erst im achteil nachchristlichen Jahrhundert als solche lvieder eingeführt ward; es wurde und wird aber auch al> solche nur von welligen besonders in ihr Ansgebildeten verstanden, Das einigende Band für die Inden in der Diaspora ist allein die Religion! — Dab „alle Anthropologen" die Inden als besondere Rasse betrachten, ist mir neu. Nur ein utopistischer Schwärmer oder ein mit der Geschichte des Judenthums völlig Unvertrauter kann von eine jüdischen Rasse sprechen. Bereits in Palästina findet eine ununter brochene Mischung mit kanaanäischen nichtsemitischen Volkselementcn statt. Die Mischling mit babylonisch-assyrischen Volkstheilen ist be sonders intensiv während des sogenannten babylonischen Exils. Zum Beginn der christlichen Zeitrechnung sind überaus zahlreiche Römer um Griechen zum Jndenthum übergetreten — sogar im römischen Kaiserhau waren mehrere Proselyten. Im achten nachchristlichen Jahrhunden ist ein ganzes großes tartarisches Volk (die Chazaren) mit seinem Könn zum Judenthum übergetreten. Und diese Blutmischung hat niemalaufgehört! Von einer jüdischen Rasse zu sprechen, ist aber scholl alldem Grunde undenkbar, weil mehr als die Hälfte aller Juden anthropologisch absolut keine physische Gemeinschaft mit wirklichen Semiten hat. So ist nach Dr. Felix von Lnschan die „echte Judennase" durch aus unsemitisch — sie ist armenoid. Die statistische Erhebung über die Farbe der Augen und Haare der Schulkinder Deutschlands ergab 11.2 Prozentblondhaarige,blauäugigejüdischeKinder (Anthropologisches Korrespondenzblatt 1876, S. 102). Zum Ueberfluß verweise ich Sir auf die in den Jahresberichten der Pariser Loeieto äes etuäes zuive^ abgedruckten Arbeiten über die Körperbeschaffenheit der europäische! Juden. Vielleicht interessirt Sie eine hierhergehörige Stelle in Alfred Kirchhoffs Vortrag: Was ist national? (Halle a. S. 1902), in dem er meines Dafürhaltens unwiderleglich darthut, daß es nur ein einziges Merkmal der Zugehörigkeit zu einer Nation giebt, und das ist di Staatsbürgerschaft. „Auch die Katholiken Deutschlands," sagt er „haben ihre besondere Kultussprache, das Lateinische, ihre besonderen Kultus Handlungen, die nicht immer mit denjenigen der Mehrzahl der Nation übereinstimmen: sind sie deshalb von den Protestanten national ge geschieden? Die Staatsbürger mosaischer Konfession gehören also geradesogut zur deutschen Nation wie die übrigen Bekenntnisse, eben weil sie Bürger des Reiches sind, für dessen Errichtung auch jüdisches Blut geflossen ist. Nicht das Nassengefühl hat das Judenthum erhalten, sondern das Selbstbewußtem seiner besseren Moral gegenüber seinen Peinigern und die heilige Ueberzeugnng, für eine große, gerechte Sache zu streiten und zu leiden."