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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-09-05 · Heft 36 (5.9.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 36 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 und nahm folgende Resolution einstimmig an: „Die heute in Dra-esM Festsälen tagende Versammlung des Vereins selbstständiger Handwerker jüdischen Glaubens beschliebt, in eine energische Propaganda zur Förderung des jüdischen Handwerkerstandes behufs Schaffung eines über ganz Deutschland sich erstreckenden Centralverbandes einzutreten und ersucht den Vorstand, schleunigst die dazu geeigneten Schritte zu unternehmen." 2. Berlin, 31. August. Am 29. v. M. fand die Schlußkueipe des „Vereins Jüdischer Studenten" (im L. 0.) statt, die unter großer Betheiligung von Gästen äußerst fidel verlies. — Auch im verflossenen Semester wurde das Hauptgewicht auf die weitere Fortbildung der Mitglieder des „Vereins Jüdischer Studenten" gelegt. In der von A. M. Dr. Biram abgehaltenen Fuxenstunde besprach Derselbe die Tendenzen des Vereins, wiederholte die jüdische Geschichte vom Jahre 500—1000 und behandelte ausführlich alle jüdischen Tagesfragen. Viele Mitglieder nahmen an dem hebräischen Sprachkursus Theil, für dessen Leitung wir Herrn Rabbinatskandidaten Wilh. Levh zu Dank verpflichtet find. — Im Anschluß an seinen Geschichtskursus über die Juden des 19. Jahrhunderts (gehalten im Wintersemester 1901/02) richtete A. M. Dr. Th. Zlocisti ein historisches Seminar ein, um den Mitgliedern die Technik wissenschaftlich-historischen Arbeitens—Benutzung. Bewerthung von Quellenmaterialien—geläufig zu machen. Als Ausgangspunkt wurde M. He ß's „Rom und Jerusalem" gewählt. Die Arbeit, die im nächsten Semester fortgesetzt werden soll, war in der Weise gegliedert, daß durch Einzelreferate und Besprechungen eine eindringende Kenntniß des Werkes erstrebt wurde und durch größere Studien ausschließende Probleme behandelt werden sollten. — An den regelmäßigen Vortragsabenden, die meist von zahlreichen Gästen besucht waren, sprachen: 1. Dr. A. Nossig: „lieber jüdische Statistik"; 2. A. H. Dr. Th. Zlosti sti: „Ueber die Methode selbstständiger Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte" (als Einleitung in seine historischen Hebungen); 3. A. H. Dr. M. Eschelbach er: „Der Judenstaat" von Th. Herzl; 4. Derselbe: „Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch-österreichischen Ländern" vonScherer; 5. Vbdr.Hol z: „Antisemitismus und Strafrechtspflege"; 6. Vbdr. Emil Cohn: „Die wissenschaftliche Begründung des Zionismus durch Matthias Acher"; 7. Vbdr. E. Rosenkranz: „Die jüdische Moderne" von M. Acher; 8. Vbdr. Eugen Zlocisti: „Zur Charakterisirung der Reformbewegungen"; 9. Vbdr. F. Jacobsohn: „Emanzipation der Juden am Ende des 18. Jahrhunderts" (aus Grund von Friedländers „Sendschreiben" und der Antworten hieraus). An die Vorschläge schloß sich eine ausgedehnte, angeregte Debatte. — Neben diese theoretische Weiterbildung trat in diesem Semester zum ersten Male der Versuch, die Mitglieder auch in die thätige Mitarbeit an den modernen jüdischen Institutionen einzusühren. So betheiligte sich eine größere Anzahl an den Arbeiten des von Dr. Nossig begründeten Vereins für jüdische Statistik, Andere hielten Vorträge in den Fortbildungskursen, die der Deutsch-Israelitische Gemeindebund für die Insassen der Arbeiterkolonie Weißensee eingerichtet hat rc. Durch dieses praktische Eingreifen ins jüdische Leben soll dem Verein Jüdischer Studenten die Möglichkeit gegeben werden, nicht nur aus Büchern und Vorträgen, sondern auch aus eigener unmittelbarer Anschauung das Leben des modernen Judenthums kennen zu lernen. — Turnen und Fechten sowie die Pflege der Geselligkeit wurden, wie in den vorigen Semestern, nicht vernachlässigt. Zu provisorischen Chargirten für das nächste Semester wurden gewählt: eauä. ineä. Moses x (Claudiusstraße 6), eunä. Huris Zucker XX, eanü. Hur. Holz XXX, eanä me<1. Saling er, Kassenwart, eanä. bist. art. I. Cohn, Turnwart. Berlin, 1. September. Unter zahlreicher Betheiligung seitens der Mitglieder unserer Gemeinde fand am Mittwoch, den 27. v. M. auf dem Friedhof in Weißensee die Beisetzung der irdischen Ueberreste des so jäh aus dem Leben geschiedenen Justizraths Dr. EugenApolant statt. Der Shnagogeuchor aus der Lindenstraße leitete die Trauerfeier mit dem Vortrag des PsalmeS 16, 10—11 ein, worauf Rabbiner Dr. Weisse in seiner Grabrede das Leben und Wirken des Verblichenen würdigte. Unter Zugrundelegung des talmudischen Ausspruches: „Groß ist das Verdienst des Studiums, denn es führt zur Ausübung und Bethätigung der Gebote", gedachte er des vor einigen Jahren dahingeschiedenen Vaters des Verblichenen, in dessen Geist der nunmehr zu seinem Vater eingegangeue Sohn gelebt und gewirkt hat. Als Sohn, als Gatte und Familienvater wie aks Mensch und Mitglied der Glaubensgemeinde erfreute er sich steU großer Beliebtheit und guten Rufes, und sein Name wird wie der seims Vaters in unserer Gemeinde fortleben. Hieraus gab Gehein,er Sanität? rath Dr. Blumenthal in sehr bewegten Worten Namens der R.- präsentantenversarnmlung der Trauer und dem schmerzlichen Verluste Ausdruck, den diese Körperschaft wie die Gemeinde überhaupt durch dcs so frühe Hinscheiden des Verewigten erlitten hat. Nach einer kurzen Ansprache des Rabbiners Dr. Blumenthal, als Freund des Hause,, und dem üblichen Gebete erfolgte die Beisetzung in der Ehrenreih?. Lp. Aus -er Provinz Posen, im August. Kantor Weinberg in Grä tz ist zum Kultusbeamten der Synagogengemeinde Insterburg berufen worden. — In Kosten ist neulich der Stadtälteste unb> Kaufmann Meier Plonsk im Alter von 72 Jahren gestorben. Derselbe war ca. 40 Jahre Synagogengemeindevorsteher und hat als solcher sowie als Stadtverordneter viel Segensreiches geschaffen. -- Dem israelitischen Steinmetzmeister Schier in Colmar find vom Oberpräsidenten und von der Handwerkerkammer in Posen 150 Mcuk zum Besuch der Düsseldorfer Kunstausstellung überwiesen worden. - Kaufmann I. Feibelsohn in Schildberg ist zum Magistrats- Mitglied neugewählt worden. — In Mixstadt haben mehrere Schnlknaben den jüdischen Friedhof durch Zerstörung und Besudelung vo r Denksteinen geschändet. Die Missethäter sind bereits ermittelt. — Bri der am 22. d. M. unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Ressel in Ostrowo stattgehabten Repräsentantenwahl wurden die Herren Wilhelm Kaiser. Leopold Weitzen und Martin Pilz gewählt. Die Wahl erfolgte zum ersten Male nach dem daselbst eingeführten Dreiklassenwahlshstem. — Der Vorstand der Synagogengemeinde in Kemp eil hat den Kantor Bloch aus Könitz zu seinem Kultusbeamten gewählt.— Die jüdische Lehrerstelle an der Volksschule zu Jutr o s chi n ist dem Lehrer Saloschinski aus Kempen übertragen worden. - Lehrer Naftauiel in Pakosch hat sein öffentliches Amt aufgegeben, um die Stelle eines Präparandenlehrers in Berlin zu übernehmen. - Die Stadtverordneten in Schildberg haben beschlossen, wegen der jüdischen Feiertage im Oktober die dortigen Wochenmärkte auf andere Tage zu verlegen. — In Bärwalde ist die Synagoge erbrochen und vollständig beraubt worden. Man ist den Thätern bereits auf der Spur. Leipzig, 27. August. Der Gesangverein „Jadassohn, welcher vor nahezu zwei Jahren gegründet wurde, und die Genehmigung zur Führung des Namens voll dem verstorbenen Professor Jadassohn selbst erhielt, feierte am 24. August v. M. sein diesjähriges Sommerfest. Dasselbe verlief unter großer Betheiligung unserer Glaubensgenossen in durchaus gelungener Weise. Ein sehr reich haltiges, vielseitiges Programm unterhielt Jung und Alt, und gaben die Veranstaltungen Zeugniß, daß der Verein in recht erfreuliche c Weise vorwärts strebt, gesanglich und darstellerisch tüchtiges leistend. Es ist zu hoffen, daß das Interesse der hiesigen jüdischen Bevölkerung, welches durch den überaus zahlreichen Besuch des Festes zum Ausdruck kam, dem Gesangverein Jadassohn dauernd erhalten bleibt, und es letzterem gelingt, dieselbe immer mehr für die Pflege des Gesanges zu interessiren. (D Bad Liebensteirr, 21. August. Wie entgegengesetzt sich oft die Geistesströmung ganz nahe liegender Ortschaften zeigt, beweis! solgende Wahrnehmung: In Ihrer Nr. 23 vom 6. Juni führen Si unter anderem mit Recht das Badeplätzchen Großtabarz als anti semitisch an. — Eine knappe Stunde Fußweg entfernt liegt der be kannte Kurort Friedrichroda, wo keine Spur von Antisemitismus herrscht, und wie sieht es in dem nahen thüringischen Lieben st ein aus? Hier hat sich selbst die Badedirektion an den Kultus in Koburg gewandt, um den dortigen israelitischen Restaurateur zu veranlassen, während der Saison in einem der Direktion gehörigen Hause eine rituell. Speiseanstalt zu unterhalten, so daß ein Prosperiren des Unternehmern unausbleiblich sein muß, und daß sich unsere Glaubenstreuen freuen rvürden, wenn überall solche Restaurants existirten. — Osnabrück, 28. August. Die solgende Entscheidung von alN gemeinem Interesse hat der hiesige Regierungspräsident jüngst gefällt. Ein Schlächtermeister in P. hatte seinen Sohn am Sabbats nach L. fahren und durch ihn Fleisch dorthin bringen lassen. Auf die Meldung des Synagogeuvorstehers an den Landrabbiner Dr. Löb „asserte" Dieser den betreffenden Schlächter und wies den als Gemeindeschächter fungirenden Lehrer an, an dessen Schlachtthiereu nur die Schechitah, aber nicht die Bedikah vorzunehmen. Auf die gegen diese Anordnung bei dem Regierungspräsidenten erhobene Beschwerde

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