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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-09-05 · Heft 36 (5.9.1902) · p. Seite 432

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 36 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
Seite 432 (sequence 14)
Language
German
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432 Gracias Garcias, S. 26 statt Ferdinades Fernandes. S. 55 muß es statt Luther Lucauus. S. 136 statt Dorstius Vorstius. S. 141 statt Guebia ben Pesria ben Pesisa und statt Parasot Hekel Hekeb (Ekeb) heißen. Trotz dieser und anderer kleinen Ungenanigkeiten. welche leicht zu vermeiden gewesen wären, ist das Werk des Herrn Wolf eine sehr bedeutende Leistung, und sehen wir dem von ihm verheißenen größeren Werke mit Vergnügen entgegen. — Die „Amerikanisch-jüdisch-historische Gesellschaft", welche gegenwärtig 227 Mitglieder zählt, veröffentlicht mit anerkenneswerther Pünktlichkeit alljährlich einen Band ihrer „^udlieattons". Der vor billigen Monaten ausgegebene nennte Band reiht sich, was Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit betrifft, den früher erschienenen acht Bänden ebenbürtig an. Den Reigen der in diesem Bande enthaltenen Arbeiten eröffnet Professor Dr. Cyrus Adler, derzeitig Präsident der Gesellschaft, mit einer großangelegten Rede, in der er die Aufgabe der Gesellschaft zur klaren Darstellung bringt. Ihm folgt I. Jacobs mit einigen recht beherzigenswerthen Winken für die projektirte Amerikanisch-jüdisch-historische Ausstellung. Professor Richard Gottheil behandelt nach einer in Sevilla voll ihm aufgesundenen Relation einen Geistlichen aus Havanna namens Joseph Diaz Pimienta. der nach verschiedenen Wandlungen sich zum Judenthum bekannte und mit fünf anderen Marranen den 25. Juli 1720 in Sevilla zum Feuertode verurtheilt wurde. Von Interesse sind die durch Gottheit wieder zum Abdruck gebrachten Verzeichnisse der jüdischen Plantagenbesitzer in Surinam; der dort genannte Abraham Dovalle ist de Balle; für Pona ist Pina und für Oniro wahrscheinlich Querido zu lesen. Memento« ist sicher kein Jude. In der 1730 gegründeten Stadt Lancaster, mit der H. Necarsulmer sich beschäftigt, befanden sich siebzehn Jahre später schon zehn jüdische Familien; einer der frühesten Ansiedler war der Arzt Isaak Cohen ans Hamburg, der mehrere Jahre in Kopenhagen studirt hatte. L. Hübner weist überzeugend nach, daß die ersten Inden, welche sich in Newyork ansiedelten, aus Recife in Brasilien, das von den Portugiesen erobert worden war, vertrieben, nach einem kurzell Aufenthalt aus einer Insel Westindiens, nach New-Amsterdam oder Newyork gekommen sind. Eine neue Phase in der Geschichte der Juden Amerikas bildet die Einwanderung der deutschen Juden, welche viel früher begonnen hat, als gewöhnlich angenommen wird. Jll Newyork und anderen Städten siedelten sich schon im Jahre 1712 Juden aus Deutschland, Ungarn und Polen an, und in Newyork, Philadelphia u. a. legten deutsche Juden zu Allfang des vorigen Jahrhunderts den Grund zu mehreren heute blühenden Gemeinden; die Gemeinde Ansche Chesed in Newyork, viele Jahre die größte in den Vereinigten Staaten, wurde 1830, wahrscheinlich noch früher gegründet. Von dem Jahre 1836 an nahm infolge der Ausnahmsgesetze die Auswanderung der Juden ans Deutschland, besonders aus Bayern, Baden und Württemberg, von Jahr zu Jahr zu, wie dies von dem überaus fleißigen Dr. Max I. Köhler an der Hand einer reichen Litteratnr nachgewiesen wird. In eingehender Weise behandelt I. D. Eisenstein die 1852 gegründete erste russisch-amerikanisch-jüdische Gemeinde in Newyork, deren erster Rabbiner der wohl aus dem Großherzogthum Posen eingewanderte Rabbiner Asch, mit einem Gehalt von monatlich zwei Dollars, und deren erster Maggid oder Prediger Josua Falk Cohen aus Kornik war. Falks 1860 in Newyork erschienener Kommentar zu dem Traktat Aboth war das erste in Amerika gedruckte jüdisch-wissenschaftliche Werk in neuhebräischer Sprache. Seite 65 muß es statt Hamaskir Nr. 49, IV. 27 heißen. Wegen eitles Schächters kam es zu Streitigkeiten zwischen dem Rabbiner und der Gemeinde, welche die Angelegenheit dem bekannten Lemberger Rabbiner I. S. Natansohn, dem Verfasser der unter dem Titel „Mephorsche Ha-jam" erschienenen talmudischen Novellen — nicht wie Herr Eisenstein Seite 66 meint, „den Galizischeu Rabbinern bekannt als Mephorsche ha-jam" (ttis Oalieiau ttabbis knovvn a8 Uepborselio ba-fiun)— zur Entscheidung vorlegte, führten zur Gründung einer neueil Gemeinde, zu der mehrere portugiesische Juden die Mittel boten, und in der N. Asch als Rabbiner fungirte. Doch auch in der neuen Gemeinde kam es zu einem Zerwürsniß zwischen dem Rabbiner und dem Vorsteher, sodaß Jener mit seinem Anhang aus der Gemeinde schied und eine neue gründete, welche das „Große Beth Hamidrasch" genannt und am Sabbath Nachmn — Herr Eisenstein schreibt Nachenü — 1859 eingeweiht wurde. Später wurde Asch Geschäftsmann und als solcher Vorsteher seiner Gemeinde, verlor aber nach einigen Jahren sein Vermögen und wurde, durch die Umstände gezwungen, wieder Rabbiner mit einem monatlichen Gehalte voll 25 Dollars, den er bis zu seinem am 6, Mai 1887 erfolgten Tode bezog. — Dieser Band, der noch mehrere kleinere Arbeiten von Köhler, Friedenwald, Hübner! und Berkowitz enthält, schließt mit den Nekrologen einiger der im Jahre 1899 und 1900 verstorbener verdienstvoller Männer, wie Charles P. Daly, der, ein warmer Freund der Juden, der Verfasser des für die Geschichte der Juden in Amerika bahnbrechenden Werkes ist, das voil Max I. Köhler mit vielen Ergänzungen und Zusätzen 1893 in neuer Auflage erschien; Jakob Ezekiel, der Vater des berühmten Bildhauers Moses Ezekiel, der für seine Glaubensgenossen oft in die Schranken trat u. a. m. Frtterarifche Mittheitrmgen. ---- Jahr-Kaddisch für Simchat Thora von Hermann Zivi. Hat der Tollrist unter Mühen und Anstrengungen den Gipfel eines Berges erklommen, so gewährt es ihm einen ganz besonderen Genuß, sein Auge thalwärts zu lenken, um noch einmal vor seinem Scheiden an dem zusammenfassenden Anblick hervorragend schöner Punkte sich zu erfreuen. Auch wir Vorbeter werden bald am Fuße eines Berges von zwar weihevoller, aber anstrengender, unsere ganze Kraft und Hingebung erfordernder Arbeit stehen. Wohl nehmen schon die Jomim noroim unsere physische und psychische Kraft in Anspruch, aber der erfahrene Chasan wird gerade an diesen Tagen mit seinen ihm verliehenen Gaben hanszuhalten wissen, um den Allforderungen gerecht werden zu können, die noch das Sukkothfest an seine Leistungsfähigkeit stellt. Mit dem Feste der Gesetzessreude ist endlich der lange, arbeitsreiche Weg zurückgelegt und. wie der am Ziele angelangte Tourist auf die durchschrittenen schönen Punkte, blicken auch wir zurück auf die vielen herrlichen, melodischen Blüthen, mit denen wir das ganze Festjahr hindurch bestrebt waren, unsere Zuhörer zu erbauen und zu erheben. Die schönsten dieser Blüthen binden wir mit mehr oder minder gutem Geschmack zu einem Melodieenstrauß. und bieten diesen unseren Zuhörern am Schlüsse des Simchas Thora-Gottesdienstes in dem unter dem Namen Jahr-Kaddisch bekannten Potpourri dar. Herr Hermann Zivi, Oberkantor in Elberfeld, hat nnn unsere Synagogengesangslitteratur zu sehr gelegener Zeit durch die Veröffentlichung eines solchen Jahr-Kaddisch bereichert. Es ist als Op. 10, für Kantor und Orgel komponirt und der Synagogengemeinde Elberfeld gewidmet, bei M. W. Kaufmann, Leipzig, erschienen und zeichnete sich durch geschmackvolles, äußerst geschicktes Arrangement aus. Die uns liebgewordenen Festesklänge ziehen Lheils ganz, theils fragmentarisch, zwanglos mit einander verknüpft, noch einmal an unserem Ohre vorüber. Wie hellblinkende Perlen, aufgereiht an einer Schnur, sind diese melodischen Phrasen dem Text vortrefflich angepaßt, werden sie in ihrer Wirkungsfähigkeit nicht unwesentlich gehoben durch eine naturgemäße, interessante Orgelbegleitung, welche den tüchtigen, gewandten Harmoniker sofort erkennen läßt. Wenn ich noch besonders die leichte Sing- und Spielbcnkeit hervorhebe, so möchte ich auch dadurch das Augenmerk der Kollegenschaft in großen und kleinen Gemeinden auf das gelungene Ziviffche Jahr-Kaddisch gelenkt haben, das nach Anlage und Durchführung als eine Pi^ce von vortrefflicher Wirkung bezeichnet werden muß, und die weiteste Verbreitung verdient. P a r te nk irch en, 10. August. E. Kirsch ner. Kriefkasterr der Redaktion. I^. k". und 8. k'.: Das „Gebet eines Arztes", das Moses Maimonides zugeschrieben wird und aus einer hebräischen Handschrift des XII. Jahrhunderts stammt, dessen Veröffentlichung in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" (Nr. 32, S. 580) wieder allgemeines Interesse erregt, ist bereits von Dr. M. Kayserling iu der „A. Z. d. I." (1863) publizirt und seither voll Professor Pagel (1892. Nr. 25) noch einmal besprochen worden. Es findet sich auch in Ludwig PhiliPPsons „Weltbewegende Fragen" <Bd. II., S. 159 ff.). Vergleiche auch den Hinweis darauf in Haeser: „Geschichte der Medizin", I., 837, Anm. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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