Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1902)
- Date
- 1902-08-29
- Page
- Seite 420 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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420 Lea schüttelte den Kopf.Ach nein, — ich habe es längst aufgegeben, in unserer Ehe noch nach Lichtpunkten zu suchen .. Ich weiß jetzt, daß er mich nur des Geldes wegen geheirathet hat; — er giebt sich keine Mühe, das zu verhehlen, — und auch, daß er meine Eltern, wie alle Juden, gründlich verachtet." „Liebes Kind, verzage nicht! — Der liebe Gott wird schon alles zuin Guten lenken! — Dein Liebreiz, Deine Güte werden mit der Zeit sein Herz gewinnen. Wie sollte er Dich nicht lieben! — Und dann wird er auch Deine Eltern schätzen lernen. Es wird noch alles gut werden!"- „Niemals! — Wir müßten denn von einander gehen!" „Wenn es keinen anderen Ausweg giebt," sagte Tante Blümchen erschüttert, — „dann thue es! Thue es gleich! — Es ist besser, als in einer liebeleeren Ehe verharren!" „Wie kann ich das meinen Eltern anthun?" murmelte Lea... „Und wenn auch. — ich darf ja nicht; es ist noch etwas anderes, was mich fesselt.. Tante Blümchen fragte nicht weiter. Sie küßte das junge Weib und sagte liebreich: „Harre aus! — Weuu Du erst ein Kind auf den Armen wiegst, wird alles anders werden!" Schritte näherten sich der Thür. „Es kommt Jemand zu Dir!" sagte Lea, sich hastig aus der Umarmung der Alten losend, — „ich muß gehen!. .. Leb' wohl, Tante Blümchen, Hab' Dank! Ich komme bald wieder." Und hinaus war sie. Draußen, im dunklen Flur, schlüpfte sie an einer Mäunergestalt vorbei; — sie sah ihn nicht an, — sie fühlte, wer es war. „Guten Abend, Tantchen!" sagte Sallh Silbersteiu eintretend. „Guten Abend, — besuchen Sie mich mich einmal?" sagte Tante Blümchen etwas befangen. . . Noch schwebte das feine Parfüm, das Leas Kleidern anhaftete, in der Luft. „Ich habe soeben Besuch gehabt!" sagte sie endlich tapfer. „Ich bin ihr draußen begegnet!" antwortete er gelassen... „Sie ist sehr unglücklich, Sallh!" „Das konnte ich mir denken! Sonst wäre sie nicht zu Ihnen gekommen! — So lange es ihr wohlging, fand Sie den Weg zu Ihnen nicht!" . . . „Was thun, Sallh?" klagte die Alte. „Es ist schrecklich! — Sie ist sehr unglücklich mit diesem Manne!"- „Sie hat es so gewollt!" sagte er kurz. „Wie-Sie haben kein Mitleid mit ihr? — — Sie haben sie doch so lieb gehabt!" Er zuckte die Achseln. . . „Das ist längst vorüber!" „Längst vorüber!" dachte sie betroffen. „Ich hielt seine Liebe für stärker. . . Aber freilich, — sie war es, die sich von ihm wandte. . . Soll er ihr ewig nachtrauern? Die Flamme, die keine Nahrung erhält, erlischt, wie meine Chanuckalichtchen dort. . . Wahrhaftig, — ich wundere mich sogar, daß er bis jetzt noch nicht ein neues Glück gesucht hat. ... Es werden ihm so viele Anträge gemacht, — er braucht nur znzugreifen. Wahrhaftig, es ist Unrecht, daß er noch nicht verheirathet ist. Ich will ihm zureden!" Und laut fragte sie: „Sagen Sie mir doch, Sallh, — ich bin ja Ihre alte Freundin und Vertraute, wann werde ich denn bei Ihrer Hochzeit tanzen? — Es darf nicht zu lange inehr dauern, sonst wollen meine alten Füße nicht mehr recht." „Mein Gott, — ich weiß nicht, — ich bin noch nicht entschlossen," murmelte Sallh. „Ich dachte, Sie werden sich doch für Evi Goldmann entscheiden!" meinte die Alte, „es ist ein liebes, nettes Mädchen, — vermögend. . . Sie wären Goldmanns ein willkommener Schwiegersohn." „Ich glaube auch, es wird das Beste sein," sagte er zerstreut. „Ich gehe morgen und halte um Evi an. . . . Sie wird ein gutes Weib sein, — sie ist sanft und bescheiden." ... „Gott segne Ihr Vorhaben!" sagte Tante Blümchen. „Werden Sie glücklich und machen Sie Evi glücklich!" (Fortsetzung folgt.) Spveehsaat. Sehr geehrter Herr Doktor! ezüglich des fraglichen Nathan Nieß (s. Nr. 32 Beil.. Spalte 1) bin ich in der Lage, Folgendes mitzutheilen. Nach Landshuth's nachgelassenen „Materialien", V. S. 146, jetzt irn Besitze des Herrn Sanitätsrath Dr. Neumann in Berlin, mit dessen gütiger Erlaubnis; ich im Jahre 1893 von so mancher Notiz über Berliner Künstler w. Gebrauch machen durste, und nach seinem ^muäe lm-^dcxla p. 283 zählt Nieß zu den — Täuflingen und hat demnach für die Leser der „Zeitung des Judenthum" nur noch bedingtes Interesse. Rieß war hebräischer Dichter. Sein Sohn wird von Landshuth als Schauspieler Neisler in St. Petersburg bezeichnet, wie dort der Name des Vaters Reis und nicht Nieß geschrieben wird. Manche hebräische Dichtungen des Nathan Rieß sind den Bibliographen bekannt, so ^1^2 (Berlin 1801 auch in meinem Besitze) und '"W (Einweihungslieder für die Synagoge zn Potsdam, nicht wie bei Fürst III 157 für Breslau. Berlin 1802). Nur sein Merkchen 2^2^' enthaltend Dichtungen zum 50 jährigen Amtsjubiläum des Berliner Vorbeters Aron Beer und zum 100 jährigen Jubiläum der alten Synagoge (fehlt bei Geiger, Geschichte) sucht man bei ihnen vergebens. Es fehlt auch bei Ben Jacob, befindet sich aber in der Landshnth'schen Sammlung (Katalog 832). In der Einleitung erzählt Rieß ein Bonmot, welches hier wiedergegeben werden möge. Danach habe einmal der Rabbiner Hirschel, hingerissen von der mächtigen Stimme des genannten Vorbeters, geäußert, schon der Versanfang 221*^2 ^8 21221^ ^ule im Akrostichon auf Rabbi Aron Beer hin- 21', ."l"2 "jldttN 122N8 1'^v "IIN, 2'N "Q"! ,2'22 : ^"2? 11812228. kr« k221 kW ^22 '7!°? 22W2 wir« 222k 122'8 '2'2 :2'^1V 212'22 'V82 ->2. 221212 212212 »12 222 'Q '222 -!22'2 In meinem Nachrufe „Lewandowski" (^eseburun 1894), woselbst ich von alten Musikern und Vorbetern Berlins spreche und auch Nathan Rieß erwähne (S. 124, 1 unten), führe ich über das Bildniß Aron Beers, welches auch in der königlichen Bibliothek zu Berlin vorhanden ist. zwei musikalische Quellen an, die ich bei Wolf (in dem David Kaufmann-Gedenkbuch S. 633) vermisse. Das Bildniß Beers, welches früher der von Landshuth vielfach augesührte alte Speyer besaß, der mir noch manche Melodie dieses alten und berühmten vorsang, ist jetzt durch die gütige Vermittelung meines unvergeßlichen Freundes und Kollegen A. Mark so hu in meinem Besitz. Auch besitze ich eine Originalnotenhandschrist desselben Beer, über die ich a. a. O. berichte und aus der hervorgeht, daß die heute als „traditionell" bekannte deutsche /llH^^-^Melodie von diesen; berühmten Vorbeter kompouirt ist (a. a. O. S. 171). Königsberg i. Pr., 13. August. Ed. Birnbaum. ö Geehrter Herr Redakteur! ie mir das Centralkomitee der ^.lliaoee israulita universelle in Paris miltheilt, reist nach einem Bericht des Alliancevertreters in Stuttgart, Jemand, der sich L. Katz aus Hamburg nennt, angeblich im Austrage des Centralkomitees, um die Jahresberichte der Alliance zu verkaufen. Da Niemand von dem Centralkomitee dazu beauftragt ist. und der Betreffende auch noch dazu bettelt, so wird hiermit vor demselben gewarnt. Baden-Baden, 20. August. Rabbiner Dr. Frank-Köln. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.