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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-08-22 · Heft 34 (22.8.1902) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 34 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
Seite 407 (sequence 13)
Language
German
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407 «richten die tiefationen lach so Epoche > wenn vir der lach viel den, in artigen lzfahrer chlagen er Verhönheit eld mit merkte nt kam etwas " war. „chic"! ich um manche rgeben ruf der unveras ins mmengling", chieden Herren aerlich. l Bos- Lner n war wieder ilmord staucht lich ist ie Bemen?" lschena sehr hm - früheren Glaubensgenossen eintreten — aber wir sind absolut unparteiisch ... Wir glauben daran; es steht sa auch im Talmud." „Haben Sie den Talmud gelesen?" „Ich? - Nein!" „Nun, haben Sie ja das beste Urtheil; — durch keinerlei Sachkenutniß getrübt!" sagte Lea spöttisch. Auch bei der „Kommandeuse" war Lea nicht sonderlich glücklich . . . „Nun, da haben wir ja die junge Frau!" sagte die hagere Dame mit dem spitzen Kinn und den stechenden Augen in freundlich sein sollendem Tone. Mit kundigem Blick überflog sie dabei durch die Lorgnette den Anzug der jungen Frau und taxirte ihn sofort als sehr kostbar. Unglaublich! Was solche Leute sich leiste» konnten! — Eine simple Leutnantsfrau! — Und sie, die Kommandeuse, trug dasselbe braune Seidenkleid nun schon seit drei Saisons! — Diese Jüdin! „Nun, meine Beste, wie leben Sie sich in unseren Kreisen ein?" fragte die Dame mit katzenartiger Freundlichkeit. Sie vermied es konsequent, Lea „Frau Gräfin" anzureden. „O — ich danke, gnädige Frau, — recht gut! — Es ist ja nicht so schwer!" „Ich sollte doch meinen!" lächelte die Dame. „Es ist schwerer, als Sie glauben! — Sie werden erst noch sehen, daß es da eine M^nge für Sie zu lernen giebt, kleine Frau!" „Ich werde mir die größte Mühe geben!" sagte Lea. „Dagegen werden Sie auch manches bei uns vermissen, woran Sie früher gewöhnt waren. — Zum Beispiel der Luxus, — der ist bei uns nicht heimisch!" „Das richtet sich doch wohl nach Geschmack und Vermögen der Einzelnen, gnädige Frau!" sagte Lea, innerlich empört. „Ah!" Die Kommandeuse hob ihre Lorgnette und maß die kühne Sprecherin von oben bis unten. „Sie haben bis jetzt in den Kreisen der Geldaristokratie gelebt, die werden Sie bei uns vermissen!" „Und in denen der Geistesaristokratie!" replizirte Lea schnell. „Die werde ich hier wohl auch vermissen!" Ein verzerrtes Lächeln auf dem spitzen Gesicht, rauschte die Dame davon. Lea blieb tief aufathmend stehen. Sie blickte aus und sah in ein paar lächelnde Gesichter. Einige jüngere Offiziere hatten das Gespräch der beiden Damen aus einiger Entfernung mit angehört. „Schneidig, die kleine Jüdin! — Wie sie der Alten kräftig gedient hatte!" — Sie gönnten der allgemein Unbeliebten diese Abfertigung wenn auch das, was die junge Frau von der „Geistesaristokratie" gesagt hatte, für die ganze Gesellschaft nicht gerade schmeichelhaft war. Gleich viel! — Ihr durfte man solch eine scharfe Kritik verzeihen, — denn sie war reizend! — So kam es, daß Lea den ganzen Abend von einer Korona von Herren umgeben war — und sie stand mitten in dem Kreise scherzend, lachend, plaudernd wie ein lustiger Backfisch, — und doch auch gebietend wie eine Königin. Oft auch flog sie wie ein graziöser Schmetterling mit irgend einem beliebten Tänzer durch den Saal, während eine ganze Reihe junger Mädchen beharrlich die Wände zierte. „Ein herrliches Weib!" sagten die Herren, — eine aufdringliche kokette Jüdin!" — die Damen. Als Lea in der Tanzpause sich mit einigen Herren eifrig unterhielt, trat plötzlich der Gatte auf sie zu. „Wir wollen nach Hause fahren!" sagte er bestimmt. „Schon? - Es ist doch noch früh?" — „Aber Graf, — Sie sind ein Barbar, wenn Sie gnädige Frau schon jetzt der Gesellschaft entziehen!" sagt« einer der Leutnants. „Thut mir leid, — habe rasende Kopfschmerzen!" sagte der Graf. „Oh," rief sie erschrocken, — „dann fahren wir natürlich gleich!-Adieu, meine Herren!" — — Unterdrücktes Lachen tönte ihnen nach. „Rasende Kopfschmerzen! Hahaha!"- „Wer's glaubt! Wollte sie blos hier fortkriegen! — Paßt ihm nicht, daß Andere ihr Cour schneiden!" „Na, — kann ihm nicht übel nehmen, wenn bischen eifersüchtig ist! Junger Ehegatte in Flitterwochen!" — „Flitterwochen?" meinte ein Anderer malitiös . . . „Eifersucht? — Na — glaube nicht, daß Ehe gerade glänzend ist." „Wirklich? Meinen Sie, Kamerad?" „Na, — man sieht doch! — Weiß allerdings nichts Bestimmtes, — aber hat stark den Anschein."- -t- * * Sie schritten stumm neben einander die Treppe hinab. Er hatte die Stirn in düstere Falten gezogen; — sie sah eS mit scheuem Seitenblick. Endlich im Wagen fragte sie schüchtern: „Hast Du sehr heftige Kopfschmerzen?" „Nein!" kam es kurz zurück. „Aber warum sind wir denn gegangen?" „Weil ich nicht länger mitansehen wollte, wie meine Frau mit den jungen Herren kokettirt!" „Kokettirt? - Horst!"- „Meinst Du, man hat es nicht bemerkt? Meinst Du. ich habe nicht gesehen, wie sie die Köpfe zusammensteckten und zischelten? - Und — sogar auch gehört! — — Ich hatte genug!" „Böswillige Verleumdung!" sagte sie empört. „Und Du glaubst--?" „Ob ich glaube oder nicht glaube; — mir ist es schon genug, daß Dil Anlaß zum Reden giebst. Du hast Dich unpassend benommen und mich kompromittirt!" „Mein Gott, — weil ich ein bischen vergnügt war? Ich hatte es wahrhaftig nöthig genug!" „Diese laute Fröhlichkeit, — diese — jüdische Lebhaftigkeit Paßt nicht in unsere Kreise!" „Es ist bereits das zweite Mal heut Abend, daß Du mir, mein Judenthum vorwirfst. . . Du hättest es Dir überlegen, sollen, bevor Du mich heirathetest!" „Und die Oberstin hast Du auch beleidigt!" sagte er heftig, ohne auf ihre Entgegnung einzugehen. „Du machst mich unmöglich beim Regiment! — Ich werde noch deinethalben des Königs Rock ansziehen müssen!" — »Ich sagte Dir ja schon, — warum hast Du das alles nicht früher bedacht, ehe Du mich heirathetest?" sagte sie eisig. „Nun ist es zu spät!" „Ja, nun ist es zu spät!" sagte er brutal. Der Wagen hielt. „Gute Nacht!" sagte sie aussteigend, die Hilfe, die er ihr aus höflicher Gewohnheit bot, verschmähend. „Und daß Du's nur weißt: ich werde die Gesellschaften dieser dummen, hochnäsigen, verbohrten Sippe nicht wieder besuchen!" * * *

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