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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-08-15 · Heft 33 (15.8.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Nürnberg begraben wurde, erschien im Auftrag der Centrumsfraktion einer ihrer Führer, allerdings ein Mann von seltenen Eigenschaften, der Obertandesgerichtsrath Geiger, um am Grabe Frankenburgers mit einer Rede voll der Anerkennung einen Kranz niederzulegen; als vor einigen Jahren der Abgeordnete Maijon hier begraben wurde, erschien wiederum im Aufträge der Centrumsfraktion derselbe Abgeordnete Geiger, um ebenfalls nicht mit Redensarten, sondern mit Worten, wie sie nur diesem überzeugungstrenen und von voller Wahrheitsliebe durchdrungenen Manne eigen sind, die Verdienste des Verstorbenen zu feiern. Reiht man die Worte des Gemeindevevollmächtigtenvorstandes Huber daran, so kann die bayerische Fudenschaft wohl behaupten, daß aus ihren Reihen hervorragende und verdiente Patrioten, die erfolgreich im Dienste des Vaterlandes thätig gewesen, hervorgegaugen sind. Und dasselbe Centrum hat den Antrag Heim in der bayerischen Abgeordnetenkammer durchgedrückt, wonach Juden nur im Verhältniß zur Bevölkerungsziffer als Jnstizbeamte angestellt werden sollen. Also: wenn Frankenburger, der Jurist war, Maison und Guggenheimer hätten Justizbeamte werden wollen, hätten sie nicht angestellt werden dürfen, wenn zufällig nach der Bevölkerungsziffer nicht gerade eine Stelle sür einen Juden frei gewesen wäre. Trösten nur uns, mehr als das Lob des Gegners können wir für die Unserigen nicht verlangen. Andererseits wäre es undankbar, nicht anerkennen zu wollen, daß sich in der Centrumsfraktion Männer finden, welche lrotz der grundsätzlichen Gegnerschaft den aus unseren Reihen hervor- ^egaiigenen Patrioten die gerechte Anerkennung ihrer Verdienste mit Freuden gewähren. ----- Muttchen, 8. August. Unter za hlreicher Autheilnahme seitens der Münchner Beamten- und Geschäftswelt wurde am Donnerstag Vachmittag im israelitischen Friedhofe Herr Hermann Uhtfelder, Privatier und königlicher Handelsrichter, zn Grabe getragen. Nabbinatsülbstitut Dr. Finkelscherer führte in der Leichenrede aus, daß der Verdorbene. der Sproß einer alten, angesehenen Familie, Ehrenhaftigkeit der Gesinnung, Biederkeit des Charakters und Festigkeit der liebereugung in sich vereinte, daß er sich die Anerkennung aller Schichten der Bevölkerung, mit denen er in Berührung kam, zu erwerben wußte, daß er. von der Krone zum Handelsrichter ernannt, dieses verantwortungsvolle Amt eine Reihe von Jahren mit seltener Pflichttreue bekleidete, daß ihn seine Glaubellsgenossen in den Gemeindeulsschuß abordneten, wo er an der Stelle seines Vaters sechs Jahre hindurch mit edler Begeisterung wirkte, und daß er nicht nur seinem Familienkreise, sondern der weitesten Oeffentlichkeit seine Fürsorge zuwendete und im Stillen vielen Segen spendete. An dem mit einer Fülle von Kränzen geschmückten Sarge halten auch die Kollegien des Landgerichtes München 1, die durch eine Deputation bei der Beerdigung vertreten waren, einen Kranz niederlegen lassen. n. Karlsruhe, 8. August. Es sind sehr weite Kreise, deren Teilnahme durch die Nachricht von dem am 28. v. M. erfolgten Tode des wnsuls und Verlagsbuchhändlers Josef Bielefeld hervorgerusen!ein wird. In unserer Stadt gab es kaum ein soziales oder Bildnngsnlteresse, das durch den nun Verstorbenen nicht wäre geförd ert worden. Charakteristisch für die Sinnesart Bielefelds war die unermüdliche Fürsorge, die er dem hiesigen Volksbildungsverein von seiner Begründung an zugewendet hielt. Das spricht sich auch in dem Autheil uns, den er au der Deutschen Schillerstiftung und am Germanischen Museum genommen hat. Am schwersten betroffen wird der deutsche Buchhandel durch diesen Todesfall. Denn hier hat Josef Bielefeld cine der erstell Stellen eingenommen. Er war Vorsitzender der Deutschen Verlegerkammer, Begründer und 15 Jahre lang Vorsitzender des Deutschen Verlegervereins, gehörte dem Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler an rc. zc. Neben den durch solche Stellung bedingten Pflichten hatte der unermüdliche, thatkräftige Manu durch die Leitung seines Verlagsgeschäftes, das vom 1. Juli 1882, nachdem er die von seinem Vater begründete Hofbuchhandlung in andere Hände batte übergehen lassen, und durch Ausübung des mühevollen Amtes als k. und k. österreichisch-ungarischer Konsul ein überreiches Feld der Thätigkeit. Aber nicht nur die Menge, weit mehr die Intensität seiner Arbeit machte das Wirken dieses Mannes sehr werthvoll und bedeutsam. Wohl wurde es ihm äußerlich gelohnt durch Ordens- Zeichen, die ihm sein Landesherr sowohl wie der Kaiser von Oesterreich verliehen; er selbst aber kannte keine andere Befriedigung über seine Arbeit, als wenn er wahrnehmen konnte, daß die von ihm geleiteten und geförderten Unternehmungen blühten und gediehen. Dieser Lohn aber ist ihm in reichstem Maße zu Theil geworden. Las wird auch seinen Angehörigen sowohl wie dem großen Kreise seiner Freunde die Trauer darüber mildern, daß dieses edlen Mannes Leben nicht einmal volle 61 Jahre erreicht hat. Wer den bescheidenen, jedes Hervortreten aus einer vornehmen Zurückgezogenheit ablehnenden Sinn des Konsuls Bielefeld gekannt hat, wird verstehen, daß wir von seinem häuslichen Leben an dieser Stelle nicht mehr sagen, als daß ihm an der Seite der hochgebildeten Gattin ein glückliches, reiches Familienleben gegeben war. Den näheren Freunden ein stets hilfsbereiter Nalhgeber, machte er für einen weiteren Kreis gebildeter Männer und Frauen sein Haus zu einem Mittelpunkt anregendster, geistig belebter Geselligkeit. So ist denn die Kunde von seinem Tode tief erschütternd, um so mehr, als sie unerwartet gekommen ist. Zwar hatte des Verstorbenen Gesundheit schon vor längerer Zeit, wohl nicht zum Wenigsten infolge der großen auf ihm ruhenden Arbeitslast, einen Stoß erfahren. Aber erst Anstrengungen und Aufregungen der letzten Monate haben die schwere Krankheit herbeigesührt, der er nach wenigen Wochen erlegen ist. Ehre seinem Andenken! o. Dürkheim, 11. August. Dem Jahresberichte über die Bärmannsche Realschule sür das Schuljahr 190102 entnehmen wir, daß diese Anstalt voll 179 Schülern besucht war, von welchen 81 im Pensionate des Anstaltsleiters untergebracht waren. Der Konfession nach zählte die Schule 82 Protestanten, 61 Israeliten, 34 Katholiken, einen Altkatholik und einen Mennonit. Am Schlüsse des Schuljahres betrug der Schülerstand 152. Dem Gründer und langjährigen Leiter der Anstalt, Herrn S. Bärmann, welcher im verwichenen Schuljahre nach nahezu 50jähriger Lehrtätigkeit sich in den Ruhestand znrückzog, wünscht der Berichterstatter unter warmen Dankesworten einen ungetrübten Lebensabend. Während im Schnljabr 190001 die sieben Schüler der Oberklasse an dem Absolutorium einer pfälzischen Realschule theilnahmen — sechs hiervon bestanden die Reifeprüfung — wurde Heuer gemäß Allerhöchster Entschließung des königlichen Staatsmiilisterinms des Innern sür Kirchen- und Schulangelegenheiten das Absolutorium an der Bärmannschen Anstalt selbst abgehalten; demselben unterzogen sich die neun Schüler der Oberklasse. Die schriftliche Prüfung fand unter Leitung des Herrn Gymnasialvrofessors Dr. Heeger in Landau statt. Als Ministerialkommissär für die mündliche Prüfung, welche am 7. und 8. Juni stattfand, fungirte der königliche Rektor des Realgymnasiums in München, Mitglied des Obersten Schulrathes, Herr Christoph Dietsch. Die sieben Prüflinge, welche zn derselben zugelassen wurden, erhielten das Neifezeugniß. Das neue Schuljahr beginnt am 16. September. Eltern und Vormünder, welche ihren Kindern und Mündeln eine höhere bürgerliche Bildung und eine sorgfältigere Erziehung angedeihen lassen wollen, kann die hiesige Bärmannsche Anstalt und deren Pensionat auss Wärmste empfohlen werden. Oesterreich - Ungar«. LH Wien, 11. August. Spät, doch hoffentlich nicht zn spät, berichte ich Ihnen über das vor Kurzem erschienene Programm unserer israelitisch-theologisch eil Lehranstalt für das Jahr 1901/02. In der Einleitung klagt der Rektor Professor Dr. A. Schwarz darüber daß die Mehrzahl der in das Seminar eintretenden Studenten mit ungenügender Vorbildung auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft versehen sind; die Aufnahmeprüfungen fallen von Jahr zu Jahr schlechter aus. Ebenso wie die Universität ohne Gymnasium nicht möglich ist, bleibe auch eine theologische Lehranstalt ohne eine zweckentsprechende Vorbererlungsanstalt ohne Fundament. Die jungen Leute, die sich dem Nabbinerberuf widmen wollen, müßten schon während ihrer Gymnasialzeit in eigens dazu errichteten Talmudthoraschnlen gründlichen Unterricht in Bibel und Talmud empfangen, um die sür den Eintritt in eine theologische Lehranstalt erforderliche Vorbildung zu erlangen. Die schon jetzt bestehende sogenannte Vorbildungsschule reiche dafür nicht aus, weil die Universitätshörer nicht genügend Zeit haben, um lange genug in dieser Schule zn sitzen. Im Berichtsjahre haben 25 Hörer die Anstalt besucht; von ihnen stammen 11 aus Galizien, 4 aus Böhmen, je 2 aus Rumänien, Mähren und Ungarn, je einer ans Bosnien, Oberösterreich, Bulgarien, der Bukowina und aus Deutschland. 14 Hörer haben aus den O. H. Schorrschen Stiftungen Stipendien von je 600 Kronen bezogen, au der Königswarterstiftung wurden zwei Stipendien von je 936 Kronen bewilligt, außerdem kamen noch drei Stipendien zu 160 Kronen, zwei zn 200

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