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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-08-15 · Heft 33 (15.8.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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L o. Breslau, 6. August. Der Geheime Kommerzienrath Heinrich Hei mann ist gestern Nachmittag zu Grabe geleitet worden. Vor dem alten Patrizierhause am Ringe hatten sich so viele Menschen angesammelt, daß es der Polizei schwer wurde, ein Stocken des Verkehrs zu verhindern, und auf der Schweidnitzerstraße bildeten viele tausend Menschen Spalier. Im Trauerhause hatte sich ein großes Trauergefolge versammelt. Die Regierung war vertreten durch den Regierungspräsidenten v. Hehdebrand und der Lasa und andere Beamte, die Stadt durch die Stadträthe Auras, Milch, Peterson und Weller; fast die gesammte Finanzwelt Schlesiens und viele Finanz« institnte aus dem Reiche und dem Auslande, besonders aus Berlin und Wien, hatten Vertreter entsandt. Auch die Universität und die Justizbehörden fehlten nicht. Wir sahen u. A. den reelor maAnitieus Geheimrath Dr. Leonhard, Geheimrath Professor Dr. Ladenburg, Professor Joseph Partsch und Professor Schulte, vom Oberlandesgericht den Geheimen Justizrath Thiel. Reich auch war die Betheiligung der Industrie und der Kaufmannschaft an der letzten großen Ehrung des hervorragenden Kaufmannes und Mitbürgers. Die Handelskammer vertraten der Geheime Kommerzienrath Molinari und der Syndikus Niesenfeld. Das Bankhaus Bleichröder vertrat Generalkonsul Dr. Schwabach, und auch vom Reichsbankdirektorium fanden sich Vertreter ein. Das Leichenzimmer vermochte nicht alle die wunderherrlichen Blüthenkränze und Palmenzweige zu fassen, die aus aller Welt hergesandt worden waren; ein zweites Zimmer und der Korridor waren ebenfalls mit Kränzen gefüllt. Bei flüchtiger Betrachtung der Schleifen lasen wir die Namen Laurahütte. Fürst Hohenlohe, Fürst Ujest, Marquis d'Alzac, Deutsche Kolonialgesellschaft, Straßenbahn Breslau, Fürstlicher Domänengeneraldirektor Linke, Bleichröder, Schlesischer Bankverein, Kultusgemeinde Marienbad. Verein Austria, Breslauer Diskontobank sowie die Namen vieler Berliner Bankinstitute. Unter der Trauergesellschast befanden sich auch der Korpsgeneralarzt Dr. Böhme in Begleitung eines Oberstabsarztes sowie der französische Konsul. Aus Oberschlesien waren zwei Obersteiger in Galauniform und andere Bergleute als Vertreter des Bergbaues erschienen. Ein großes Aufgebot von Mannschaften hatte die elektrische Straßenbahn entsandt. Ferner waren viele Vereine, namentlich Wohlthätigkeitsvereine, und auch mehrere Krankenhäuser durch Abgeordnete vertreten. Rabbiner Dr. Guttmann, der im Trauerhause das Wort ergriff, pries namentlich den herrlichen Optimismus, der den verstorbenen Kommerzienrath während seines ganzen Lebens ausgezeichnet habe. „So weit es auf Erden ein ungetrübtes Glück, wahre und echte Lebensfreude giebt — der Verstorbene hat sie genossen." Auch er habe harte Kämpfe zu bestehen gehabt und viel Trübsal erlitten; doch die Heiterkeit seines Herzens habe ihn alles, auch das Ungemach, in heiterem Lichte erscheinen lassen. Auch betonte der Redner, daß Heinrich Heimann ein großer Kaufmann gewesen, der das von seinem Vater übernommene Bankhaus zum Range eines Welthauses emporgebracht habe. Nicht in erster Reihe wegen seiner hervorragenden kaufmännischen Begabung sei er als groß zu bezeichnen, sondern mehr wegen seiner hohen Auffassung des kaufmännischen Berufes und der Bethätigung dieser Auffassung. In der Leichenhalle am israelitischen Friedhose sprach Rabbiner Dr. Rosenthal. Er beleuchtete ebenfalls den Werth und die Verdienste des würdigen Seniorchefs des berühmten alten Bankhauses E. Heimann und schilderte besonders das Wirken des Verewigten als Wohlthäter. Ungemein oft sei seine Mildherzigkeit in Anspruch genommen worden und nie vergeblich. Und jeder Gabe habe er ein Dankschreiben beigefügt, in dem er herzlich dankte, daß man ihn der Ehre gewürdigt habe, an einem guten Werke theilzunehmen. Am Grab des edlen Mitbürgers drängten sich viele hundert Menschen aus allen Ständen und Bernsen, auch viele Arme, die Unterstützungen von ihm empfangen hatten. 1^. Hannover, im August. Im Oktober stand unsere Gemeinde trauernd am offenen Grabe ihres I. Vorstehers, des Herrn I. Kauffmann, und schon nach wenigen Monaten hat sie ihren neuerwählten I. Vorsteher. Herrn Sammi Neuberg, verloren. Der Verstorbene bekleidete seit einer langen Reihe von Jahren Ehrenämter innerhalb der Gemeinde. In treuer Pflichterfüllung und mit großem Eifer war er stets bemüht, seinen Ehrenpflichten zu genügen, er entzog sich niemals einer solchen, selbst wenn sie mit Anstrengungen und Mühe verknüpft war. Für die Chewra-Kadischa, für das Krankenhaus, für den Synagogenchor u. s. w. hat er sehr viel Gutes geschaffen. Bei der letzten Wahl hat die Gemeinde, indem sie ihn zu ihrem Führer erwählte, ihm ihre Dankbarkeit bewiesen. Trotzdem ein großer Theil der Freunde in der Ferne weilte, war das Gefolge bei dem Leichenbegängnisse ein ungewöhnlich großes. Im Trauerhause und am Grabe sprach Herr Landrabbiner Dr. Gronemann, und seine Worte brachten den tiefen Schmerz zum Ausdruck, den die hiesige jüdische Bevölkerung über die großen und so schnell auf einander folgenden Verluste empfindet. Am Grabe sang mit Begleitung des Synagogenchores Herr Oberkantor Linhart. (D Düsseldorf, 29. Juli. Hellte fand Hierselbst die diesjährige Generalversammlung des Rheinischen Rabbinerverbandes statt, an welcher die Herren Doktoren Baßfreund-Trier, David-Düsseldorf, Horowitz-Crefeld, Jaulus-Aachen, Kalischer-Vonn, Samuel-Essen und als Gast Hochfeld-Frankfurt a. O. theilnahmen. Ihr Ausbleiben hatten entschuldigt die Herren Auerbach-Elberfeld, Frank-Köln, Grabowski-Barmen, Lewit-Birkenfeld und Rosenthal-Köln. In seinem Verwaltungsbericht hebt der bisherige Vorsitzende Jaulus seine Theilnahme an den Verhandlungen des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden hervor, insbesondere soweit sie sich auf Einführung geregelten Religionsunterrichts in kleineren Gemeinden und Inspektion desselben erstreckten. Im Anschluß an den Bericht machen die Herren Baßfreund-Trier und Kalischer-Bonn diesbezügliche Mittheilungen. Nach Ertheilung der Decharge geht der Vorsitz auf Oberrabbiner Dr. Baßfreund über, dem die Herren Jaulus als stellvertretender Vorsitzender und Samuel als Schriftführer zur Seite stehen werden. Dr. Baßfreund wird gleichzeitig zum Deligirten des Verbandes für den Centralausschuß deutscher Rabbiner noniinirt. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung betrifft den „Verein für die religiösen Interessen in Rheinland", Referent Dr. Jaulus. Nach kurzen! Referat geht die Versammlung über den Gegenstand zur Tagesordnung über. Es folgte ein Referat über die Pensions- und Reliktenkasse der norddeutschen Rabbiner, in Stellvertretung des erkrankten Dr. Rosenthal von Dr. Samuel-Essen erstattet. Bei aller Anerkennung des großartigen Werkes und der Verdienste des Präsidenten Dr. Mahbaum um das Zustandekommen desselben geht doch die Meinung der Versammlung einmüthig dahin, daß auch am letzten Statutenentwurf noch sehr einschneidende Verbesserungen angebracht werden müßten, wenn das Institut segensreich wirken solle. Insbesondere soll der Vorsitzende folgende Resolution zur Kenntniß des geschästssührenden Ausschusses bezw. der Statutenkommission bringen: „Der Rheinische Rabbinerverband spricht sich entschieden dagegen aus, daß die Zugehörigkeit zur Kasse abhängig gemacht werde von dem Verhalten der Gemeinden und dem Ausfall der Sammlungen" (gegen 8 3). Auch andere Wünsche soll Dr. Baßfreund nachdrücklich vertreten. Von dem Referate über den „Zionismus", das noch auf der Tagesordnung stand, wurde für diesmal Abstand genommen. Im Anschluß an die Verhandlungen, die von 10—2 Uhr währten, wurde ein gemeinsames Mittagessen eingenommen und der Nachmittag der Besichtigung der Düsseldorfer Ausstellung gewidmet. —t. München, 5. August. Nach einem Zeitungsberichte hielt am 31. v. M. in der Sitzung des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten der zweite Vorstand, Hoflithograph und Kommerziellrath Huber, dem Kommerzienrath Moritz Guggenheimer, über dessen Tod bereits berichtet wurde, folgenden Nachruf: „Als Vorsitzender des Kollegiums war der Verblichene gerecht und unparteisch, weshalb er sich allerseits der aufrichtigsten Sympathien zu erfreuen hatte. Er war ein Mann von seltenen Geistes- und Charaktereigenschaften, ein Mann, der zur Förderung, Entwickelung und Wohlfahrt unserer lieben Stadt München stets seine vollen Kräfte zur Verfügung stellte. In Vertretung seiner Ueberzeugung fand der Verstorbene immer die Form der Mäßigung und Sachlichkeit. Wir werden daher dem Dahingeschiedenen ein dauerndes und hochehrendes Andenken bewahren. Zum Zeichen der innigsten Theilnahme und zum Einverständniß mit meinen Worten bitte ich Sie, sich von den Sitzen zu erheben." Was in dem Nachrufe enthalten ist, ist eine vollständig zutreffende Schilderung des verstorbenen Mannes; das Interessanteste an der Sache ist aber, daß der Hoflithograph Huber, wenn auch unter Mitwirkung der liberalen Mehrheit der Gemeindebevollmächtigten, als Mitglied des Centrums zum zweiten Vorstand gewählt wurde, desselben Centrums, das seinerzeit Guggenheimer gestürzt und durch einen Centrumsmann, einen braven Bürger, aber geistig ihm nicht entfernt ebenbürtig, ersetzt hatte. Mit dem bayerischen Centrum macht man eigene Erfahrungen. Als vor Jahren der Abgeordnete Frankenburger in

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