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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-08-15 · Heft 33 (15.8.1902) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Berlin, 15. August 1902 6 La gang Weikage zur „Akkgemeinen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 11. August. Eine für unsere Gemeinde sehr wichtige Nachricht geht uns soeben zu. Nach langem und mühseligem Suchen ist endlich ein geeignetes Terrain für den Bau einer Synagoge gefunden worden. Das Terrain liegt in der Rykestraße, welche parallel mit der Weißenburgerstraße läuft und sich von der Treskowstraße bis zur Danzigerstraße erstreckt. Vermutlich handelt es sich um die letzten Nummern der Rykestraße, welche an die Treskowstraße angrenzen und der Aktiengesellschaft sür Grundbesitz und Hypothekenverkehr gehören. Mit dem Bau dieser Synagoge, über deren Ritus ein Gemeindebeschluß noch aussteht, wird voraussichtlich noch in diesem Herbst begonnen werden. Nach Vollendung dieser — sechsten — Synagoge dürfte der „Synagogennoth" sür den Norden und Nordosteu gesteuert sein; der nächste Stadttheil, dessen berechtigte Wünsche die Gemeinde zu erfüllen haben wird, wird der Nordwesten sein. — Die M ä dchenschuleder jüdischen Gemeinde wird nach der Kaiserstr. 29/30, oem Grundstück der Synagoge, verlegt. Die beiden Vorderhäuser werden zu diesem Zweck nach Beendigung der hohen Feiertage abgerissen werden, und der Umbau wird alsdann begonnen werden. Die Synagoge Kaiserstraße wird voraussichtlich im nächsten Jahre nur an den Festigen geöffnet sein. Berlin, 12. August. Bei dem alljährlichen Festakt in der riesigen Universität wurden die Ergebnisse der Pr eisauschreib ungen pro 1901/02 verkündigt. Den Preis der juristischen Fakultät erhielt stuä. .jur. Ernst Feder-Berlin, einen Theilpreis, stuä. .mr. Bruno Plau-Marienwerder; der königliche Preis der medizinischen Fakultät wurde dem stuck, mell. Franz Wohlauer, der königliche Nreis der philosophischen Fakultät dem stuä. ptnl. Abraham Hoffmaun Föhn des Herrn Seminardirektors Dr. D. Hoffrnann-Berlin, der für die geschichtliche Aufgabe („Die Nachrichten des Flavius Josephus über die römische Kaiserzeit") dem stuä. pln'1. Eugen Täubler-Berlin und der englisch-philologischeu Aufgabe dem stuck. p!ü1. Bernhard Neuendorf-Berlin Anerkannt. Von den (mit Ausnahme des ausscheidenden theologischen) insgesammt sieben verliehenen Preisen sind sechs von jüdischen Studirenden erworben worden. r. Berlin, 10. August. Wir erhalten den folgenden Aufruf zur Veröffentlichung: „In Lichterfelde, Kantstraße 112, kam ein Gebäude unter Dach und Fach, welches im höchsten Sinne des Wortes dazu bestimmt ist, ein „Heim" zu werden. Das durch die Hochherzigkeit es Ehepaares Wygodzinski. Berlin, Bellevuestraße 7, dein Verein Israelitisches Lehrerinnenheim" gestiftete neue Haus ist ein Vorbild und ein Mahnruf für Alle, die ein mitfühlendes Herz haben, aber -nch eine Hand, die helfen kann! Und wo thut Hilfe mehr Noth als oa. wo Alter und Arbeitsmüdigkeit sich zu Mangel, Bildung und Vereinsamung gesellen! Wahrlich, die Frauen und Mädchen, die ihr /eben in Hingabe und Pflichttreue der Erziehung und dem Unterrichte unserer Jugend gewidmet haben, verdienen es, am Abend ihres -ebens ein sorgenfreies, freundliches Heim zu finden! Der Vollendung des Neubaues sieht man zum März 1903 entgegen, wo ein Fest Diejenigen vereinigen wird, welche diesem echt humanen, segensreichen Verein „Israelitisches Lehrerinnenheim" ihr unermüdliches Interesse uwendeten oder beweisen wollen. Obgleich wir nun durch Schenkung ckn eigenes Haus haben, reichen unsere Mittel leider doch nicht aus, um alle einlaufendcn Bewerbungen berücksichtigen zu können. Auch die Gesuche, das „Erholungsheim" betreffend, dessen Eröffnung wir unem Legat der verehrten Frau Louis Liepmann, Bendlerstraße 43, verdanken, und ruhebedürftigen Damen vier bis sechs Wochen unentgeltlich zur Verfügung steht, sind so zahlreich, daß wir nicht in der Lage sind, allen Anforderungen gerecht zu werden. Wir richten deshalb wiederholt an alle hilfsbereiten, edlen Menschenfreunde die herzliche Bitte, unser Streben unterstützen zu wollen. Geldsendungen zur Anschaffung der Einrichtung im neuen Heim sind ebenfalls sehr erwünscht. Anmeldungen zur Mitgliedschaft, Mindestbeitrag 6 Mark, sür Lehrerinnen 4 Mark, richte man gefl. an unseren Schatzmeister, Herrn C. L. Netter, Berlin, Lindenstraße 5. Zu jeder näheren Auskunft ist die zweite Vorsitzende Fräulein Pauline Münchhausen, Friedrich Wilhelmstraße 17, bereit. 1. Kolberg, 3. August. Das jüdischeKur Hospital beging am Sonnabend Vormittag in erhebender Feier sein Stiftungsfest. Zürn 28. Male traten die Leiter des Hauses zusammen, um den Tag seiner Begründung in einem Dankgottesdienst zu feiern. Das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht stimmt freudig. Aus der kleinen Hütte ist ein stolzer Bau geworden, und in immer reicheren Strömen ergießt sich der Segen auf die Leidenden. Die Reichsfahne wehte über dem Haus, das Innere der stimmungsvollen Synagoge war mit reichen Blattpflanzen geschmückt. In dem überfüllten Gotteshause hatten sich die Vorsteher der Anstalt, mehrere auswärtige Rabbiner und zahlreiche Freunde und Gönner des Hospitals, die als Kurgäste hier weilen, eingefunden. Den Mittelpunkt der Feier bildete die begeisterte und begeisternde Festrede des Rabbiners Dr. Golds chmidt. Der verehrte Redner, dessen Name mit der segenbringenden Anstalt für immer unzertrennlich verknüpft bleiben wird, zeichnete, anknüpfend an die Worte Jeremias 2, 1—4, in gedankenreicher Beredsamkeit die Bedeutung des Prophetenberufes sür Israel und sür die Anstalt. Israel sei gleich dem Propheten in die Welt hinausgesandt worden, um selbst in Schmerz und Thränen die Wahrheit und die Liebe zu verkünden. Treu seinem Gotte, der alle Menschen in seinem Ebenbilde geschaffen, treu seinem Vaterlande, in welchem die Gräber seiner Eltern liegen und die Wiegen seiner Kinder stehen, erfülle der deutsche Israeli freudig seine Pflicht. Die Welt aber sei nach des Psalmisten Wort auf Liebe gegründet, und die Liebe hüte auch Israel nach seinem Gottesgebot gegen alle Menschen, und im Besonderen das hiesige jüdische Kurhospital im engeren Kreis seiner Religionsgenossen in friedlichem Wirken neben den vortrefflichen gleichstrebenden Anstalten veränderen Bekenntnisse. Noch sei allerdings viel zu schaffen, aber die Anstalt vertraue weiter auf die Hilfsbereitschaft aller edlen Menschen. Mit einem Gebet für Kaiser und Vaterland, für die Spender der Anstalt und für das Seelenheil der Heimgegangenen Kuratoren schloß die Festrede, welche einen tiefen, nachhaltigen Eindruck auf alle Zuhörer hinterließ. Mit stolzen Empfindungen verließen wir die Anstalt, welche nicht allein eine Zierde der Badestadt Kolberg bildet, sondern auch ein köstliches Wahrzeichen der Menschenliebe ist. — Am Donnerstag Abend sand zu Gunsten des Kurhospitals eine musikalischdeklamatorische Soiree statt, in welcher nahmhafte Künstler und Künstlerinnen mitwirkten, und zu der die Vadedirektion in liebenswürdigster Weise den großen Festsaal des Straudschlosses zur Verfügung gestellt hatte. kp. Aus der Provinz Posen, im August. Im Alter von 87 Jahren starb neulich der langjährige erste Vorsteher der Synagogengemeinde Schul itz, Kaufmann Simon Blu menthal. — Vor Kurzem wurde der jüdische Friedhof in Pudewitz dadurch geschändet, daß einige rohe Burschen einige Grabsteine und Grabgitter zerstörten. Man ist den Missethätern bereits auf der Spur. — Die langjährige Vorsitzende des israelitischen Frauenvereins in Tirschtiegel, Frau Friederike Hamburger, ist gestorben. — Dampfmühlenbesitzer Karl Koerpel in Samter ist Anfangs d. M. zum Stadtverordneten daselbst neugewählt worden. — Lehrer Kuntz in Schwerin a. W. tritt aus Gesundheitsrücksichten demnächst in den Ruhestand. Mit der dortigen jüdischen Lehrerstelle ist auch die Verwaltung des israelitischen Waisenhauses daselbst verbunden. — In Kempen hat sich ein israelitischer Jungsrauenverein gebildet. — Die Stadtverordneten in Ostrowo haben den dortigen praktischen Arzt Dr. Peiser zum Armenarzt gewählt. — Bei dem in diesem Monat stattgehabten diesjährigen Königsschieben der Schützengilde zu Sulmierzyce errang Rentier Marcus daselbst die Königswürde.

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