Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1902)
- Date
- 1902-08-15
- Page
- Seite 395 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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395 Aottlob, r sein!" sie aber verseht >, dann n." i etwas „Dann n ziehst oir uns gangen a Sessel satte er eitig — lheten," ) wenn 'ie doch meine rwillig.! egal! lber ich Eltern -nehme sein; — ute, — meine Bett!" sie sich flössen s war - Das - viele ihren -rlichen luderer - Frau uch in sich zu in der zerechtesachen m Entzogen Jefühl, c Beide in sich ür sich Wissen- Natur sprach nicht eindringlich zu seinem Herzen. Eine Großstadtstratze mit hohen Häusern, glänzenden Läden, ein Strom hastender Menschen, von elektrischem Licht überfluthet, ein prächtig ausgestattetes Restaurationslokal — zogen ihn mehr an als die blaue, sonnbeglänzte Meeresbucht, auf der weiße Segel schwankten, fernhin, noch der schimmernden Bergkette... Im Theater langweilte er sich, wenn sie freudig erschauernd den Flügelschlag des Genius spürt; Varietes waren ihm viel lieber. Und wie in diesen Dingen, so gingen ihre Anschauungen und Neigungen noch in vielem anderen aus einander. Die Verschiedenheit der Erziehung, der Anschauungsweise, ja der Rasse machten sich immerfort bemerkbar. . . . Ja, wenn eine große Liebe all diese Verschiedenheiten, diese klaffenden Felsspalten überbrückt hätte! — Aber diese große, nachsichtige, verzeihende Liebe war nicht vorhanden. . . Sie fühlte nur zu bald, daß es nicht Liebe gewesen war, die sie für ihn empfunden hatte, sondern nur ein äußerliches Gefallen an der schönen, männlichen Soldatenerscheinung, — was sie mit Liebe verwechselt hatte. . . Und — Eitelkeit. Aber das gestand sie sich nicht deutlich ein. Auch war sein Werben nicht ohne Einfluß auf ihr Herz geblieben. Daß auch ihn nicht wirkliche Liebe bewegte, das ahnte sie nur. Schon auf der Hochzeitsreise war ihr diese Ahnung gekommen, obwohl er es an Aufmerksamkeit, Ritterlichkeit, ja an Zärtlichkeit nicht hatte fehlen lassen. . . Aber — warum weinte sie denn? Weil er einmal — wie menschlich war das! — üble Laune zeigte, die doch auf Rechnung der Neisemüdigkeit zu setzen war! Weil er in dieser üblen Laune ungerechtfertigt gegen ihre Eltern war! - Geduld! Das würde schon anders werden. Er war nicht der erste Schwiegersohn, der erst nach und nach das richtige Verhältniß zu seinen Schwiegereltern fand. — Sie trocknete schnell ihre Thränen und lächelte dem eiutretenden Gatten entgegen. Er aber hatte kein Wort der Entschuldigung — der Versöhnung. — * * * Kasinoball! — Lea genoß schon im Voraus einen kleinen Triumph. Sie war einmal als junges Mädchen durch Bekannte auf dem Kasinoball eingeführt worden, hatte sich dort köstlich amüsirt, denn ihre junge Schönheit war von den Offizieren umschwärmt worden. Aber instinktiv hatte sie empfunden, daß sie zu ihr, der Jüdin, einen leichteren Ton anschlugen als den anderen jungen Damen gegenüber. Jene gehörten ja zu dem gleichen Gesellschaftskreise; sie, Lea, war nur ein hübscher, fremder Vogel, der sich hierher verflogen hatte. Ihr glaubte man keine Ehrerbietung schuldig zu sein. Und erst die Damen! — Sie waren ihr mit offenbarer Geringschätzung begegnet. „Neid — purer Neid!" hatte Lea gedacht, — und dasselbe dachte sie noch heute . . . Sie war die Hübscheste, die Eleganteste gewesen; — und das verzeihen die Damen nicht! — O, sie sollten neidisch sein und sie dennoch nicht mit Geringschätzung behandeln dürfen! — Sie war ja nun ihresgleichen, — Offiziersfrau, — Gräfin, — und reich dazu! — Mochten sie sie beneiden! Das sollte ihre Rache sein für damals. — Der Gatte ging schon ungeduldig wartend im Wohnzimmer auf und ab. — „Bist Du noch nicht fertig, Leonie?" rief er übellaunig. „Weiß der Himmel, warum Weiber nicht Pünktlich sein können!" „Wir müssen doch nicht die Ersten sein, lieber Horst!" rief sie zurück. „'s ist Kasinoball, liebe Leonie! — Militärs sind an Pünktlichkeit gewöhnt! - In Finanzkreisen mag's ja guter Ton sein, zu spät zu kommen." „Du bist ja in rosiger Laune!" sagte sie, in vollem Staat über die Schwelle tretend, lächelnd; „spricht man so zu seiner Frau, mit der man sechs Wochen verheirathet ist? Lieber Horst, - Du irrst Dich. — Du bist nicht in der Jnstruktionsstunde! Mir brauchst Du eine Viertelstunde vor dem Ball kein Privatissimum über Pünktlichkeit zu halten, — besonders, da es doch bei einem Balle wahrlich nicht so daraus ankommt wie beim Dienst. ... Es wird wohl überall dasselbe sein, in Offiziers- oder in „Finanzkreisen". Die Damen kommen immer ein wenig zu spät . . . Und weißt Du, Horst," lachte sie, „ich möchte lieber zu spät kommen! — Wenn sie Alle schon da sind und mich eintreten sehen, kommt meine Toilette erst zur Geltung. . . . Uebrigens — wie gefalle ich Dir?" Er überflog ihre Gestalt mit prüfendem Blick. Sie hatte ein kostbares, - für ihre Jugend zu kostbares, zu schweres Helles Seidenkleid au. In ihrem Haar glänzten mehrere Brillantnadeln. „Nimm die Brillanten aus Deinem Haar!" sagte er rauh. „Sie passen nicht für Dich; - nicht für die heutige Gesellschaft." „Aber warum nicht?" fragte sie unschuldig. „Es sind doch meine Brillanten!" „Ja, fühlst Du denn nicht, wie taktlos es ist, als jüngste Frau des Regiments mit Brillanten förmlich gespickt zu sein, während die anderen Osfiziersdameu" — — „Die Armen!" lachte sie. „Woher sollen sie denn die Brillanten nehmen, um sich damit zu schmücken?" „Sie haben freilich keine!" sagte er scharf, „denn sie sind nicht die Töchter jüdischer Bankiers, sondern altadeliger Häuser . . . Ihre Vornehmheit schmückt sie — sie brauchen keinen andern Schmuck." „Jüdische Bankiers!" — Ihre Augen blitzten ihn an. „Willst Du mir vorwerfeu-?" Er merkte, daß er zu weit gegangen war und lenkte ein. „Verzeih, — ich habe es nicht so schlimm gemeint! Aber sieh doch endlich ein, Kind, daß in unseren Kreisen, zu denen Du durch Deine Heirath gehörst, die Einfachheit herrscht, — daß die Einfachheit das Zeichen der Vornehmheit ist?" „Rege Dich nicht weiter auf, — ich begreife schon!" sagte sie tonlos und zog die blitzenden Nadeln aus dem Haar. „Ich sehe selbst ein, daß es eine Gedankenlosigkeit von mir war, den Schmuck anzustecken. Eine Gedankenlosigkeit, - denn ich mache mir gar nichts daraus, mich mit Schmuck zu behängen. Diese Nadeln sind mir lieb, weil Papa sie mir zum letzten Geburtstag, den ich zu Hause verlebte, geschenkt hat. . . Und wenn es werthloses Glas wäre, es wäre mir eben so theuer." „Du sängst wieder an, sentimental zu werden! Die richtige Ballstimmung!" Sie schwieg. Was nützt es, noch etwas darauf zu erwiedern? Und wenn sie sich jetzt ausgesprochen und am Schluß lachend versöhnt hätten, der Wurm, der in ihrem Herzen saß, blieb doch darin. Es war heute nicht das erste Mal, daß er ihr ihre jüdische Herkunft zum Vorwurf machte... Sie wußte, daß er ihre Eltern gering achtete. Und sie, — was war sie ihm? — Manchmal kam ihr der Gedanke, daß er sie nur als unliebsame Zugabe zu ihrem Gelds betrachtete. Aber sie verwarf diesen Gedanken stets wieder als ihrer unwürdig. Nein, nein! — Wenn das Geld auch bei seiner Wahl in die