Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1902)
- Date
- 1902-08-15
- Page
- Seite 393 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3228473-3228507--58928-3295412- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
393 Mahabharata und Nainajana, und als vor 17 Jahren die Sakuutala in Prag aufgeführt wurde, war ich im Stande, mir das Original, da die vielen Prakritftelleu in Sanskrit umgesetzt waren, zu eigen zu machen. Ebenso wenig Schwierigkeit bot mir die Spruchpoesie des Bhartrihari und des Amaru. Dagegen ist es wirklich eine Verwegenheit, dieses Hymnen-Tausend des Rigveda bemeistern zu wollen. Aber es geht. Muß ich auch fast bei jeder Strophe Uebersetzung und Kommentar Nachsehen, so getröste ich mich, daß kein Europäer ohne die Jahrtausende alten indischen Scholasten sich Rathes —?selmt — weiß. Wie mühselig aber die Arbeit, so verlohnt sie sich auch. Ein neuer Eötterhinnnel, reicher, vielgestaltiger und leuchtender als der hellenische, wölbt sich über mir. Eine Naivität, gegen die Homers Gleichnisse noch verfeinerte Lebensauffassung bedeuten; einerseits die kindischsten Vorstellungen von der Kraft, welche der Stier Indra durch eimerweises Jnsichgießeu des Opfer- (Sonne-) Trunks erlangt, andererseits die tiefsinnigsten Vorstellungen über Kosmogonie und Menschenschicksal. Es ist der Urwald der menschlichen Gesammtj Erkenntlich,der ewige Jungbrunnen aller, der erhabenstell wie der lieblichsten, dichterischen Phantasien, vor allem aber die strahlendste und holdeste Todesfackel, die mir das Grabgeleite giebt. Eben kommt meine ungeduldige Bedieuerin, um den Brief abzuholen, sonst hätte ich ins Unendliche fortgeschwatzt. Wien, 1888, 130. S. Heller. Fürwahr! ich weiß es, Jakobs Hort, Du schufst die Welt mit deinem Wort. Der, unerschaffen, Schöpfungsmacht, Gestaltlos, zeigt Gestaltenpracht. Aus Leben brechen läßt er Tod, Aus Tod des Lebens Morgenroth. Die Todten heißt er auferstehn, So ließ er's durch Propheten sehn. Er lebt, der niemals stirbt, noch starb, Durch Ewigkeiten Sein erwarb. Zeugt Alles, selber ungezeugt, Schlägt, heilt, von Krankheit ungebeugt. Krankheit und Tod erfaßt dich nicht, Es fesselt Schlummers Rast dich nicht. Lebendig bleibst du ewiglich, Hast niemals noch verändert dich. Und thnst es nimmer, großer Gott! Sonst würde Göttliches zum Spott. Du bist stets du, nicht neu, nicht alt, Erneust, dir gleich, die Weltgestalt. Hast Jugend, Alter nicht fürwahr! Wann blich, wann schwärzte sich dein Haar? Nichts Menschliches, nicht Freud und Schreck Bewegt dich je und nichts von Zweck. Der Leibsgestalt nicht offenbart, Er hat auch nichts von Seelenart. Die Kreatur beschränkst du fest. In End' und Anfang eingepretzt. Begränzt ist das erschaffne Ding, Das kurze Dauer nur empfing. Doch du hast Gränz' und Schranke nicht, Siehst Ewigkeiten ins Gesicht. Du brauchst darum kein Wesen auch, Doch jedes deiner Gnade Hauch, Sie schmachten nach dir jederzeit, Du bist die Selbstgenügsamkeit. Bedürfnlßlos ja ganz und gar Warst du, eh ein Geschöps noch war. In dir verschlingt Beginn und Schluß Der Dinge sich zu einem Guß. Was sich zuerst ins Sein gesetzt, Was sich ereignen wird zuletzt. Was die Geschöpfe treiben all, Eedcmkeufluth und Redeschwall. Was früh, was spät — dir einerlei! Bergäßest du's, der stets dabei? Vor dir ist jedes Dinges Bau, Kennst Weg und Wandel ganz genau. Was könnte dir verborgen sein? Vor dir steht alles klar und rein. Kein Schlupf ist, keine Finsterniß Dem vor dir Fliehenden gewiß, III. Der was er sucht, sogleich entdeckt Und nicht die Hand darnach erst streckt. Siehst alles ja zu gleicher Zeit, Thust alles ohne Müdigkeit. Und über Völker-, Weltgeschick Sprichst du in einem Augenblick. Vernimmst zugleich, wo Odem weht, Wo's ruft, wo's flüstert im Gebet. Weißt alles, was sie thun im Nu, Und die Gedanken auch dazu. Doch deinen Plan ersinnst du nicht, Und langen Rathschluß spinnst du nicht. Beim Rathschluß ist sogleich die That. Die Zeit, da die Erfüllung naht. Und alles fest, nach strengem Schluß, Von Mangel frei und Ueberfluß. Verloren geht dir nimmermehr Ein Ding, und nichts wird dir zu schwer. Du führst, was du nur willst, zum Ziel — Wer wehrt dir, wenn es dir gefiel? Ans Wollen knüpft dein Können an; Willst du's, so ist es schon gethan. Nichts birgt sich dir in deinem Reich, Siehst Einst'ges, Künftiges zugleich. In ihnen du, in dir sind sie; So war es stets, wird anders nie. Propheten, Engeln hüllenlos Zeigst du, was birgt der Zukunft Schoß. Doch nicht bedürfen einer Haut, Geheimnisse, dir anvertraut. Da das Geheimniß dir bewußt. Bevor es kam in Menschenbrust. In uns hast du nicht deinen Sitz — Fern sei uns solcher Aberwitz! Du hast nicht Theil und Ende nicht; Die Forschung schweigt, kein Kluger spricht. Du hast nicht Seiten, Raum und Ort, Sprachst selbst von dir noch nie ein Wort. Kein Anfang deiner findet statt, Der Ahnen nicht, noch Ende hat. Verschlungen Mitt'. End' und Beginn — Da schweigt der Mund, verzagt der Sinn. Und Tief' und Höh' verwebt im Kreis, Bescheid kein Thor, kein Weiser weiß. Umfängst das All, erfüllst das All, Und bist im All auch überall. Ein Ueber, Unter hast du nicht, Ein Außen, Zwischen auch gebricht. Gestalt hat Gottes Einheit nicht. Ein Leib trübt seine Reinheit nicht. Er hat nicht Mitt' ihn zu entzwei'», Im kleinsten Orte muß er sein. Kein Fleckchen ist, wo Gott nicht mehr, So weit die Welt, kein Raum ist leer. Nicht Zeit, nicht Zufall unterthau, Darf keine Lästerung ihm nahn. Denn Gott bereitet Zeit und Fall Und ordnet, ändert sie im All. Kein Wissen, Herr! hält vor dir Stand, Nicht giebt es Weisheit, die dich fand. Geist eint sich deiner Größe Kraft Und Weisheit jeder Eigenschaft. Bist weis' und lebst aus dir allein, Drum kein Geschöpf kann gleich dir sein. Was außer dir sich Weisheit nennt, Ist keine dem, der dich erkennt. Den Weisen theilst du Weisheit mit. In sie ein Strahl der deinen glitt. Fehlt deine Kraft, ist Schwäche nur. Ist hilflos jede Kreatur. Nicht Ehre hat. wen du nicht ehrst, Nicht Größe, wem du Größe wehrst. Wen du begnaden willst, genießt Das Himmlische, das dir entfließt. Erforscht hat Keiner, wie du groß — Wer mißt, was maß- und gränzenlos? Allmächtiger, du einzig Sein! Es giebt ja nichts, als dich allein. Warst Alles, eh das All entsprang, Bist Alles, seit ins Sein es drang. So viel du schufst, ward'st nicht beengt, Vermindert nicht, noch abgelenkt. Dich drängt es aus der Schöpfung nicht, Daß es dein Schaffen unterbricht. Und als der Himmel dir entstand, Das Wasser all und all das Land: Dich trieb's nicht nah, nicht weit hinaus, Du hast nicht Wände, wie ein Haus. Dich schwemmt hinweg kein Ozean, Bringt von der Stelle kein Orkan, Den Koth und Nnflath nicht befleckt, An dem kein Feuer sengend leckt. Und fehlt zum Seilt dir nicht ein Jod, Bis Eins du, nichts darüber, Gott, Und ewig bleibt dies Wesen dein, Nichts drunter wird, nichts drüber sein. Dein Name sagt's: er ist, er war, Wird sein, in allem offenbar. Wir zeugen: du bist ewiglich, So wie du selbst bezeugtest dich. Bist überall, in jedem Sein, Voll dir ist alles, alles dein. Die zeugen, wie man hoch dich stellt. Die Namen, drin dich ehrt die WeU.