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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-08-15 · Heft 33 (15.8.1902) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
Seite 389 (sequence 7)
Language
German
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389 funden worden sind. Damit ist unseres Erachtens die geringere körperliche Kraft und Ausbildung der Inden bewiesen. Wir werden, da wir die Juden des Alterthums ebenso wie ihre Nassegenossen, die Afsyrer und Araber, als kräftige Männer und tüchtige Krieger kennen, die körperliche Zurückgebliebenheit der heutigen Juden auf das Konto des Mittelalters setzen müssen, in dem die Juden mangels anstrengender körperlicher Arbeit erschlafften. Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Behanptung ist auch, daß die heutigen deutschen Juden schon wieder viel kräftiger geworden sind als die armen engbrüstigen polnischen und galizischen Juden. — Andererseits ist nicht zu vergessen, daß die Juden zu einem relativ sehr großen Theile in den großen Städten wohnen, und daß diese großen Städte überhaupt, wie statistisch feststeht, ein geringeres Kontingent brauchbarer Militärpflichtiger stellen als das Platte Land und die kleineren Städte. In Deutschland scheint sich übrigens eine Besserung in der physischen Ausbildung der Juden auzubahnen, indem die Zahl der zum Militärdienst Tauglichen im Jahre 1895 doch schon relativ größer war als im Jahre 1882. Während nämlich nach der Gewerbezählung von 1882 nur 0,68 Prozent aller erwerbsthätigen Juden im Heere dienten, betrug diese Zahl am 14. Juni 18951,04 Prozent, und war damit im Verhältniß stärker gestiegen als bei den Evangelischen (von 2,39 auf 2,85 Prozent) und den Katholiken (von 1,91 auf 2,11 Prozent). Wenn hiernach also eine allmälige Besserung in der körperlichen Tüchtigkeit der Juden einzutreten scheint, so muß doch vorläufig daran festgehalten werden, daß im Durchschnitt der Jude im Verhältniß zum Christen der physisch Schwächere ist. Er gleicht in dieser Beziehung einer Lampe, welche nicht sehr hell leuchtet, aber länger brennt, während das Leben des Christen intensiver, aber von kürzerer Dauer ist. In der folgenden Tabelle ist der Prozentsatz der Juden unter den Gebrechlichen in Preußen nach der Zählung vom 2. Dezember 1895 angegeben: S t a t i st ik de r G eb re chliche n i n Pre u ß en am 2. Dezember 1895. Es waren: T blind - Z Z Z Inden . . . . 398 9 7 1 493 13 1868 Christen . . . , 20 560 119 304 44 26,996 986 79 627 Es kommen auf 100 000 Juden . . . 104,8 2.37 1,84 0.26 129,8 3,42 491,9 Christen . . . 65.3 0.88 0,97 0,14 85.8 3,13 253,0 Es zeigt sich hier, daß die Juden in allen Rubriken ohne Ausnahme prozentual stärker vertreten sind als die Christen (incl. Dissidenten). Bei den Geisteskranken, zu denen die Juden prozentual ein säst doppelt so großes Kontingent stellen als die Christen, läßt sich dies mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit daraus erklären, daß die Hauptberufe der Juden, Handel und Industrie, in besonders starkem Maße aufregend sind und zu Geisteskrankheiten deshalb größeren Anlaß bieten. Schwieriger ist die Erklärung bei den Blinden, wo die Juden mit 78,5, die Christen mit 65,7 pro 100000, und bei den Taubstumme», wo die Juden mit 129,8, die Christen nur mit 86 pro 100000 betheiligt sind. Die naheliegende Annahme, daß bei den Inden infolge besserer Pflege nicht nur mehr körperlich schwache, sondern auch mehr geisteskranke, blinde und taubstumme Kinder am Leben bleiben als bei den Christen, findet in der Statistik keine rechte Stütze; denn es sind am 2. Dezember 1895 auch darüber Erhebungen angestellt worden, wie viel von den Gebrechlichen bereits mit ihrem Gebrechen behaftet geboren sind, und wie viel das Gebrechen erst später erworben haben, ohne daß aus diesen Erhebungen für oder gegen jene Annahme ein Schluß zu ziehen ist. Von 100 Blinden sind blind geboren bei den Christen 10,9, bei den Juden 8,4; später blind geworden sind bei den Christen 77,5, bei den Juden 84,2; ohne nähere Angabe sind bei den Christen 11,6, bei den Juden 7,4. Bei den Taubstummen ist das Verhältniß so, daß von 100 Taubstummen taubstumm geboren sind: bei den Christen 46,88, bei den Juden 57,40; später taubstumm geworden bei den Christen 32,55, bei den Juden 29,01; ohne nähere Angabe bei den Christen 20,57, bei den Juden 13,59. Aus diesen Zahlen läßt sich kein einheitliches Resultat gewinnen. Etwas prägnanter sind die Zahlen bei den Geisteskranken; von 100 geisteskranken Christen sind 29,02 geisteskrank geboren, 64,05 später geisteskrank geworden, während bei den Juden die entsprechenden Zahlen 19,65 und 75,91 betragen. Bei den Juden überwiegt also die erworbene Geisteskrankheit die angeborene Geisteskrankheit beträchtlich, und dies mag unsere obige Behauptung, daß die größere Zahl der Geisteskranken unter den Juden mit ihren aufregenderen Berufen zusammenhängt, rechtfertigen. Ganz erklärt ist aber die Thatsache damit jedenfalls nicht, und man wird zur Erklärung des großen Prozentsatzes der Juden unter den Gebrechlichen noch andere Gründe, vielleicht die bei Inden häufigeren Verwandtenheirathen mit ihren schädlichen Folgen, oder eine gewisse Nasseueigenthümlichkeit heranziehen müssen. Gegeil Infektionskrankheiten scheinen die Juden im Allgemeinen eine größere Widerstandskraft zu besitzen als die Christen. Es ist nicht unmöglich, daß diese Thatsache im Mittelalter bei dem Auftreten der Pest, des sogenannten schwarzen Todes, im Jahre 1348 der Grund dazu war, daß den Juden die heimliche Verursachung dieser Epidemie zugeschrieben wurde. Für unsere heutige schlimmste Infektionskrankheit, die Lungenschwindsucht, sind uns Zahlen über den Antheil der Juden nicht bekannt, sie würden auch für die physiologische Beurtheilung kaum verwerthbar sein, da die Lungenschwindsucht mehr wie jede andere Infektionskrankheit von der Art der Beschäftigung und Ernährung abhängt, also von Zuständen, die bei Christen und Juden in Deutschland sehr verschiedensind. Das Gleiche gilt auch von dem letzten epidemischen Austreten der Cholera in Europa (1893 in Hamburg), wo auch hauptsächlich die ärmere Bevölkerung von der Epidemie befallen wurde. Bemerkenswerth sind dagegen die Beobachtungen des russischen Arztes Minor (Berliner klinische Wochenschrift, Juli 1900), welcher behauptet, daß nach seinen Erfahrungen die Juden trotz der so häufig vorkommenden nervösen Belastung an Tabes ckorsalis (Rückenmarkschwindsucht) und Syphilis fünfmal seltener erkrankten als die Christen. — Einzelne Krankheiten, welche man als Krankheiten der Wohlhabenden bezeichnen kann, kommen allerdings bei den Juden häufiger vor als bei den Christen. So waren z. B. im Jahre 1897 bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) nach einer statistischen Aufnahme von Dr. Georg Heimann (Deutsche medizinische Wochenschrift, Heft 31, Jahrgang 1900) von 100 an dieser Krankheit Gestorbenen 6,9 Prozent Juden, also etwa

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