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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-08-15 · Heft 33 (15.8.1902) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
Seite 388 (sequence 6)
Language
German
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388 diese ihre Vorrechte nicht amtlich dokumentiren konnten und nun zum Militärdienst herangezogen wurden. Der Senat entschied nun, daß eine verspätete Eintragung ins Matrikelbuch nur dann ungiltig ist, wenn die Verspätung run einige Jahre erfolgt ist, eine Verspätung um wenige Monate oder gar Tage dagegen völlig irrelevant und die Eintragung als vollgiltig anzusehen sei. Aus diesem Grunde wurde der Gouverneur von Lublin angewiesen, dem militärpflichtigen Ephraim Ljama, welcher am 3. August 1879 geboren, aber erst am 13. August desselben Jahres ins Matrikelbuch eingetragen worden ist, einen für die Militärbehörde gütigen Geburtsschein ausstellen zu lassen, da eine Verspätung um zwei Tage nicht geeignet ist, die Eintragung zu annulliren. — Ein Ukas des Zaren bestimmt übrigens die Zahl der im Jahre 1902 im gesammten Rußland auszuhebenden Soldaten auf 318,640 gegen 308 000 des vorigen Jahres. Auf Grund dieses Befehls veröffentlichen nun die einzelnen Gouverneure die Zahl der von ihren Gouvernements zu stellenden Soldaten. Danach werden die 25 Gouvernements des Ansiedelungsrayons sowie von den beiden von Juden verhältnißmäßig stärker bevölkerten Gouvernements Kurland und Livland 119 745 Soldaten gegen 128 000 des Vorjahrs zu stellen haben. Obgleich also die Zahl der vom gesammten Zarenreich für das Jahr 1902 zu stellenden Soldaten die des Vorjahres um mehr als 10 000 übersteigt, haben die von zahlreichen Juden bewohnten Gebiete über 8000 Soldaten weniger zu leisten. Das auffallende Minus hängt unmittelbar mit der Judenverfolgung zusammen, deren Beginn bekanntlich im Jahre 1881, d. h. in demselben Jahre füllt, in welchem die jetzt militärpflichtig werdende Generation geboren wurde. Die durch die Judenkrawalle hervorgerufene Auswanderung russischer Juden hat die Zahl der Bevölkerung des Ansiedelungsrayons Plötzlich so wesentlich herabgesetzt, daß die damalige Bevölkerungsabnahme 20 Jahre später in dem Rückgänge der Zahl der militärpflichtigen Personen ihren adäquaten Ausdruck findet. Statistische Untersuchungen über -ie physiologischen Gigenthümlichkeiten Ler deutschen Juden. Bon Arthur Ruppin in Halle a. S. an kann das Charakteristische an den deutschen Juden "i Physiologischer Beziehung vielleicht mit einem Worte treffend bezeichnen: mit dem Worte Zähigkeit. Zähe sind sie in der Erhaltung ihrer Rasseeigenthümlichkeiten, und zähe sind sie im Kampf um das physische Leben ebenso wie im Kampf um die materielle Existenz. Ohne diese Zähigkeit müßten die Juden, die heute als verschwindende Minderheit mitten im europäischen Kulturleben stehen und ringsum von indogermanischen Sitten und Anschauungen umgeben sind, in kürzester Zeit zu Germanen, Romanen rc. geworden sein. Aber ein Blick auf Deutschland — von Rußland und den Balkaustaaten gar nicht zu reden — zeigt uns, daß die Juden in ihrem Gros noch immer eine zusammenhängende Masse bilden und von ihren Rasseeigenthümlichkeiten bisher nicht sehr viel verloren haben. Zwar eine Annäherung der Juden an das Jndogermanenthum hat in den 100 Jahren seit Beginn der Judenemanzipation stattgefunden, und hat in Ländern, wo die Zahl der Juden besonders klein und die Gleichstellung der Juden mit den Christele eine vollendete Thatsache ist, wie z. B. in England, das Judenthum in ein Stadium beginnender Assimilation und Absorption gebracht. Auch in Deutschland haben sich die Inden in den 150 Jahren seit Moses Mendelssohn geändert. Wir brauchen nur den Typus des polnischen Juden, der noch heute etwa aus der Stufe des deutschen Juden vom Jahre 1760 steht, mit dem heutigen deutschen Juden zu vergleichen, um den Unterschied handgreiflich zu erkennen. Aber von einem völligen Verschwinden der jüdischen Rasseeigenthümlichkeiten kann in Deutschland bis heute nicht gesprochen werden. Zieht man zwischen der Einwirkung der Germanen auf die Juden und der Juden auf die Germanen einen Vergleich, so wird man wahrscheinlich zu dem Ergebniß kommen, daß die Juden bei dieser Wechselwirkung mindestens in gleichem Maße auf die Germanen verändernd zurückgewirkt haben, als sie selbst verändert worden sind. Die Juden haben auf die Gestaltung der wirthschaftlichen Verhältnisse Deutschlands und der deutschen Geistesbildung bedeutsam eingewirkt, und sie haben als Nasse im Verhältuiß zu ihrer Anzahl den Germanen mehr gegeben, als von ihnen genommen. Es ist eine nicht zu bezweifelnde Thatsache, daß bei einer Mischung zwischen Juden und Christen fast regelmäßig das jüdische Blut durchschlägt, so daß das Kind der Rasse nach weit mehr dem Judenthum als dem Germanenthum angehört. Erst die Abkömmlinge dieses Kindes, wenn es sich mit einem Germanen oder einer Germanin verheirathet, nähern sich mehr dem Germanenthum, doch ist das jüdische Blut oft in der 4. und 5. Generation noch zu erkennen. — Andererseits haben allerdings die Juden, indem sie die deutsche Sprache annahmen, von den Germanen ein wesentliches Element ihres heutigen Bildungszustandes übernommen. Die Zähigkeit der Rasse findet ein Gegenstück iu der physiologischen Zähigkeit des einzelnen Juden. Die Vitalität der jüdischen ehelichen Kinder ist erheblich größer als die der christlichen, denn von 10 000 ehelichen jüdischen Kindern sind 323, von 10 000 ehelichen christlichen Kindern aber 363 (in Preußen während der 23 Jahre von 1875 bis 1897) todtgebvren. Auch die Sterblichkeitsverhältnisse sind bei den Juden viel günstiger als bei den Christen. Im Jahrfünft 1893/1897 starben von 10 000 Inden jährlich 147, von 10 000 Christen dagegen 218. Mögen diese Thatsachen auch zum größeren Theile auf der besseren sozialen Lage der Juden und vielleicht auch auf ihrer Mäßigkeit im Genüsse des Alkohols beruhen, — einen gewissen Einfluß wird man hier doch auch einer durch die Rasse bedingten größeren Lebenszähigkeit zuschreiben müssen. Diese Zähigkeit ist um so merkwürdiger, als die Juden an physischer Kraft und körperlicher Ausbildung entschieden hinter den Germanen zurückstehen. Wir haben für diese Behauptung einen Beleg in den Resultaten der Aushebung zum deutschen Heere. Nach der Berufs- und Gewerbezähluug vom 14. Juni 1895 waren in Heer und Marine 2878 Juden (darunter 38 Aerzte) vorhanden. Unter Berücksichtigung des Umstandes, daß von den Juden (nach Schätzung auf Grund der Schulbildung) 40 Prozent, von den Christen dagegen nur 4 Prozent als Einjahrig-Freiwillige dienen, — wodurch eine gewisse Umrechnung nothwendig wird — ergiebt sich, daß auf 1000 Juden nur 7,45, auf 1000 Christen dagegen 10,53 Soldaten entfallen, d. h. zum Dienst in Heer und Marine körperlich tauglich be»

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