Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1902)
- Date
- 1902-08-08
- Page
- Seite 380 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Treitschkes Mittheilung dort insgesammt nur 24 Offiziere verloren hatte. Aber von irgend welcher Anmaßung ist der Verfasser vollständig frei, er leitet die Stelle, an welcher vom Heeresdienst der Juden die Rede ist und die von Treitschke gerügte Bemerkung sich findet, mit folgenden Worten ein (S. 3 ff.): Es ist keineswegs darauf abgesehen, mit prahlerischen Neben zu behaupten, daß Jahre der Duldung bei den Juden die Spuren von Jahrtausenden der Unterdrückung hätten verwischen können. Der Verfasser hält also die Juden nach wie vor für inferior, wenn auch für verbessert — als anmaßend kann man einen derartigen Standpunkt nicht bezeichnen. Was nun die 55 Offiziere betrifft, so wird vom Verfasser, der nicht in Preußen lebte, nicht behauptet, daß es jüdische Offiziere waren; er kann ja solche in der französischen Armee und den englischen Kontingenteil gemeint haben. Die 55 können leicht ein Druckfehler für 5 sein. Und wenn Treitschke gewußt hat, daß in der Schlacht nur 24 preußische Offiziere fielen, war der Verfasser denn ebenso unterrichtet, oder hat er womöglich geglaubt, es seien in der Schlacht 1000 Preußische Offiziere gefallen? Allerdings er schrieb „nur ein Jahr nach dem belgischen Feldzuge", und Treitschke hebt dies gebührend hervor, um das Vergehen dieses Schriftstellers in Helles Licht zu stellen. Wenn indessen Treitschke aus amtlichen Dokumenten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts wußte, wie viel preußische Offiziere in der Schlacht von Belle-Alliance gefallen sind, so hat die Phantasie der Zeitgenossen, die unter dem Eindruck der gewaltigen Ereignisse standen, diese Zahl sicherlich maßlos übertrieben. Und wenn Treitschke hervorhebt, daß der Verfasser nur ein Jahr nach dem belgischen Feldzuge die Zahl der gefallenen jüdischen Offiziere so hoch angegeben, so ist das daher ebenso sehr ein Beweis für seine advokatorische Begabung, wie ein Armuthszeugniß für seinen historischen Sinn. Somit ergiebt sich, daß die Darstellung Treitschkes den geschichtlichen Zusammenhang entstellt, und daß von den Treitschkeschen Belegstellen keine einzige richtig angeführt ist, das heißt mit richtigen Worten und im richtigen Zusammenhang. Solche Richtigkeit hätte man aber umsomehr erwarten dürfen, als diese Stellen dazu dienen sollen, die „erschreckende Verlogenheit und Ueberhebung" aus jüdischer Seite zu kennzeichnen?) Dr.II.N. L. David Kaufmann und Seligmann Heller. (Mit ungedruckten Briefen Hellers.) Lieber Freund! Sie die Frage nach der Entstehung von 8elin- 1ni-4iebuä wirklich mit Chisdai's Notiz abgethan? Schon Nr. 1 und Nr. 2 können nicht von Einem sein, Nr. 4 mit seinem wilden Alphabelismus, mit seiner ganz nationalen Färbung ohne Spur von philosophischer Tiefe und der so wohlthuenden Allgemeinheit in Nr. 1 bis 3, 5 und 6, das verräth allerdings einen Deutschen, das mag jener Bezaleel sein. Daß Asmn'ot dem Ganzen fernsteht, zeigt die Tradition; aber bei genauerem Zusehen sind nur noch 2 und 3 entschieden von demselben Verfasser, Nr. 5 ist noch eine Nuance tiefer 0 Von den erwähnten vier Schriften war ein Exemplar von Saul Aschers Germanomanie im Besitz des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes", ein Exemplar von „Ein freundliches Wort" u. s. w. im Besitze der Universitätsbibliothek; soweit ich ermitteln konnte, besitzt keine Berliner Bibliothek eine der beiden anderen Schriften. So verweht der Tag, was für den Tag geschrieben, und nur dem Feinde danken wir, daß wir mit dieser Episode unserer Geschichte uns eingehender beschäftigen. in die philosophische Wolle gefärbt, und Nr. 6,'das die schöne Mitte zwischen Poesie und Spekulation hält, deutet wieder aus einen anderen Verfasser. Es ist übrigens erstaunlich, wie wenig Hebräisch-Könner dieses merkwürdige Gedicht, eine Urkunde, mindestens so ehrwürdig wie jene, welche zu Augsburg überreicht wurde, je geleseu haben. Es ist ein so beredter Protest gegen jede Fälschung des Monotheismus, wie er in der ganzen Weltliteratur seines Gleichen nicht hat. Triefen ist ein gutes Wort, ein richtig gebildetes Factitium von traifen. Aber auch das intransitive ich traufe, du traufst ist nicht zu beanstanden. Du Schuldner eines Erdenwichts? ist doch eine ganz erlaubte Ellipse für: Könntest du Schuldner eines Erdenwichtes sein? Von Mhriaden einer nicht" ist grammatischer, zerreißt mir aber den schönen Reim. Das Folgende ist schwer zu übersetzen, wenn man beim deutschen Leser nicht anstoßen soll; vielleicht billigen Sie: Das Opfer ist ja nicht geweiht, Wenn Weih' ihm nicht der Boden leiht. Endlich könnte es statt: „denn du vor allen gut" auch heißen: „denn du das höchste Gut." Die andern Anstände scheinen mir vorderhand nicht sonderlich stichhaltig. Berliner muß doch, wenu er schon so lebhaften Autheil nimmt, mir auch das bei der Selicha Fehlende kopiren lassen. Ich bin ihm sehr dankbar, schon für das Wollen. Da Groß-Karoly keine Gabe braucht, so ist alles weitere überflüssig. In den Ferien sollen Sie alles in die Hand bekommen; nur recht scharf und streng sein. Wien 1887, V. 17. S. Heller. II. Erzählen soll ich, ich. dein Kind, Wie herrlich deine Thaten sind Doch kenn' ich eineil Theil ja nur Der urgewalt'gen Gottnatnr. Vergleichen läßt sich nichts mit dir, Ich künde, was weit über mir. Was noch kein Geist besessen hat, Was Niemand noch ermessen hat, Da unersorschlich sein Verstand, Die Zeit, seitdem er hat Bestand- Wer zählte je der Engel Schaar. In denen hell er strahlt und klar. Ihn hat kein Auge je geschaut — Nicht Lebeuden ists allvertraut. Bleibt er von Weisen ungeahnt, Wie würde mir der Weg gebahnt? Und prahlt ein Mensch, daß ihms gelang. Daß er in Gottes Wesen drang, Ganz nach Gebühr von Gott auch spricht, Er meint mit Gott es ehrlich nicht. Der Thor! wie wäre Gott ihm kund? Wie nichtig bleibt sein reichster Fund! Nein! solches nicht verkündig' ich! Nein, nicht den Mund versündig' ich! Nein, einen Theil nur sag ich an Von dem. was Großes Gott gethan. Die Schrift ja spricht: „Verkündet weit Wie furchtbar Gottes Herrlichkeit!" Die Schrift auch: „Dieses Volk ist mein, Soll meines Ruhms Verkünder sein. „Was that ich alles nicht am Nil! Erzählen kannst du Wunder viel." Erzählen will ich drum, dein Knecht. Wies steht im Buche, schlicht lind schlecht. Ich rühm' in meiner Weise dich, Meill tiefstes Innere preise dich. In allem, allem künd' ich Lob; Nichts, was mein Herz nicht hoch erhob. So tön' es denll in vollem Schall, Ich sag es laut und überall. Ich sag' es. wie mein Herz es will Im Preise steht mein Mund nicht still. Von deiner Gottheit hohem Amt, Von deinen Wundern insgesammt.