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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-08-08 · Heft 32 (8.8.1902) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 32 (8.8.1902)
Date
1902-08-08
Page
Seite 379 (sequence 9)
Language
German
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379 „Verewigter Michaelis, du gabst dir die Mühe, zu beweisen, daß der Jude untauglich zum Wehrstande sei; Herr Rühs glaubt, daß sie dessen unwürdig wären. In dem fanatischen Eifer eines echten Germanomanen vergißt er, daß Deutschlands Heere in dem Kampf gegen Frankreich unterlagen, ehe noch die Juden in ihrer Mitte Theil daran nahmen und erinnert sich nicht, wie erfolgreich sie in den Jahren 1812 und 1814 kämpften, als die Juden aus Rußland, Polen, Oesterreich und Preußen mit ihnen in Reih und Glied standen. — Es mag daher wohl nicht so ganz auf Herrn Rühs Meinung ankonimen, daß, um mit glücklichem Erfolg für Deutschland zu kämpfen, Deutsche neben Deutsche fechten müssen." Es geht aus der Stelle im Zusammenhang mit der Rühsschen Ausführung und dem gesummten Inhalt der Ascherschen Schrift deutlich hervor, daß nicht den Juden das Hauptverdienst an den Siegen der Freiheitskriege zugeschrieben werden soll. Es soll vielmehr nur der Nachweis geführt werden, daß die Rühssche Volkseinheit (was man jetzt Judenreinheit nennen würde) ebensowenig vor Jena geschützt hat, wie der Mangel dieser Einheit die Siege der Freiheitskriege gehindert hat. Es ergiebt sich somit, daß jedes Wort unrichtig ist, welches Treitschke über Aschers Germanomanie geschrieben hat. Auch die anderen Belegstellen Treitschkes halten eine Prüfung nicht aus. Die Schrift „Ein freundliches Wort" schlägt allerdings vor, die christlichen Feiertage auf die jüdischen zu verlegen, aber nur, um durch die gemeinsamen Feiertage die Juden um so eher der Taufe zuführen zu können! Denn er erhofft die Zeit (S. 26), in welcher der Mensch nicht mehr über den Juden klagen wird: entweder weil es keinen Inden mehr giebt, oder weil der Jude eine der Menschheit würdigere, dem Zeitgeiste anpassendere Religion und eine reinere Moral angenommen bat. Er meint, daß die aufgeklärteren Christen nicht so an bestimmten Tagen hängen wie die Juden. Die Stelle lautet wörtlich: Seite 35, Absatz 1. 3. Die Sonn- und Feiertage der Juden treffen nicht mit denen der Christen zusammen, — wodurch also der Wunsch, daß Inden und Christen einerlei Geschäfte mit und unter einander treiben, nicht erfüllt werden kann. Dieses Hinderniß ist sehr leicht zu heben, wenn nur die eine von beiden Religionsparteien nachgeben und ihre Sonn- und Feiertage verlegen will. Das ist aber von den Juden schlechterdings nicht zu hoffen, da sie so steif und fest — für jetzt wenigstens — noch an dem Gesetze und dem alten Herkommen hängen. Sollte es aber dem Christen, der so strengem Religionszwange nicht unterworfen ist, und dem es nach seiner größeren Aufklärung sehr gleichgiltig sein muß, ob er seine Gottesverehrungen am Sonntage oder am Sonnabend hält, ob er seine Weihnachten acht Tage vor Neujahr, oder mit dem Anfänge des Herbstes, seine Ostern acht Tage früher oder später feiert, — sollte, sage ich. dem Christen schlechterdings unmöglich seyn, dem Juden hierin nachzugeben, wenn dadurch ein so mächtiges Hindernis; der Annäherung und Verbrüderung beyder Glaubensgenossen aus dem Wege geräumt werden kann? Der konservative Zug an den Juden mißfällt überhaupt dem Verfasser, und es kommt ihm schließlich auf ein bischen Zwang nicht an, um das Ziel einer Verschmelzung mit den Christen herbeizuführen. — Er hat zum Zwecke solcher Verschmelzung sogar ein besonderes Zwangsgesetz entworfen: Seile 44/45: O ihr Gebildeten unter meinen Glaubensbrüdern! Ich möchte euch wohl fragen, ob ihr nie einen heftigen Drang fühlet, die Last eines Gesetzes abzuschütteln, das der Weisheit des Weltschöpfers so unähnlich ist? Und wäre das, so würdet ihr die Hand der Negierung segnen, die euch und uns alle einem Gesetze zu entsagen zwänge, das "ns Jahrtausende hindurch allen Völkern, unter welchen wir wandelten, so gehässig machte. Wie? wenn ein Landesherr, unter dessen Szepter ein bedeutender Theil unserer Neligionsgenossen steht, den Befehl ertheilte: Jeder Jude in unserm Staate, der mehr als eine Tochter hat, ist schuldig, wenigstens eine derselben der Hand eines Christen zu geben, sobald sich ein solcher findet, und man gegen seinen Charakter und gegen die Art, sich und seine künftige Familie zu nähren, nicht mit Grunde etwas einznwenden hat. Die Braut ist aber darum nicht gezwungen, ihrem Glauben zu entsagen. Sie erhält übrigens den ihr zukomnienden Vermögensantheil so gut, als wenn sie einen Juden hehrathete. Alle Kinder aus einer solchen Ehe werden getauft, und in der christlichen Religion erzogen. Doch steht es den Eltern freh, über ihre Kinder in Ansehung der Religion sich gütlich zu einigen. Von zweh, dreh oder mehreren Söhnen jüdischer Eltern muß wenigstens einer um die Hand eines christlichen Frauenzimmers sich bewerben, und diese Christin, wenn sie sich mit ihm zu leben entschlossen hat, ehelichen. In Ansehung des Erbtheils, und der Kinder aus einer solchen Ehe, finden dieselben Verbindlichkeiten und Rechte statt, wie bei der ehelichen Verbindung eines Christen mit einer Iüdi n. Will oder kann ein Mädchen oder ein Sohn von jüdischen Ettern zu der vorgeschriebenen Ehe sich nicht entschließen. so muß sie oder er durchaus ledig bleiben." Uebrigens steht es jedem Juden und jeder Jüdin freh, sich mit christlichen Personen zu verehelichen, und die Eltern und Vormünder oder Verwandte sind gehalten, den Willen der Hehrathslustigen in der Wahl der Gatten durchaus nicht zu beschränken. Wie man sieht, ist es eine Schrift, über die nicht der Christ, sondern der Jude empört zu sein ein Recht hätte, und es gehört thatsächlich die Geschichtsschreibung eines Treitschke dazu, um in einer solchen Schrift ein Zeichen jüdischer Anmaßung zu sehen. Ebenso ist es nicht richtig, daß „der jüdische Lehrer Heß alle seine christlichen Gegner einfach für Phantasten oder für Werkzeuge eines gemeinen Eigennutzes erklärte." Er schrieb vielmehr: Seite 90. Die Juden sollen aber solche Schriften gar nicht als die Stimme des herrschenden Zeitgeistes ansehen, dies sind sie keineswegs; der größte und aufgeklärteste Theil der Deutschen erkennt es, daß der Jude in den letzten 20 Jahren an Bildung des Geistes und Kultur der Sitten zugenommen hat, und stimmt im Herzen den Verbesserungen bei, die seine Fürsten beschlossen haben. Die aber so laut und heftig ihre Stimme gegen ihn erheben, gehören znm Theil zu jenen verschrobenen Phantasten, die des Deutschen Heil in einem deutschen Rock und in neugeschaffene Wörter setzen, und nach denen Niemand ein Deutscher sein kann, der nicht in gerader Linie von Thuiskon abstammt; tHeils aber «lögen sie die feilen Werkzeuge eines gemeinen Eigennutzes sehn?) Wir aber, meine Glaubensgenossen, wollen uns durch solches Geschrei nicht irre machen lassen, mit Eifer das begonnene Werk der Verbesserung, soweit es in unserer Macht steht, fortznsetzen und die Bestimmung unseres Schicksals getrost von den hohen Einsichten der Staatsmänner und den weisen Verfügungen unserer Fürsten erwarten. Was nun die „Bemerkungen" anbetrifft, so ist es richtig, daß ihr Verfasser nur ein Jahr nach dem belgischen Feldzuge geschrieben hat, in der Schlacht von Belle-Alliance seien 55 jüdische Offiziere gefallen, während die preußische Armee nach ') Zu dieser Klasse gehört ein unter einem schändlichen und trügerischen Titel zusammengeschmierter, elender Auszug ans Eisenmenger (Köln bei Peters. Der Verfasser nennt sich Frank. Beide Namen sind untergeschoben.) Materie und Einkleidung bekunden hinlänglich die Gemeinheit des Verfassers, der Wohl nur das Publikum um einige Groschen prellen wollte. — Keine solide Buchhandlung sollte sich mit dem Verkauf solcher Erbärmlichkeiten befassen.

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